Weitere Anzeichen für den Niedergang der SYRIZA

 in FEATURED, GRIECHENLAND, Holdger Platta, Über diese Seite

163. Bericht zu unserer Spendenaktion „Helfen wir den Menschen in Griechenland!“ Es ist leider ein verbreitetes Phänomen: Fühlen sich Menschen von einer Partei verraten, die einmal als „linke Alternative“ angetreten ist, wenden sie sich wieder konservativen und reaktionären Kräften zu – selbst wenn deren Politikentwürfe noch schlimmer sind als die der „linken“ Wendehälse. Das Trauerspiel der deutschen Sozialdemokratie ist ein Beispiel für diese Dynamik; auch SYRIZA, die griechische Regierungspartei, dürfte bei den anstehenden Wahlen im Mai schwer abgestraft werden – ohne, dass Hoffnung bestünde, dass etwas „Besseres“ nachkommt. „Wenn das unsere Freunde sein sollen“, werden sich viele Arbeiter, verarmte und prekär lebende Menschen denken, „brauchen wir unsere Feinde nicht mehr zu fürchten“. Holdger Platta

Liebe HdS-Leserinnen und liebe HdS-Leser,

zugegeben: die Großspende eines Frank T. in der Höhe von 500,- Euro hat uns dieses Mal vor einem Null-Ergebnis für unsere Hilfsaktion gerettet! In der Vorwoche waren 130,- Euro bei uns eingegangen, überwiesen von 3 SpenderInnen an uns. Selbstverständlich danke ich heute ganz besonders unserem Großspender Frank T. – wahrlich, in diesen Dank schwingt auch sehr viel Erleichterung mit –, und diesen Dank spreche ich selbstverständlich auch ein weiteres Mal im Namen aller OrganisatorInnen unserer GriechInnenhilfe aus.

Die 2.500,- Euro für die rund 180 verarmten Familien in und um Korydallos sind inzwischen in Griechenland angekommen, und die dortige Sozialstation – unsere Kooperationspartnerin vor Ort – wird dafür sorgen, dass allen betreuten Armutsfamilien wenigstens ein Mindestmaß an Teilhabe am griechischen „Geschenk“-Fest Ostern ermöglicht wird (wichtig natürlich vor allem für die Kinder in dieser Region). Ich informierte Euch ja bereits in meinem letzten Bericht ausführlicher über die Besonderheit dieser Hilfsaktion. Sie trägt ein Stück weit dazu bei, auch dem Isolationsgefühl der verarmten Menschen entgegenzuwirken, nicht nur dem dramatischen materiellen Elend der Betroffenen.

Auch diese Art von Hilfe also ein nicht zu unterschätzender Beitrag von uns, ein kleiner Versuch, wenigstens etwas Freude in die 180 Familien hineintragen zu können. Und aus zahlreichen Mitteilungen wissen wir, dass wir HelferInnen uns diese Wirkung nicht nur einreden müssen. Nebenbei: auch in der Bundesrepublik Deutschland weiß noch jeder Hartz-IV-Betroffene, welche Intensität solche Hilfe einzunehmen vermag. Um es einmal drastisch zu formulieren: es befördert das Gefühl, von den Menschen in der Umwelt nicht völlig „verraten und verkauft“ worden zu sein!

Gestattet mir an dieser Stelle deswegen auch nochmal einen Blick auf uns selber, auf uns Akteure der Spendenaktion „Helfen wir den Menschen in Griechenland!“. Wobei ich sehr genau weiß: Ich sprach diese Thematik ja bereits in meinem vorletzten Bericht einmal an! Doch der Reihe nach:

Wie Ihr wisst (?), leisten alle Mitglieder unseres Aktiventeams ihre Arbeit für diese Spendenaktion einschränkungslos „ehrenamtlich“, heißt: ohne jedes Entgelt. Oder noch präziser formuliert: keine und keiner von uns hat jemals seit dem Juli/August 2015 – so lange existiert mittlerweile unser Hilfsprojekt – irgendwelche Bezahlung für die eigene Arbeit verlangt. Das gilt für unsere beiden Reiseteams – für Evi und Tassos Chatzatoglou und für Uschi und Kalle Apel (und welche Belastungen haben sie auszuhalten gehabt!); das gilt für Roland Rottenfußer, der von Beginn an völlig entgeltfrei mitmacht bei unserer Spendenaktion, als unverzichtbarer Redakteur und „Admin“, der Woche für Woche für die Verbreitung meiner Spendenberichte auf unserer Website sorgt; das gilt, nicht zuletzt, auch für Henry Royeck, der als Kassenwart des gemeinnützigen Trägervereins „Initiative für eine humane Welt (IHW)“ aufs zuverlässigste die gesamte Spendenverwaltung betreut (vorher war das, bis zum Mai des letzten Jahres, Peter Latuska gewesen, mit gleicher Verlässlichkeit). Und: das gilt schließlich auch für meine Frau, für Sybille, und mich, die bemüht sind, Euch unterbrechungslos auf dem Laufenden zu halten über unsere Hilfsaktion – und über die erbarmungslosen Verhältnisse in Griechenland. Ohne die Unterstützung meiner Frau hätte ich noch keinen Bericht so schreiben können, wie er Woche für Woche von Euch auf HdS nachgelesen werden kann!

Freilich: eine Bitte erneuere ich heute nochmal (bisher waren die betreffenden Appelle erfolglos geblieben). Vielleicht bedenkt der eine oder die andere von Euch auch einmal die Möglichkeit, uns, was die unvermeidlich entstehenden Organisationskosten betrifft, einen Unterstützungsbetrag zukommen zu lassen! Da gerade die Träger dieser Hilfsaktion bei der IHW – Sybille, Henry und ich – allesamt selber unter Armutsbedingungen zu arbeiten haben, können wir aus eigener Tasche keine Kosten übernehmen für dieses Spendenprojekt – Kosten zum Beispiel fürs technische Equipment, für das Abo der „Griechenland Zeitung“, für Papier und und und.

Und Gelder für diese unvermeidbaren Organisationskosten abzweigen von den Spendengeldern, die doch ohne jede Einschränkung den angegebenen Hilfszwecken zugutekommen sollen, das wollen wir alle auch nicht. Heißt im Klartext: es stellte – gerade im Augenblick ist es so – eine enorme Entlastung für uns dar, wenn einige von Euch für diese ganz speziellen Organisationszwecke einmal Gelder an uns spenden würden. Auf dasselbe Konto wie die „echten“ Spendengelder auch, aber mit dem Hinweis „IHW“ (statt „GriechInnenhilfe“) versehen! Wir danken Euch schon jetzt für Unterstützung auch einmal ganz speziell für diesen Kostenbereich!

Was nun die Verhältnisse in Griechenland selber betrifft, so möchte ich Euch heute einmal eine Einschätzung zu geben versuchen, was die derzeitige politisch-psychologische Situation in Griechenland betrifft. Konkret: wie es in diesen Tagen und Wochen aussieht bei den partei- und personenpolitischen Präferenzen in diesem Mittelmeerstaat. Was ist da zu konstatieren zum Beispiel bei den Studierenden in Griechenland, welche Sympathien genießt noch ein Alexis Tsipras in der griechischen Bevölkerung, mit welchen Wahlergebnissen dürfen die griechischen Parteien am Großwahltag 26. Mai dieses Jahres rechnen, wenn sich bis dahin die politischen Mehrheitsverhältnisse in der Bevölkerung nicht noch dramatisch ändern sollten.

Nun, zu den Studierenden zuerst:

Am Mittwoch, den 10. April, vor knapp vierzehn Tagen mithin, fanden an den griechischen Universitäten und Hochschulen Studentenwahlen statt. Das Ergebnis fiel gleich in mehrfacher Hinsicht eher erschreckend aus. Wählten die Studierenden – ähnlich wie bei uns – vor einiger Zeit noch eher links, so kam der Internetseite Ekloges-spoudastes.gr (= „Wahlen-Studierende“) zufolge die Studierendenorganisation der SYRIZA – die Fraktion „Bloco“ – lediglich noch auf 1 Prozent aller abgegebenen gültigen Stimmen! Die PASP – ein universitärer Ableger der vormaligen PASOK – erhielt 12 Prozent, die der marxistisch-leninistischen KKE nahestehende Studentenfraktion PKS konnte rund 23 Prozent aller Stimmen für sich gewinnen.

Der große Gewinner dieser Studierendenwahlen war aber die Studentenorganisation DAP, der universitäre Verband der konservativen ND, der Nea Dimokratia: 41 Prozent der griechischen Studentinnen und Studenten entschieden sich dieser Statistik zufolge für eine ausgesprochen rechte Fraktion. Ein Trauerspiel, dieses Wahlergebnis! Zeichen eher für politische Regression in für überwunden gehaltene Zeiten als Zeichen für eine Aufbruchsstimmung, die ein neues, ein sozialeres, ein demokratischeres Griechenland will. Meine Vermutung ist: da war wohl auch sehr viel Enttäuschung über die SYRIZA im Spiel, das dürfte wohl auch als „Denkzettel“-Wahl für die SYRIZA und Alexis Tsipras zu werten sein!

Dieser Eindruck verstärkt sich, wenn man seinen Blick auf ein Umfrageergebnis richtet, das unmittelbar mit der Person Alexis Tsipras zu tun hat. Das griechische Internetportal NEWPOST hatte die griechische Bevölkerung gefragt, was sie von der Idee halte, in diesem Jahr dem griechischen Ministerpräsidenten den Friedensnobelpreis zu verleihen – und zwar für dessen Verdienste um die Aussöhnung mit der Republik Nordmazedonien. Nun, auch hier für Tsipras ein miserables Ergebnis. 64 Prozent aller Befragten sprachen sich gegen diese Friedenspreisverleihung aus.

Natürlich, da war mit Sicherheit auch sehr viel nationalistisches Denken mit im Spiel (gerade auch in den nördlichen Regionen Griechenlands, im griechischen Mazedonien). Aber besser wird der Befund dadurch auch nicht, ganz im Gegenteil. Wie nicht selten in der Geschichte von Völkern, hat Nationalismus vor allem dann seine Chance, wenn der Sozialstaat bankrottgegangen ist, wenn ein Land ökonomisch am Boden liegt. Das Ende der Weimarer Republik erzählt uns diese Geschichte, das gegenwärtige Italien bietet uns dasselbe Bild. Noch jedes Land droht politisch-moralisch vor die Hunde zu gehen, wenn ein Großteil der Menschen in diesem Lande sozial und ökonomisch vor die Hunde gegangen ist. Griechenland scheint ein weiteres Beispiel für dieses fatale Grundmuster von Geschichte zu sein.

Und was ist in Sachen Kommunalwahlen über neueste Umfragezahlen zu berichten? – Nun, auch hier deuten sich ähnliche Entwicklungen an.

Wie schon gesagt, finden am 26. Mai dieses Jahres in Griechenland nicht nur die Europa-, sondern auch Kommunalwahlen statt. Und da teilt uns ein anderes Umfrageinstitut – METRON ANALYSIS – unter anderem die folgenden Ergebnisse mit: In Attika darf der konservative Kandidat fürs Präfekturamt, ein Jorgos Patoulis, mit 30 Prozent aller Stimmen rechnen. Dessen Gegenkandidatin und bisherige Präfektin Rena Dourou von der SYRIZA hingegen nur noch mit 14 Prozent. Und selbst in Athen, der Hauptstadt Griechenlands, liegt der ND-Kandidat Kostos Bakojannis mit 33,8 Prozent aller Stimmen weit vor dem Kandidaten der SYRIZA, vor Nassos Iliopoulos, der gerademal noch mit 6 Prozent aller abgegebenen gültigen Stimmen rechnen darf.

Selbst der Kandidat der faschistischen Chryssi Avgi, der “Goldenen Morgenröte“, rangiert dieser Umfrage zufolge vor der SYRIZA; deren Kandidat Ilias Kassidiaris darf auf 7,9 Prozent der Wählerstimmen hoffen – ganz zu schweigen vom Kandidaten der neu-alten PASOK, der sozusagen sozialdemokratischen Partei KinAI, deren Spitzenmann Jorgos Geroulanis mit derzeit 7,9 Prozent der Wählerstimmen gehandelt wird. Ganz egal, wohin man blickt:

SYRIZA, die einmal als konsequente sozialistische Alternative angetreten war, zu Beginn des Jahres 2015, SYRIZA, die ab dem Sommer desselben Jahres mehr und mehr vor der Austeritätspolitik der TROIKA zu Kreuze kroch, diese SYRIZA wird bei den anstehenden Kommunal- und Europawahlen am 26. Mai des Jahres wohl auf so manches Kreuz auf den Stimmzetteln verzichten müssen. Anpassung und Unterwerfung haben der SYRIZA nicht geholfen, weil Anpassung und Unterwerfung den Menschen im Lande nicht geholfen haben. Wer als Partei derart selbstvergessen ihren Wählern den Rücken gekehrt hat, darf sich nicht wundern, wenn ihr im wachsenden Maße die Wähler den Rücken kehren.

In Deutschland kann seit langem die Sozialdemokratie ein Lied davon singen – und hat offenbar bis heute nicht begriffen, nach wessen Pfeife sie da tanzt. Vielleicht finden die großen Parteitage der SPD und SYRIZA demnächst ja in kleinen Hinterzimmern statt. Oder irgendwo im Keller. Letztendlich läuft es auf dasselbe hinaus.

Womit ich wieder einmal bei meinen abschließenden Bitte um Spenden zugunsten unserer Hilfsaktion „Helfen wir den Menschen in Griechenland!“ bin:

Wer uns Gelder für unsere Hilfe für Menschen in Griechenland zukommen lassen will, der überweise uns diese bitte unter dem Stichwort „GriechInnenhilfe“  auf das Konto:

Inhaber: IHW

IBAN: DE16 2605 0001 0056 0154 49

BIC: NOLADE21GOE

Wer eine Spendenbescheinigung benötigt – ab 201,- Euro erforderlich –, wende sich bitte an unseren Kassenwart Henry Royeck, entweder unter der Postanschrift Sültebecksbreite 14, 37075 Göttingen, oder unter der Mailadresse henryroyeck@web.de.

Und wer, wie gesagt, noch etwas mehr tun will: auch unser gemeinnütziger Verein, die „Initiative für eine humane Welt (IHW) e.V.“, ist immer wieder erneut auf neue Hilfsgelder angewiesen, zur finanziellen Absicherung unserer Arbeit ganz generell. Diese Spenden bitte dann an dasselbe Konto, wie oben angegeben, jedoch mit dem Stichwort „IHW“ versehen. Es sei wiederholt: wir würden uns riesig auch über diese Unterstützung freuen.

Mit herzlichen Grüßen wie stets

Euer Holdger Platta

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