Betagt sein wird vertagt

 In FEATURED, Gesundheit/Psyche, Philosophie

Roland Schutzbach

Lachen und Fröhlichsein ist eine Angelegenheit für junge Hüpfer, könnte man meinen. Wenn man älter wird, hat man nichts mehr zu lachen. Wie geht jemand, der von Berufs wegen lachhaft ist, mit der Seniorenwürde um? Roland „Rolando“ Schutzbach, Clown und Humor-Philosoph, meint: vieles ist auch eine Frage der Einstellung. Wenn man sich einbildet, mit über 70 „müsse“ man zu einem sauertöpfisch dreinblickenden Nörgler mutieren, dann kann so ein Vorurteil auch zur selbsterfüllenden Prophezeiung werden. Roland Schutzbach

Betagt sein wird vertagt

Ich werde langsam älter, ich gebe es zu. Mit Jahrgang 1948 bewege ich mich in eine Region, die man als „etwas älter“ bezeichnen darf. „Betagt sein“ habe ich vertagt. Meinen 70. Geburtstag im September 2018 habe ich mit einem grossen Fest gefeiert. Die Inspirationen blühen und ich geniesse mein Leben.

Mit dem Thema des inspirierten Älterwerdens befasse ich mich seit einigen Jahren. Seither organisiere ich Zusammenkünfte, lese entsprechende Bücher und tausche mich mit Freunden und Freundinnen aus.

Was ich von inspirierten Altersgenossen höre, ist etwa Folgendes:

„Ich bin ein Glückskind, und ich bin dankbar“.

„Ich lebe viel intensiver, da meine Lebensspanne kürzer wird“.

„Ich geniesse meine neue Freiheit“.

Ich habe die Idee des „Inspirierten Älterwerdens“ in unserem Club am See verbreitet. Dort gibt es seit jeher eine schöne Konzentration von ungewöhnlichen älteren Menschen: Ein 95-Jähriger spielt noch ziemlich gut Tischtennis, ein 75-Jähriger jongliert gekonnt, und ältere Damen tänzeln in der Disco.
Aber wir haben auch behinderte Alte, die im Rollstuhl durchs Gelände rollen und uns anlächeln. Es gibt in diesem Biotop zahlreiche Familien, kleine Kinder, PhilosophInnen, gewöhnliche Menschen – ein buntes, schwungvolles Gewimmel!

Im Zentrum meiner Arbeit steht die Idee des „Ältesten“ – eines älteren Menschen, der Weisheit entwickelt hat und dadurch positiv und inspirierend auf seine Mitmenschen wirkt. Eines Menschen, der bewusst und freudig sein Leben geniesst und gestaltet.

Wir haben als ältere Menschen mehr Zeit, müssen nicht mehr schreiende Kinder beruhigen, brauchen uns nicht dem Stress des Berufes aussetzen. Vielmehr dürfen wir tun, was uns Spass macht: Reisen, Musizieren, Enkel verwöhnen, Bücher schreiben, Lachen, Singen, Tanzen, Gestalten, Malen, Garten pflegen, Häuser umbauen, Jurten aufstellen, Kontakte pflegen und erneuern, Gemeinschaft schaffen und geniessen, Inspirations-Gruppen gründen, die Stille und das Nichts-Tun praktizieren – und vieles mehr!

Neuere Forschungen besagen, dass Altern umkehrbar ist. Sie weisen darauf hin, dass Altern zu einem grossen Teil ein mentaler Prozess ist, eine sich selbst erfüllende Prophezeiung: Ich werde immer schwächer und verliere meinen Schwung, ich werde nicht mehr gebraucht, ich sollte mich zurückziehen.
Wenn wir diese Prophezeiung umkehren, dann werden wir jünger! Das erlebe ich an mir selbst, und das habe ich im Gespräch mit vielen inspirierten Älteren gehört.

In den USA schrieb Rabbi Zalman Schachter-Shalomi 1997 sein revolutionäres Buch „From Age-ing to Sage-ing“ (vom Alt-Werden zum Weise-Werden) und löste damit eine wahre Volksbewegung der älteren Generation aus. Es entstanden Institute für Weiterbildung in den verschiedenen Bereichen des Älterwerdens. Eine Autorin schrieb Bücher über die richtige Art, der Welt sein Vermächtnis zu hinterlassen, andere Autoren befassten sich mit der Gesundheit. Das steckte mich an. (www.sage-ing.org)

Ich interviewte befreundete ältere Menschen über ihre Erfahrungen mit dem Älterwerden. Was für ein Reichtum, was für eine Positivität kamen mir entgegen:

• Eine 77-jährige Dame machte mit 75 noch eine neue Ausbildung und praktiziert das Gelernte bereits.

• Ein 75-jähriger Herr behält mit Jonglieren seine Leichtigkeit und stärkt seine Gesundheit.

• Eine Frau ist nach dem Tod ihres Mannes zu ganz neuen Ufern aufgebrochen.

Viele meiner Gesprächspartner betonten, dass sie als alte Menschen noch nie so viel Freiheit hatten wie heute.

Ich habe viele Monate an diesem Buch gearbeitet, mit steigender Begeisterung. Im letzten Moment ist mir als Inspirator des dankbaren Älterwerdens der wunderbare Konstantin Wecker erneut begegnet. Ich zitiere hier sein Gedicht zum Augenblick, denn es drückt so schön aus, was mit meinem Untertitel „Das Jetzt kennt kein Alter“ gemeint ist:

Jeder Augenblick ist ewig,
wenn du ihn zu nehmen weißt.
Ist ein Vers, der unaufhörlich
Leben, Welt und Dasein preist.

Alles wendet sich und endet
und verliert sich in der Zeit.
Nur der Augenblick ist immer.
Gib dich hin und sei bereit!

Wenn du stirbst, stirbt nur dein Werden.
Gönn ihm keinen Blick zurück.
In der Zeit muss alles sterben
aber nichts im Augenblick.

(Wunderschöne, innige Lieder von Wecker, die er als älterer Mensch geschrieben hast, findest du auf youtube unter wecker ohne warum. „Ohne Warum“ ist auch der Titel einer neueren CD.)

Ich will im deutschen Sprachraum eine „Volksbewegung der inspirierten Ältesten“ auslösen!
Das wird wunderbar, und es wird heilend wirken.

Dieses Buch ist inspirierten Älteren und kreativen Jüngeren gewidmet!

Besser noch am Lebensabend aufwachen
als durchschlafen.

(Hinrich)

Der lachende Philosoph Roland Schutzbach war Initiator der „Quelle des Lachens“ an der Expo.02, eines lachendes Schiffes über den Bieler See, der ersten Lach-Parade in Bern, der Turmlach-Events von Erlach im Jahr 2016, und vieler weiterer Projekte. Er wirkt als Inspirator und Teamcoach in der Schweiz, in Spanien und weltweit. Seine Projekte, Präsentationen und Filme geben visionäre Impulse und öffnen die Tür zur heiteren Lebensweise.

https://www.lokalhelden.ch/inspiriertes-aelterwerden

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