Wählen mit Herzchen

 in FEATURED, Kurzgeschichte/Satire, Monika Herz, Politik (Inland)

„Herzchen“ ist hier nicht nur eine Verniedlichungsform des Namens unserer Autorin. Es ist ein politisches Programm. Mit dem Kreuzchen am Wahltag ist es nämlich ein Kreuz. Es muss durch etwas Freundlicheres ersetzt werden. Herzen wir unsere Lieblings-Wahlkandidat*innen! Wichtiger noch als das Symbol ist die mögliche politische Wirkung dieses revolutionären Vorschlags. Wie der Entwurf links zeigt, dürften Wähler*innen am Wahltag mehrere Einzelkandidat*innen und Parteien gleichzeitig wählen. Warum das?  Wir würden ein ehrliches Meinungsbild bekommen, das nicht so stark durch Wahltaktik bestimmt wäre. Man müsste sich nicht mehr entscheiden, ob man nun die Tierschutzpartei wählen soll (aus Überzeugung) oder die Grünen (wahltaktisch, weil sie unter den Bundestagsparteien das geringere Übel ist). Man wählt einfach beide. Kleine Parteien und ihre kreativen politischen Impulse hätten viel bessere Chancen. Vielleicht hätten wir dann ab September eine Regierung aus Linken, Grünen, Violetten und Tierschützern. Das wäre doch mal was…! Monika Herz

Heute vor 14 Tagen hat mich um halb 8 mein Bruder Michael angerufen. Ich wusste, was der Anruf bedeutet: Die Mama ist in der Nacht friedlich eingeschlafen.

Bin ich zuvor noch meine Guggenberg-Runde gelaufen oder nicht? Mit den Himmelswölfen? Bevor ich mein Versprechen wahrmachte: Mama, ich komm morgen wieder. Jedenfalls, die Mama zu begleiten dauert noch an. Manchmal mein ich ja, ein Schuss Asperger ist auch in mir. Zum Beispiel das mit den Zahlen. Ich seh so gern Bedeutungen in Zahlen, die andere nicht sehen. Am 24.05.1929 geboren, am 02.02.2021 gestorben. Genau 40 Tage nach Weihnachten. Geheiratet hat die Mama damals am 11. November, genau 40 Tage vor Weihnachten. 14 Tage nach ihrem Tod beginnt die Fastenzeit. Zuvor der 9. Tag: Weiberfasching, der 13. Tag Rosenmontag. Mitten drin das seltene Palindrom

12.02.2021 (vorwärts wie rückwärts gleich)

10 Tage nach ihrem Tod:  Losar – der Beginn des Neuen Jahres mit Neumond, das Hauptfest der Stämme weit weit im Osten. Mit der tibetischen Suppe von Meister Lhamo. Das Jahr des Eisernen Ochsen. Warum eigentlich Ochse? Warum nicht Stier, nicht Kuh, nicht Kalb?

Tibet – Land des Schnees…
Elohim Yesuralem
Himmlische Wölfe

Diese Haikus! Ich habe mich in den vergangenen Monaten oft gefragt, was wohl nach dem Dahingehen unserer Mutter das beherrschende Thema meiner restlichen Verweildauer hier auf diesem wunderschönen Planeten sein wird.

Jetzt, nachdem ich viele Altäre für die Mama gebaut habe, im Schweigen verweilte und das Leben weitergeht – mit dem Segen der Mama im Rücken – jetzt weiß ich es:

Es ist der Alexander!

Also was mich der Alexander schon empört hat! Alexander, der Große, so nenn ich ihn manchmal, der Dobrindt, der Wolfsmörder. Er hat – zusammen mit seinen meineidigen Gesellen – die Wölfe wieder ganz zum Abschuss freigegeben, vorletztes Jahr schon, ja genau, hier hab ich damals schon einen bitterbitterbösen Brief an ihn geschrieben:

https://hinter-den-schlagzeilen.de/der-zorn-der-woelfe

Inzwischen ist der Zorn etwas verraucht. Wieviele Wölfe sind tot? Und der arme Alexander hat das Karma am Bein! Er häuft sich da ein Karma an, der dumme Bub. Ja weiß er denn nicht, dass Karma ein langfristiges, sozusagen ein ehernes Gesetz ist. Wie ist der Alexander zu retten? Ist er überhaupt zu retten? Will er überhaupt gerettet werden?

Über ein paar Umwege des Denkens komme ich zu dem Schluss, dass ich Alexander herausfordern muss, damit er mich und meinen Rettungsversuch überhaupt wahrnimmt. Alexander ist Bundestags-Abgeordneter und wurde kürzlich erwartungsgemäß wieder als Direktkandidat gekürt. Weil Alexander gewählt werden will, stelle ich eine Petition online, da geht es ums Wahlrecht.

https://www.openpetition.de/petition/online/waehlen-mit-herzchen

Wählen mit Herzchen. So heißt der Titel. Der Text ist mir grad so eingefallen. Am 10. Februar abends hab ich selber noch unterzeichnet und erwartungsgemäß war Roland der zweite Zeichner, denn die Petition ist eine Aktion von Artists for future.

Während Roland schlief, wurde er quasi zum Mitglied der Gruppe „Artists for future Peißenberg“. Weil allein ist man keine Gruppe, zu zweit muss man schon sein. Unsere zweite Kunstaktion bestand in einem Faschingsumzug – ebenfalls zu zweit – um den Weiher und das Villenviertel herum, hinunter zum Bahnhof zur zukünftigen Friedensreich-Siedlung mit Bienen, Falken, und Roland „sieht“ bereits eine Eichhörnchen-Statue in einer Vision entstehen. So schnell kann’s gehen. Als Gemeinderat oder gar als Bundestags-Abgeordneter würde Roland wohl eher nicht gewinnen. Mit seiner Eichhörnchen-Statue. Oder doch? Wer weiß. Eher nicht. Roland hat vielleicht auch so einen Schuss Asperger, so wie ich auch. Wir sind eigentlich menschenscheu, mehr als 4, höchstens 6 Personen in einem Raum stressen uns. So jemand kann nicht Politiker werden.

Außerdem hab ich mir den Spaß, Politikerin werden zu wollen, schon mal erlaubt. 2009. Ich wollte über die Erststimmen in den Bundestag kommen und wusste zugleich, dass das chancenlos ist. Alexander gewann natürlich das Rennen, erwartungsgemäß. Dieses Mal mach ich es schlauer: Ich schreib dem Alexander gleich zum Auftakt einen Brief:

Sehr geehrter Herr Dobrindt,

wie ich gelesen habe, wurden Sie auch dieses Mal wieder – zum 6. Mal – zum Direktkandidaten der CSU für den Bundestag gekürt.

Damals im Jahr 2009 war ich Ihre direkte Konkurrentin um die Erststimme. Mit der Mehrheit der Erststimmen hätte ich in den Bundestag kommen können. Ich erhielt etwa 800 Stimmen – immerhin. Das reichte allerdings bei Weitem nicht.

Sie gingen als Sieger aus dem ungleichen Wahlkampf hervor. Die Presse hofierte Sie und, Sie tun ja auch viel für die Region, schließlich sind Sie schon seit 20 Jahren Abgeordneter für den Wahlkreis. Sie kennen sich aus, jeder kennt Sie. Außerdem haben Sie noch den Vorteil, dass Sie sowieso wieder im Bundestag sitzen werden, weil Sie bestimmt einen Spitzenplatz in der Parteiliste erhalten werden.

Finden Sie nicht auch, dass das etwas unfair ist. Deshalb möchte ich Sie einladen, sich als echter Gentleman zu erweisen. Treten Sie vor und rufen Sie die Wähler*innen auf, jemand anderen zu wählen, sogar möglichst viele andere. Weil Sie ja sowieso über die Zweitstimme in den Bundestag kommen.

Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie sich dazu durchringen könnten.

Mit freundlichen Grüßen

Es kamen auch schon tolle Änderungswünsche: Zum Beispiel wenn Bundestags-Abgeordnete ihre Wahlversprechen nicht halten, dass sie dann vorzeitig ersetzt werden können. Da fällt mir schon wieder der Alexander ein. Wenn man ihn fragt, ob er für Volksabstimmungen ist, dann sagt er Ja, in Bayern haben wir das schon lang. Aber auf Bundesebene können wir wegen der großen Schwester nicht dafür stimmen. Oder hat der Alexander sich anders verhalten? Es gab schon Anträge zu Volksabstimmung im Bundestag, aber das ist lange her. Alexander hat bestimmt dagegen gestimmt. Dabei müsste er eigentlich seinem Gewissen folgen und nicht seiner Partei oder seinen Bündnisparteien. Das kann er nicht. Also müssen Leute ins Parlament, die das können. Bürger-Räte. Ins Parlament damit!

Das steht leider noch gar nicht in meiner Petition drin. Ich erhoffe es mir.

Es bedarf nur einer winzig kleinen Änderung im Gesetzestext und schon ändert sich – wahrscheinlich – was. Ein anders zusammengesetztes Parlament würde dann ja womöglich andere Entscheidungen treffen, etwa das Atomwaffen-Verbot der UN oder gar ein Grundeinkommen oder ein Geld-Konvent. Ach, ich träum schon wieder.

Gestern hab ich nämlich ein Streaming mit Christian Felber angehört. Er träumte doch glatt öffentlich von einem Geld-Konvent. Da träume ich gleich mit. Ich finde, das Erträumen von Wirklichkeiten sollte viel besser gefördert werden.

Nochmal zurück zu unserer Petition. Hier drei Zweiwort-Sätze:

Besser wählen. Mehr Stimmen. Demokratie-Erweiterung.

„Besser wählen mit Herzchen“

Ist das Besser als „Wählen mit Herzchen“?

Was meint ihr?

 

Showing 2 comments
  • Freiherr
    Antworten
    Monika Herz for President !

    …und weil ich weiss dass ich dann ein Freiherr bleiben darf, unterstütze ich dich gerne.

    Freie, gerechte, unabhängige Sozialökonomie – in grösstmöglicher Demokratie, Achtung des Individuums, grösstmögliche kulturelle Vielfalt, die Freiwilligkeit als Gebot, kommunale Eigenständigkeit ohne Zwang, warme achtsame Gesellschaft, Schutz allen Lebens…

    da bin ich mir ziemlich sicher dass es auch deine Ziele sind.

    Und dann noch eine kommunale Währung ohne Zinsgedanken und Abhängigkeit davon, erwirtschaften ohne Wirtschaftsmacht.

    Ich wünsche Erfolg in all diesen Hinsichten.

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

  • Axel Wartburg geb. Dörken
    Antworten
    Super Beitrag! Danke.

    Stimme jedem Punkt zum Wahlsystem zu.

    Meine kritische Sicht geht noch etwas tiefer. Ich meine, dass keine Kandidaten mehr gewählt werden, sondern Gremien von 2-5 Bürgen, die dafür bürgen sich zum Wohle aller und allem einzusetzen, ein Mandat erhalten.

    So könnten wir endlich von Menschen für Menschen vertreten (eben nicht mehr getreten) werden. Menschen in Entscheidungspositionen mit Spiritualität und Bewusstsein. Das wär ein Wandel! Menschen, die sich sich aktuell nicht wählen lassen, um einen Posten zu erhalten, dank dem 70 Std. pro Woche gebunden sind. Weil sie lieber genug Zeit für sich und ihre Lieben haben, um spirituell und im Bewusstsein erweiternd aktiv sein zu können.Und eben in der absoluten Liebe zu sich selbst und den Nächsten an und für sich.

    Denn wer 70 Std. pro Woche ackert, zeigt vor alleim eins. Sie ist ein Workaholic und daher hochgradig traumatisiert. Sonst würde er nicht durch so viel Tun aufzeigen wollen, wie toll sie ist, sondern eben erfassen, dass er liebenswert ist, weil sie ist. Qua Geburt so zu sagen. – Ein irritierendes Gändern, gelle?

    Ach ja, es wäre über so Vieles zu reden, bevor sich etwas maßgeblich ändern kann. Ich bin in der Partei dieBasis, bewerbe mich gerade für den Bundesvostandsposten des Querdenkers, da ich eben nicht für ein Mandat im Land oder im Bund antrete. Aus oben vorgetragenem Grund. 2009 hab ich auch für den Bundestag kandidiert. Mich wählten lediglich ca 460, oder 470, WählerInnen. FDP und CDU gewannen und ich frug mich, wie tief die Meschen noch fallen wollen, bis sie erfassen, was tatsächlich wichtig ist. – Na, so wie es heute aussschaut, noch viel tiefer…

    Die wenigsten Menschen, auch bei uns scheinen zu erfasssen, dass das Wichtigste für einen Wandel der Fakt ist unter anderem auch das zu Ende zu denken, das Mahatma Gandhi zugesprochen wird: „Wenn du eine Änderung erleben willst, sei du selbst die Änderung.“ – Wie könnte die eigene Ausbeutung der Weg sein, der zum Zeil (Liebe?) führte?

     

    Herzliche Grüße und mein Namasté an dich

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