Anpassung an Rechte ist kein Antifaschismus

 In FEATURED, Politik (Inland), Roland Rottenfußer

10 gebräuchliche Un- und Halbwahrheiten zur Flüchtlingsfrage. Wir kennen alle solche Argumente: „Man muss Fluchtursachen bekämpfen statt eine naive Willkommenskultur zu pflegen“. „Zuwanderung wird von den Wohlhabenden befürwortet, aber die kleinen Leute müssen die Last tragen“. „Die Systempresse bauscht den Rechtsruck nur auf.“ „Großkonzerne habe Migranten ins Land gelockt, deshalb sollten Linke gegen Zuwanderung sein.“ Und natürlich der Klassiker: „Rechte bekämpft man am besten, indem man möglichst hart mit Flüchtlingen umgeht.“ Diese Argumentationsmuster begegnen wir überall, manchmal auch in unserem eigenen Geist. Nicht alles an den Narrativen der Zuwanderungsskeptiker ist komplett falsch. Vielmehr handelt es sich oft um Halbwahrheiten, und manches ist einfach nicht gut zu Ende gedacht. Wir sollten uns davon nicht ins Bockshorn jagen lassen und bei unserer Wahrheit bleiben. (Roland Rottenfußer)

1.

Wenn wir mehr Härte gegen Flüchtlinge zeigen, können wir den Rechtsruck stoppen.

Solche Statements hören wir im Zuge der Seehoferisierung fast der gesamten politischen Landschaft überall – in verschiedensten Varianten und auch weiter links im Spektrum. Aber ist diese Behauptung auch wahr? Mit Blick auf die jüngere Geschichte dürfen wir das bezweifeln. 1992 gab es in Rostock Lichtenhagen ein Pogrom. Neonazis zündeten damals vor laufender Kamera eine Anlaufstelle für Asylbewerber an. Die Migranten konnten nur mit etwas Glück in letzter Minute ihr Leben retten. Geschätzte 3000 Menschen schauten zu und feuerten die Angreifer an. Oskar Lafontaine erinnerte in der Welt am Sonntag in diesem Sommer an diese Ereignisse und zog eine befremdliche Schlussfolgerung: „Damals kamen über eine Million Asylbewerber und Aussiedler zu uns. In verschiedenen Orten brannten Flüchtlingsunterkünfte und Häuser. In dieser Situation haben wir den Asyl-Kompromiss verabschiedet, nachdem Personen, die aus einem europäischen Nachbarland kommen kein Recht auf Asyl in Deutschland haben. Die Zustimmung zu den Republikanern ging danach deutlich zurück.“

Diese Aussage erinnert fatal an die Seehofer-Linie des Sommers 2018. Auch heute überbieten sich Parteien mit möglichst „harten“ Äußerungen über Flüchtlinge, oft nicht deshalb, weil die Redner eingefleischte Rechte sind, sondern um der AfD „den Wind aus den Segeln“ zu nehmen. Konstantin Wecker kommentierte 1993 in seinem Lied „Die Ballade von Antonio Amadeu Kiowa“ diesen „Asylkompromiss“ so: „dem Mob recht geben, nur um an der Macht zu bleiben und die nächsten Wahlen zu gewinnen, pfui Deife, Willy, pfui Deife!“ (Helmut Kohl war damals Kanzler, Oskar Lafontaine SPD-Vorsitzender.) Es ist schon enorm charakterschwach, als Reaktion auf die schlimmsten Pogrome seit 1945 und auf den Aufstieg der bis dahin erfolgreichsten rechtspopulistischen Partei  Deutschlands nicht konsequent gegen die Täter vorzugehen, sondern – in vorauseilender Anbiederung an sie – die Rechte der Opfer, der Flüchtlinge, einzuschränken.

Abgesehen von der Schäbigkeit einer solchen Vorgehensweise ist es auch historisch umstritten, ob der besagte „Effekt“ überhaupt je existiert hat. Christine Buchholz schreibt in „Die Freiheitsliebe“: „Mit der Einwilligung der SPD in den ‚Asylkompromiss‘, das heißt die faktische Abschaffung des Grundrechts auf Asyl und seine Ersetzung durch ein einfaches Gesetz im Herbst 1992, gingen die Umfragewerte der Republikaner nicht zurück. Im Gegenteil. (…) Schönhubers Wort machte die Runde, die Union sei die Kopie, ‚das Original sind wir‘. 1993 erreichte die Mitgliederzahl der REP mit 23.000 ihren Höchststand.“

Buchholz zufolge konnten die Republikaner, von denen damals allgemein der baldige Einzug in den Bundestag erwartet wurde, nur durch eine breite Gegenbewegung von unten gestoppt werden. „Dass es anders kam, lag ausschließlich am Widerstand auf der Straße.“ U.a. machte damals die sehr erfolgreiche Münchner Lichterkette (Dezember 1992) Furore. Nazi-Aufmärsche stießen regelmäßig auf machtvolle Gegendemonstrationen. „Das änderte das gesellschaftliche Klima. Die REP wurden zunehmend mit den Nazis identifiziert und verloren infolge der Folge des Widerstands im Laufe des Jahres 1994 erstaunlich rasch an Zustimmung.

Das damalige Verschwinden der Republikaner wäre die Blaupause für die Art und Weise, wie wir auch mit der AfD schließlich fertig werden könnten. Was, um Gottes Willen, hat Oskar Lafontaine geritten, den gleichen Fehler wie damals zu wiederholen und zusammen mit seiner Frau Sarah Wagenknecht wieder eine ähnliche Strategie zu fahren? Wagenknecht sagte u.a. „Weltoffenheit, Antirassismus und Minderheitenschutz sind das Wohlfühl-Label, um rüde Umverteilung von unten nach oben zu kaschieren und ihren Nutznießern ein gutes Gewissen zu bereiten.“ Diese Vorgehensweise ist nicht nur falsch, sie dürfte nicht einmal von einem höchst fragwürdigen „Erfolg“ gekrönt werden. Christine Buchholz: „Lafontaines historischer Irrtum basiert auf der falschen Annahme, Rassismus werde durch Zuwanderung ausgelöst. Er will deshalb Zuwanderung begrenzen. Doch es gibt überhaupt keinen automatischen Zusammenhang zwischen Zuwanderung und Fremdenfeindlichkeit. Wenn dem so wäre, müsste der Rassismus gegen Muslime in einer Stadt wie Chemnitz weit weniger ausgeprägt sein als zum Beispiel in Frankfurt oder Hamburg.“

Buchholz schließt: „Die AfD ist keine ‚Arbeiterpartei‘, wie Oskar Lafontaine meint, sondern eine von Besserverdienenden geführte demagogische Partei, die dabei ist zu einer faschistischen Bedrohung zu mutieren. Der einzige Weg gegen den Rassismus besteht darin, ihm auf der Straße, in den Betrieben und im Parlament entgegenzutreten. Nur die größtmögliche und entschlossene Einheit aller Kräfte links von der Mitte kann das Klima in der Gesellschaft nach links verschieben.“ Dies wäre eigentlich ein Motto für eine „Sammlungsbewegung“ – nicht aber wenn diese den fatalen Fehler macht, gegenüber den Rechten einen „Wandel durch Annäherung“ zu versuchen. Was sich da verwandelt, sind vor allem Teile der Linken und der gesellschaftlichen Mitte, die irgendwann nicht wiedererkennbar und nicht wieder wählbar sein werden.

Es ist mitnichten so, dass der beste Antifaschismus in der Annäherung an Rechte besteht.

Ich habe die Mentalität der Rechtsblinker in meiner Satire „Die Retter“ so zusammengefasst: „Erst das weitestgehende Nichtvorhandensein von Migranten nähme dem braunen Treiben in unserem Land den Wind aus den Segeln.“ Eine „ungarische Lösung“ wäre so gesehen die beste Immunstimulanz gegen den rechten Gedankenvirus. In dem kleinen mitteleuropäischen Land sieht man nämlich im Straßenbild tatsächlich kaum Menschen mit arabischem oder afrikanischem Aussehen. Auch in den „Neuen Bundesländern“ sieht es kaum irgendwo aus wie am Kölner Hauptbahnhof, wo das Publikum doch sehr „gemischt“ ist. In manchen Gebieten kommt die Ausländerfeindlichkeit sogar fast ohne Ausländer aus. Der Ausländeranteil  in Sachsen beträgt nur 3,9 Prozent (in Nordrhein-Westfalen 11,8, im Bundesdurchschnitt 10,5) Und in Nordrhein-Westfalen steht nicht, wie in Sachsen, eine Regierungsübernahme der AfD ins Haus.

Das tatsächliche Vorhandensein von Flüchtlingen und anderen Personen mit Migrationshintergrund kann also auch einen Gewöhnungseffekt im positiven Sinn haben. Jeder kennt ein paar „Fremde“ und weiß aus Erfahrung, dass man mit ihnen durchaus auskommen kann. Die Gefahr, Opfer von Ausländerkriminalität zu werden, ist in Regionen mit größerer Ausländerdichte freilich größer; man „riskiert“ aber auch eher, mal einen Netten oder eine Nette zu treffen und die Erfahrung zu machen, dass sich Menschen jeglicher Herkunft doch insgesamt sehr ähnlich sind in ihren körperlichen, seelischen und sozialen Grundbedürfnissen, in ihrem Verlangen nach Liebe, Gemeinschaft, Geborgenheit und Selbstverwirklichung.

Es gibt momentan neben den sehr plumpen „Ausländer-raus-Brüllern“ auch eine Schicht sehr gewiefter „Rechtsintellektueller“, die die dafür aufgeschlossenen Medien gezielt mit zuwanderungsskeptischen Argumenten versorgen. Die Aussagen dieser oft sehr gebildeten und wortgewandten Menschen sind selten zu 100 Prozent falsch. Vieles daran kann man jedoch unschwer als Halbwahrheiten identifizieren. Oft werden aus richtigen Beobachtungen – etwa über schlechtes Benehmen von Zuwanderern oder über Migration als Passvorlage für Lohndrücker – falsche Schlussfolgerungen gezogen.

Hier einige der „schönsten“ Halbwahrheiten dieser Denkrichtung

2.

Grenzenloser Kapital- und Warenverkehr sind schlecht und ein Merkmal des Turbokapitalismus. Daraus folgt, dass Grenzen generell gut sind und dass auch dem Flüchtlingszustrom eine Grenze gesetzt werden muss.

Das stimmt nur teilweise, weil grenzüberschreitendes Kapital profitieren und ausbeuten will, Flüchtlinge jedoch oft nur ihr nacktes Leben zu retten versuchen. Grenzüberschreitende Warenströme machen oft die Volkswirtschaften der ökonomisch schwächeren Länder kaputt. Menschen, die Grenzen überqueren wollen, brauchen dagegen Hilfe und können ihrem Gastgeberland auch behilflich sein. Sie konkurrieren vielleicht mit Deutschen um bestimmte Arbeitsplätze, können aber auch bei Arbeiten einspringen, für die sich keine deutschen Bewerber finden. Ziel linker Aktionen sollte es immer sein, für den Ausbau der Sozialsysteme und gegen künstliche Verknappung der Arbeit zu kämpfen, nicht gegen ausländische „Mitbewerber“, die auch nichts anderes wollen als sich und ihre Familie ernähren und unerträglichen Lebensbedingungen in ihren Heimatländern entkommen.

3.

Es ist viel besser, die Fluchtursachen zu bekämpfen als Flüchtlingen zu helfen.

Das stimmt so nicht, weil natürlich beides getan werden muss. Denn Entwicklungshilfe und Verhandlungen mit Machthabern der Ursprungsländer helfen vielleicht langfristig; Flüchtlinge ertrinken und verhungern aber schon heute, wenn wir ihnen nicht helfen. Globalstrategische Analysen helfen kurzfristig ebenso wenig. Sie könnten höchstens die Grundlage dafür sein, dass auf längere Sicht die richtigen Weichen gestellt werden. Menschen, die eine humane Willkommenskultur pflegen, werden oft der Komplizenschaft mit jenen bezichtigt, die die Fluchtursachen durch Anzetteln von Kriegen, durch Ausbeutung und Umweltzerstörung erst geschaffen haben. Ich sehe das etwas anders: Fluchtbewegungen sind auch ein Symptom. Und wenn so genannte kleine Leute einvernehmlich mit der „großen Politik“ für Symptomunterdrückung kämpfen, indem sie dafür plädieren, Flüchtlinge in Deutschland einfach unsichtbar zu machen, tragen sie nicht dazu bei die schwere Krankheit zu heilen, die unseren Planeten befallen hat und deren Name Kapitalismus ist.

4.

Die Unterschicht wird von einer urbanen Bourgeoisie verachtet. Deshalb wendet sie sich den Rechten zu. Wollen wir diese „Schicht“ zurückgewinnen, müssen wir auf ihre Ängste, auf ihre Wut und ihre Vorurteile eingehen.

Auch hier kann ich nur sehr partiell zustimmen. Man sollte auf die Gefühle und Ängste von Menschen immer eingehen. Wenn aus diesen Gefühlen jedoch reale Politik wird, die für eine andere Personengruppe – die Flüchtlinge – mit beträchtlichen menschlichen Härten verbunden wäre, bin ich skeptisch. Auf Ängste sollte man nicht völlig unabhängig davon Rücksicht nehmen, ob sie berechtigt sind. Auch ist die Idealisierung der Arbeiterschaft und der „Unterschichten“ ebenso falsch ist wie ihre Verachtung. Man sollte nie Kollektive beurteilen, sondern immer Einzelmenschen. Sozial betrachtet gehören viele meiner Bekannten, die sich für eine Willkommenskultur einsetzen – und auch ich selbst – eigentlich zur „Unterschicht“. Es ist alles eine Frage des Bewusstseins – und damit meine ich nicht die antrainierte Intellektualität bildungsnaher Schichten, sondern die Fähigkeit, ein Geschehen auch mit dem Herzen anzuschauen. Es stimmt, dass man sich um die „Abgehängten“ gerade in Ostdeutschland lange zu wenig gekümmert hat; es wäre aber auch nicht angemessen, diese Personengruppe jetzt allein die politische Agenda bestimmen zu lassen – gerade in dem Moment, in dem sie mit Wahlentscheidungen für die AfD politische Unreife demonstriert hat.

5.

Die Lasten unbegrenzter Zuwanderung haben vor allem die „kleinen Leute“ zu tragen. Es ist daher überheblich, wenn Besserverdienenden ihnen dieses Opfer abverlangen, wohl wissend, dass sie selbst nicht betroffen sind.

Das stimmt teilweise. Auf dem Wohnungsmarkt konkurrieren Flüchtlinge mit Deutschen vor allem um 1- und 2-Zimmer-Wohnungen, auf dem Arbeitsmarkt um weniger qualifizierte Jobs und in den entsprechend unattraktiven Bezirken (z.B. Plattenbauten) sind Deutsche häufiger mit „Ausländern“ konfrontiert als in den reichen Villengegenden. Es stimmt aber nicht, dass nur die „Unterschichten“ zu leiden hätten, denn schließlich haben Besserverdienende die Hauptlast der Steuern zu tragen, aus denen die Versorgung der Flüchtlinge bezahlt wird. Nicht nur Hartz IV-Betroffene können Opfer von Ausländerkriminalität werden oder in den Schulen ihrer Kinder mit „zu vielen“ Ausländern konfrontiert werden. Man kann nicht allen Mitgliedern des „urbanen, bourgeoisen, links-grünen Milieus“ pauschal unterstellen, in einem Tal der Ahnungslosen zu leben.

6.

Die Forderung nach offenen Grenzen ist naiv. Wir können nicht alle aufnehmen.

Der Satz „Wir können nicht alle aufnehmen“ ist nicht falsch – wenn man darunter versteht, dass Deutschland allein alle Menschen der Welt aufnehmen sollte, die sich ein besseres Leben wünschen. Trotzdem ist es natürlich so, dass die Aufnahmekapazität in den Köpfen vieler Deutscher weit eher erschöpft ist als die objektive Aufnahmekapazität in Deutschland. Lebensraum und Finanzmittel sind vorhanden – oder wären es, wenn man das Geld nicht andauernd für die falschen Zwecke (z.B. Rüstung) ausgeben würde.  Wenn es manche Bürger aber schon verstört, wenn jeder zwanzigste Mensch, dem sie begegnen, undeutsch aussieht, dann ist einfach in ihrem Bewusstsein zu wenig Raum vorhanden. Würden alle reichen Länder, einschließlich der USA und Australien, ein angemessenes Flüchtlingskontingent aufnehmen, wäre die Krise in den Griff zu kriegen.

7.

Der Rechtsruck und rechte Gewalt wurden von der Systempresse aufgebauscht, um Quote und Zeitungsverkäufe anzuheizen, um die Gesellschaft zu spalten und den Interessen des Kapitals zu dienen.

Wahr ist: Die Medien wollen verkaufen, und Gewalt und Zoff verkaufen sich gut. Das ist mit eine Erklärung dafür, dass zwischen 2015 und 2018 die Berichte und Talkshows zum Thema Zuwanderung, Islam, Ausländerkriminalität u.ä. explodierten und man den Eindruck gewann, dass es in Deutschland überhaupt keine anderen Probleme mehr gebe. Ich glaube auch, dass folgende Dynamik existiert: Das Establishment will die Protestenergien weg von den neoliberalen Verursachern unserer sozialen Schieflage hin zu rechten Schlägern lenken. Völlig erschöpft vom Kampf gegen „rechts“ bleibt den Linken dann keine Kraft mehr für den Kampf gegen den Kapitalismus – ja dieser kann sich im Schatten des faschistisch-antifaschistischen Gerangels ungestört weiter mästen. Wahr ist aber auch: Es gibt keine „wahren“ Gegner Neoliberalismus und keinen „falschen“ Gegner Faschismus. Beides sind reale und höchst gefährliche Gegner. Und oft haben sie in der Geschichte an einem Strang gezogen, indem der Faschismus dem Kapitalismus beisprang, wenn dieser gegenüber linken Kräften zu unterliegen drohte. Falsch ist es in jedem Fall, Flüchtlinge für das Fehlverhalten der Medien in Mithaftung zu nehmen. Im Übrigen, zum Thema „Aufbauschen“: 1054 rechtsextreme Gewalttaten gab es im Jahr 2017 in Deutschland. Manchmal denke ich, rechte Gewalt wird von vielen Medien eher abgebauscht.

8.

Unternehmer haben den Ausländer-Zuzug gefördert, weil sie Druck auf den Arbeits- und Wohnungsmarkt ausüben, Löhne senken und Mieten erhöhen wollen. Deshalb ist es die Pflicht jedes Linken, den Ausländer-Zuzug zu begrenzen.

Der erste Satz stimmt vermutlich. Der zweite ist fragwürdig. Flüchtlinge sind ebenfalls Opfer – zuerst Opfer der Verhältnisse in ihren Ursprungsländern (daran war auch der Westen durch Kriege, Ausbeutung und die von ihm zu verantwortende Klimakatastrophe beteiligt), dann auch Opfer im Sinn von Schachfiguren auf dem Spielbrett der Unternehmer und Politiker. Wut sollte sich also nicht gegen die Spielfiguren, sondern gegen die Spieler richten. Flüchtlinge „zurück zu schicken“ erscheint oft als die bequemere Forderung. Auf schwachen, machtlosen Menschen kann man leichter herumhacken, um die eigenen politischen Ziele zu erreichen. Unbequemer, jedoch gerechter wäre es, die Regierung und das Establishment, also die Starken, anzugreifen. Demonstrieren wir nicht gegen ausländische Mitbewerber auf dem Wohnungsmarkt, sondern für mehr sozialen Wohnungsbau und gesetzliche Begrenzung der Mieten – gegen Miethaie und ihre Helfershelfer in der Politik.

9.

Helfen wir doch zuerst einmal den vielen Deutschen, denen es schlecht geht – bevor wir uns um Fremde kümmern, die gerade erst ins Land gekommen sind.

Ohne Zweifel wurde die Mehrheit der Deutschen, wurden vor allem Wenigverdiener und prekär Lebende von ihren Regierenden in den letzten Jahrzehnten mies behandelt. Ich nenne hier nur das Stichwort Hartz IV. Dies sollte sich aber keineswegs zu einem Bruderkrieg zweier Opfergruppen auswachsen: „inländische“ gegen „ausländische“ arme Schlucker. Vielmehr sollte sich der Kampf immer gegen „oben“ richten, gegen diejenigen, die das alles inszeniert haben. Flüchtlinge selbst können ja aus rechtlichen Gründen derzeit kaum kämpfen und in den politischen Prozess eingreifen. Deutsche – und zwar sowohl „Abgehängte“ als auch „Bessergestellte“ – müssen diesen Kampf im Interesse (fast) aller mit Nachdruck austragen. Vielleicht wäre es besser, mal die Ausgaben für Rüstung, für die Zahlung überhöhter Zinsen an die Großbanken und für Subventionen an die Fleischindustrie in Frage zu stellen, nicht die Ausgaben für die Notversorgung von Flüchtlingen.

10.

Die ganze Moralisiererei geht mir auf die Nerven. Flüchtlingsfreundlichkeit ist nichts als Heuchelei.

Wollen „Gutmenschen“ Gutes nur deshalb tun, um sich gut zu fühlen? Ist es quasi „moralischer Selbstgenuss“, was sie antreibt, Flüchtlingen auf Bahnhöfen zuzujubeln, bei der Flüchtlingsintegration mitzuhelfen, in der politischen Auseinandersetzung für eine humane Migrationspolitik und gegen rechts zu kämpfen? Zunächst ist nichts Falsches dabei, sich gut zu fühlen, wenn man anderen hilft.  Wäre es etwa besser, sich mit schlechten Taten wohl zu fühlen? Oder Gutes nur unwillig und unter großen Opfern zu vollbringen? Man kann die einfache Wahrheit, dass Altruismus etwas Gutes ist, nicht einfach wegironisieren. Wer selbst nicht helfen will, sollte nicht auch noch die, die es wollen, mit Schmalspur-Sprüchen beschießen. Es ist eine höchst bedenkliche Entwicklung, dass über den Versuch, Hilfsbedürftige und Fremde freundlich zu behandeln, in bestimmten Diskursen fast nur noch ironisch und hämisch geredet wird. Das viel beschworene Abendland, in dem ja auch das schöne Gleichnis vom Barmherzigen Samariter verbreitet ist, wird auf diese Weise geradezu moralisch entkernt. Dieser gefährliche posthumanistische Feldzug richtet sich gegen den Wert hinter allen Werten: die Güte, die darin liegt, zu helfen, wo Hilfe gebraucht wird, und Leiden zu lindern.

 

Betrachten wir aber einmal, nachdem wir die Schwächen der „Gegenseite“ beleuchtet haben, die Vorzüge einer humanen Flüchtlingspolitik:

Die Willkommenskultur, die im Jahr 2015 gipfelte, hat den gewaltigen Vorteil, dass sie Menschen helfen will, die diese Hilfe dringend benötigen. Unterbleibt diese Hilfe, vegetieren Betroffene in Lagern, ertrinken im Mittelmeer oder werden in ihre Heimatländer zurückgeschickt, wo ihr Leben oft nicht mehr sicher ist. Hilfsbedürftigen hilft man. Dieser Grundsatz ist so einfach und nachvollziehbar, dass man schon gute Gründe braucht, um sich dagegen zu stellen. Hat die Rechte solche guten Gründe? Man könnte das Wohl von Deutschen dagegensetzen. Diese sind aber nicht von Hunger, Verfolgung und Ertrinken bedroht, sondern nur davon, die Flüchtlinge in ihrer Notlage anschauen und ihnen – kollektiv über Steuern – etwas von ihrem Geld abgeben zu müssen.

Rechte treffen oft sehr harte Entscheidungen, für deren negative Folgen nicht sie selbst, sondern andere einstehen müssten. Im schlimmsten Fall müssten Menschen für das Recht von Deutschen auf eine möglichst unvermischte Bevölkerung mit ihrem Leben bezahlen. Im Kontrast zu dieser Härte reagieren Rechte jedoch höchst empfindsam, wenn sie Gegenwind spüren bekommen oder als „rechts“ bezeichnet werden. Man muss tatsächlich nicht wegen jeder zuwanderungsskeptischen Äußerung gleich die Unmenschlichkeit der Nazis herbeizitieren, die halb Europa verbrannten und millionenfachen Völkermord begingen. Unsere Epoche ist durchaus in der Lage, ihre eigenen Spielarten der Unmenschlichkeit hervorzubringen. Jeder sollte Acht geben, dass er nicht beabsichtigt oder unbeabsichtigt zu einem Teil davon wird.

 

Anzeige von 29 kommentaren
  • Manfred
    Antworten

    Baut die Flüchtlingsheime direkt in die Reichenviertel, dann können die „Wohltäter“ direkt vor Ort helfen, genau so wie im Safari-Urlaub auch. 😉

  • Die Waage der Gerechtigkeit
    Antworten
    Das BÖSE gibt es nicht ohne das GUTE, dass GUTE nicht ohne das BÖSE, wäre doch alles sonst weder BÖSE noch GUT, aber VERHEEREND oder WUNDERBAR,
    mit Sicherheit naiv.

    .

    .

    „Ausnahmen bestätigen (weder immer noch überall) die Regel“

  • Holdger Platta
    Antworten
    Lieber Roland,

    ein ganz ausgezeichneter – weil argumentativer und ausgesprochen differenzierter – Artikel zum Thema Flüchtlingshilfe („Willkommenskultur“) und zum Thema scheinlinker Schlaumeiereien, die aus der Tatsache, daß bestimmte Kapitalfraktionen bestimmte (!) Flüchtlinge nach Deutschland holen wollen, das Pseudo-Argument zimmern, deswegen sollten Flüchtlinge lieber im Mittelmeer ersaufen und wir ‚echten‘ Linken hätten uns gegen die Flüchtlinge zu stellen, die ’nur‘ vor dem Hungertod, ’nur‘ vor Kriegen und Bürgerkriegen, ’nur‘ vor der Klimakastrophe in ihren Herkunftsländern – unter anderem! – nach Deutschland fliehen.

    Es war kein geringerer als Karl Marx, der diesen Trugschluß, wenn die Falschen das Richtige wollen, müsse auch das Richtige falsch sein, immer mal wieder einer ironischen Entgegnung unterzog – übrigens unter Zuhilfenahme eines Aphorismus, den er von Johann Peter Hebel ‚ausgeborgt‘ hat: „Auch die Philister haben manchmal Recht, doch immer aus den falschen Gründen!“ Damit – mit diesen „Philistern“, waren bei Karl Marx nicht zuletzt die Kapitalisten gemeint!

    Es wäre also sehr wünschenswert, wenn sich Sahra Wagenknecht nebst Ehemann Oskar Lafontaine immer mal wieder an diese kleine Weisheit von Marx/Hebel erinnern würden. Die oben von Roland ausgezeichnet analysierten Falschargumente der beiden Top-Leute der Sammlungsbewegten von #aufstehen würden dann vielleicht einer zutreffenderen Einsicht weichen können: „Willkommenskultur“ und echt-linke Bewegung müssen Hand in Hand gehen, Fluchtursachenbekämpfung und Soforthilfe für Menschen, die ansonsten auf ihrer Flucht zu uns krepieren müßten, stellen die beiden Seiten der einen unteilbaren Humanität dar, nicht aber ein Entweder-Oder, wie uns #aufstehen glauben machen will.

    Anders gesagt:

    Eine linke Bewegung, die ihre Humanität aufgibt, hört genau in diesem Moment auf, eine linke Bewegung zu sein!

    Herzlich

    Holdger

  • Regimekritiker_Dracula
    Antworten
    Zehn platte Parolen, die ein aufgeklärter Aufsteher niemals an seinem Stammtisch zum Besten geben würde. Und gegen diese Aufsteher geht es ja im Grunde genommen leider schon wieder. S.W. und die vielen Sammlungsbeweger haben mitnichten ihre Humanität aufgegeben. Sie suchen nach realisierbaren Lösungen und würden sich freuen, wenn die, die etwas andere humanitäre Lösungsstrategien priorisieren, mitziehen würden. Denn das Ziel ist das gleiche und Wege gibt es viele. Aber auch überwältigend viele Gegner.

    Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft.

    Das kann es doch nicht sein, oder? Humanisten aller Nuancen einigt Euch!

  • Holdger Platta
    Antworten
    Nix, kapiert, „Regimekritiker_Dracula“? – Humanisten anderer „Nuancen“ sind jene Mitmenschen, die andere Mitmenschen einfach mal so auf dem Mittelmeer absaufen lassen wollen, eben nicht! Wenn das Deine Logik ist, war Stalin ein Menschenfreund, Mao und Pol Pot müßte man nachträglich den Friedensnobelpreis verleihen, und Sozialismus soll erneut auf Leichenbergen errichtet werden.

    Ohne uns! Für „Nuancen“ mit Todesfolgen sind wir leider nicht zu haben, da bleibt mal lieber unter Euch!

  • eulenfeder
    Antworten
    Halt ! Regimekritiker –

    Für Stammtisch-Niveau bin immer noch ich zuständig ! – grins…

    Aber – da könnte ich noch so tieffliegend schimpfen, krawallisieren, rundumschlägern –

    ist dennoch eines sicher und muss sicher verankert sein und bleiben:

    Die Unteilbarkeit, Unverhandelbarkeit des Menschenrechts ! – wie es auch für die Freiheit gelten muss !

    Und – eben diese Abweichungen sind in jenem ‚Grundsatzpapier‘ ‚Aufstehen‘ politisch-pragmatisch-demagogisch eingebaut, gut versteckt, zwar.

    So well hidden, dass mich erst die Recherche einer vorzüglichen Spürnase wirklich darauf aufmerksam machte, dann aber war es deutlich zu erkennen.

    Ich verstehe ja die gewisse Euphorie um einen Neuen Aufbruch und Ausbruch aus dem auch Linken Festsitzen – jedoch muss ein Neuer Aufbruch ‚right from the start‘ ein bedingungsloser FÜR das Menschenrecht sein ! Daran darf nicht herumgebastelt werden, Machbarkeiten dürfen das Menschenrecht nicht unterordnen, in keiner Weise.

    Freilich widerspreche ich da oft mir selbst, wenn ich die radikale Revolution fordere – aber letztlich muss ich NEIN sagen, zu jedweden Einschränkungen des Menschenrechts, müsste also dann auch die Revolution ’sausen lassen ‚.

    Tja – wie ist sie dann zu erreichen, überhaupt ? – für mich die schwierigste Frage, überhaupt.

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

  • Regimekritiker_Dracula
    Antworten
    Und jetzt muss ich mich in die rechte Ecke gestellt fühlen und wie ein Mauerschütze schämen, nur weil ich differenzierte Meinungen (wie u.a. von S.W. vertreten) platten Stammtischsprüchen vorziehe. Tue ich aber nicht. Ich akzeptiere differenziert andere, nicht weniger humanistische Meinungen. „Nuancen mit Todesfolgen“ gibt es hier nicht. Das sind Verbrechen! Da sind wir einer Meinung, allerdings nur einseitig von mir akzeptiert. Was bringt UNS dieser Streit und was den „ANDEREN“.
  • Gerold Flock
    Antworten
    Das Foto? Wer hat Euch das zugeschickt? Das erinnert mich irgendwie an die Gedankenpolizei.
  • Gerold Flock
    Antworten
    Mir sind Mitmenschen sympathisch, die zugeben das die Spenderei kaum was verändert hat und auch nicht richtig geholfen hat.

    medico international?

    Ja. Denen müßte ich viel mehr spenden. – Dazu müßte ich ein besserer Mensch werden. – Wie geht das, wenn man andauernd jobmäßig usw. egoistisch zu sein hat, in diesem System? Und wenn man überwiegend mit solchen Egoisten zu tun hat? – Am schlimmsten sind oft die, die sich selber als Gutmenschen feiern und outen. (Bill Gates, Warren Buffet usw.) Schwierige Übung…Man glaubt es gar nicht wie Jobs einen den Egozentriker aufstempeln.

    Jedenfalls diese medico international Menschen gehören zu den Wenigen, die es Zugeben, das es kaum was verändert und gebracht hat die Spenderei und nur solche Hilfsorganisationen, die sich mit dieser Thematik und mit dieser Tragödie befassen, werden in Zukunft was zum Besseren verändern. – Der Rest des angeblichen Gutmenschentums spendet oft doch nur für sein eigenes Ego und verändert somit kaum was?!

    Buchtipp:
    wege aus der globalen krise HILFE? HILFE! von Thomas Gebauer und Ilija Trojanow

  • Argonautiker
    Antworten
    Es ist erstaunlich, wie falsch eigentlich gut Gemeintes wird, wenn es zur Ideologie wird, und man einen Pol einer Polarität einnimmt. Im Annehmen des eigenen gut und ganz Seins, nimmt man mit seinem Links sein doch den Anspruch auf die ganze Wahrheit ein, und trägt so mit zur Schieflage bei.

     

     

    Zu Punkt 1:

    Ist nicht der der größte Spalter, der die Bevölkerung grundsätzlich in ein linkes und rechtes Lager zu teilen versucht, anstatt die Dinge einfach zu nehmen wie sie sind, und allem Raum zu geben? Ist denn in Wirklichkeit nicht der der Übeltäter, der den Anspruch erhebt, für alle Bestimmen zu wollen was recht, und was unrecht ist, obwohl das eben nicht so ist, weil das was für den Einen Gut ist, kann für den Anderen schlecht sein?

     

     

    Seit wann ist es grundsätzlich gut Fremde zu mögen und seit wann ist es grundsätzlich schlecht Fremde nicht zu mögen? Kann man das wirklich so entscheiden? Wird der, der keine Fremde mag nicht erst dadurch böse, wenn man ihm seiner Wirklichkeit zu berauben sucht, und ihn zu etwas zwingen will, was ihm nicht entspricht?

     

     

    Zu Punkt 2:

    „Menschen, die Grenzen überqueren wollen, brauchen dagegen Hilfe und können ihrem Gastgeberland auch behilflich sein.“

     

     

    Wo fängt das Recht Grenzen überschreiten zu dürfen an, und wann hört das Recht Grenzen überschreiten zu dürfen auf? Ist eine Grenze nicht auch etwas, was beide nicht nur trennt, sondern eventuell auch schüzt? Wann darf ein Mensch also in den Bereich eines Anderen eindringen und wann nicht? Hat nur der Grenzüberschreitende Rechte, oder auch der, dessen Grenzen überschritten werden? Ist es nicht so, daß jeder selbst bestimmen möchte, wer in seinen Bereich eindringen darf und wer nicht? Und ist das nicht auch gut so? Kann man also Grundsätzlich definieren, daß die Rechte des Grenzüberschreitenden höher stehen, als die des Revierinhabers?

     

     

    Zu Punkt 3:

    „Es ist viel besser, die Fluchtursachen zu bekämpfen als Flüchtlingen zu helfen.

    Das stimmt so nicht, weil natürlich beides getan werden muss.“

     

    Es ist natürlich so, daß es wichtiger ist die Fluchtursachen zu bekämpfen, als Flüchtlingen zu helfen, weil wenn es keine Gründe zur Flucht gibt, dann gibt es keine Flüchtlinge denen man helfen muß. Folglich muß man erstrangig die Ursachen bekämpfen und zweirangig den Flüchtlingen helfen, weil wenn man seine Kraft erstrangig auf die Aufnahme auslegte, und nur zweitrangig auf die Ursachenbeseitigung, wird die Zahl der Flüchtlinge weiterhin stetig steigen, was unweigerlich dahin führt, daß die Aufnahmeländer irgendwann überfordert werden.

     

    Zu Punkt 5:

    „Es stimmt aber nicht, dass nur die „Unterschichten“ zu leiden hätten, denn schließlich haben Besserverdienende die Hauptlast der Steuern zu tragen,…“

     

     

    Seit wann gibt es ein Flüchtlingssteuer, die hauptsächlich von besser Verdienenden getragen wird? Ist es nicht eher so, daß es bei der Umverteilung der Steuereinnahmen, sehr wohl gerade die Ärmsten im Land trifft, weil die das Umverteilte mit den Flüchtlingen teilen müssen?

     

     

    Wäre es nicht wirklich gerechter, wenn es wirklich eine Flüchtlingssteuer gäbe, die dann auch von denen getragen wird, die, weil sie von den Flüchtlingen profitieren, diese auch bezahlen?

     

     

    Zu Punkt 6:

    „Trotzdem ist es natürlich so, dass die Aufnahmekapazität in den Köpfen vieler Deutscher weit eher erschöpft ist als die objektive Aufnahmekapazität in Deutschland,…“

     

     

    Wer entscheidet was objektiv ist, wo doch auch der Entscheider nur seine Subjektivität hat, und Objektivität doch oft nichts anderes, als eine dominante Subjektivität ist? Braucht es denn wirklich ein globales Entscheidungsmonopol, oder sollten nicht eher die Menschen und Gemeinden selbst entscheiden, ob und was sie zu leisten für andere gewillt sind?

     

     

    Wo bleiben die Menschenrechte für die, die aufnehmen sollen? Haben die nicht auch ein Recht mit denen zusammenleben zu können, mit dem sie das auch wollen? Wo hört der Anspruch monopolhaft über andere Verhaltensweisen entscheiden zu dürfen auf? Warum will man überhaupt Menschen gegen ihre eigenes Empfinden zwingen können, ob sie Fremde aufnehmen wollen oder nicht?

     

     

    Zu Punkt 7:

    „Falsch ist es in jedem Fall, Flüchtlinge für das Fehlverhalten der Medien in Mithaftung zu nehmen“

     

     

    Sehr richtig, der einzelne Flüchtling ist definitiv in den seltendsten Fällen der Feind und für die Medien schon gleich gar nicjht zuständig. Eine Mehrzahl von Flüchtlingen kann hingegen schon zum Feind werden, wenn die Lebensart der Flüchtlinge in Unvereinbarkeit zur Lebensart der Aufnehmer gerät.

     

     

    Zu Punkt 8:

    „Demonstrieren wir nicht gegen ausländische Mitbewerber auf dem Wohnungsmarkt, sondern für mehr sozialen Wohnungsbau und gesetzliche Begrenzung der Mieten“

     

     

    Flüchtlinge werden in diesem Punkt links instrumentalisiert. Wie schon in Punkt 3 genannt, ist es Unsinn, zu viel Kraft in die Versorgung des Übels zu investieren, wenn man die Ursachen nicht behebt. Wenn es Ursache und Wirkung gibt, und die gibt es, dann muß man immer das Doppelte in die Ursachenbekämpfung investieren wie man in die Versorgung des Übels investiert. Macht man es umgekehrt, dann verausgabt man sich nur, was auf Dauer betrieben niemandem nützt.

     

     

    Zu Punkt 9:

    „Helfen wir doch zuerst einmal den vielen Deutschen, denen es schlecht geht – bevor wir uns um Fremde kümmern, die gerade erst ins Land gekommen sind.“

    Zunächst wieder einmal, hilft man Flüchtlingen wirklich, wenn man ihnen beim Flüchten hilft, oder braucht nicht jeder Mensch eher einen Platz zum Bleiben, sodaß man das Augenmerk eher darauf zu richten hätte?

     

     

    Und ja, es wäre schon sinvoll, die Leute vorrangig zur Kasse zu bitten, die Verursacher sind, weil sowohl Neoliberalismus wie auch Waffenlieferungen sehr kontraproduktiv sind. Der Neoliberalismus bringt das Geld in den Flüchtlingsländern in die Hände von Wenigen, die damit Waffen kaufen, um damit eine Dominanz auszuüben, die zum Flüchten veranlasst.

     

     

    Ein Autofahrer muß Steuern zahlen, damit das Verkehrsnetz erbaut und erhalten werden kann. Ich halte eine Flüchtlingssteuer auf die Betriebe gelegt, die Verursacher und Nutznießer sind, durchaus für gerechter als eine Umlage auf Alle.

     

     

    Eine der Hauptursachen der Migration ist der Neoliberalismus. Er erzeugt Flüchtlinge, weil der Markt über den Menschen gestellt wird, und nicht mehr dem Menschen dient. Übermächtig wurde der Neoliberalismus neuzeitlich, indem die Regierungen bei der letzten großen Krise, (der Lehman Pleite), die Systemrelevanz aus dem Hut zauberte, und ihre Zustimmung zur Insolvenzverschleppung gab. Die Verusacher wurden mit QE belohnt, die Leidtragenden wurden mittels Schwarzer Null bestraft. Verursacher investieren durch QE in die Industriealisierung der Flüchtlingsländer und diese Industriealisierung zerstört regionale Volkswirtschaften. Das erzeugt Arbeitslosigkeit, Unruhen, Krieg, Flüchtlinge.

     

     

    Zu Punkt 10:

    Siehe Punkt 3

    2 Euro in die Ursachenbekämpfung und 1 Euro in die Flüchtlingsversorgung. Ein Umgekehrtes Verhältnis wird unweigerlich zur Vermehrung von Flüchtlingen führen.

     

     

    Fazit:

    Der Autor dieses Artikels sieht, obwohl er durchaus eine Infragestellung dieser Haltung intelektuell zwar zulässt, den Flüchtling vorwiegend als grundsätzlich unschuldiges Opfer an, und damit sehe ich ihn Autor als befangenen an. Ein Helfersyndrom erster Güte. Es ist richtig, daß es zu 100% unschuldige Opfer gibt, aber anzunehmen, daß ein Opfer immer ohne Schuld ist, macht das Opfer erst recht zum Opfer, weil es ihm dadurch suggeriert, daß es nichts hätte tun, oder unterlassen können, um nicht in die Rolle des Opfers zu gelangen.

     

     

    Es sollte also Grundsätzlich zwischen unterschiedlichen Opfertypen unterschieden werden. Die die wirklich durch eine einseitige Aggresion Anderer entstehen, und die, die sich unvorsichtiger Weise in eine Situation begeben, in der sie allzu leicht zum Opfer werden, und zwar in der Hoffnung, daß sie schon jemand retten wird. Und da zwischen gibt noch viele weiter Nuancen.

     

     

    Es gibt DEN Flüchtling und DEN Migranten also schlichweg nicht. Ein Generalismus führt, obwohl er sich bei Individuen eigentlich per sé verböte, also unweigerlich in die Spaltung, weil immer Teile der Wahrheit auf der Strecke bleiben. Und das ist in unserem Land geschehen. Es wurde durch ein zunächst generell verordnetes „Flüchtlinge sind gut“ gespalten, weil die ankommenden nicht generell gut sind.

     

     

    Und last but not least, durch vollkommen offene Grenzen gehen nicht nur Flüchtlinge, sondern auch die, und das, vor denen die Flüchtlinge fliehen. Anzunehmen das währe nicht so, halte ich für grob fahrlässig.

    • eulenfeder
      Antworten
      naja –

      da kann ich mit Freude sogar und auch mit eigener Überzeugung den ‚Wecker‘ zitieren: “ Wir brauchen eine grenzenlose Welt „.

      Diese ganzen immensen, komplexen Probleme haben wir weil es Grenzen gibt ( Staatsgrenzen, Politisch-Ideologische Grenzen, Glaubensgrenzen u.s.w. ). Direkte Folgen  dieser Grenzen sind Kriege und Vertreibungen, Hunger und Not.

      Und stellt man das Menschenrecht und die Freiheit vornan, wie es sein sollte – fallen Grenzen fast zwangsläufig.

      Was du – Argonautiker – hier mit deinem Kommentar machst, ist das Eröffnen weiterer Grenzen – die bestehenden nochmal auseinander dividiert, multipliziert.

      Menschlichkeit, Herzlichkeit, müssen grenzenlos sein.

       

       

       

       

       

       

      • Argonautiker
        Antworten
        Liebe Eulenfeder,

        ist es in Ordnung wenn ich mich nach ihrer Adresse erkundige, und mich dann mal mit ein Paar für Sie als zwielichtig erscheinenden Gestalten, unangemeldet in Ihrer Wohnung breit mache? Oder sind Grenzen nicht durchaus eben auch zwischen den Menschen wichtig, wenn sie eben ob ihres so Seins, nicht so gut zusammen passen?

         

        Was würde passieren, wenn ich also wirklich ernst machen würde, und vorbei käme? Würden Sie es dann nicht auch für richtig empfinden, daß wir erstens, erst fragen ob wir willkommen sind, und wir es zweitens akzeptierten, wenn wir es nicht wären, oder ist es wirklich ok für sie? Sind sie wirklich so offen, daß sie eine Grenzenlosigkeit leben können? Ich fürchte Sie sind ebenso wie der Autor ein linker Ideologist, der meint, eine Linke Haltung wäre die einzig mögliche, und damit die Einzig akzeptabele, und damit die Einzige, die ein Anrecht auf Dasein hat.

        Ich finde Grenzenlosigkeit auch schön, wenn sie auf gegenseitiger Freiwilligkeit beruht. Nichts wäre mir lieber, als wenn es so wäre, daß ich mit jedem so verträglich wäre, daß dies möglich wäre. Dem ist aber nicht so, und weil dem nicht so ist, kann man die Grenzenlosigkeit nur so weit betreiben, wie sie inhaltlich eben auch wirklich möglich ist.

        Ich denke Sie machen sich etwas vor, denn ich möchte Sie wirklich mal sehen, wenn wir uns einfach so in ihrer Wohnung breit machen würden, und dann Menschlichkeit und Herzlichkeit von Ihnen forderten.

        Menschlichkeit und Herzlichkeit, müssen ihrer Ansicht nach ja grenzenlos sein. Darf ich also vorbei kommen? Was heißt darf ich? Natürlich darf ich, weil es ist ja ihr Credo, daß Menschlichkeit und Herzlichkeit ja Grenzenlos sein muß. Oder gilt ihre Haltung da dann doch nicht grenzenlos? Warum hätten Sie dann uns gegenüber das Anrecht sich abzugrenzen, aber ein sogenannter Rechter hat keinen Anspruch darauf sich gegen etwas abzugrenzen was er nicht mag?

        Ich würde hier also eher sagen, da, wo Menschlichkeit und Herzlichkeit gegenseitig und echt ist, da braucht es keine Grenzen. Das ist aber etwas anderes, weil man dabei schaut, was Wirklichkeit ist, und dementsprechend handelt. Sie setzen ihre Vorstellung über die seiende Wirklichkeit. Ich möchte jetzt nicht öffentlich sagen, wie man das in der psychologischen Fachsprache nennt, aber wenn es sie interessiert, fragen Sie mal einen.

        Sie machen sich zu Gott meine liebe Eulenfeder. Sie nehmen in Anspruch bestimmen zu dürfen, was Andere zu Fühlen und zu Sein haben. Liebe und Hass können Sie aber nicht erzeugen, sondern sie entstehen durch den Gegenüber in Ihnen, oder eben nicht. Da sind sie machtlos. Sie können dann höchsten unehrlich zu sich sein, und so tun als ob.

         

        • eulenfeder
          Antworten
          naja – Argonautiker,

          1. – bin ich kein ‚Linker‘ – bin Anarchist.

          2. – darf bei mir jeder anklopfen, auch weil ich keine Angst vor Fremden habe.

          3. – schliesse ich ja gute Manieren bei Fremden nicht aus, warum sollte ich ?

          4. – Erbarmt mich ein Notleidender ( und gerade Flüchtlinge leiden sehr hier ) und er bekommt mein letztes Hemd, wenns draufankommt.

          5. – wer unbefugt, also nicht erwünscht in mein Zimmer geht, bekommt eine Watschn, ob In- oder Ausländer, scheissegal, auch du übrigens.

          6. – bin ich besorgt um dich, weil du in deinem Text eine Menge Angst und Vorbehalte offenbarst, aber diese auf Unbekannte transportierst.

          7. – lasse ja gerade ich als Anarchist Weltoffenheit zu, ich habe Grenzen nicht im Kopf, du schon.

          8. – sind die Geflüchteten und temporär Geduldeten hier, die ich im Park immer wieder treffe, die Einzigen, die sich öffnen und gerne mit mir reden, einer aus dem Kongo, aus Afghanistan, einer aus Sibirien ganz weit hinten am Eismeer – und der ist ein überaus sympathischer, immer gerne redender, freundlicher , Kontakt-suchender Mensch, immer Wodka dabei: “ Trinkst du, ist gutt für Seele ! „… während die Einheimischen keinerlei Notiz von all den Gestrandeten hier nehmen, diese ganz einfach ignorieren. Offenheit, Freundlichkeit Interesse, gehen also von den Geflüchteten aus, nicht von den Einheimischen !!

          naja – jedem das seine wohl, dir deine Vorbehalte und Vorurteile – mir meine Offenheit.

           

          • Argonautiker
            Liebe Eulenfeder,

            man muß keine Angst vor Fremden haben, um nicht mit Ihnen Leben  zu wollen. Natürlich ist Angst ein möglicher Grund, aber eben nur EIN möglicher, man kann Fremde jedoch auch ohne Angst nicht mögen, beziehungsweise einfach lieber ohne sie leben wollen. Eins ist jedoch sicher, daß wenn man Fremde mögen muß, obwohl man sie nicht mag, dann geht das nicht gut, weil derjenige der etwas kontinuierlich verdrängen muß, wird automatisch böse, weil jegliches Leben was nicht sein darf böse wird.

             

            Daß Sie ein „Fremdes nicht Mögen“ jedoch nun mal einfach nicht akzeptieren können, und immer wieder mit etwas negativen zu verknüpfen suchen, und ein „Fremde mögen“ mit etwas positiven verknüpfen, zeigt durchaus, daß sie recht einseitig sind, auch wenn Sie das nicht als Links bezeichnet sehen wollen.

             

            Was Sie damit aber sicherlich tun, ist, daß sie alles ausschließen wollen, was das Fremde nicht will. Im gleichen Atemzug wollen Sie glaubwürdig machen, daß sie nichts ausgrenzen, und ganz offen sind, aber nur diese Art von Offenheit die einzig richtige, beziehungsweuise besser ist, als das sich Abgrenzenwollende.

             

            Ohne Zweifel gibt es sehr viele nette Fremde, da bin ich ganz bei Ihnen, aber eine Verknüpfung von Fremd ist automatisch nett, die gibt es nicht. Es gibt auch nicht nette.

             

            Eine Gruppierung kann nie generell gut oder schlecht sein, weil eine Gruppierung immer nur das sein kann was die Summe ihrer Individuen hergibt. Es stimmt also auch nicht, daß alle Deutschen gut sind und alles was nicht deutsch ist, schlecht ist, auch das ist einseitiger Nonsens.

             

            Nur ein Mensch kann eine Wirklichkeit zeugende Art entwickeln, und die kann eben für den Einen als „gut“ und für einen Anderen als „schlecht“ empfunden werden, und ein Anderer urteilt wieder anders. Folglich kann es weder eine generelle Klassifizierung von „Flüchtlinge sind gut“, oder „Flüchtlinge sind schlecht“ geben. Wenn es da also keine Generalität geben kann, kann es nur der Beurteilung des Einzelnen unterliegen ob er das als eher gut oder schlecht für sich empfindet. Das zu Beurteilen ,sollte man allerdings auch wirklich jedem zusprechen, nicht nur denen, die das zu Beurteilende so beurteilen, wie man das selbst tut.

             

            Wenn das für Sie übrigens so ist, daß die Fremden ihnen alle offen gegenüber treten, freut mich das für Sie auf der einen Seite, auf der anderen Seite ist es natürlich schade, wenn ihnen von Einheimischen keine Offenheit entgegen gebracht wird. Mir geht das zwar nicht so, sondern mir sind die meisten Einheimischen näher als die Fremden, was aber nicht heißen soll, daß mir Fremde nicht auch nahe kommen können.

             

            Ich bin etwa 10 Jahre zur See gefahren und erstens lernt man da die unterschiedlichsten Kulturen in ihren Ländern kennen, was sehr schön ist, aber auch sehr verschieden zu dem, wie sie sich in der Fremde verhalten, und zweitens setzt sich die Besatzung meist sehr international zusammen. Im Schnitt arbeiteten wir zu etwa 25 unterschiedlichen Nationen zusammen. Das ging mal super, mal auch nur gut, und mal weniger gut, also unterschiedlich. Was hingegen gleich war, ist der Umstand, daß sich, obwohl es zu einer Vermischung von Kulturen an Bord kam, sich ähnliche Kulturen trotzdem mehr zusammen fanden, als es das Multikulturelle tat. Was ebenfalls für alle gleich war, war der Umstand, daß die Meisten wieder froh waren, wenn sie nach einigen Monaten des um die Welt fahrens, wieder in ihre Heimat kamen.

             

            Russen und Ukrainer sind übrigens sehr gute Seeleute. Daß Wodka allerdings immer gut für die Seele sein soll, das halte ich für äußerst fraglich. Auch etwas was ich von der Seefahrt her kenne. Ein schlückchen Wodka lässt die Menschen auch multikulturell durchaus etwas näher zusammenrutschen, viel Wodka bewirkt leider das Gegenteil, und hat zu einigen Kulturellen Außeinanderasetzungen geführt. Ob Wodka für eine Seele also immer so zuträglich ist, halte ich für einen oberflächlichen Nonsens, der gerne zum Smalltalk her halten muß, und dafür auch vollkommen ausreichend ist.

             

            Wissen Sie übrigens, warum sich die Seeleute irgendwann nach der Heimat sehnen, und zwar Männlein wie Weiblein? Weil sich die Seele in der eigenen Kultur meist tiefer verankert fühlt, und man diese tiefe Verankerung nach einer Weile einfach mal wieder mehr braucht, als den eher oberflächlichere Kontakt mit dem Fremden. Das Fremde braucht meist viel länger um zueinander eine wirkliche Tiefe zu erreichen. Etwas was ich selbst nie für möglich gehalten habe, weil mich das Fremde immer sehr angezogen hat. Aber es ist so, und bei allen, die ich in der Fremde getroffen habe, und die lange in der Fremde waren, war das meist ebenso. Ist man dann wieder eine Weile in der Heimat, lockt dann wieder das Grenzenüberwindende.

             

            Meine Erfahrung ist also, daß sowohl das sich abgrenzende Heimat bildende seine Forderungen im Menschen stellen kann, wie auch das Grenzüberschreitende in die Fremde ziehen seine Zeit haben kann. Wer jedoch generell die eine Seite der anderen Seite vorziehen möchte, den halte ich zu mindest für einen unerfahrenen Menschen.

             

            Was der Mensch also definitiv nicht barucht, ist eine Generalität die von Außen Bestimmt in welcher Phase des Lebens man sich zu befinden hat. Das sollte einem Anarchisten doch eigentlich gar nicht so fremd sein. Aber genau das versucht man derzeit sowohl von Rechts wie auch von Links zu Bestimmen. Die das Bestimmen wollen, sind die gleichen Leute, die die Nationalitäten einst benutzten, um sich in ihrer Geborgenheit zu übergroßen Globalisten groß zu saugen, und nun fordern, daß sämtliche nationalen Grenzen fallen sollten. Was meinen Sie warum man das von dieser Seite aus nun über die UN zur Pflicht machen will? Um Anarchie zu erreichen?

    • Holdger Platta
      Antworten
      Lieber „Argonautiker“,

      ich will ausdrücklich anerkennen, daß Du Dich um präzise Auseinandersetzung mit den Thesen von Roland Rottenfußer bemüht hast. Aber um mindestens eine – Roland wie mir ausgesprochen wichtige Antwort – hast auch Du Dich herumgedrückt, wie so viele andere vor Dir (auf eine Frage, die auch ich oben nochmals mit aller Deutlichkeit zu stellen versucht hatte): 

      Will die ‚Sammlungsbewegung‘ #aufstehen auch die Hungerflüchtlinge, Klimaflüchtlinge, Kriegs- und Bürgerkriegsflüchtlinge aufnehmen in unser Land? Oder diese Menschen in Lebensgefahr lieber – mit Vertröstung auf irgendwann vielleicht oder hoffentlich wirksame „Fluchtursachenbekämpfung“ – erstmal kein Aufenthaltsrecht bei uns zubilligen??? Und stattdessen lieber in Kauf nehmen, daß sie bitteschön bis auf weiteres in der Sahelzone an Hunger krepieren oder absaufen sollen auf dem Mittelmeer?

      Ich zitiere hier nochmal die einschlägige Stelle aus dem Aufruf von #aufstehen vom 4. September dieses Jahres:

      „Hilfe für Menschen in Not: Das Recht auf Asyl für Verfolgte gewährleisten, Waffenexporte in Spannungsgebiete stoppen und unfaire Handelspraktiken beenden, Kriegs- und Klimaflüchtlingen helfen, Armut, Hunger und Elendskrankheiten vor Ort bekämpfen und in den Heimatländern Perspektiven schaffen. Durch eine neue Weltwirtschaftsordnung die Lebenschancen aller Völker auf hohem Niveau und im Einklang mit den Ressourcen angleichen.“

      Worin soll das „Helfen“ für diese an Leib und Leben bedrohten Menschen bestehen – aktuell, jetzt!!! -, wenn expressis verbis diesen Flüchtlingen kein Recht auf Asyl zugesprochen werden soll? Eine Frage, die sich um so verschärfter stellt, als es inzwischen zig sonstige Äußerungen von Sahra Wagenknecht und anderen Top-Leuten von #aufstehen gibt, die sich gegen die Aufnahme dieser an Leib und Leben bedrohten Menschen bei uns jetzt ausgesprochen haben???

      Bitte bei all Deinen – hochwillkommenen! -Differenzierungen diese klare Frage und klare Antwort nicht ‚wegdifferenzieren‘! Und bitte auch dieses: gehe doch nicht unter Dein eigenes argumentatives Niveau und unterstelle uns Meinungskontrahenten primitiverweise und auf pathologisierende Weise gleich ein „Helfersyndrom“ oder sonstiges! Projektionen dieser Art haben per se etwas Dummes, und sie plaudern eher etwas über den Projizierenden aus als über die Opfer dieser Projektionen. Was das sein könnte, lasse ich hier besser mal beiseite!

      Mit herzlichem Gruß

      Holdger Platta

      • Argonautiker
        Antworten
        Lieber Holdger Platter

        erstens kenne ich keinen Roland Rottenfußer, und zweitens war die Lage vor Merkels „Ruf“ in den Flüchtlingslagern um die Flüchtlingsländer herum gar nicht so Katastrophal. Natürlich im Verhältnis dazu gesehen, wie es auf einer Flucht eben sein kann. Sicherlich im Groß nicht schlechter wie es ihnen nun geht.

         

        Die Entscheider, die heute rufen, wir müssen diesen Leuten helfen, haben damals entschieden, die Sanktionen die sie gegen diese Länder schon befohlen hatten, auch auf die Flüchtlingslager auszuweiten. Erst diese Sanktionen haben diese Flüchtlingswelle richtig losgetreten, und das war für niemanden wirklich eine Lösung.

         

        Das Problem bei diesen Menschen ist das, was die alten Indianer mit gespaltener Zunge benannten, und bei dem final dann immer nur das raus kommt was ihnen nützt. Und diese Leute, die jetzt das Flüchten zu einem Recht machen wollen, wollen Sie unterstützen? Wie wäre es, wenn sie diese Leute wegen Verbrechen an der Menwschlichkeit anklagen, anstatt sie in ihren Positionen zu belassen und immer nur wie ein Lakai, deren zurückgelassenen Mist aufräumen.

         

        Wissen Sie ich brauche auch keinen Plan für die Hilfe von Flüchtlingen zu entwickeln, weil ich für deren Leben nicht mehr Verantwortung habe, wie sie es für ihr eigenes Leben haben. Das Andere mehr Pflicht haben sollen wie der Flüchtling selbst, ist durch nichts begründet. Was soll das für ein Hexenhammer sein, zu dem Sie mich da einladen wollen?

         

        Merken Sie eigentlich gar nicht wie sie Rechte und Pflichten da umverteilen wollen? Man darf sich bei den Entscheidern weiter so verhalten sodaß Flüchtlinge erzeugt werden, und die Allgemeinheit soll die Last tragen. Warum? Habe ich die mit Sanktionen verhängt? Habe ich da Waffen hingeliefert? Jetzt nach 3 jahren überlegt man sich mal, ob man die Waffenlieferungen an Saudi Arabien vielleicht mal aussetzen sollte. Wohl gemerkt, die Leute die jetzt rufen wir müssen den Flüchtlingen helfen, überlegen die Waffenlieferungen auszusetzen, weil kaum mehr zu verbergen ist, wer da Verusacher ist. Und beim Überlegen wird es auch bleiben.

         

        Ich schrieb im Übrigen schon, wie man dem Begegnen sollte. Habe Sie das absichtlich überlesen um mir Ihren Hexenhammer unterschieben zu können?

         

        2 Euro in die Fluchtursachenbekämpfung und 1 Euro in die Flüchtlingsversorgung, und die Flüchtlinge werden weniger. Wenn sie 2 Euro in die Flüchtlingsversorgung stecken und 1 Euro in die Fluchtursachenbekämpfung, dann werden sie weiter Flüchtlinge produzieren.

         

        Was denken Sie wie konkret dieser Migrationspakt für den so viele nun sind, ist? Und was gedenken sie, was die Leute, die mit ihrer Sanktionspolitik dieses Desaster erst erzeugt haben, mit diesem absolut unkonkreten Formulierungen umgehen werden? Glauben Sie, sie werden das tun was sie bei einer „Aufstehen“ Kundgebung haben verlauten lassen? Wovon traümen Sie Nachts?

         

        Ich glaube Sie sollten sich langsam von der Vorstellung verabschieden, daß diese Flüchtlingskatastrophe wie von Gott gewollt so einfach über uns gekommen ist. Diese Krise ist gemacht, und durch die derzeitigen Entscheider so verursacht.

         

        Wissen Sie wie viel Machtzuwachs sich diese Leute in den letzten Jahren durch die Krisenerzeugung über die Menschen erschaffen haben? Man kann sie mittlerweile benutzen wie einen Gebrauchsgegenstand. Diese Zentralisierung von Macht wird mittels der Krisen immer weiter getrieben, und der einzelne Mensch wird mehr und mehr entmachtet.

         

        Ich halte also schlichtweg nichts von einem verpflichtenden globalen Gesetz was Flüchtlinge betrifft. Es ermöglicht eine weitere Steuerung der gesamten Menschen durch sehr Wenige. Der Mensch wird zu einem Industriegut.

         

        Derzeit liegt die Fremdgesteuertheit der Menschen durch die Regierung hier bei knapp 70%. Im Schnitt 23% Lohnteuer, 20+20% Versicherungen, dazu noch 7-19% Mehrwertsteuer bezogen auf die Restlichen 37% auf alles Gekaufte. Und und und. Das heißt die Leistung des einzelnen Menschen wird heute schon von Geldes wegen zu etwa 70% fremdgesteuert. Bei einer Konzern übernahme genügen meist 51% um die komplette Firma zu steuern. Was denken Sie, wie sich die 70% Fremdgesteuertheit beim Menschen auswirken? Besser?

         

        Nun kommen Flüchtlinge hinzu, und dann wird der Soli dazu auch nicht lange auf sich warten lassen. Wenn sie diese 70% wieder den Einzelnen Menschen zurück geben, und diese selber entscheiden lassen, was wie mit ihren Überschüssen passiert, und wer, wem, wann, und wie hilft, oder nicht, dann wird die Welt wieder eine ausgewogenere. Es sit eine Mär, daß man erst eine Sammlung vollziehen muß, von der die Verteilung dann ausgeht.

         

        Die Welt ist derzeit so aus der Balance, WEIL die 70% erstens zwanghaft eingetrieben werden, und dann von nur Wenigen umverteilt werden. Was denken Sie, zu was diese neuen Sammlungsbewegungen führen werden? Man wird Gründe finden den Einzelnen Menschen noch mehr aus der Tasche zu leiern und das wird wiederum weiter schlecht umverteilt werden.

         

        Sollte das wirklich ihr Glaube sein, anzunehmen, daß die das umsetzen werden, was sie öffentlich verkünden, ohne das sie persönlich ein konkreter rechtlich bindender Vertrag an einen Umverteilungsschlüssel oder virgendwas bindet, dann tun Sie mir leid.

        Beste Grüße

        • Privater Humanismus first
          Antworten
          Danke

          Eine wirklich erhellende gute Argumentation, oben auch, ganz ohne diesen überflüssigen destruktivem Hass, mit seinen er-schlagenden WORTEN der RECHTE-haber!

           

          Privatisierter Humanismus ist die Zukunft, ohne jede Verpflichtung.

           

           

           

           

          • eulenfeder
            Holy Moses ! und mi leckst…

            “ Privater Humanismus ! “ – kann nicht glauben was ich da lese.

            Da gehen wir in eine glorreiche Zukunft, mit einem ‚Privaten Humanismus‘, ohne verpflichtung noch dazu –

            eieiei…. ich wette Erdogan sieht sich privat auch als Humanist.

            Was kommt dann noch – das ‚Privatisierte Menschenrecht ‚ vielleicht ?

            “ wia i mia mei Menschnrecht z’rechtleg, des is imma no mei Sach… und vapflicht‘ bin i imma no mia selba – mei Liawa „

      • Regimekritiker_Dracula
        Antworten
        Lieber Holdger Platta,

        schon wieder alles absichtlich misstverstanden! Müssen wir nicht alle gegen die herrschende falsche Politik aufstehen anstatt uns über die Wahl der verschiedenen geeigneten Mittel gegenseitig zu zerfleischen? „Mit den #Aufstehern spielen wir nicht.“ Mit wem denn sonst? Etwa mit den Fluchtverursachern?

        Kindergarten!!

  • heike
    Antworten
    #Aufstehen will also Asylrecht ausschließlich für „Verfolgte“, Kriegs- und Klimaflüchtlingen soll vor Ort geholfen werden. Hat #Aufstehen das so in dieser Deutlichkeit an anderer Stelle bestätigt?

    Abgesehen davon kann ich dem Argonatiker in seiner Argumentation sehr gut folgen und auch zustimmen.

    Bevor wir unsere Grenzen für alle öffnen – was nicht passieren wird – sollten wir uns lieber über einen angemessenen und fairen Umgang mit den Flüchtlingen, die bereits bei uns sind, auseinandersetzen, anstatt noch mehr Öl ins Feuer zu gießen.

     

  • eulenfeder
    Antworten
    whatever –

    “ keep on rockin for the free world “

    Neal Young, 73 years old and still rockin for a free world…

    theres nothin more to say…

    http://www.youtube.com/watch?v=bRfiwIhG4gU

     

  • Imago
    Antworten
    An Holdger Platta und den „Argonautiker“: Es gefällt mir ausgezeichnet, wie engagiert und scharfsinnig IHR BEIDE über dieses Thema diskutiert und welche wichtigen Argumente Ihr dabei aus eurer jeweiligen Perspektive zusammentragt! – Nach meinem Dafürhalten seid Ihr Beide gar nicht soweit auseinander, sondern ALLE BEIDE von sehr humaner, weil offenbar grundsätzlich menschen- bzw. flüchtlingsfreundlicher Gesinnung.

    Würde es womöglich helfen, wenn jeweils der eine von Euch dem Anderen seine ganz persönliche BETONUNG zugestehen würde und wenn Ihr Beide dazu auch noch bedenken würdet, daß das was Sahra Wagenknecht und Andere sagen, wiederum auf einem ganz anderen (Text)-Blatt steht und daß die darin enthaltenen Intentionen eigentlich auch nur von diesen Leuten erläutert und interpretiert werden sollten/können? (Vielleicht wäre es gar nicht so schlecht, nein – vielmehr sogar gut, wenn Sahra Wagenknecht einmal ganz bürgernah AUCH AUF DIESEN SEITEN HIER ihre Position zu all dem erläutern würde!]

    (Darüber, daß man in einen Topf, der nur 5 Liter Flüssigkeit faßt auch nur 5 Liter einfüllen kann, kann man wohl kaum [sinnvoll] streiten. Daran kann man jedoch sehen, daß es in der Natur [ob man nun will oder nicht] immer wieder Grenzen gibt, die einfach nicht zu überschreiten sind, ohne daß es dabei zu unsinnigen [in Sachen Flüchtlingsproblemmatik sogar inhumanen] Verlusten kommt und doch haben viele Grenzziehungen im Leben wohl unbestreitbar durchaus oft auch einen insgesamt wohltuenden Sinn. Grenzen [auch somit gesetzliche Grenzen] sollten daher meiner Überzeugung nach jedoch NIEMALS STARR [und auch nicht starrsinnig] gezogen werden, sondern IMMER WIEDER AUF’S NEUE MIT AUGENMASS und GRÜNDLICHER GEWISSENHAFTIGKEIT überprüft werden*.

    In Sachen Flüchtlingskrise sollte meiner Überzeugung nach das Hauptaugenmerk darauf gerichtet werden, die Bevölkerung auf wirklich gründliche Weise über die Hintergründe der ganzen Geschichte aufzuklären, damit seitens der Bevölkerung endlich [weltweit] auch ausreichender Druck auf die eigentlich hierfür Verantwortlichen ausgeübt werden kann, sodaß die Fluchtursachen endlich einmal WIRKLICH BESEITIGT werden. Es ist allerdings ein „verdammt dickes Brett“, das es dabei „zu bohren“ gilt, denn dabei spielt auch die ungerechte Vermögensverteilung in der gesamten Welt eine sehr sehr wichtige Rolle!)

    – – – – – – – –

    * Zum Thema Grenzen bzw. Grenzziehungen ist vor kurzem auf KenFM ein sehr interessantes und wie ich meine auch sehr wertvolles Interview erschienen (Titel: „Grenzen: Räumliche und soziale Trennlinien im Zeitenlauf“). Hier der Link dazu:

    https://kenfm.de/andrea-komlosy/

     

    • eulenfeder
      Antworten
      „…  Vielleicht wäre es gar nicht so schlecht, nein – vielmehr sogar gut, wenn Sahra Wagenknecht einmal ganz bürgernah AUCH AUF DIESEN SEITEN HIER ihre Position zu all dem erläutern würde! “

      Ein ‚frommer Wunsch‘, freilich und gute Idee – und da gibt es jemand dem ich nicht nur zutraue mit ‚good old Sarah‘ die Sache tatsächlich auf den Wahrheitsgehalt hin zu diskutieren –

      jedoch – die ‚Hohe Schule‘ der politisch-pragmatisch-demagogischen Rhetorik ( dazu gehört auch das äusserst geschickte Verdecken und Verstecken ‚wahrer‘ Absichten ) beherrschen Machtpolitiker grandios. Und so würden wir ( ich jedenfalls ) gnadenlos rhetorisch überrollt – da begibst du dich auf ein Hochseil ohne Netz und kannst nur abstürzen.

      Zeigt aber auch sehr deutlich, was Politik wirklich ist – das Tarnen und Täuschen, die Täuschungs- und Verwirrungsmanöver, die Taktischen Winkelzüge und all das freilich zur Erlangung politischer Macht.

      Was bleibt da zwangsläufig auf der Strecke ? – die Wahrheit, die wahren Absichten und der Humanismus letztendlich.

       

       

       

  • Cornelia Foerch
    Antworten
    Hallo Holdger Platta,

    Was ist eigentlich ein eigenes Anliegen bei Deinen Beiträgen, was möchtest Du selber? Mir scheint Du fokussierst Dich auf die humanitär/ethische  Verteidigung der Flüchtlingsaufnahme- also Menschen in Not zu helfen- ist das richtig?

    Siehst Du das als die hauptsächliche politische Zukunftsperspektive für Deutschland? Also programmatisch für die nächsten Jahrzehnte als das wichtigste politische Ziel? Und Du positionierst Dich vehement gegen #aufstehen, also gegen eine gemeinsame Plattform für die Linken, die politisch für mehr Gegengewicht sorgen will- ist das so?

    Du hast geschrieben: „Man muss Fluchtursachen bekämpfen statt eine naive Willkommenskultur zu pflegen“. „Zuwanderung wird von den Wohlhabenden befürwortet, aber die kleinen Leute müssen die Last tragen“. „Die Systempresse bauscht den Rechtsruck nur auf.“ „Großkonzerne habe Migranten ins Land gelockt, deshalb sollten Linke gegen Zuwanderung sein.“ -seien alles Halbwahrheiten.

    Wie Du erwähnt hast, ist aber zu 50 % etwas dran. Entweder ist es eine Halbwahrheit, also ein Scheinargument, oder Du gestehst eine gewisse Komplexität der Sache zu, die somit mehrere „Wahrheiten“ zulässt. Dann geht es m.E. nur um eine Gewichtung der einzelnen Aspekte. Deine Wertung „Halbwahrheiten“ legt aber schon nahe, daß Du sie aussortieren willst. Vielleicht weil es eine Rechte gibt, die teilweise damit operiert. Wäre es nicht wesentlich sinnvoller zu analysieren, worauf die Rechte dabei abzielt und worauf die Linke?Und wo der Unterschied liegt?

    In der Flüchtlingsproblematik ist zuviel Emotion: echtes Mitgefühl, Ohnmacht, schlechtes Gewissen, weil wir wirtschaftlich profitieren, unsere Verwicklung in die westliche Kriegs-Politik, die Instrumentalisierung der Flüchtlinge um bei uns sozialen Druck zu erzeugen, tatsächlich vorhandener Rassismus, tatsächlich vorhandenes Flüchtlingsunglück auf der Flucht und dann bei uns im Land, mit daraus folgenden Agressionen und Kriminalität in beide Richtungen etc. etc. . .

    Das sind m.E. alles Tatsachen, keine Halbwahrheiten!

    Wozu sich reale Themen von rechts wegnehmen lassen- ist doch gar nicht nötig! Eine zu ausschliessliche Fokussierung auf das soziale „Gutsein“ in der Flüchtlingsaufnahme- mit einem einfachen „sonst ist das nicht mehr mein Land!“- finde ich grundfalsch. Es ist ein von oben verordnetes „Gutsein“, das führt zu einer (ungesunden) Abwehr- oft nach rechts. Warum außerdem soll es für Menschen so wahnsinnig toll sein, bei uns auf gefährlichen Wegen als Flüchtlinge unterzukommen- mal ehrlich? Ist das besser als Fluchtursachenbekämpfung, also das Beenden der Wirtschaftsembargos und Kriege?
    Müsste das nicht vernünftigerweise an erster Stelle stehen- wie bei #aufstehen! Was ist böse und inhuman daran- diese Ursachen betreffen doch weit mehr Menschen, als hierher überhaupt flüchten können!

    Die Darstellung von „Argonaut“ zu den einzelnen Punkten finde ich sehr differenziert durchdacht- dem schliesse ich mich voll, an da ist nichts hinzuzufügen!

    Das blöde ist: aus der Komplexität lässt sich keine einfache Propaganda gegen die nahe Gruppierung #aufstehen ableiten. So verstehe ich leider Deine Beiträge- zu 50% -:))
    Wenn ich Dich falsch verstanden habe: Ein Widerspruch von Deiner Seite würde  mich jetzt enorm freuen!!

     

    • Holdger Platta
      Antworten
      Liebe Cornelia,

      seit knapp drei Wochen mühe ich mich nun bereits ab, klarzustellen, daß bestimmte Formulierungen, die mir in den Mund gelegt werden, nicht von mir stammen.

      Leider gilt das auch für Deinen Kommentar oben.

      Weder die Sache mit den „Halbwahrheiten“ stammt von mir, noch gilt das für die folgenden Zitate aus Deinem Kommentar:

      „‚Man muss Fluchtursachen bekämpfen statt eine naive Willkommenskultur zu pflegen‘. ‚Zuwanderung wird von den Wohlhabenden befürwortet, aber die kleinen Leute müssen die Last tragen‘. ‚Die Systempresse bauscht den Rechtsruck nur auf.‘ ‚Großkonzerne habe Migranten ins Land gelockt, deshalb sollten Linke gegen Zuwanderung sein.'“

      Mein Vorschlag war und ist, zukünftig den AutorInnennamen in der „Titelei“ zu plazieren, und Formulierungen aus den anmoderierenden Texten nicht irreführenderweise mit dem falschen Namen zu versehen (= jeweils am Schluß dieser Vorbemerkungen und jeweils im Klammern gesetzt). Diese irreführenden Verwechselbarkeiten halte ich für ungut, für übrigens alle Beteiligten an den Debatten hier.

      Auch einige LeserInnen haben sich diesem – hier von mir zur Diskussion gestellten  – Vorschlagm für unmißverständliche Klarheit zu sorgen, bereits angeschlossen.

      Du wirst also verstehen, daß ich mich schlecht für Formulierungen ‚verteidigen‘ kann, die gar nicht von mir stammen. Was jedoch nicht unbedingt heißen muß, daß ich die mir fälschlicherweiser zugeschriebenen Formulierungen für falsch halten würde. Es ist eben ’nur‘ so, daß jeder so sein eigenes Formulierungstemperament auf die Waagschale wirft, und da dürfte es hin und wieder doch einige Unterschiede geben.

      Mit herzlichen Grüßen

      Holdger

    • eulenfeder
      Antworten
      kann es vielleicht sein, dass es da wiedermal ein Verwechseln gab, dass Aussagen jemandem ‚in die Schuhe‘ geschoben werden, die er nicht gemacht hat ? – ( Cornelia’s Kommentar ) weil es weiterhin ein gewisses Verwirrspiel ist ( sein kann ) bezüglich eindeutiger und unverwechselbarer Bezeichnung eines Autors zum Text.

      Da hatte Holdger doch vor paar Tagen den guten Vorschlag gemacht, das zu ändern – so y not eine andere unmissverständlichere Typographie !?

  • rr
    rr
    Antworten

    Der Begriff „Halbwahrheiten“ in diesem Zusammenhang stammt klar von mir. Und ich habe im Text auch an einigen Stellen dargelegt, wo ich meine, dass die „Migrationsskeptiker“ nicht ganz Unrecht haben. Beispiel: „Großkonzerne habe Migranten ins Land gelockt, deshalb sollten Linke gegen Zuwanderung sein.“ Der erste Teil des Satzes  ist insofern wahr als sich „Wirtschaftsvertreter“ vielfach für Zuwanderung ausgesprochen haben. Die Fluchtursachen werden aber auch nicht allein von denjenigen deutschen Unternehmen geschaffen, die später von Flüchtlingen als billige Arbeitskräfte profitieren würden. Hier sind weltpolitische Aspekte zu bedenken, aber auch solche, die mit den Regimen in den Ursprungsländern zu tun haben. Ich will das hier auch nicht für jeden Punkt noch mal aufdröseln. Ich finde, man sollte keine Abneigung gegen Flüchtlinge entwickeln, nur weil die Flüchtlingsströme von bestimmten Kräften instrumentalisiert werden.

    Ansonsten: Die Dinge sind komplexer, daher auch keine „eindeutige“ Frontstellung gegen #Aufstehen. Ich würde mir vielmehr wünschen, dass sich diese Bewegung in einigen Punkten noch ändert und sich von menschlich fragwürdigen Äußerungen Wagenknechts distanziert.

     

     

     

    • Piranha
      Antworten
      Lieber Roland,

      Autorenname direkt unter den Titel, Schreiber des Vorworts wie gehabt ans Ende des Einleitungstextes. Damit wären doch kleine Mißverständnisse wie die oben geschilderten leicht zu vermeiden.

      Herzlichen Gruß,

      P.

  • heike
    Antworten
    Worum es geht ist, dass unser Land ein offenes Land für Menschen in Not bleiben soll, dass unser Land sich Gedanken über die Folgen, die seine Politik im Ausland hinterlässt macht und dass #Aufstehen sich nicht von Rassisten und Leuten vereinnahmen lässt, die nur stolz auf ihre Heimat sein können, wenn sie gleichzeitig andere Menschen erniedrigen und auf sie spucken.

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