Wann darf man von »Faschismus« sprechen?

 in FEATURED, Holdger Platta, Politik

„Das gibt’s nur einmal, das kommt nicht wieder.“ Oder? Faschismus? Das war früher mal. Und außer dem zum Glück verstorbenen Herrn Hitler gab und gibt es eigentlich kaum irgendwo Faschisten. Was er getan hat, war auch so furchtbar, dass gerade diese Furchtbarkeit die beste Garantie dafür zu sein scheint, dass dergleichen nie wieder passieren kann. Wenn also Faschismus ein so singuläres historisches Phänomen war, dann kann man verstehen, dass bestimmte Leute schwer beleidigt sind, wenn man ihre Äußerungen zum faschistischen „Vorfeld“ erklärt: zu etwas, was – weiter gedacht – Terrorstaat und Menschenvernichtung den Weg bereiten könnte. Wie sieht es z.B. aus mit dem Massenverelendungsprogramm Hartz IV, das direkt oder indirekt in Deutschland schon ein ganze Reihe von Todesopfern gefordert hat? Holdger Platta spricht sich gegen eine zu eingeschränkte Verwendung des Faschismusbegriffs aus und fordert: „Wehret den Anfängen!“

Ich möchte die Frage stellen, ob man auch heutige Prozesse oder Geschehnisse unter bestimmten Voraussetzungen bzw. bei Gegebenheit bestimmter Fakten als „faschistisch“ bezeichnen darf. Es ist gleichzeitig die Frage danach, wieso wir so empfindlich und oft mit schärfster Abwehr reagieren, wenn einer diese Behauptung aufstellt: jawohl, es gäbe wieder faschistische Geschehnisse und Prozesse in der Bundesrepublik.

Ich vermute, die meisten von uns reagieren deswegen derart heftig mit einem Gefühl der Abwehr, wenn Gegenwärtiges als „faschistisch“ ausgegeben wird, weil uns allen angesichts solcher Behauptungen aufs klarste die ungeheure Schrecklichkeit dessen, was Faschismus tatsächlich war, vor Augen tritt. Um es nur auf zwei Begriffe zu bringen: Faschismus, das war der terroristische Überwachungsstaat und die systematische, fabrikmäßig betriebene, Ermordung von Juden und anderen (zumeist zusammengefasst unter dem Begriff „Auschwitz“).

Insofern steckt in dieser spontanen – fast möchte man sagen: reflexartigen – Reaktion auf die Behauptung, womöglich seien auch heutige Geschehnisse oder Prozesse bereits als „faschistisch“ zu bezeichnen, ein zutiefst humanes Moment bzw. ein zutiefst humanes Motiv! Es tritt in dieser heftigen Reaktion zutage, dass der Betreffende sehr genau weiß, was Faschismus tatsächlich ist: die schlimmste Menschenverrohung, die sich denken lässt, ein Menschheitsverbrechen schlechthin, im Kern und im Wesentlichen kaum etwas anderes als furchtbarste Menschenverfolgung und Genozid.

Dieses Wissen zeigt, dass der betreffende Mensch gerade nicht, was die Vergangenheit Deutschlands angeht, Opfer von Verleugnungs- und Verdrängungstendenzen im eigenen Inneren ist; und dieses Wissen, diese spontane reflexartige Zurückweisung des Faschismus-Vorwurfs, zählt daher auch zum Humansten in uns: es schützt die Vergangenheit vor ihrer Verharmlosung durch Abwehr unangemessener Skandalisierung von Geschehnissen und Prozessen in unserer Gegenwart. Auch als sachlich falsch oder verkehrt erscheint uns diese Abwehr deshalb nicht. Faschismus, das ist doch unüberbietbares Unmaß des Verbrechens, im Namen des Staates zudem, Faschismus, das ist Bruch mit jeglicher Menschlichkeit, Faschismus, das ist mit nichts anderem vergleichbar, deswegen auch die dem Faschismus – völlig zu Recht! – zugeschriebene „Singularität“.

Und diese Feststellung trifft auch zu angesichts des Umstandes, dass man diese „Singularitäts“-These missverstehen könnte. In dem Sinne nämlich, die „Einmaligkeit“ von Auschwitz sei auch verbunden mit Nichtwiederholbarkeit dieses Ereignisses. Die Tatsache, dass es Auschwitz einmal gegeben hätte – als „einmalig“ zu nennende Tatsache gegeben hätte –, dies würde mithin bedeuten, dass damit die Geschichte vor jedwedem neuen Auschwitz gefeit wäre. Selbstverständlich ein Missverständnis, denn derart magischen Selbstschutz der Geschichte vor seiner Wiederholung gibt es nicht. Gleichwohl bleibt die Frage:

Wie kann man auch nur annähernd irgendetwas in der Bundesrepublik als „faschistisch“ oder „Faschismus“ bezeichnen? Nun, weil ich meine, dass an dieser Stelle eine Frage an diese Frage zu stellen ist, eine wichtige Frage sogar. Und diese Frage lautet: ist „Faschismus“ (und „faschistisch“) tatsächlich nur das: Auschwitz nämlich und Terrorstaat? Was auch die Frage heraufbeschwört: Ist diese zutiefst humane Reflexreaktion auch eine durch und durch reflektierte Reaktion?

Ich möchte diese Frage mit einer Gegenfrage konfrontieren, mit einer Frage, die zu beantworten wahrlich nicht belanglos ist. Wird, wenn wir dieses – Auschwitz und Terrorstaat – zum alleinigen Maßstab nehmen, nicht unweigerlich einer Barriere aufgebaut, die alles blockiert, was Fragen nach der vergleichsweise „harmlosen“ Vor- und Verursachungsgeschichte des Faschismus stellt? Und geht aus dieser Reduktion von Faschismus auf Auschwitz und Terrorstaat nicht sogar ein totales Benennungsverbot hervor gegenüber der Vor- und Verursachungsgeschichte des Faschismus? Schlicht deswegen, weil da alles noch erheblich harmloser war? Aber konkret:

Darf demzufolge – gemessen an der furchtbaren Monströsität von Auschwitz – die Kleinigkeit eines einzigen Buches, Hitlers Machwerk „Mein Kampf“ nämlich, deswegen nicht mehr als faschistisch bezeichnet werden? Ist es faschistisch eben deswegen nicht, weil es im Vergleich zu Auschwitz halt nur Geschreibsel war, eine Banalität, eine Kleinigkeit, die völlig zu vernachlässigen ist? Oder, um ein zweites Bespiel zu erwähnen: ist der Slogan, mit dem die NSDAP ihren „Durchbruchswahlkampf“ im Spätsommer 1930 bestritt, der Slogan „Schlagt sie zusammen!“, deswegen nicht faschistisch, weil es doch nur Propaganda wäre und läppische Kraftmeierei, lediglich Geschrei und Druckerschwärze – gemessen am tatsächlich existierenden terroristischen Gestapostaat später?

Zugespitzt: gewalttätige, faschistische Slogans, die gäbe es demzufolge gar nicht? Faschismus, das wäre nur reale Gewalt, und zwar systematisch ausgeübte, terroristische Gewalt von Seiten eines Staates? Faschismus als Denken und Psychologie, Faschismus als Propaganda und Verwaltungshandeln vor der Schwelle zu Auschwitz, diesen Faschismus gäbe es nicht?

Ich stelle damit Fragen nach Anfangsphänomenen des Faschismus, und – was bedeutend wichtiger ist – ich stelle damit Fragen nach den Ursachen von Faschismus, nach frühen Erscheinungsformen von Faschismus und Anfangskausalitäten, die gleichsam naturgemäß – der Logik wie der Sache nach – zumeist ungleich kleiner und unbedeutender erscheinen müssen als das, was schließlich als Resultat aus diesen Anfängen erwächst.

Im Vergleich und als Erscheinungsformen von Faschismus mögen diese frühen Phänomene von Faschismus allesamt „Bagatellen“ sein, in ihrer kausal-konditionalen Funktion für den Geschichtsverlauf, für Aufstieg und Sieg des Faschismus sind sie es nicht, ganz im Gegenteil. Es handelt sich um genau jene Anfänge, die gemeint sind, wenn im Zusammenhang von Faschismus – gerade bei der Auseinandersetzung darüber im Nachkriegsdeutschland – derart oft von der Maxime des „Principiis obsta!“ die Rede war. Genau dieses sind die Anfänge, im Denken und im Fühlen, im Schreiben und in der Propaganda, die später dann – mit anderen Ursachen zusammen – zu den Folterkellern der Gestapo führten und zum deutschen KZ-System. Kurz:

Der graduell selbstverständlich immense Unterschied zwischen „Mein Kampf“, einem bloßen Buch, und Auschwitz, diesem gigantischen Menschenmassenvernichtungssystems, mag schier unüberbrückbar groß erscheinen: gleichwohl ist das eine Vorbote und Mitursache des anderen, und in der – faschistischen! – Qualität sind beide einander gleich! Anders: fast immer sind die Ursachen von Massenverbrechen kleiner als die Massenverbrechen selbst. Als Ursache, da genügt hin und wieder schon ein bloß mündlich ausgesprochener Befehl (wie ein Teil der Historiker annimmt, was die sogenannte „Endlösung der Judenfrage“ betrifft!).

Kurz: es gehört zur Logik fast eines jeden Geschehens, dass der Anfang zumeist sehr viel kleiner erscheint als dessen Ergebnis, unscheinbarer als das womöglich furchtbarste Geschehen, das dieser Anfang dann heraufbeschwört. Gleichwohl gehört beides, der „kleine“ Anfang wie das alles Menschenmaß sprengende Ende, qualitativ derselben Kategorie und Geschichte an. Woraus, für mich jedenfalls, unabweisbar folgt:

Wir können und dürfen nicht erst dann von „Faschismus“ sprechen und gegen ihn anzuschreiben versuchen, wenn dieser bereits wieder das gesamte Staats- und Gesellschaftswesen usurpiert hat und wenn es bereits wieder ein Auschwitz gibt – erst dann also, wenn es wieder einmal zu spät ist. Würden wir unser Verständnis von Faschismus auf dessen entsetzlichste Realisierungsformen reduzieren – auf Terrorstaat und Auschwitz – und Faschismus damit nur vom Ende her verstehen, dann etablierten wir damit gleichzeitig eine Art von Verbot, alles, was Vorgeschichte dazu ist, als faschistisch bezeichnen zu dürfen. Ein derartig reduziertes Faschismusverständnis etablierte in unserem Wahrnehmen und Denken, in unserem Sprechen und Schreiben die Maxime eines prinzipiellen Zu-Spät!

Dieses wäre die eine furchtbare Folge daraus. Und die andere (wie es Adorno in „Was ist Aufarbeitung der Vergangenheit?“ formuliert hat): „Das Unmaß des Verübten schlüge dem Verbrechen zum Vorteil aus.“ Heißt: nur, was in seiner Entsetzlichkeit Auschwitz gleichkommt, dürfte deshalb noch als Faschismus oder faschistisch bezeichnet werden. Alles, was dahinter zurückbliebe oder davor steckenbliebe, bliebe von dieser Bezeichnung verschont. Dieses antifaschistische Faschismusverständnis schlüge um zur Schutzfunktion für jeden Faschismus, der noch nicht das Entsetzlichste zu realisieren begonnen hat.

Und damit zurück in unsere Gegenwart:

  • Wer aus Opfern, welche die Millionen Arbeitslosen in der Bundesrepublik nahezu ausnahmslos sind – fast niemand von ihnen wurde oder bleibt freiwillig arbeitslos! –, Schuldige macht (und eine weitestverbreitete Propaganda tut dies seit Jahren);
  • wer darüberhinaus diese vermeintlich Schuldigen mit unsagbarem Leid überzieht, wer diesen Millionen Menschen also ein Leben weit unterhalb des Existenzminimums zumutet, sie demütigt, ausgrenzt und mit Feindseligkeiten der verschiedensten Art überzieht:

der etabliert in einem wichtigen Teilbereich der Gesellschaft – im Teilbereich ausgerechnet der Sozialpolitik – bereits heute einen neuen Faschismus und bereitet erneut einen Faschismus in der Bundesrepublik vor. Franz Münteferings Aussage „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen!“ war ein KZ-Spruch, auch wenn es die dazugehörigen KZs noch nicht gibt. Der Planungsvorschlag der Chemnitzer „Wissenschaftler“ Thießen/Fischer, den Regelsatz auf 139,- Euro pro Person und Monat zu kürzen, war faschistisch, weil in der Wirkung ein Todesurteil, auch wenn dieser Faschismus – zum Glück – nicht in die Tat umgesetzt worden ist. Anderes zu behaupten, lügt an der Wahrheit vorbei. Und wer das verbal wattieren wollte – also kommunikationsstrategisch die Begriffe „Faschismus“ oder „faschistisch“ vermiede –, wer das als Faschismus in Abrede stellen wollte, stellte sich auf die Seite der Verdrängung. Ich meine: ein bestimmtes Erkennen der Gegenwart ist ohne Wiedererkennen der Vergangenheit nicht wirkliches Erkennen der Gegenwart.

Wir dürfen nicht – so meine Ansicht – aus zutiefst humaner Bagatellisierungsangst gegenüber den Ereignissen im Dritten Reich einem zutiefst inhumanen Bagatellisierungszwang gegenüber heutigen Geschehnissen zum Opfer fallen. Wir würden damit unseren Antifaschismus in der Geschichte begraben. Anders: das wäre Ritualisierung des Gedenkens im Sinne einer völligen Entleerung dieses Gedenkens, was die Relevanz dieses Gedenkens für die Gegenwart betrifft. Erinnerung dieser Art an Geschichte wäre also zugleich Entsorgung von dieser Geschichte! Und wieder einmal hätten wir aus der Geschichte nichts gelernt.

So paradox es auch klingen mag: wenn sich diese undurchschaute Mischung aus Bagatellisierungsangst und Bagatellisierungszwang durchsetzte in unserem Fühlen und Denken, dann hielte die Ungeheuerlichkeit des Faschismus von gestern noch jeden Antifaschisten heute davon ab, sich erneut gegen Faschismus zu engagieren. Die Ungeheuerlichkeit von Auschwitz als „Eintrittsvoraussetzung“ zu betrachten dafür, dass etwas zum Geltungsbereich des Begriffes „Faschismus“ zählt, würde bedeuten, dass wir die gesamte Vorgeschichte von Auschwitz rauswerfen müssten aus diesem Geltungsbereich. Die Maximalisierung unseres Faschismus-Begriffs führte zu einer Minimalisierung seiner Warnfunktion. Und ausgerechnet alles, was kausal und konditional allerwichtigste Voraussetzungen für Entstehung, Aufstieg und Sieg des Faschismus gewesen ist (und wieder werden könnte), fiele diesem – im Wortsinn! – fatalen Reduktionismus zum Opfer.

Die Fixierung des Faschismusbegriffs auf Auschwitz würde alles aussperren aus unserem Denken und Analysieren, was gestern zu Auschwitz geführt hat und morgen eventuell wieder zu Auschwitz führen könnte. Auch wenn es aberwitzig klingen mag: Wer Auschwitz verhindern will, muss selbst das Scheinbar-noch-ganz-Harmlose auf seine kausal-konditionale Qualitäten hin untersuchen, die in einem neuen Auschwitz enden könnten. Die Überprüfung und Einschätzung von „Bagatellen“ gehören also ganz ausdrücklich mit zu diesem Forschungs- und Verhinderungsprogramm.

Und wir werden auszuhalten haben, dass damit Auschwitz auch zurückgeholt wird aus dem Dämonisierungsabstand und uns als niemals ganz auszuschließende Möglichkeit der Geschichte wieder ganz naherückt. Es gibt keinen legitimen Sicherheitsabstand zu „Auschwitz“. Folglich dürfen wir auch den Begriff „Faschismus“ nicht scheuen, da wir ansonsten in der Gefahr stehen, den Blick auf die Wirklichkeit zu scheuen. Pauschalabwehr besitzt keinen Rechtfertigungsgrund. Und geben wir bitte nicht als Stilkritik aus, was in Wahrheit nur Realitätsflucht wäre! Dabei hat natürlich als Selbstverständlichkeit zu gelten, dass der Begriff „Faschismus“ niemals als bloße Totschlags- und Etikettierungsvokabel missbraucht werden darf, sondern stets nur als Resultat sorgfältig-differenzierender Analyse Geltung für sich beanspruchen kann.

„Das Böse“, sagte der ehemalige Generalsekretär der UNO, Kofi Annan, einmal, „braucht das Schweigen der Mehrheit.“ Auch das verbale Wegbeschönigen von heutigen Faschismusvorzeichen käme einem bösartigen Verschweigen gleich.

 

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    Freiherr von Anarch
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    Nach einem langen Anlauf den umso richtigeren Sprung gemacht und zielgenau gelandet ! –

    in der Gegenwart und damit auch Realität des Faschismus.

    Totalitäre Herrschaft plus Entmündigung der Zivilgesellschaft plus Entrechtung derer = Faschismus !

    Und damit sind wir hier in der BRD lange schon wieder nicht nur in den Anfängen eines Faschismus, sondern schon wieder mittendrin.

    Die BRD ist ein Paradebeispiel für die moderne Verschleierung von Faschismus und Diktatur, derart herrschaftspolitisch raffiniert gemacht, dass eine Bevölkerung sich sogar gerne darüber hinwegtäuschen lässt.

    In genau gleicher Weise hat man sich damals einlullen lassen, bis das Aufwachen dann ein fatales Zuspätaufwachen war.

    Ein klarer, ungetrübter, nüchterner Blick auf den jetzigen Zustand ( auch vor Corona ) dieser BRD MUSS erkennen lassen, dass Demokratie, Rechtsstaat, Sozialstaat und Freiheit nicht mehr als solche existent sind, die Verfassung die das garantieren sollte nur noch ein Placebo ist, ein Götzenbild an welches man noch glauben soll.

    Jene spärlichen Reste von all dem gehören zu diesem Täuschungsmanöver und das raffinierteste Manöver dabei ist, dass man diese totalitäre Herrschaftspolitik als ‚Schutz von Demokratie, Gerechtigkeit und Freiheit‘ propagandiert UND dass es als Gehirnwäsche weiter funktioniert.

    Abwählbar sind Diktatur und Faschismus nicht, wenn ein Wahlsystem ja Teil davon ist, ein ganz entscheidender sogar, die Legitimation zur Weiterführung durch das ‚Volk‘.

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

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    Ulrike Spurgat
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    Hallo liebe Redaktion,

    mein zugegebenermaßen langer und noch unfertiger Kommentar zum Thema ist verschwunden.

    Wahrscheinlich ist er nicht bei euch gelandet ?!?

    LG, Ulrike

     

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    Volker
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    Lieber Holdger,

    kann ich unterschreiben.

    Allerdings denken die meisten Menschen nicht in solchen Bahnen, finden zwar dies und das ungerecht oder scheiße, aber wohin einiges noch führen wird, wird nicht wahrgenommen, oder halt verdrängt

    Zu Deinem Hartz IV-Vergleich: Die Sanktionspraxis fehlt bei dem Thema, als Ausdruck politischer Menschenverachtung. Das Existenzminimum zu verweigern, also nach bestehender Gesetzgebung!, bezeichne ich schon als Todesurteil, wenn man bedenkt, welche Folgen Totalsanktionierungen nach sich ziehen. Somit wird Münteferings Aussage schon längst in der Hartz IV-Praxis umgesetzt und weiterhin fortgeführt werden.

    Ein aktuelles Beispiel faschistischer Tendenzen sehe ich im Umgang mit Flüchtlingen, das Hinwegsperren in Lagern (internieren), und dies mit einer kalkulierten, grausamen Gleichgültigkeit gegenüber leidenden Menschen. Oder sind dies keine „nur“ sichbaren Tendenzen, eher schon erkennbarer Faschismus? Münteferings Aussage Hilfebedürftige gegenüber beinhaltet somit auch ein Mehr an grausamer Menschenverachtung, sprich: die politische Bereitschaft dazu, die sich leider auch in Teilen der Gesellschaft wiederspiegelt. Und, und…

    Gruß Volker

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    Ulrike Spurgat
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    Ohne den ganz konkreten Blick in die Geschichte der revolutionären Arbeiterbewegung ist es mir nicht möglich mich dem Thema „Faschismus“ anzunähern.

    Auf dem 7. Kongress der Kommunistischen Internationale 1935 bringt Georgi Dimitroff (der übrigens Göring in dem Prozess gegen ihn (Reichtstagsbrand) vorgeführt hat ) auf den Punkt wie Faschismus historisch einzuordnen ist. Und das nicht nur als ewige Warnung sondern als eine Möglichkeit die gesellschaftliche Bewegung erkennen zu können.

    Der Faschismus an der Macht …..ist die offene, terroristische Diktatur der reaktionärsten, chauvinistischen, am meisten imperialistischen Elemente des Finanzkapitals. Die reaktionärste Spielart des Faschismus ist der Faschismus deutschen Schlages“.

    Eine Zäsur in der Menschheitsgeschichte.

    Die Wirtschafts- und Finanzkrise, die Auswirkungen und die Folgen dieser waren so bedeutungsvoll, dass die Verelendung und die „Schmach“ über den verlorenen Krieg von 1918 das Land in Unsicherheit und eine Perspektivlosigkeit stürzen ließ die Carl von Ossietzky, Herausgeber und Chefredakteur der „Weltbühne“ veranlasste folgendes Zitat in der vielbeachteten Berliner Volkszeitung 1923 veröffentlichte:

    „Wo die Männer versagen, da ruft man nach dem Mann. Der Faschismus, der überall anders, überall in neuer nationaler Vermummung auftritt, weist in allen Ländern , den einen Wesenszug nach: Die Sehnsucht nach dem Diktator. Die erschlafften Völker suchen nach einem Hirn, dass für sie denkt, nach einem Rücken, der für sie trägt“. (Berliner Volkszeitung, 13. Mai, 1923.

    „Millionen stehen hinter mir“ Das Plakat von Heartfield zeigt deutlich wer Hitler an die Macht gebracht hat um die Interessen des Kapitals auch mit Gewalt durchzusetzen.

    1933 setzte eine politische Verfolgung ein die ihresgleichen sucht. Insbesondere trifft es mit einem gnadenlosen Hass die Kommunisten, linke Sozialdemokraten, Antifaschisten, Anarchisten, Homosexuelle, Sinti und Roma und die Freidenker.

    Lange vor Auschwitz und Buchenwald errichteten die Nazis 15 Konzentrations-, Straf- und Gefangenenlager  im Emsland. Auch die „Emsland Lager“ genannt.

    Sie dienten den Nazis in unterschiedlichen Funktionen und zentraler Verwaltung in Papenburg. Bis 1945 wurden mindestens 80. 000 politische- und Strafgefangene und bis zu 180.000 Kriegsgefangene dort inhaftiert unter unmenschlichen Bedingungen. „Die Hölle im Moor“ wurde dieser Ort des Grauens genannt. Von ihnen kamen bis zu dreißgtausend überwiegend sowjetische Kriegsgefangene in den Moorlagern um. Gedemütigt und entkräftet sind sie in einem Land gestorben, dass keine Gnade mit ihnen kannte.

    Quelle: Bernd Faulenbach/Andreas Kaltofen (Hrsg:) „Die Hölle im Moor:“ Die Emslandlager 1933-1945, Wallstein Verlag, 2017

    Unfassbare Zahlen zu benennen, die das unendliche Leid für die Sowjetmenschen beziffern können reichen nicht aus um nie zu vergessen was Faschismus und Krieg bedeutet.

    Was ist nach 1945 wirklich unter der Adenauer Regierung geschehen ?

    Das „Potsdamer Abkommen“ wurde nicht ernst genommen. Adenauer besetzte alle wichtigen Ministerien mit Faschisten bei vollen Pensionsansprüchen. Die HIAG wurde munter von ehemaligen Waffen SS Angehörigen gegründet und in Anspruch genommen: „Die Totenkopf Divsion“, die „Leibstandarte Adolf Hitler“  und Waffen Division „Das Reich“.

    Faschistische Organisationen waren verboten ! (Eigentlich).

    „Der Bundesminister für Verteidigung (Leber) ist über die Aktivitäten der Hilfsgemeinschaft auf Gegenseitigkeit (HIAG) ausreichend informiert und sieht diese Hilfsgemeinschaft dementsprechend differenziert. Es wäre falsch , alle ehemaligen Angehörigen der Waffen SS allein wegen ihrer Zugehörigkeit zur HIAG schon zu verurteilen. Dafür haben sie sicher Verständnis“. (zitiert nach „die tat“ 34/1976, S. 6) Entnommen aus: Die Verbrechen der Waffen SS. Eine Dokumentation der VVN – Bund der Antifaschisten, Karl Sauer, Röderberg Verlag.

    Hängt Globkes Bild noch im Kanzleramt….Und wenn ja: Wo bleibt denn endlich dann der Aufschrei der jüdischen Gemeinden ?

    Der Geist und das Wesen des Faschismus, dass immer mit Unterdrückung und menschlicher Entwertung (Hartz 4) einhergeht lässt die erschreckenden Gedanken zu, dass heimlich still und leise mit dem immer weiteren Abbau demokratischer Rechte zu, dass es mittlerweile als „normal“ angesehen wird, dass mit den Begriffen „Nazis“ und „Faschisten“ die Einmaligkeit des Grauens des deutschen Faschismus benutzt wird die Geschichte umzuschreiben und den Millionen von ermordeten Menschen ein weiteres Mal ihre Würde und ihre Achtung genommen wird.

    Und die Gesellschaft lebt mit der Obdachlosgkeit von über einer Million Menschen, mit Millionen von Niedriglohnarbeitern, mit Kinder- und Altersarmut, mit den Tatsachen, dass Hartz 4 „Armut per Gesetz“ ist und da wieder raus zu kommen ist fast unmöglich. Der Mensch wird zur Ware….und wer nicht funktioniert wird ausgesondert und unsichtbar gemacht. Die soziale Kälte verändert die Sprache und hat vor langer Zeit die Solidarität in der Gesellschaft aufgekündigt mit dem Slogan „Privat vor Staat“.

    Den Rahmen würde jetzt sprengen, wenn die noch alle beim Namen genannt werden die nach 1945 nicht auf der Bank gesessen sind: IG Farben (Bayer), IG Farben wurde von Auschwitz Häftlingen gebaut. Mehr als 25.000 starben während der Bauphase. Dort wurde Zyklon B entwickelt. Das Gas, dass für den Völkermord an den Juden eingesetzt wurde. 85.000 KZ- Häftlinge arbeiteten bei der IG Farben. Ein Konzern der heute mit Glyphosat sein Unwesen treibt und wo kürzlich rausgekommen ist, dass an Heimkindern des vergangenen Jahrhunderts Medikamentenversuche ohne deren Wissen und Einverständnis vorgenommen wurden. Kriminelle Bande !

    Amerikanische Konzerne, wie IBM, ITT, Die Standard Oil Comany, General Motors, Ford und und und.

    Mehr geht im Moment nicht.

     

     

     

     

     

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    Hope
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    Das hier ist Faschismus:

    erst das hier lesen:

    https://www.rubikon.news/artikel/die-abgerichteten-burger

    „Die abgerichteten Bürger

    Mit Hygiene und Maskenzwang sollen Gehorsam und Unterwerfung trainiert werden — die Angstmache ist Teil einer dunklen Agenda.

    Es ist eine Agenda der Umerziehung durch Rituale. Das Tragen der Maske ist ein Ritual der Verhaltensakzeptanz. Es ist ein Ritual, um Gehorsam zu erzwingen. Je schneller und leichter man die Maske akzeptiert, desto schneller wird man akzeptiert — in der Gesellschaft.“

    https://www.rubikon.news/artikel/die-abgerichteten-burger

     

    Und dann das hier anschauen. Die Strippenzieher sind hier allerdings in den oberen Etagen zu finden. Sie werden scheitern, davon bin ich überzeugt, auch wenn ich das in diesem meinem Leben nicht mehr mitbekommen werde.

    Die Welle:

    https://www.youtube.com/watch?v=DvpudIUniS4

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