Das Mephisto-Tribunal

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Gustav Gründgens als Mephisto

Stillschweigend sind wir einen Teufelspakt mit dem Neoliberalismus eingegangen — das Jahr 2020 zeigt, dass wir im Begriff sind, unsere Seele zu verlieren. Wir leben im Land der Dichter und Denker. So heißt es jedenfalls. Der erste Name, der den meisten dazu einfällt, ist — wegen seiner unvergessenen Dichtungen — der Goethes. Dabei ist keines seiner Werke so bekannt wie die Tragödie „Faust“, in der der namensgebende Gelehrte einen Pakt mit dem teuflischen Mephisto eingeht. Der Pakt ist verlockend, denn zunächst diente Mephisto seinem Vertragspartner. Mephisto versprach Faust Lebensglück. Mit Gott wettete er indes auf Fausts Seele, wenn es ihm gelingen sollte, diesen Menschen vom rechten Weg abzubringen. Der reale Teufelspakt unserer Zeit besteht in den Verlockungen des Neoliberalismus und Imperialismus, denen sehr viele nachgegeben haben. Es scheint, als sei 2020 für uns die Phase des versprochenen Lebensglücks abgelaufen. Noch dazu sind wir dabei, uns von unserer Seele loszusagen. Morgen schon blüht uns ein Land der Richter und Henker. Shabi Alonso

Es wäre töricht zu behaupten, wir hätten es nicht kommen sehen. Obwohl wir uns in den letzten 20 Jahren mitten im Informationszeitalter befanden, haben die Machthaber der Zuschauerdemokratie — ohne imperative Mandate und Volksentscheide — alles in die Waagschale geworfen, um die Bildung der Bevölkerung zu reduzieren. Gleichzeitig sind große Teile des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entscheidungsprozesses dem Souverän entzogen worden. Wasserwerke, Stromnetze und öffentliche Verkehrsmittel sind nur ein minimaler Teil der Themen, die von Privatinteressen durchseucht sind. Die Liste ist lang.

Die wenigen Menschen, die seit jeher gegen diese oder andere asozialen, politischen Entscheidungen waren und sich lautstark dagegen wehrten, waren in der öffentlichen Meinungsbildung als Pessimisten abgewertet. Ihnen wurde oft genug das Prädikat „Querulant“ vergeben. Was hat also die breite, zufriedene Masse getan, während Woche für Woche der Einfluss einiger Kapitalisten unsere Repräsentanten in Landtagen und Bundestag korrumpierte und womöglich auch erpresste?

Die sadistisch-masochistische Gesellschaft

Als im Jahre 1999 die mehrwöchige Fernsehshow „Big Brother“ auf Sendung ging, ahnten wohl die wenigsten, dass allein die Werbeeinnahmen der Sendung die Hälfte vom Jahresumsatz des ausstrahlenden Senders einspielen würden. Die Zuschauer sahen in Container eingepferchte Menschen aus der vermeintlichen Mitte der Gesellschaft. Rund um die Uhr beobachtete man sie. Sehr viele taten es! Spätestens da war der neue Gesellschaftsgeist geboren. Ob nun die Menschen der Popularität wegen oder aufgrund finanzieller Vorteile teilnahmen — das Bedürfnis, anderen Menschen jederzeit zuzuschauen, hat etwas Perverses, etwas Widernatürliches an sich.

Die Jugend bekam natürlich mit, dass ihre Eltern das „okay“ fanden, wenn man solche Shows schaute. Derweil sangen sie die neue Gesellschaftshymne dazu (Übersetzung aus dem Englischen):

„Ich bin ein Barbie-Mädchen, in einer Barbie-Welt. Leben in Plastik ist fantastisch.
Du kannst meine Haare bürsten, mich überall entkleiden.
Vorstellungskraft, das Leben ist deine Schöpfung!“

Und der Mann stimmte mit ein:

„Komm schon, Barbie, lass uns feiern gehen!“

Während die Jugend sich nunmehr auf das Silicon Valley einstimmte, wurden Männer und Frauen um ihr stillschweigendes Einverständnis gebeten, sodass es in unserer Gesellschaft völlig in Ordnung und damit normal geworden war, sich gegenseitig zu überwachen und damit dem eigenen Bedürfnis nachzukommen, Kontrolle über andere zu haben.

Als das mediale Eis erst einmal gebrochen war, erlebten wir in den darauffolgenden Jahren eine Welle von neuen Shows, in denen nunmehr der Mensch dauernd be- und vor allem entwertet wird.

Millionen von Menschen sitzen vor den Fernsehern, wenn Woche für Woche Deutschlands nächster Star gesucht wird. Viele geben offen zu, dass sie nur die ersten Folgen anschauen, da dort auch ganz miese Sängerinnen und Sänger mit dabei sind, über die man sich köstlich amüsieren kann.

Wir überwachen und entwerten im Geiste mit, sodass wiederum einige Jahre später genau diese Behandlungsmethode Menschen ohne Arbeit entgegengebracht werden konnte. Wir blieben stumm und trugen damit die soziale Marktwirtschaft zu Grabe!

Fortan wurden für alle persönlichen und mitunter intimen Lebenslagen Fernsehshows produziert. Serien erhielten nun das Gütesiegel „Realitätsfernsehen“ oder „Realitätsshow“.

Der autoritäre Charakter, der sich laut Erich Fromm aus sadistischen wie auch masochistischen Zügen zusammensetzt, wurde in uns allen gefördert und den nächsten Generationen als fortschrittliches Menschenbild verkauft. Dieser Typ Mensch richtet seine Aggressionen gegen Wehr- und Hilflose, und im Zuge dessen sympathisiert er mit den Mächtigen. Noch Fragen?

Kollektives Trauma

Inmitten dieser jahrzehntelangen medialen Verdummung ist der Einsturz der Zwillingstürme 2001 in New York als eines der ersten kollektiven Traumata der Neuzeit zu benennen. Nicht die Tragweite des Ereignisses befördern die Geschehnisse rund um die Katastrophe, sondern die medialen Mittel, die bereits zur Verfügung standen und voll ausgeschöpft wurden. Wochen- und tagelang wurden immer wieder die gleichen Bilder in das kollektive Gedächtnis gerufen. Weltweit ähnelten sich die Solidaritätsbekundungen nahezu aller Staaten so sehr, als seien in jedem Land einige wenige Auftragsschreiber für Politiker aller Couleur tätig gewesen.

Heute wissen wir, dass zumindest auf sachlich-fachlicher Ebene grobe Fakten zu den mutmaßlichen Terroranschlägen nicht bekannt sind. Von einer ehrlichen Aufarbeitung seitens der zuständigen Behörden ganz zu schweigen. Stattdessen wurde sechs Wochen nach den Anschlägen das Patriotengesetz vom US-Kongress verabschiedet, der sogenannte Patriot Act. Wiederum ein Jahr später wurde eine neu eingerichtete Behörde namens Homeland Security gegründet, das Ministerium für Innere Sicherheit der Vereinigten Staaten von Amerika.

Bis heute wurde seitens der Behörden die physikalische sowie architektonische Seite der Anschläge nicht geklärt. Dadurch machen sich die seinerzeit politischen Verantwortlichen verdächtig, eine fingierte Katastrophe zugelassen zu haben. Erinnerungen an Geschichtsstunden zum alten Rom und dem Reichstag in Berlin werden wach. Ein Aufschrei? Wieder weit gefehlt!

Das Kartenhaus

2008 deutet sich für viele Börsenexperten an, dass die Weltwirtschaftskrise eine Systemkrise darstellt. Millionen von Menschen, die vorher bereits am Rande des Existenzminimums lebten, müssen nun all ihre Träume platzen lassen. Sie verelenden regelrecht. Europas Südstaaten zerfallen, und nur mit sehr viel politischer Finesse hält man Griechenland am Tropf und bewahrt es vor dem wirtschaftlichen Kollaps. Der Preis ist eine unvorhersehbare Abhängigkeit von den wirtschaftlich stärkeren Ländern in der europäischen Union. Die Antidemokraten spielen sich als Demokraten auf. Gelegentlich versprechen sie sich, so der ehemalige europäische Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker:

„Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter — Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.“

Die Bankenkrise 2008 hielt einige Rückschlüsse für den Normalbürger bereit:

  • Große Banken sind systemrelevant, Menschen nicht.
  • Unvorstellbare Geldsummen werden zur Stabilisierung des Bankensystems bereitgestellt, jedoch nicht, um millionenfache Privatinsolvenzen zu vermeiden.
  • „Wenn es ernst wird, muss man lügen.“ Wieder ein Zitat von Jean-Claude Juncker.

Nun, was geschah daraufhin? Die politischen Akteure warteten und warteten. In Deutschland feierte man sogar den Geburtstag des Vorsitzenden von Deutschlands größter Bank im Kanzleramt. Man wartete weiter, aber außer ein paar wenigen Demonstranten blieb der Großteil der Weltgemeinschaft still und tat nichts. Und so gab es Schritt für Schritt kein Zurück mehr. Schattenbanken, Hedgefonds und all die anderen Spielereien des Finanzsystems zeigten auf, dass man auf politischer Bühne über Jahrzehnte versagt hatte. Die Banken, die die Krise mit verursachten, wurden deshalb noch stärker dereguliert, damit die Nationalstaaten Wirtschaftswachstum und ein „Weiter so“ möglich machten.

Wir interessierten uns schlicht nicht für den ganzen Zirkus: Die „da oben“ machen das schon, die werden schließlich dafür bezahlt. Und so gingen Männlein und Weiblein derweil in die ersten gut gemachten 3D-Filme in die deutschen Filmtheater.

Was den Bänkern jedoch klar war, ist, dass die Ära des konventionellen Bankwesens vorbei sein dürfte. Man schaute sich langsam nach geeigneten Schlüsselpositionen auf den weltweiten politischen Bühnen um. Weshalb Sportklubs regieren, wenn man gleich ganze Nationen beherrschen kann! Ministerpräsident von Italien oder Australien, Präsident Frankreichs oder im Beratergremium der Bundeskanzlerin Deutschlands, Notenbankchef oder Chef der europäischen Zentralbank, das sind einige der Posten, die an ehemalige Mitarbeiter diverser Großbanken gingen. Es deutet sich an, dass die Bankiers von gestern die Staatsverwalter von morgen sein werden.

Das Kartenhaus bricht zusammen. Das Jahr 2020 scheint in mehrerer Hinsicht ein „Schaltjahr“ zu sein. Es war eine Frage der Zeit. In den Jahren zuvor haben wir es kommen sehen. Dennoch konnte niemand die Dreistigkeit erahnen. Letztes Jahr echauffierte man sich noch über Bundeswehrwerbung für Jugendliche, und heute ist es schon normal, dass Soldaten in Kindergärten ein- und ausgehen.

Womöglich ist ein geplanter Neustart, bei dem die Reichen ihren Reichtum behalten und die Besitzlosen alle Besitzansprüche für ein einigermaßen würdiges Leben abgeben, das Endziel. Nächstes Jahr wird sich abzeichnen, ob der Wahn, der sich auf politischer Ebene breitgemacht hat, gewollt ist oder von einer zu großen elitären Blase zeugt, aus der sich die Verantwortlichen und Menschenverachter nicht mehr lösen können!

Yin und Yang

Die beiden entgegengesetzten und sich doch ergänzenden Kräfte Yin und Yang beschreiben das gegenwärtige gesellschaftliche Dilemma nur zu gut. Wir alle, ob wir nun von Angst zerfressen sind oder nicht, befürchten und erleben am eigenen Leib Depressionen, Angststörungen, Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit, Vereinsamung, Geldnot, verstörte Kinder, soziale Unruhen, Familienstreitigkeiten, Zensur und Staatsterror. Wir alle haben den Pakt mit dem Teufel geschlossen. Der Umgang miteinander wird rauer, die Menschen sind alle aufgekratzt. Alle spüren das Wesen dieser Zeit, die Wirklichkeit dieser neuen Normalität.

Während die Hintergründe der Pandemie bis zum Himmel stinken, verstärken sie die Ängste und Sorgen, die sie bei Millionen von Menschen verursacht haben.

In diesen Tagen sehen sich zu viele Menschen in der Pflicht, sich jederzeit mit dem eigenen Weltbild zu konfrontieren. Es reicht, wenn sich die alternativen Journalisten gefährden und von morgens bis abends kaputtarbeiten. Sie gehen bereits ans Limit. Alle übrigen Menschen sind jetzt gefragt, was sie die letzten Jahren für ihren eigenen Frieden taten.

Wo zum Beispiel waren die Querdenker-Initiatoren, als die oben beschriebenen Tragödien der vorangegangenen 19 Jahre hierzulande stattfanden? Ist es nicht ein wenig anmaßend, ja sogar egoistisch, nunmehr aufzustehen, weil man selbst konkret und nicht mehr abstrakt betroffen ist? Ist das die Friedensbewegung, von der wir träumten? Dass man erst auf die Straße geht, wenn man in seiner eigenen Freiheit eingeschränkt ist? Was sollen sich die drei- bis fünftausend Menschen denken, die jedes Jahr in Ramstein gegen den Krieg von deutschem Boden demonstrierten!

Viele von uns lebten die letzten Jahre in Ignoranz und Ablenkung durch das Konsumleben, sodass wir erst jetzt aufhorchen und merken, dass das Klischee von den korrupten Politikern nicht nur so dahergesagt war.

Dem Großteil der Menschen, welche nach wie vor an ihrem naiven Weltbild festhalten und immer noch „schlafwandeln“, müssen wir mit Verständnis für ihre irrationalen Ängste entgegentreten. Vielen Menschen ist es in den Augen zu lesen; sie brauchen keinen Moralapostel. Wenngleich es die vielleicht letzte Chance ist, bevor wir komplett in ein autokratisches Zeitalter schlittern: Weder können wir auf Hilfe von außen hoffen, noch werden wir mit Maßregelungen des ethischen Gegenübers die menschenverachtenden Tendenzen verhindern können. Die meisten von uns haben viele Jahre mit schlafgewandelt und sollten sich in ihrer Bewertung gegenüber anderen in Acht nehmen. Hans-Joachim Maaz sagte in einem Interview, dass wir immer die Regierung bekommen, die wir verdient haben. Der Pakt mit Mephisto lässt grüßen. Noch Fragen?

Der Übermensch

Manch einer ging an die Decke, als ein internes Framing-Papier der Linguistin Elisabeth Wehling für die ARD öffentlich wurde. Manch einer echauffierte sich, als klar war, dass der preisgekrönte Journalist Claas Relotius ein Schwindler ist. Und wieder andere haben ihre Aha-Momente während der Anfänge der Ukrainekrise erfahren.

Selbstverständlich ist die derzeitige Situation viel umfassender und auf sehr vielen Ebenen gleichzeitig verstörend. Die Welt ist auf einmal so klein — wo möchte der Durchschnittsbürger denn so schnell hin, wo es nicht auch Corona, den Lockdown und die geballte Staatsmacht gibt?

Befassen wir uns mit Lösungen für unseren Mikrokosmos. Kerstin Chavent schrieb neulich in einem ihrer Texte, dass sie sich ein Beispiel an der Natur nehme. Machen wir es ihr nach. Es gibt wenig Alternativen, um körperlich und seelisch gesund zu bleiben. Wir haben viel Kredit bei Mephisto verspielt. Denn wir wussten nicht, was wir taten! Ist dem so, oder haben wir die Augen verschlossen und sind feiern gegangen in einer Welt voll Plastik?

Es gab eine Zeit, in der Gräueltaten das Fundament der Religionen in Europa bildeten. Heute können wir sagen, wir haben diese Schatten überwunden. Irgendwann wird auch das, was jetzt wider die Vernunft und die Basis menschenwürdigen Handelns existiert, überwunden sein.

„Gott ist tot. Und wir haben ihn getötet.“ Nietzsche bezieht sich mit diesen beiden Sätzen auf die Überwindung des religiösen Patriarchats. Wir treten an Gottes Stelle. Doch haben wir es als Schöpfer dieser Erde verdient, seine Stelle einzunehmen? Können wir überhaupt unser Menschsein überwinden? Das Tier kann nur animalisch handeln. Wir aber sind mit Vernunft ausgestattet. Wie stark wenden wir diese Gabe an? Es ist notwendig, die derzeitigen Gegebenheiten anzunehmen.

Trotz aller berechtigten Kritik, die wir alle anbringen dürfen, werden wir auch dieses törichte, faschistische System irgendwann überwinden. Ob dann in Fleisch und Blut oder nur im Geiste, das bleibt abzuwarten. Schließlich lesen sich die Vorstellungen eines Übermenschen von heute anders als bei Nietzsche, so etwa bei Stephen Hawking in „Kurze Antworten auf große Fragen“:

„Uns bleibt keine Zeit, darauf zu warten, dass die darwinistische Evolution aus uns intelligente und gutartige Wesen macht. (…) Wir werden in der Lage sein, unsere DNA selbst zu verändern und zu verbessern.“

Vergessen wir auch nicht die Weggesperrten in diesen dunklen Stunden. Sie schritten vor wenigen Jahren voran. Julian sitzt immer noch in Einzelhaft. Giordano Bruno war vor 420 Jahren ebenso eingekerkert. Letzterem wird folgendes Zitat nachgesagt: „Mit größerer Furcht verkündet ihr vielleicht das Urteil gegen mich, als ich es entgegennehme.“

Seien wir geistig und moralisch bereit, für das was kommen mag.

Der Narr

(geschrieben im Dezember 2019)

Ich vermag als Vorsehung zu sehen und zu deuten,
die Glocken haben seit halb zwölf schon geläutet.
Sie warnen auch jetzt im Zuge der letzten Minuten vor Mitternacht,
was bleiben könnte, wäre noch eine schöne Andacht.

Welch Narr ich nun doch sei, als könnte ich zuvor sehen,
denn so ziemlich immer scheint die Wertung zu verfehlen.
Aber die Richtung ist gegeben, wir befinden uns im Jahr der Letzten.
Sie wären noch imstande, die Leute auf ehrliche Art und Weise zu verletzen.

Ihnen ihren Glauben an ein Allheilmittel wegnehmen.
Denn wenn sie sich einmal bequemen
und nur noch voneinander wegnehmen,
dann, meine lieben Freunde, sind sie um keine Antipathie mehr verlegen.

Es scheint noch zu selten von den Dächern zu klingen,
wenige alternative Offenbarungen scheinen die letzten Flügel aus der Asche zu schwingen.
Einst, und das weiß ich jedoch genau, würden wir viele dieser Botschaften verschlingen,
wenn wir nur könnten. Doch dazu müssten wir erst mal unsere eigene Welt in Ordnung bringen.

Tobend, im Innern wie im Außen, brennen wir alles nieder und sagen: „Kommt denn vielleicht wirklich alles wieder?“ Wir werden wohl nicht mehr glauben, dass wir einen Vorhang, hinter den wir niemals blicken können, einfach nicht lüften können. Doch wie wird es zur Neige gehen? In Anbetracht der Tatsache, dass die meisten von uns und um uns herum das falsche Lächeln besser eingeübt haben als die trügerische Tatsache, dass man wohl doch mehr aus sich machen könnte, bleibt es wohl abzuwarten, ob wir wirklich — und mit wirklich meine ich auch im eigentlichen realen Sinne — programmierbar sind auf wesentliche Verhaltensweisen.

Sodass wir dann einfach und alleine, ohne Elternhand, in solch prekären Situationen das Wort nicht mehr zu ergreifen wagen. Dem Elend kann dann Einhalt geboten werden, indem wir uns Tag für Tag für Tag einsperren und uns immer wieder dieselben Fragen stellen:

Kann ich denn alleine überhaupt etwas bewirken? Gibt es denn nicht andere, die einmal auch mal etwas tun könnten, es interessiert sich doch sowieso niemand dafür?! Bis wohin geht meine Solidarität?

Was ist mir im Leben bedeutsam? An was werde ich am Ende meines Lebens wohl am meisten Gefallen finden, wenn ich diesen Pfad bis dahin denn überhaupt empfinde?

 

Comments
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    Bernard
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    Der Artikel spricht mir aus der Seele! Für mich stellt sich das in einfachen Worten so dar (Profijournalisten mögen mir die einfachen Wote nachsehen): Erkläre ich Gott für tot und verbanne ihn aus meinem  Weltbild, erhalte ich leider nur einen Teilbild des Ganzen und damit unter anderem auch der Wahrheit. Ich finde auch meine eigene Identität nicht mehr. Da jeder Mensch von Natur aber auf der Suche nach eben der Wahrheit ist ( oder dem Glück oder der Fülle oder der Vollkommenheit, oder wie immer man das nennen soll), erklärt er im Zweifelsfall, das was er liebt, gezwungenermaßen für sich zur Wahrheit. Der neoliberale Kapitalismus oder wie immer man unser System nennen soll, wird so für die Reichen und Mächtigen zur Ersatzreligion und breitet sich immer weiter um den Erdball aus. Ganz langsam und untergründig findet auch eine Anpassung der Werte statt. Die ganze Bildung und Erziehung wird in diesen Dienst gestellt.

    Das gilt leider auch für andere Idiologien. Der Soziallismus ist schon gescheitert und der Kommunismus auch. Und der neue ökologische Sozialismus oder der New Green Deal sind auch nur neue Namen im alten Gewand. Alle Idiologien verneinen die Freiheit des Menschen, gründen sich auf Gleichmacherei und werden dem Menschen nicht gerecht. Der Mensch hat alle Anlagen! Der HL. Augustinus hat gesagt: Das Böse im Menschen ist ein Verminderung des Guten im Menschen! Wenn das so weiter geht, wird man das Gute im Menschen eines Tages vergeblich suchen.

    Ich weiß auch nicht, wo all die Dichter und Denker in unserem Land geblieben sind? Jedenfalls höre ich von ihnen nichts. Ich meine die großen Stimmen.Die kleinen Stimmen vergeuden anscheinend auf hunderten alternativen Webseiten scheinbar ihre Kraft. In dem man immer wieder zu allem etwas zu sagen hat (wie einige Kommentatoren) hat man noch nichts bewegt. Aber es ist einem leichter ums Herz. Wie mir jetzt. In diesem Sinne : nicht aufgeben!

     

     

     

     

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