Der Hybrid-Mann, Teil 1/2

 in FEATURED, Kurzgeschichte/Satire, Roland Rottenfußer

„Hybrid-Männer sind mit einem Gen-Code ausgestattet, der ihnen die optimale mentale Verarbeitung negativer Umweltreize ermöglicht. D.h. die bei Männern sonst üblichen Neurosen und psychischen Unzulänglichkeiten sind bei ihnen quasi wegprogrammiert. Hybrid-Männer gleichen dem strahlend blauen Himmel an einem wolkenlosen Tag, bei normalen Männern ziehen dagegen immer wechselnde Wolkenformationen vorbei.“ Eine Satire aus der nahen Zukunft von Roland Rottenfußer.

„Nikolaus?“, fragte ich erstaunt und sah vor meinem inneren Auge einen Mann mit weißem Bart und roter Zipfelmütze.

„Nikolas!!!“, korrigierte mich Anna und schloss dabei verzückt die Augen, als würden in ihrem Innersten die Bilder unaussprechlicher Wonnen nachklingen.

So hieß also Annas neuer Lover: Nicolas. Dass sie mir das brühwarm erzählt hat, ist menschlich verständlich. Wir hatten nach unserer Trennung ein gutes, fast wieder freundschaftliches Verhältnis zueinander gefunden. Aber dass sie darauf bestand, dass ich Nicolas kennen lernte … das hätte nicht unbedingt sein müssen. Es gibt nur einen Grund, warum eine Frau ihrem Ex ihren Neuen vorstellen möchte: Sie will demonstrieren, dass sich eine Frau wie sie sich rasch und auf hohem Niveau zu trösten weiß und ihren Verflossenen durch die Konfrontation mit einem makellosen Nachfolger beschämen. Und es gibt nur einen Grund, warum sich der Neue der Frau auf so ein Spiel einlassen sollte: Er will in gönnerhaftem Tonfall klar machen, wer jetzt Herr im Haus ist.

Ich teilte Anna also vorsichtig meine Bedenken mit, doch sie meinte: „Nein, so ist es überhaupt nicht. Nicolas ist gar nicht eifersüchtig“. Natürlich konnte sie sich nicht verkneifen, hinzuzufügen: „Das muss er auch nicht“ und dabei genießerisch die Augenbrauen zu heben. „Er ist ein starker Mann, weißt du. Stark in jeder Bedeutung des Wortes. Du weißt ja, du hattest mich in dieser Hinsicht in letzter Zeit nicht gerade verwöhnt.“

Ich war auf so eine Anspielung schon vorbereitet gewesen. O.k., ich war in der Schlussphase unserer Beziehung nach der Arbeit ein bisschen abgespannt gewesen. Und dann der Rauswurf bei der Zeitung, das hatte mich echt weich geklopft, zumal mir die Raten an das Gericht nach meiner Verurteilung wegen eines Patentrechtverstoßes wirklich über den Kopf gewachsen waren. Und dann noch der Stress mit Anna. Ich wollte nicht mehr so oft wie früher, zugegeben, und manchmal konnte ich eben auch nicht mehr. Umso weniger hatte ich Lust auf die Begegnung mit ihrem offenbar nimmermüden Macker. Musste ich in der hollywoodreifen Romanze des Traumpaars Anna und Nicolas unbedingt die beste Nebenrolle des skurrilen Trottels geben?

Ich wollte schon gehen und berief mich (was der Wahrheit entsprach) auf eine hartnäckige gesundheitliche Schwäche, eine noch nicht auskurierte Grippe, die mich mit Fieber, Durchfall und Erbrechen in der letzten Woche arg gebeutelt hatte. Aber Anna hielt mir kommentarlos die Fotos unter die Nase. Widerwillig blätterte ich sie durch: Anna mit Nicolas Wange an Wange auf dem Sofa, Anna mit Nicolas auf der Premierenparty, Anna mit Nicolas in Badekleidung am Strand. In meinem inneren Film verschwand der Mann mit dem Bart und der roten Zipfelmütze vom Schirm, und ein wahrer Prachtkerl nahm seinen Platz ein. Nicolas wirkte, als habe man den Kopf einer jüngeren Version von Ex-Bundespräsident Christian Wulff auf den Oberkörper des Hollywood-Schauspielers Liam Hemsworth montiert. Selbstverständlich verunzierte – im Gegensatz zu Wulff – keine Brille den zugleich stählernen und jovial-treuherzigen Blick des Erwählten, und sein raubtierhaftes Siegerlächeln legte eine makellos weiße Zahnreihe frei.

„Er sieht … gut aus“, räumte ich etwas eingeschüchtert ein.

„Er sieht fantastisch aus!“, schwärmte Anna und fügte, ohne dass ich irgendeine hämische Bemerkung gemacht hätte, hinzu: Ich weiß, was man über schöne Männer sagt, dass die Natur Schönheit, Intelligenz und einen guten Charakter niemals freigiebig an ein und denselben Menschen verteilt. Aber bei Nicolas ist das anders, glaub mir, Nicolas ist perfekt!

„Anna“, versuchte ich zu erklären, „du weißt doch, wie das läuft. ‚Perfekt’ – sind wir das nicht alle, am Anfang? Weißt du noch, was du mir bei unserem ersten Bodenseeurlaub ergriffen ins Ohr gehaucht hast: „Du bist nicht nur die Liebe meines Lebens, du bist die eine und einzige Liebe aller meiner Leben!“

„Jaja“, versuchte Anna dem Thema peinlich berührt auszuweichen. „Irren ist menschlich und manchmal eben auch weiblich. Aber du verstehst nicht, was ich sagen will. Ich meine: Nicolas ist wirklich perfekt, sozusagen perfekt mit offiziellem Perfektionszertifikat.“

Ich muss sie sehr verblüfft angestarrt haben, denn Anna ließ mich mit einem genervten „Ach, du!“ stehen, ging ins Nachbarzimmer und kam mit einem Nachrichtenmagazin in der Hand zurück, das auf einer bestimmten Seite aufgeschlagen war. Es war eine Werbeseite: nebeneinander die Fotos von zwei Auberginen, zwei Früchte wie sie unterschiedlicher nicht sein konnten: Die Aubergine auf der linken Seite deformiert, verschrumpelt und an verschieden Stellen von hässlichen Wurmlöchern durchstochen, ihre dunkelviolette Oberfläche von nur mattem und unregelmäßigem Glanz. Die Aubergine auf der rechten Seite dagegen von vierfachem Volumen, makellos, prall wie ein zum Bersten angeschwollener Luftballon und schwarz glänzend wie ein frisch lackierter Konzertflügel. Über den beiden Fotos der Slogan: „SchulzTech –the difference is obvious“.

Ich kannte die Anzeige, eine Art medialer Vorher-Nachher-Show, in der sich der weltbekannte Schulz-Konzern, Marktführer auf dem Gebiet der Erbgutpatente, als Schöpfer makelloser Exzellenz empfahl. Es gab dieselbe Anzeige mit Tomaten, mit Himbeeren und zum Schluss sogar mit Hunden und Milchkühen. Immer war die Aussage dieselbe: Das Gewöhnliche, Fehlerbehaftete und Erbärmliche konstrastierte mit dem Strahlenden, Fleckenreinen und Erhabenen.

Ich verstand zunächst nicht. „Und was hat das ganze mit Nicolas zu tun?“, fragte ich.

„Hast du nie von dem DNS-optimierten, neuen Menschentyp gehört? Sag mal, liest du keine Zeitung, seit du bei der Redaktion rausgeflogen bist?“

„Ich brauchte noch ein paar Sekunden, bis ich begriff. Dann entlud sich meine angestaute Spannung in einem heftigen und anhaltenden Lachkrampf. „Nicolas ist … er ist …“, prustete ich, „er ist … ein Schulz-Primat!

„Man sagt: ‚Schulz-Humanoid’, korrigierte mich Anna verärgert. „Ich möchte nicht, dass du über Nicolas schlecht redest. Das ist doch nur der Neid. Wenn überhaupt, dann ist er ein genbereinigter Schulz-Humanoid der neuesten Generation. Es ist aber auch nicht falsch, ihn weiterhin als einen Menschen zu bezeichnen. Vielleicht ist Nicolas sogar mehr Mensch, ich meine: in einem höheren Sinne Mensch als du und ich zusammen.“

Der Ausdruck „Schulz-Primat“ war mir einfach so rausgerutscht. Vor ungefähr 5 Jahren, als SchulzTech erstmals das Patent auf die Himbeerpflanze und ihren kompletten genetischen Code angemeldet hatte, war die neue Sprachregelung noch ungewohnt gewesen: „Schulz-Beeren“, das ging konservativen Menschen wir mir nicht leicht von der Zunge. Später, als Schulz das Monopol auf die genetische Optimierung von immer mehr traditionellen Nutz- und Kulturpflanzen an sich riss, gewöhnte man sich an die seltsamen Wortungetüme: Es gab Schulz-Beeren, Schulz-Nachtschattengewächse (Tomaten), Schulz-Hülsenfrüchte (Bohnen) und schließlich, nachdem die Patentierung von Nutztierarten legalisiert worden war, auch Schulz-Paarhufer (Schweine) und Schulz-Carnivoren (Hunde). Das seltsame war, wie schnell sich die Bevölkerung daran gewöhnte. Kaum war ein neues Patent vergeben und eine neue Sprachregelung über die Medien bekannt geworden, konnte man nirgendwo mehr einfach von „Kühen“ sprechen, ohne von einem Besserwisser mit ernstem Gesicht und bestimmtem Tonfall korrigiert zu werden: „Sie meinen: Schulz-Wiederkäuer“.

Irgendwann kam einer meiner Freunde dann auf den grandiosen, damals aber noch absurd anmutenden Gedanken, dass Schulz wohl demnächst auch das Patent auf menschliches Erbgut anmelden würde. Wir überlegten, wie die neu zu züchtende Spezies heißen könnten, und kamen auf „Schulz-Primaten“, was wir unter ziemlich einhelligem Gelächter der Zuhörer bei verschiedenen gesellschaftlichen Veranstaltungen zum Besten gaben. „Schulz-Primaten“ – die Wortschöpfung machte die ganze Absurdität dieses Gedankens – Patent auf menschliches Leben – schlaglichtartig deutlich.

Wie amüsierten uns noch lange darüber, und „Schulz-Primat“ wurde in meinem Bekanntenkreis zu einem gern zitierten geflügelten Wort. Wir lachten solange, bis in der Zeitung über die ersten Verhandlungen zwischen SchulzTech und der Regierung über die Vergabe des Patents an genetisch optimiertem menschlichem Erbgut berichtet wurde. Der Papst, attac und ein paar unverbesserliche gesinnungsethische Fundamentalisten protestierten zwar noch eine Weile; schon bald stellte sich jedoch heraus, dass Gegner des neuen „Schulz-Menschen“, wenn sie versuchten, sich dem alles mitreißenden Strom des Fortschritts entgegen zu stemmen, ungefähr so altbacken wirkten wie die Verteidiger der klanglichen Überlegenheit von Vinyl-Langspielplatten. Bilder der ersten Schulz-Baby gingen bald darauf durch die Presse; stramme, quietschvergnügte, vor Vitalität strotzende Kinder schienen es zu sein, kleine Schönheiten allesamt, die ihren stolzen Eltern nichts als Freude zu bereiten schienen.

„Entschuldige, Anna, aber ich wusste nicht, dass die schon so weit sind“, sagte ich verlegen. “Ich dachte, das wären alles noch kleine Windelkacker.“

„Ihre neue genetische Programmierung ermöglicht es bei Schulz-Humanoiden, den Wachstumsprozess um das zehnfache eines mit herkömmlichen Methoden reproduzierten Menschen zu beschleunigen“, dozierte Anna, die sich offenbar gut in die Materie eingearbeitet hatte. „Schulz-Menschen bleiben nur etwa 5 Wochen im Uterus und fallen nach ihrer Geburt praktisch auf ihre Füße – wie kleine Fohlen, die schon wenige Minuten nach der Geburt oft, wenn auch wackelig, selbst laufen können. Schulz-Menschen sind nach 3 ½ Monaten trocken, schreien nur selten (und wenn, dann aus triftigem Grund) und machen ihren Müttern kaum Mühe. Selbst die wenigen Exkremente, die sie produzieren, riechen dank neuartiger genetischer Programmierung eher angenehm wie frischer Humus mit einem Hauch von Lavendelduft.“

„Vor zwei Jahren wurden die ersten Babys geboren, und du willst ernsthaft behaupten, dass Nicolas in diesem Zeitraum zu einem Mann herangewachsen ist!? Du musst dich beeilen, seine Vorzüge zu genießen, sonst ist er in weiteren zwei Jahren ein Greis und in drei Jahren zu einem Skelett verfallen“, spottete ich.

„Du irrst dich“, korrigierte mich Anna ruhig. „Schulz-Humanoide“ können ihre optimale Körperform, wenn sie einmal erreicht ist, über ca. 120 Jahre aufrechterhalten. In diesem Zeitraum findet kaum ein sichtbarer Alterungsprozess statt. Du kennst doch die Werbung …“

Ich schaute noch einmal auf die Anzeigenseite mit den beiden Auberginen und verglich die Daten, die darunter aufgelistet waren. Linke Aubergine: Haltbarkeit bei Zimmertemperatur maximal vier Tage, rechte Aubergine: Haltbarkeit bis zu 12 Tagen. Die Langlebigkeit der von Schulz genetisch neu codierten Feldfrüchte zählte zu ihren populärsten und offensichtlichsten Marktvorteilen. Warum sollte das bei menschlichem Genmaterial anders sein?

Ich war nun doch etwas verärgert. „Ach, und du willst damit sagen, dass ich dieser kleinen, verschrumpelten Aubergine entspreche, und Nicolas der großen, prallen. Dein Macker ist also der edle Elbenprinz, und ich bin Gimli, der hässliche Zwerg!?“

„Naja, weißt du“, beschwichtigte Anna wenig überzeugend, „du siehst wirklich nicht schlecht aus, auch wenn du bei der Körperpflege mal ein bisschen besser auf dich achten könntest …“

Ich schnupperte verunsichert unter meinen Achselhöhlen: In der Tat stand es um Haarschnitt, Outfit und Pflege bei mir nicht zum Besten, vor allem nach meiner Krankheit und seit meine finanzielle Misere eskaliert war.

„Aber, sei mir nicht böse, mit Nicolas kannst du dich dann doch nicht vergleichen. Nicolas ist …“

„… perfekt, ich weiß. Vermutlich hat er auch keine charakterlichen Schwächen.“

„Hybrid-Männer sind mit einem Gen-Code ausgestattet, der ihnen die optimale mentale Verarbeitung negativer Umweltreize ermöglicht. D.h. die bei Männern sonst üblichen Neurosen und psychischen Unzulänglichkeiten sind bei ihnen quasi wegprogrammiert. So was wie Kindheitstraumata gibt es bei ihnen praktisch nicht, zumal die Eltern, die ein solches Prachtkind austragen dürfen, von Schulz vorher sorgfältig dafür ausgesucht werden. Und welchen Grund hätten Eltern, ein Kind schlecht zu behandeln oder zu traumatisieren, das schlichtweg perfekt …“

„Ja, ich weiß.“

„Hybrid-Männer gleichen dem strahlend blauen Himmel an einem wolkenlosen Tag, bei normalen Männern ziehen dagegen immer wechselnde Wolkenformationen vorbei. Verstehst du, in der Seele eines Hybrid-Mannes gibt es keine dunklen Flecken. Ich bin noch nie einem solchen Menschen begegnet wie Nicolas. Er belastet mich nie mit seinen eigenen Problemen. Er reflektiert mich wie ein klarer Spiegel, weil er im Gegensatz zu gewissen anderen Männern nicht ständig wie ein Pubertierender um seinen eigenen Nabel kreist: Er ist sozusagen schwächenbereinigt, menschlichkeitsbereinigt!“

Zum ersten Mal hatte ich das merkwürdige Wort bewusst aufgenommen: „Hybrid-Mann“. Ich fragte Anna, was es bedeutete.

„Das ist doch klar“, sagte sie: „Hybrid-Männer sind unfruchtbar. Wenn sie zum Orgasmus kommen, ejakulieren sie nicht. Da ist nichts, was herauskommen könnte. Und das, obwohl es ihnen, was die Funktionstüchtigkeit betriff, an nichts fehlt. Ganz im Gegenteil. Ich sagte ja: schwächenbereinigt.“ Anna zwinkerte und hatte wieder diesen träumerisch-genüsslichen Blick. „Du musst zugeben, dass das enorme Vorteile mit sich bringt. Man hat nicht jedes Mal dieses feuchte Geschlabber zwischen den Beinen, keine weißlichen, rauen Flecken auf dem Laken. Und vor allem: keinerlei Gefahr, schwanger zu werden, weshalb das Thema Verhütung komplett entfällt. Damit muss ich auch in keinerlei Weise vorsichtig sein: du weißt schon, wegen Patentrechtsverletzung.“

Ich konnte nur ahnen, was sie damit meinte: Schulz-Humanoide konnten sich nicht fortpflanzen. Das Sperma, das zu ihrer Erzeugung notwendig war, wurde in Labors gezüchtet, und wer den Wunsch nach einem „besonderen Kind“ verspürte, musste für teures Geld genoptimiertes Sperma bei Schulz-Tech kaufen. Wer sich Schulz-Genmaterial auf illegalen Wegen besorgte, konnte wegen Genpiraterie und schweren Verstoßes gegen geltendes Patentrecht zu Haftstrafen nicht unter 5 Jahren verurteilt werden. Aber was hatte das mit Annas Situation zu tun?

„Du verstehst immer noch nicht, hm? Du scheinst wirklich in den letzten Monaten auf einem anderen Planeten geweilt zu haben. Das neue Patentgesetz. Seit 1. Januar. Verbot der Wildzeugung von Exemplaren einer patentrechtlich geschützten Spezies.“

In der Tat hatte ich auch jetzt noch nicht begriffen und musste Anna mit offenem Mund angestarrt haben.

„Also gut, noch mal von vorne für den begriffsstutzigen Mann der Prä-Schulz-Ära: Seit dem 1. Januar ist das Erbgut der gesamten menschlichen Spezies Eigentum von SchulzTech. Darauf habe sich UNO, Weltbank und Weltpatentamt im letzten Herbst geeinigt. Erinnerst du dich nicht an die Massendemonstrationen mit über 30 Teilnehmern am Münchner Odeonsplatz im November? Stoppt Schulz. Kein Patent auf menschliches Leben, und so weiter. Dämmert’s jetzt bei dir?“

Die Massendemonstration musste mir in der Tat entgangen sein, vielleicht auch weil mir mein Provider im Herbst wegen Zahlungsunfähigkeit den DSL-Anschluss abgeschaltet hatte.

„Die Protestwelle ebbte schnell ab, es regte sich kein nennenswerter Widerstand gegen die Pläne von Schulz, und das heißt, ab 1. Januar ist die Menschheit quasi Eigentum von Schulz. Verboten ist nicht nur, sich Sperma von SchulzTech widerrechtlich anzueignen, verboten ist auch, ein Kind zu zeugen und auszutragen, das nicht bei Schulz ordnungsgemäß bestellt und bezahlt worden ist. Was meinst du, warum die Abtreibungsraten so in die Höhe schießen? Pure Angst, wegen Patentrechtsverbrechen belangt zu werden. Poppen ist heutzutage nicht mehr so einfach. Es ist sozusagen illegaler Sperma-Download.“

Anna zitierte einen offenbar verbreiteten Werbeslogan, den sie – einschließlich des ernst-bedrohlichen Tonfalls – perfekt imitierte. „Menschliches Erbgut ist keine Freeware. Genpiraterie ist kein Kavaliersdelikt. Wer menschliches Leben wild und unter Umgehung der geltenden Rechtsnormen erzeugt, macht sich strafbar. Helfen Sie der Polizei. Bringen Sie illegale Schwangerschaften zur Anzeige.“

„Aber …“, versuchte ich bestürzt einzuwenden.

Ich konnte nicht ausreden, weil in diesem Moment der Schlüssel in Annas Wohnungstür ging.

 

Morgen an dieser Stelle werden unsere Leser und vor allem Leserinnen eine unvergessliche Begegnung mit dem perfektesten aller denkbaren Männer haben. Schwere Zeiten für unseren Erzähler, der da natürlich bei weitem nicht mithalten kann.

Showing 2 comments
  • Avatar
    Ulrike Spurgat
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    Da zieh ich doch glatt mein Hütchen…

    „Nikolaus“ fragte ich erstaunt….“ und ich lese mit Begeisterung und fröhlich gestimmt den toll geschriebenen inhaltlichen Text bis zum Ende…und freue mich auf Morgen.

  • Avatar
    Volker
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    Poppen ist heutzutage nicht mehr so einfach.

    Wem sagst du das. Der Leistungsempfänger*in steht somit unter Betrugsverdacht, wenn schrecklicher Nachbar*in bei Behörde petzt, und schon rückt Kontrolleur*in an, schnüffelt in allen Ecken.

    »Ah, zwei Zahnbürsten, und was haben wir denn hier?«

    »Keine Ahnung wo das herkommt, sieht aus wie Stück Stoff mit Gummiband, und mit der zweiten Zahnbürste putz ich Brille.«

    Klassischer Fall von schwerem Ärger – Stück Stoff und zweite Zahnbürste. Hier droht eine Neuberechnung der Libido im Existenzminimum, weil Schwarzpop*** pfui wie Warenbkorbaufbesserung mit Pfanddosenfischen oder geklautes Containergemüse.

    Hartz 4 ist nicht sexy, und schon gar nicht das Natürlichste im gengesteuerten Leben eines Erdlings*in, der sich durchaus als Akt einer Schöpfung betrachten darf, sozusagen als bedingungsloser Lustgewinn des Ganzen.
    Ja wenn – wird allerdings nicht anerkannt, zwei Zahnbürsten sind nach sozialrechtlicher Auslegung als Bedarfsgemeinschaft zu bewerten, eine oder keine ebenso.

    Du ahnst schon, worauf ich hinweisen möchte.
    Klar. Wer weder Zahnbürste noch Stück Stoff besitzt und auf sonstige Bedürfnisse verzichtet, also Butter, Brot, pop*** in angemessenem Wohnstall, ist gemeinhin ein Bedarfsgemeiner – mit oder ohne. Nix Halbes, Ganzes, eher als  Garnix erwünscht.

    🙂

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