Weiterhelfen – trotz aller bundesdeutschen Juristerei

 in Holdger Platta, Über diese Seite

griechenlandhilfelogo34. Bericht zu unserer Spendenaktion „Helfen wir den Menschen in Griechenland!“.Journalisten schreiben; Juristen schreiben vor. Auch in unsere Spendenaktion regiert die juristische Weltsicht – oft rigide und unflexibel – leider hinein. Anstatt dass Organisator Holdger Platta für seine Tätigkeit (über 100.000 Euro Spendengelder in gut einem Jahr) einen Orden bekommt, so wurde ihm von einem wohlmeinenden Göttinger Notar bedeutet, müsse er aufpassen, nicht strenge Strafen auf sich zu ziehen – im Fall, dass irgendetwas mit der Spendenabwicklung nicht gesetzlichen Normen entspricht. Eine Strafe für selbstlose Helfer – eine eher skurrile Idee, über die man lachen könnte, stünde nicht die wieder die Staatsgewalt mit ihrem Drohpotenzial dahinter. Holdger wird also nächstes Jahr nach Griechenland fahren „müssen“, um die ordnungsgemäße Verwendung der Gelder zu kontrollieren. Naja, die Reise in ein schönes Land sei ihm gegönnt. Nicht seine Schuld wird es sein, wenn dafür Spendengelder aufgewendet werden müssen, die sonst Not leidenden GriechInnen zugute kämen. Dies geschieht natürlich immer noch beim absoluten Löwenanteil der Spendengelder. Und bei denen ist die Tendenz zum Glück wieder steigend… (Holdger Platta)

Liebe HdS-Leserinnen und liebe HdS-Leser,

ein neuerlicher Aufschwung ist zu vermelden: gingen in der Vorwoche 432,50 Euro an Neuspenden auf unser Konto ein, von 18 UnterstützerInnen, so durften wir in den letzten Tagen 450,22 Euro an Neuzugängen auf unserem Spendenkonto verbuchen (überwiesen von 8 Helferinnen und Helfern an uns). Erneut danke ich allen Geldgebern für unsere GriechInnenhilfe sehr.

Bettina Beckröge, die als Patin einer notleidenden Familie hilft, wird demnächst selber nach Griechenland fahren, nicht nur, um Urlaub zu machen, sondern auch, um ihre Patenfamilie zu besuchen (und anschließend uns allen darüber zu berichten) sowie ihre Augen ganz, ganz weit aufzumachen in diesem drangsalierten Armutsland. Durchaus möglich, dass wir dadurch von neuen Notfällen im schönen Hellas erfahren.

Die Sache mit der Spendenbesteuerung durch den griechischen Fiskus haben wir erstmal „auf Eis gelegt“, bis Giorgos Chondros aus seinem Urlaub zurück ist. Wie heißt es im Bürokratendeutsch so berauschend unschön: Der „Vorgang“ ist bei uns „auf Wiedervorlage gelegt“ – und knistert derzeit also nur vor sich hin. Im übrigen haben mich in der Zwischenzeit zu diesem Thema höchst unterschiedliche – zum Teil sogar einander widersprechende – Nachrichten erreicht, und es wird vom fernen Niedersachsen aus immer verwirrender und schwieriger, dem wahren Kern auf den Grund zu gehen (oder so ähnlich). Nun, warten wir’s ab!

Wie schon mitgeteilt, sind unsere beiden „Außenhelferteams“ derzeit wieder in Griechenland unterwegs. Heute Ausschnitte aus einem ersten Bericht der Grazer Evelin und Tassos Chatzatoglou. Er zeigt, mit welchem persönlichen Engagement, mit welchem Fleiß und mit welcher Bedachtsamkeit, auch weiterhin, die beiden bei ihrer Hilfstätigkeit vorgehen:

„Da wir eigentlich kein Geld verteilen wollen, haben wir bei Sklavenitis Lebensmittelgutscheine in Höhe von 1000 € gekauft. Diese kommen z. B. der Familie K. in Megara zu und beinhalten derzeit auch die Gelder aus der Patenschaft. Auch Familie M. aus Athen wird damit bedacht. Für diese Familie haben wir auch Medikamente sowie Spezialnahrung für den kleinen Dionyssis in der Apotheke besorgt. Dionyssis befindet sich derzeit in einem ärztlichen Spezialprogramm, in dem versucht wird, ihn allmählich auf Normalnahrung umzustellen. Allein 4 Packungen Spezialmilch kosten 90 €.

Dionyssis‘ ältere Schwester hat neuerdings Asthma. Wir haben für das kleine Mädchen einen Inhalator und Medikamente gekauft.

Für die in einem Klosterinternat lebenden Mädchen der Familie M. aus Andros haben wir unserer Nichte Zoi 250 € aus ihrer Patenschaft übergeben und zusätzlich für die beiden Medikamente zur Behandlung ihrer schweren Akne gekauft.

Zoi wird die in Österreich gesammelten Babyartikel der Sozialarbeiterin auf Andros übergeben.

Ein Teil der gekauften Medikamente geht auch nach Andros, um älteren bedürftigen Menschen damit zu helfen. Eine entsprechende Liste bekamen wir zuvor von der Sozialarbeiterin. Zoi hat für die Tele-Psychotherapie auf Andros ein Notebook bestellt. Kosten: 370,94 €.

Den 2. benötigten Computer haben wir persönlich gespendet.

Das Allileggion in Piräus wurde ebenfalls mit verschiedenen Medikamenten nach Bedarfsliste versorgt.

Die von den Ärzten in Athen verschriebenen Nahrungsergänzungsmittel für Spiros K. mit der Multiplen Sklerose sind in Griechenland nicht erhältlich. Vielleicht kann ihm Kalle diesbezüglich helfen und ihm die Sachen schicken.

Mit dem Vater von Andreas A. in Amaliada, der junge Mann mit der Mittelmeeranämie (in Griechenland als „Stigma“ bezeichnet), hatten wir ein ausführliches Gespräch. Andreas befindet sich in einem Krankenhaus in Patras in Dauerbehandlung. Durch das „Stigma“ erhöht sich der Eisenspiegel im Blut massiv. Das Eisen muss durch eine eigene Apparatur aus dem Blut geholt werden. Dieses Gerät sollte Andreas ständig mit sich führen.

Diesbezüglich unser Aufruf:

Kann jemand Andreas eine solches Gerät spenden oder uns eines kostengünstig verkaufen? Ein solches Gerät kostet in Griechenland neu um die 1200 €. Der Bedarf ist SEHR DRINGEND!!!

Andreas verfügt derzeit dreimal die Woche über ein Leihgerät, das ihm von einem anderen „Stigma“-Kranken zur Verfügung gestellt wird.

Bis vor 2 Monaten hatte er den Status eines „Mittellosen“ und wurde mehr oder weniger kostenlos behandelt. Die Transportkosten für das Transplantat, das aus den USA kam, waren allerdings von der Familie zu bezahlen. Wir hatten diese seinerzeit übernommen. Auch die Behandlung in einer Privatklinik hatten wir mitfinanziert.“

Mit Dank – insbesondere auch für die Tatsache, dass die beiden Chatzatoglous (nicht zum erstenmal!) auch eigene Gelder einsetzen für unsere Hilfsaktion – weise ich auch von meiner Seite aus nochmal auf die dringende Frage von Evelin und Tassos Chataztoglou hin: Gibt es jemanden unter Euch, der das erwähnte Gerät für Andreas kostenlos oder kostengünstig besorgen könnte? Falls nicht – wir warten maximal eine Woche auf Antwort von Euch -, werden wir die Kosten für diese dringende Neuanschaffung aus unserem eigenen Spendenfond aufbringen.

Lasst mich diesen Bericht abschließen mit ein paar Hinweisen, die offenkundig nicht ganz überflüssig sind. Einige Nachfragen zur „Konstruktion“ unserer Hilfsinitiative haben dieses gezeigt, das eine oder andere Missverständnis kam hinzu. Also:

Ideell – was für uns natürlich die eigentliche und die wichtigere Dimension ist – stellt unser Hilfsunternehmen selbstverständlich eine echte Gemeinschaftsleistung aller an dieser Arbeit beteiligten Personen dar, und damit natürlich auch ganz real, nicht nur „ideell“: Also, da wären zu nennen – und ich tue dieses selbstverständlich, zur Erinnerung für alle, nochmal sehr gern -: Konstantin Wecker, Roland Rottenfußer, Ursula und Karl-Heinz Apel, Evelin und Tassos Chatzatoglou sowie Peter Latuska, der Spendenverwalter, und ich, sozusagen Koordinator der Gesamtaktion und hoffentlich einigermaßen präziser Berichterstatter über die Arbeit, die wir zu leisten versuchen. Juristisch betrachtet, sind aber ausschließlich Peter Latuska und ich verantwortlich für diese Spendenaktion. Grund dafür: es bedurfte, für die Realisierung dieser Hilfsidee, einer Trägerorganisation, die befugt ist, den SpenderInnen auch Spendenbescheinigungen auszustellen (wie mittlerweile zigfach geschehen), und zwar deshalb, weil die Trägerorganisation „Gemeinnützigkeitsstatus“ besitzt. Das ist bei unserer IHW, der „Initiative für eine humane Welt e. V.“, deren Vorstandsmitglieder Peter und ich sind, ohne Einschränkung der Fall. Das bedeutet für Peter Latuska und mich aber auch: Wenn da mal was schief laufen sollte, wenn da – aus juristischer Sicht (die oft eine sehr engstirnige ist!) – etwas nicht ganz dem Vereins- und Spendenrecht in der Bundesrepublik entsprechen würde, wären im Fall des Falles ausschließlich Peter Latuska und ich diejenigen, die dafür zur Rechenschaft gezogen würden. Das könnte dazu führen, dass unserem Verein schlagartig sein Gemeinnützigkeitsstatus entzogen werden dürfte – schmerzhaft schon dieses und erfreulich keineswegs. Das könnte aber vor allem zur Folge haben, dass Peter Latuska und ich „zur Kasse gebeten“ würden, wenn uns Fehler unterliefen. Der juristische Fachbegriff dafür: „Durchgriffshaftung“.

Aus diesem Grunde haben wir, Peter und ich, sämtliche „Geschäftsunterlagen“ zu unserer Spendenaktion vor einigen Wochen auch einem Göttinger Notar zur Verfügung gestellt. Nun, bei dem ausführlichen Beratungsgespräch gab er uns erstmal „grünes Licht“ für die Fortsetzung unserer Aktion. Und zweitens geht uns in den nächsten Wochen auch dessen Prüfbericht zur Spendenverwaltung des Kalenderjahres 2015 zu. By the way: Eine Zusage, die wir eh Euch SpenderInnen gegeben haben, im Aufruf zu unserer Hilfsaktion vor gut einem Jahr. Doch zu Peters und meinem Erstaunen sprach der Notar auch eine Empfehlung aus – sozusagen zu unserem „Eigenschutz“, wie ich es einmal formulieren will: Wir beide sollten auf jeden Fall, so der Notar, auch selber – irgendwann demnächst – die „ordnungsgemäße Verwendung“ der Spendengelder überprüfen, und zwar „vor Ort“, in Griechenland direkt! Dass damit Spendengelder ausgegeben werden müssen für „Kontrolle“, die aus unserer, aus Peters und meiner, Sicht völlig überflüssig sein dürfte, hätte demgegenüber hintanzustehen. Ihr seht, liebe HdS-Leserinnen und HdS-Leser, selbst in eine Hilfsaktion regiert also die Juristerei eher unschön herein – nicht nur dort mithin, wo einem Mitbürger zugemutet werden soll, zukünftig mit seiner „Käfighaltung“ zufrieden zu sein, mit 10 qm Wohnfläche insgesamt (siehe unseren HdS-Bericht https://hinter-den-schlagzeilen.de/2016/09/02/5-richter-verurteilen-eulenfeder-zu-kaefighaltung/!).

Nun, in diesem Kalenderjahr werden Peter und ich diese „Kontrollfahrt“ keinesfalls mehr realisieren. Und gerne gestehe ich ein: Selbstverständlich wird auch uns freuen, die Menschen kennenlernen zu dürfen, denen wir mit unserer Gemeinschaftsaktion – ein wenig zumindest – zu helfen vermochten. Aber ich habe es für richtig gehalten, bereits heute Euch alle von dieser Reiseerforderlichkeit in Kenntnis zu setzen.

Und damit – wieder einmal – zu den obligaten Schlusshinweisen. Also:

Wer uns bei unserer Hilfe für Menschen in Griechenland unterstützen will, den bitten wir um unterstützende Spende, unter dem Stichwort „GriechInnenhilfe“, auf das folgende Konto:
Inhaber: IHW
IBAN: DE16 2605 0001 0056 0154 49
BIC: NOLADE21GOE
Und hier nochmal die Kontaktdaten von Peter Latuska, an den Ihr Euch wenden könnt, wenn Ihr Patenschaften übernehmen wollt oder eine Spendenbescheinigung benötigt (für Spendenbeträge bis 200,- Euro genügt fürs Einreichen beim Finanzamt Kopie oder Original Eurer entsprechenden Kontoauszuges):
Peter Latuska
Theodor Heuss Str. 14
37075 Göttingen
Email: latuskalatuska@web.de
Mit herzlichen Grüßen
Euer Holdger Platta

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