Der Revolutionär

 in FEATURED, Kurzgeschichte/Satire, Politik, Roland Rottenfußer

Das Totenhaus – eine abgeschlossene Geschichte (2). Chronik des angekündigten Todes eines radikalen Linken. Um die Linke ist es in jüngster Zeit etwas ruhig geworden. Der zuvor feststellbare vibrierende revolutionäre Elan scheint verflogen. Böse Zungen könnten fast behaupten, es mache gar keinen so großen Unterschied, ob es noch eine Linke gebe oder nicht. Anders bei René Weberknecht, dem Helden der vorliegenden Geschichte. Das ist einer vom alten Schlag, ein ganz harter Hund, der den Kapitalistenschweinen nichts schenkt. Leider ist René unlängst unter noch nicht restlos geklärten Umständen ums Leben gekommen. Diese Aufzeichnungen könnten vielleicht etwas Licht in den merkwürdigen Fall bringen. Noch ein Hinweis vorab: Es handelt sich um einen Einzelfall. Keinesfalls dürfen die hier geschilderten Geschehnissen auf die Gesamtheit der revolutionären Linken übertragen werden. Bitte lesen Sie auch den ersten Teil dieses Geschichten-Zyklus. Roland Rottenfußer

Ausgangssituation: In der mehrstöckigen Wohnanlage des Erzählers herrscht wegen der Cornetto-Pandemie eine totale Ausgangssperre. Lieferdrohnen versorgen die Bewohner mit dem Nötigsten. Die Menschen leben seit Monaten völlig isoliert. Auch auf den Balkonen und Gängen des Gebäudes herrscht strenge Maskenpflicht.

Mein Schreibtisch ging auf den Hof hinaus, der von drei Flanken unserer fünfstöckigen Wohnanlage u-förmig umgeben war. Wenn ich mit meinem Notbook am Fenster saß, sah ich manchmal meine direkten Nachbarn kommen und gehen, die mich im Vorbeigehen grüßten. Zumindest war das früher so gewesen, als es noch erlaubt war, das Haus zu verlassen. Als ich heute früh wieder an meinen Recherchen zu einem Artikel über Totalitarismus in der ehemaligen DDR saß, sah ich, wie etwas Großes, Dunkles von oben nach unten mein Gesichtsfeld durchquerte. Es ging zu schnell, als dass ich hätte erkennen können, um was es sich handelte.

Auf dem Pflaster darunter war ein Aufklatschen zu hören. Ich sah nun, wie sich mehrere Nachbarn in weißen Atemmasken auf ihren Balkonen sammelten und hinabstarrten. Ich stülpte meine Maske über und ging hinaus. Als ich hinabsah, erkannte ich gleich, dass es sich bei der Leiche um René Weberknecht handelte. Sein hagerer Körper lag gekrümmt und starr wie eine zerbrochene Puppe auf dem Pflaster. Sein Kopf, noch immer mit Nase-Mund-Schutz, aus dem eine breiter werdende Blutlache austrat, war von der Seite zu sehen. Er sah jetzt noch wächserner aus als zu Lebzeiten. Obwohl René schon früher eine Art Höhlenmensch gewesen war, immer in seine Bücher von Marx, Horkheimer oder Foucault vertieft.

René hatte sich mir als trotzkistischer Syndikalist vorgestellt. Er war Mitglied der Splitterpartei RAAF (Radikal Antikapitalistische Arbeiterfront). Obwohl er mir politisch immer ein wenig verbohrt vorkam, hatte wir uns ein wenig angefreundet. Vor allem in unserer Verachtung des eher reaktionären „Milieus“ in unserer Wohnanlage, aus deren Fenstern man oft schon von weitem Volksmusik der billigsten Sorte dudeln hörte, waren wir uns rasch einig. Gelegentlich trafen wir uns bei ihm zu Rotwein und Gesprächen. Die verliefen allerdings meist recht anstrengend, da ich für Renés Geschmack nie radikal genug und noch stark in den Denkmustern der Bourgeoisie verhaftet war. Rhetorisch war ich ihm deutlich unterlegen. Dennoch hielt der Kontakt, und wir setzten ihn nach Inkrafttreten der totalen Ausgangssperre teilweise per Email fort.

Ich hatte immer vorausgesetzt, dass René die Cornetto-Maßnahmen der Regierung brüsk ablehnen würde. Ehrlich gesagt machte ich mir Sorgen, man würde ihn demnächst abholen und in eines der Isolations- und Gesundheitserziehungszentren einliefern. Das konnte einem schon passieren, wenn man zum Sympathisantenumfeld von Cornetto-Bagatellisierern gezählt wurde. Ich hatte fast Angst, René auf das Thema anzusprechen. Ich fürchtete seine Vorwürfe, ich würde mich nicht mit der gebotenen Inbrunst dafür einsetzen, die sich anbahnende Cornetto-Diktatur mit proletarisch-revolutionärer Gebärde abzuschütteln.

René versorgte mich, da wir uns – obwohl nur zwei Treppen voneinander entfernt – nicht sehen durften, regelmäßig mit politischem Material. Eines Morgens fand ich in meinem Email-Fach einen „Aufruf zur Revolution“ vor. Ich las:

„Genossen! Für den kommenden Samstag, 13 Uhr, rufen wir alle Geknechteten und Erniedrigten zur Revolution auf. Stürzen wir dieses auf der Abschöpfung unserer sauer verdienten Arbeitserträge basierende Schweine-System! Da sich wegen der im Zusammenhang mit der Eindämmung des Cornetto-Virus verhängten Hygiene- und Abstandsregeln eine körperliche Anwesenheit der Revoltierenden vor dem Parlamentsgebäude selbstverständlich verbietet, rufen wir in diesem Jahr zur Virtuellen Revolution (VR) auf. Wir werden uns in einem Online Revolution Room versammeln und eine virtuelle Erstürmung des Parlaments vornehmen. Zwar haben die Hygiene-Regeln uneingeschränkte Gültigkeit. Dies soll uns jedoch nicht davon abhalten, der Regierung auch in diesen Zeiten ganz deutlich vor Augen zu führen und zu zeigen: Wir lassen nicht zu, dass die Flamme der Revolution von den Stiefeln der Macht ausgetreten wird!“

Der Aufruf mündete dann in einen Link, bei dem man sich als Teilnehmer der VR registrieren lassen konnte. Man musste zunächst seinen Namen und seine Adresse eingeben und wurde als Teilnehmer gezählt. Dann konnte man aus einer Reihe von animierten Figuren einen Avatar wählen, der als Stellvertreter auf dem Platz vor dem Parlament präsent sein würde. Außerdem konnte ich ein Banner mit einem revolutionären Spruch meiner Wahl bestücken. Ich wählte eine Figur, deren Bartwuchs ein wenig an Karl Marx erinnerte. Ihr stechender Blick unter buschigen Brauen drückte zornige Entschlossenheit aus. Als Spruch wählte ich: „Wir werden niemals vor der Infamie zurückweichen!“

Nachdem der Rechner eine Weile gearbeitet hatte, sah ich tatsächlich eine virtuelle Simulation des Parlamentsgebäude mit dem weitläufigen Platz davor. Dort standen bereits 7 Avatare, die entschlossen mit ihren revolutionären Parolen wedelten. Wenige Augenblicke später erschien dann „ich“, also das Karl-Marx-Double, auf dem Platz. Auf einer roten Fahne, deren Wehen im Wind etwas holprig animiert war, konnte man mein Motto lesen: „Wir werden niemals vor der Infamie zurückweichen“.

Ich musste dann bis zum anberaumten Samstag warten und loggte mich pünktlich um 13 Uhr ein. Tatsächlich war die Anzahl der Avatare auf dem Platz mittlerweile auf 16 angeschwollen. Auf das Signal eines Fanfarentons stürmten die Revolutionäre dann auf die Tür des Parlaments zu, überrannten die herbeigeeilten Polizisten und verschwanden in dem Gebäude. Man hörte Geschrei und Krawall, einige Herren in Anzug nahmen entsetzt Reißaus – offenbar die virtuellen Stellvertreter des Ministerpräsidenten und der Parlamentarier. Man sah, wie auf dem Dach des Rathauses eine virtuelle Fahne gehisst wurde. Auch mein Avatar war zugange und streckte einige der herbeigeeilten Sicherheitskräfte mit gezielten Fausthieben zu Boden. Einer stürzte vom Dach in die Tiefe. Ein Banner wurde entrollt, das die gesamte Vorderfront des Palaments bedeckte: „Unabhängige proletarische Republik. Kapitalfreie Zone. Provisorisch verwaltet durch den revolutionären Arbeiter- und Bauernrat.“

Ein Strom von Wärme und lange nicht mehr gekanntem Enthusiasmus durchpulste nun meinen Körper. Tränen der Freude quollen aus meinen Augen. Zum ersten Mal seit langem spürte ich wieder etwas wie Leben. Wir hatten es denen gezeigt!

Dann musste ich den Computer ausschalten. Das penetrante Piepssignal der Lieferdrohne war vor meinem Fenster vernehmbar. Sie brachte meine Essensration für den heutigen Tag: Nudeln, Klopapier und Leberwurst, dazu ein Vitaminpräparat.

Ich hatte dann längere Zeit nichts mehr von René Weberknecht gehört. Der Strom unserer Emails versiegte, was ich darauf zurückführte, dass René meinen Mangel an unbedingter revolutionärer Entschlossenheit nicht länger ertragen konnte.

Einmal musste ich in den Keller, um meine Wäsche rauf zu holen. Dafür bedurfte es einer Genehmigung durch die Gesundheits-Verwaltung. Man musste mit der Gesundheits-App auf dem Smartphone einen Keller-Termin beantragen. Die Maßnahme war notwendig geworden, um sicher zu stellen, dass sich niemals zwei Personen gleichzeitig im Wäschekeller aufhielten. Auf illegales Verlassen der eigenen Wohnung, selbst wenn man sich nur innerhalb der Hausanlage aufhielt, standen drakonische Strafen. Ich brauchte aber dringend neue trockene Unterwäsche. Seit einigen Tage trug ich die Jeans auf der Haut, was zu Abschabungen an empfindlicher Stelle führte.

Ich beschloss also, das Risiko einzugehen und widerrechtlich in den Wäschekeller einzudringen. Es war schon spät abends und sehr unwahrscheinlich, dass jemand zu diesem Zeitpunkt unten war und mich kontrollieren konnte. Alle Smartphones hatten jetzt eine Alarm-App. Die Regierung hatte angewiesen, dass Verstöße gegen die Cornetto-Regeln dem Gesundheitsamt sogleich gemeldet werden mussten. Wer einen Zuwiderhandler ertappte, richtete die Handy-Kamera auf ihn. Mit dem Alarmknopf wurde gleichzeitig ein Beweisfoto gemacht, das den Delinquenten zum Beispiel ohne die vorgeschriebene Gesichtsmaske zeigte, und an die Zentrale geschickt. Außerdem ertönte ein schriller Alarmton, der die Nachbarschaft aufschreckte und den Ertappten zusätzlich der Stigmatisierung als Lebensgefährder aussetzte. Das war kein Vergnügen. Man hielt sich besser an die Regeln.

An diesem Abend glaubte ich aber, es riskieren zu können. Ich öffnete meine Wohnungstür so leise es ging und schlich auf dicken Wollsocken hinunter. Die Treppenbeleuchtung ließ ich ausgeschaltet. Ich kannte mich gut genug aus, und durch die kleinen Oberlichter an den Treppenabsätzen schien manchmal ein milchiges Mondlicht durch, das mir die Orientierung erleichterte. Es gelang mir sogar, die schwere Tür zu den Kellerabteilen absolut geräuschlos zu öffnen.

Ich erschrak fast zu Tode, als ich den Lichtschalter im Keller betätigte und in einer Ecke des staubigen, Kellerflurs eine hoch gewachsene Gestalt sah. Die weit aufgerissenen Augen über der Maske starrten mich entsetzt an. Dann sah ich, dass es sich bei der Gestalt um René Weberknecht handelte. Ein Stein fiel mir vom Herzen. „René, Du bist es! Na, da bin ich erleichtert. Unter uns Revolutionären werden wir doch so kleine Unkorrektheiten nicht so tragisch nehmen…“

Ich kam nicht dazu auszureden. Von Renés Smartphone ging ein grelles Blitzlicht aus. Zugleich ertönte ein durchdringender Alarmton. Ein ertappter Zuwiderhandler war verpflichtet, an Ort und Stelle stehen zu bleiben, bis die Volksgesundheitliche Eingreiftruppe da war. Ich hörte schwere Schritte auf dem Gang, die sich bedrohlich näherten. Dann umstellten mich vier Polizeibeamte im grellgelben Ganzkörper-Seuchenschutzanzug und mit Spezialschutzmaske. „Hände an die Wand, Beine auseinander“ brüllte einer von ihnen. Grobe Hände tasteten mich überall ab. Ein Beamter entriss mir mein Smartphone, wohl um zu checken, ob ich eine Erlaubnis für den Wäschekeller hatte und um eventuelle Vorstrafen zu checken. Auf Befragen gab René eifrig Auskunft. Er bestätigte meine Identität und fügte mit sichtlich befriedigter Miene hinzu: „Ich habe ihn ohne Maske und Erlaubnis hier im Kellerflur vorgefunden“. „Gut, dass sie es gleich gemeldet haben“, bestätigte der Polizist.

Ich bekam einen Bußgeldbescheid über 1500 Euro, zur Zahlung fällig sofort. Dies entsprach ungefähr dem Doppelten meine Monatseinkünfte als freiberuflicher Journalist. Ich hatte keine Ahnung, wie ich das würde zahlen können. Die Beamten geleiteten mich zu meiner Wohnungstür. Bei meinem Aufstieg in den zweiten Stock sah ich, dass fast alle Türen meiner Nachbarn einen Spalt weit offenstanden. Maskierte Gesichter lugten großäugig hervor. Zischende Stimmen stießen Verwünschungen gegen mich aus und geißelten mein verantwortungsloses Verhalten. Ich war froh, die Wohnungstür hinter mir abschließen zu können.

Ich schrieb am nächsten Tag dann eine Mail an René. Ich hätte zwar zweifellos eine Ordnungswidrigkeit begangen, wunderte mich aber, warum gerade er als Kommunist und Revolutionär dies so schlimm fand. Wenige Stunden später erhielt ich von ihm eine Antwort mit folgendem Wortlaut:

„Es stimmt, dass ich mich in der Vergangenheit oft staatskritisch geäußert habe. Die Weltrevolution bleibt auf längere Sicht auch mein vordringliches Ziel. Die jetzige Situation ist jedoch eine völlig andere. Die Cornetto-Pandemie erfordert, dass die Sicherheits- und Hygiene-Maßnahmen absolute Priorität haben. Danach, wenn alles vorbei ist, setzen wir unsere revolutionären Aktivitäten mit unverminderter Entschlossenheit fort. Aber mit Deinem Regelverstoß hast Du Leben gefährdet. Ich bitte Dich, diesbezüglich viererlei zu bedenken:

  1. Wenn jemand an Cornetto stirbt, ist er für die Weltrevolution unbrauchbar. Die Menschen müssen also schon aus diesem Grund am Leben bleiben.
  2. Dass die ganze Wirtschaft derzeit lahm liegt, ist eine großartige Nachricht. In einem Wirtschaftsbetrieb, der seine Produktion eingestellt hat, kann logischerweise auch kein Proletarier mehr ausgebeutet werden.
  3. Die Rechten plädieren ja jetzt für Lockerungen der Ausgangssperren. Mit Nazis will ich mich aber auf keinen Fall gemein machen. In dieser Situation ist es demnach eine antifaschistischer Widerstandsakt, für eine möglichst lange Beibehaltung von Ausgangssperren und Überwachungsmaßnahmen zu plädieren.
  4. Es ist ein verbreitetes Missverständnis, dass die Linke irgendetwas mit Freiheit zu tun hätte. Es kann nur gerade so viel Freiheit gewährt werden, dass die wichtigsten Ziele des Arbeiter- und Bauernstaats nicht gefährdet werden: die Konterrevolution in Schach zu halten, das revolutionäre Bewusstsein der Arbeiter aufrecht zu erhalten und die Wirtschaftspläne zu erfüllen. Es ist also nicht unsere Aufgabe, das Volk in die Freiheit zu führen, allenfalls können wir eine notwendige relative Unfreiheit sozial abfedern. Wir sind nicht die, die einen Ausbruch aus dem Gefängnis organisieren; wir sind die, die dafür sorgen, dass es bei der Verteilung der Essensrationen an die Insassen gerecht zugeht. Völlig unbrauchbar sind hierfür Leute, die glauben, die Regeln gelten nicht für sie. Stell Dir vor, wir haben das Paradies der Werktätigen, und jeder macht, was er will! Insofern kann man den heutigen Politikern sogar dankbar sein. So wie die Leute jetzt abgerichtet sind, werden wir sie auch hinterher, wenn wir gewonnen haben, gut brauchen können.

Erwarte also bitte nicht von mir, dass ich weitere Fälle von Cornetto-Bagatellisierung und Lebensgefährdung von Deiner Seite tolerieren werden. Halt Dich an die Regeln. Halbe Abstand. Wasch dir die Hände. Mit proletarischem Gruß René“

In der Folgezeit kamen von René nur noch Briefe, die von einem sich zunehmend umdüsternden Gemütszustand zeugten. Er sprach davon, dass sowieso alles sinnlos sein. Es schien, als sei er gebrochen. Eine Mutmaßung von mir war, dass ihn der Zwiespalt, in den ihn die Cornetto-Krise brachte, innerlich schier auseinandergerissen hatte. Die Regierung in dieser Zeit, die den Zusammenhalt aller anständigen Menschen erforderte, zu kritisieren, verbot sich. Also war es ratsam, sich ruhig zu verhalten und nicht unangenehm aufzufallen. Gleichzeitig wusste René natürlich, dass die Weltrevolution auf diese Weise nicht vorangetrieben werden konnte und dass die Ideologie des Neoliberalismus nicht besiegt war, selbst wenn momentan alle Räder stillstanden.

Der Zwiespalt schien unlösbar. Vielleicht wollte ihm René durch seinen Freitod ausweichen.

Immerhin war der Tod ja das Einzige, was in diesem Land noch frei war.

All das sind aber natürlich Vermutungen. Was wir mit Sicherheit wissen, ist, dass René Weberknecht auf seinem Schreibtisch einen Abschiedsbrief hinterlassen hatte, auf dem nur ein einziger Satz stand: „Haltet euch an die Regeln!“

Ich sah dann noch vom Balkon aus, wie seine Leiche von ein paar Männern in Ganzkörper-Schutzanzug wegtransportiert wurde.

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    Ulrike Spurgat
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    Ersteinmal wäre ich schwer beunruhigt , wenn man die DDR endlich einmal in Ruhe lassen würde.

    So ist es folgerichtig, dass man natürlich einen Artikel über den „Totalitarismus“ in der DDR schreibt, wenn dann in dem Zusammenhang über einen „Revolutionär“ geschrieben wird der mit was weiß ich nicht klar kommt. Hannah Arendt und der widerliche Kurt Schumacher (SPD) lassen grüßen.

    Ziemlich verwirrend die welche Schlüsse die da gezogen werden.

    Ich bin da wohl zu einfach gestrickt um Gedankengängen folgen zu wollen die mit der Wirklichkeit, der Lebenswirklichkeit von Millionen Menschen im Land eher wenig zu tuen haben.

    Revolutionen sind weder Selbstzweck noch dienen sie der Abarbeitung an gesellschaftlichen Verhältnisse, sondern sie sind eine historische Notwendigkeit und sind untrennbarer Teil des sterbenden Kapitalismus.

    Nur lässt sich der Fluss aber nicht anschieben……und dem Drängen von Freiherr auf einen Generalstreik kann ich gut verstehen, denn manchmal geht es mir nicht anders.

    Weltrevolution ? Vielleicht reicht es erstmal konkret zu werden, denn die Wahrheit ist immer konkret.

    Rene,der Revolutionär…

    Da erlaube ich die Frage zu stellen was denn die Kommunisten im Kampf ganz konkret getan haben, als sie gegen den Faschismus unter Einsatz ihres Lebens gekämpft haben, und im Anschluss wieder der ekelhaften, politischen Verfolgung alter und neuer Faschisten ausgesetzt gewesen sind ?

    Eines hatten sie alle gemein und da weiß ich sehr genau von wem ich spreche…

    Sie waren Revolutionäre in ihren Kämpfen und die Lust am Leben und ihr historischer Optimismus haben nie nach gelassen.

    Kommunisten lieben das Leben und die Menschen. Mein kommunistischer Vater hat meine Mutter leidenschaftlich geliebt, so wie ich seine Gradlinigkeit, sein tiefes Verständnis für die Menschen und sein Einstehen für eine andere Welt.  Selbst Rückschläge sind Teil des Lebens und wer fällt steht wieder auf.  Wenn nötig mit Hilfe, dass habe ich von ihm gelernt.

    Seine Ängsten hat er nie soviel Raum gegeben….

    Solidarität ist und bleibt der Kitt, denn wie Che Guevera wusste ist Solidarität „die Zärtlichkeit der Völker“.

    Revolutionen werden nicht am Schreibtisch gekämpft. Man kämpft auf den Straßen und dort fällt die Entscheidung über die weiteren Kräfteverhältnisse im Land.

    Dieser Sog in ein unbekanntes Dunkel hat etwas verstörerisches und erinnert etwas an die Frau die Hungern als eine Form von Protest gegen die Corona Maßnahmen gewählt hatte.

    Ich kann da nicht viel aufbauendes erkennen….., aber das muss ja auch nicht.

    „Revolutionäre Linke“ ?

     

     

     

     

     

     

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    Freiherr von Anarch
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    naja – es strebt nach Herrschaft doch letztendlich auch der ‚Linke‘ und gerade nun da man sich als solcher beweisen könnte, geht man mit dem Faschismus konform – diese Geschichte ist also trotz gewisser ‚Überzogenheit‘ ein reales Bild dieser jämmerlichen ‚Linken‘, insbesondere der Radikalen darin, Antifa begrüßt den Faschismus ! – leck mich am Arsch, ist das seltsam.

    Ist wie eh und je – die Freiheit, die Anarchie wird vergessen in allen Bemühungen um Gerechtigkeit.

    Und so ist China, das ja Marx verehrt, eine Radikaldiktatur –

    keine Spur von Freiheit.

    Herrschaft ist das tödliche Gift – in allen Formen politischer Ideologien und immer gewinnt sie am Ende von Revolutionen wieder die Oberhand.

    Ich hatte schon als Bub mit 6 Jahren unauslöschbar die FREIHEIT allein im Kopf – und wird nie auszulöschen sein, unter dieser obersten Prämisse falle ich niemals auf Herrschaft herein, egal in welchem Mäntelchen sie sich zeigt.

    Freiheit – Gerechtigkeit – Menschenrecht !

    Alles ordne ich diesen fundamentalsten Werten unter –

    den Politikverbrechern allerdings, kann ich das Menschenrecht nicht mehr gewähren, dem Henker die gleiche Empathie wie dem Gehängten, das kann ich nicht und deshalb muss man die mit allen Mitteln bekämpfen, ALLEN MITTELN.

     

     

     

     

     

     

     

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    Holdger Platta
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    Liebe Ulrike,

    wie schreibst Du in Deinem Kommentar oben? – :

     

    „Kommunisten lieben das Leben und die Menschen.“

     

    Allmählich bekomme ich den Eindruck, Du gehst manchen Einwänden von mir aus dem Weg. Aber ich glaube nicht, daß dieses viel bringen wird, da allzu vielen Menschen allzu vieles im Gedächtnis geblieben ist, was zu Deinem Satz oben so gar nicht passen mag. Und was – bittebitte, komme jetzt nicht damit! – alles nur Erfindung der bösen Kapitalisten ist.

    Das, was man die Geschichte der Realisierungsversuche von Kommunismus nennen könnte (lassen wir jetzt mal die Spitzfindigkeiten beiseite, mit deren Hilfe dann noch unterschieden wird zwischen Sozialismus, real existierendem Sozialismus  und Kommunismus), hat – leiderleider – ein Doppelgesicht. Das eine lobe ich wie Du, das andere aber zeigt das Grauen schlechthin. Aber ganz konkret, und ich greife für diesen Zweck Dein Formulierung auf:

    „Der Kommunist Stalin liebte das Ermorden von Menschen und haßte unsagbar viele Menschen.“

    Deine großartigen, liebevollen, „kleinen“ Helden des Kommunismus gab es in der Tat. Beispielsweise waren sie es, die „kleinen“ Kommunisten,viele, viele Kommunisten in Deutschland ‚ganz unten‘, die als allererste, vom ersten Tag an, Widerstand gegen Hitler leisteten. Lange bevor die heute zumeist gefeierten Widerstandskämpfer kamen.

    Aber es gab eben, schon vor 1933, seit etwa 1926, die mörderischen Arbeitslager in Sowjetrußland, die Folterungen, die Schauprozesse, den Archipel Gulag. Und dieses dürfen wir – Du und ich – nicht wegdiskutieren wollen oder verrechnen wollen mit den großartigen Kommunisten, die es eben auch gab. Stalin, Mao, Pol Pot und andere haben aus dem Kommunismus, dem angeblichen, ein Leichenschauhaus gemacht. Ein Entsetzen für die Welt bis ans Ende aller Tage!

    Wir – Du und ich, beide Marxisten (I hope so) -, wir müssen uns beidem stellen, beides wahrhaben, uns mit beidem auseinandersetzen.

     

    Verleugnen, Verdrängen hilft gar nichts. Und die Idealisierung der einen (wirklich guten!) Seite auch nichts.

    Mit herzlichen, selbstverständlich immer noch solidarischen Grüßen

    Dein Holdger

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      Ulrike Spurgat
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      Lieber Holdger,

      es ist für mich kein Problem wie Du Deine geschichtlichen Bewertungen vornimmst.

      Grundsätzlich denke ich selbständig besonders seit ich dialektisch zu Denken in der Lage bin.  Also bewerte ich reflektiert und überlegt aus der eigenen Erkenntnis heraus. Das hat mich die Geschichte gelehrt.

      Nun, verdrängen ist noch nie meine Angelegenheit gewesen; dafür war und bin ich viel zu neugierig und gehe den Dingen auf den Grund.

      Allerdings gestatte ich mir immer eine eigene Bewertung, vor allem trifft dieses auf die Geschichte der revolutionäre Arbeiterbewegung zu.

      Und auf dem Parkett bewege ich mich seit einer sehr langen Zeit ziemlich schwindelfrei.

      Warum sagst du denn nichts zu den politisch verfolgten Kommunisten im Nachkriegs Deutschland ? Über die Faschisten, die die Schlüsselministerien unter Adenauer bis weit in die siebziger Jahre belagert haben. Globke hängt heut noch im Kanzleramt. Kommunisten wurden wieder verfolgt, angeklagt und verurteilt. An die Hausdurchsuchungen in der Nacht bei uns zu Hause kann ich mich als kleines Mädchen sehr gut erinnern.  Und ich werde weder meinen Vater noch mein Leben  verleugnen oder gar verdrängen. Wenn ich das täte wäre ich eine schlechte Therapeutin/Pädagogin/Psychologin.

      Idealisieren liegt mir irgend wie auch nicht, dass dürfte doch in meinen Kommentaren deutlich werden.

      Wenn Dir meine Beiträge nicht zusagen, dann mach klar Schiff…und ich gehe und das ohne Groll.

      Es mag sein, dass dem einen oder anderen das nicht gefällt wie ich denke. Das akzeptiere ich selbstverständlich. Auf keinen Fall werde ich mich weder rechtfertigen oder gar andere missionieren wollen.

      Für sowas bin ich nicht geeignet. Und jemandem nach dem Mund zu reden auch nicht.

      Die alten Kommunisten wo ich die Ehre hatte sie kennen zu lernen und das waren nicht wenige sind meist aus den Konzentrationslagern gekommen und  waren genau das was ich geschrieben habe. Sie saßen an unserem Tisch, sie lachten und weinten gemeinsam, weinten um ihre Freunde und Genossen, die die Faschisten mörderisch gefoltert und ermordet haben. Die Narben habe ich gesehen.

      Eine Zäsur in der Geschichte der Menschheit und die Geschichte hat ihr Urteil mit den Nürnberger Prozeßen gesprochen.

      Und mein Vater (KPD) war als ehemaliger Lager Häftling noch Jahre nach seiner Flucht aus dem Lager, den seine Mit Häftlinge organisiert haben kurz vor seiner Erschießung wieder und wieder von Alpträumen gequält….und sein Mut und seine Aufrichtigkeit haben mich mit zu dem werden lassen die ich heute bin.

      Ohne dieses Fundament hätte ich die Heimerziehung wie einige meiner Mit Heimjugendlichen nicht überlebt. Sie haben sich umgebracht. Und ich „idealisiere“ ? Idealisieren hat mit dem wie ich die Welt erkenne eher weniger zu tun.

      Mit allem setze ich auseinander was mir wichtig ist. Nur suche ich nach Quellen die aus anderen Lagern kommen als die üblichen. Und damit setze ich mich auch auseinander und das ohne wenn und aber.

      Mir fällt auf, dass es immer wieder an dem Punkt zur Sprache kommt und du mir sagst was du denkst was ich deiner Meinung nach denken soll…..

      Immer bin ich meinen eigenen Weg gegangen, der teils mit Ausgrenzung, Isolation, Missachtung und Ignoranz von anderen Menschen zu tuen hatte.

      Ich verstehe was du mir sagst und ich werde darüber nachdenken.

      Einen schönen Abend mit solidarischen Grüßen, Ulrike

      • Avatar
        Holdger Platta
        Antworten
        Liebe Ulrike,

        ich habe keinerlei Probleme, daß Du auch aufs klarste auf die verbrecherische Integration von Naziverbrechern in die Elitenkreise des westdeutschen Nachkriegsdeutschlands hinweist, ganz im Gegenteil. Ich selber habe schon mehrfach auf diese Tatsachen hingewiesen.

        Problematisch fand und finde ich die Pauschalität Deiner Aussage „Kommunisten lieben das Leben und die Menschen.“ Dagegen wandte ich mich mit einem Kommentar. Weil es einfach nicht stimmt – wie in meinen Hinweisen (die schlimmste Verbrechen im Namen des Kommunismus angesprochen hatten) kurz benannt.

        Mal wieder: wer – berechtigterweise! – auf schlimmste Fragwürdigkeiten der Nachkriegspolitik Westdeutschlands hinweist, erhöht seine Glaubwürdigkeit, wenn er mit seinen Menschlichkeitsmaßstäben auch die Verbrechen der anderen Seite aufs deutlichste kritisiert. Anderes wäre bloße Willkür, was die von einem selber reklamierte Humanität betrifft. Noch einmal also:

        Wir können die Welt nicht im Sinne eines Entweder-Oder aufteilen in ein „gut“ und „böse“, es geht um ein Sowohl-als auch.

        Dafür möchte ich werben – auch bei Dir. Keinesfalls mußt Du also als unsere Kommentatorin „gehen“, wie Du schreibst. Letzteres wäre ein arges Mißverständnis, was Aussage und Intention meiner Antwort an Dich betrifft.

        Herzlich

        Holdger

         

         

        • Avatar
          Ulrike Spurgat
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          Lieber Holdger,

          bedanke mich für deine Antwort.

          Über den Inhalt muss ich nachdenken.

          Das gelebte Leben mit all seinen Tücken ist anders zu bewerten und einzuordnen als eine theoretische Auseinandersetzung zu/mit Themen der heutigen Politik die  meist aber aus dem Gestern heraus entstanden ist und die gesamte Gesellschaft betreffen, aber nicht in gleicher Weise.

          Will sagen, dass ich im Moment keinen klaren Standpunkt finde wie ich mich bei HdS positionieren kann und will.

          Wenn ich nicht mehr frei und auch spontan in Fettnäpfchen treten kann und nicht mehr schreiben kann was ich will, und vor jedem Kommentar jedes Wort erst auf die Goldwaage legen muss ist es mir nicht möglich zu schreiben.

          Lebendig muss es bleiben wie das Leben ist und das schließt mit ein, dass ich einen Zensor egal ob von innen oder außen konsequent ablehne

          Also, was tun sprach Zeus: Die Götter sind voll Alkohol….. Prost !

          Beste Grüße, Ulrike

           

           

           

           

          • Avatar
            Holdger Platta
            Liebe Ulrike,

            um Himmels Willen: laß Dir Deine Spontanität nicht nehmen! Das habe ich wirklich nicht ausdrücken wollen, bedauere aber, wenn ich mich da mißverständlich ausgedrückt habe.

            Was ich unendlich wichtig finde, daß wir uns bemühen, bei der ganzen Wahrheit bleiben, wenn wir uns zu diesen Großthemen Kommunismus und Kapitalismus äußern. Und da weiß ich nun – seit den APO-Zeiten, während derer (und danach) ich stets, ich vermute, im gemeinsamen Interesse, aktiv gewesen bin und bleiben werde -, daß sehr vielen Menschen immer wieder diese anderen Wahrheiten zum Thema Kommunismus im Kopf herumspuken.

            Gerade wir sollten deshalb auch diese Wahrheiten benennen und eben auch unsererseits kritisieren. Kommunismus ohne oder gegen die Realisierung von Menschenrechten kann es nicht geben, es wäre keiner.

            Was keinesfalls bedeutet, von den Verbrechen des Kapitalismus zu schweigen, ganz im Gegenteil. Gegen diese können wir um so glaubhafter kämpfen, wenn wir auch gegen halbierte Erinnerungen ankämpfen, die jene Verbrechen ausblenden, die im Namen von Kommunismus – angeblich – bgegangen worden sind.

            Mit herzlich-solidarischen Grüßen weiterhin

            Holdger

      • Avatar
        Volker
        Antworten

        Mir fällt auf, dass es immer wieder an dem Punkt zur Sprache kommt und du mir sagst was du denkst was ich deiner Meinung nach denken soll…..

        Ne. Das sind diese unausweichlichen Missverständnisse digitaler Natur. Auf einen spontanen Kommentar erfolgt eine spontane Reaktion. Bei einem Gespräch könnte man Missverständnisse wohl vermeiden, weil Zeit, Raum sowie ein Gegenüber es zuließen, ohne all zu hastige Rechtfertigungen der eigenen Sichtweise.

        Ulrike, bleibe hier und kommentiere weiterhin, Deine Kommentare lese ich – Jahrgang 1956 –  mit Interesse, und Deine Sichtweise aus eigenen Erfahrungen sind ein wertvoller Beitrag zum Gesamtverstehen der Dinge.

        Also: nicht kneifen und Schnute ziehen…

        🙂

        Volker

        • Avatar
          Ulrike Spurgat
          Antworten
          Lieber Volker, es ist sehr richtig, dass du mich erinnerst, dass man leider nicht „an einem Tisch“ gemeinsam sitzt um sich lebhaft über die Themen auseinanderzusetzen  die einem „auf der Seele brennen“.

          Dass werde ich ihn Zukunft mehr zu berücksichtigen wissen.

          Momentan ziehe ich noch die „Schnute“. Aber aufgeben und sich vom „Acker“ passt auch nicht…

          Die Aufmunterung erreicht mich genau da wo es Not tut.

          Danke und auch ich lese deine Kommentare gerne und interessiert. Trotz deiner mehr als schwierigen Lebenssituation wird meist der Schalk im Nacken sichtbar. Begleitet vom tiefen Verständnis was Humor bedeutet in manchmal fast ausweglosen Lebenssituationen, und bei allem ernst dabei auch noch ein Lächeln aufs Gesicht zaubern kann.

          Da passt Erich Kästner dazu, dass man…..“nicht von dem Kakao auch noch trinken soll, durch den man gezogen wird.“

          Halt die Ohren steif, Ulrike

           

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    Wilhelm Pieck
    Antworten
    Liebe Ulrike Spurgat,

    vielleicht ist die Freie Linke etwas für Sie. Korovakritisch und zwar als Sammelbecken für linke, kritische und antikapitalistische zwar recht diffus, aber angesichts der Dringlichkeiten müssen sich ja alle Linken endlich aufraffen und die Sektiererei beenden.

    Dieses Gelästere über die DDR kann ich kaum mehr hören. Wenn wir heute in vielen Punkten soweit wären wie damals, dann hätten wir auch eine reale Basis für gelebte Freiheit.

    https://t.me/freielinke

    https://t.me/freielinkechat

     

    Mit kommunistischen Grüßen,

    W.P.

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      Ulrike Spurgat
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      Danke für die Information, die freundliche Antwort und das Angebot.  Was mich neugierig macht ist, dass du eine ähnliche Erkenntnis zur DDR wie ich hast.

      Beruhigend, dass ich damit nicht alleine bin.

      Beste Grüße, Ulrike

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    Ilias
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    A.Camus: „Der Mensch in der Revolte“ kann vielleicht hilfreich sein. Ich habe noch nie in dualistischen Kathegorien gedacht,da sie meiner Meinung nach das Denken eingrenzen.Diese Kathegorien wurden von Systemen geschaffen in denen wir uns bewegen SOLLEN.      Die anarchistische Philosophie hat einen systemunabhängigen Denkansatz um Herrschaft zu beseitigen.Deshalb wurden die Anarchisten weltweit verfolgt,ermordet von den sogenannten Faschisten,teilweise auch von den Kommunisten.  Ziel der Anarchisten war immer eine Gesellschaft ohne Herrschaft ohne Polizei…David Gräber lässt grüssen.. Ich bin Ende 70 Jahre aus der DDR ausgereist (politisch). In der Konsum- BRD gab es nie eine sogen.Demokratie.Alle Nazis waren plötzlich verschwunden aus D.Sie haben sich nahtlos in dieses verlogene, ausschliesslich auf den Konsum gerichtete System eingefügt..hi,hi.Das Volk hat nie seine eigene“sog.Verfassung „schreiben dürfen..
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      Ulrike Spurgat
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      Wer hat Camus denn nicht gelesen….

      Nichts Neues !

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    Frau Lehmann
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    Lieber Holdger, liebe Ulrike,

     

    entschuldigt bitte, wenn ich mich sozusagen in eure Debatte einklinke. Ich finde nur, dass darin grundsätzlich unterschiedliche Einstellungen deutlich werden.

     

    Was mich bei der Geschichte „Der Revolutionär“ irritiert und auch ärgert, ist die Zeichnung der Figur des „Revolutionärs“. Ich finde sie ganz und gar nicht logisch und konsequent in Verhalten und Entfaltung, sondern schrecklich konstruiert, statisch und unglaubwürdig. Und auch ich verstehe wie du, Ulrike, die Geschichte auch als  Kritik an der DDR und der Idee des Kommunismus.

    Wer sich mit dem Begriff des Totalitarismus beschäftigt hat, müsste trotz aller berechtigter Kritik am praktizierten Staatssozialismus in der DDR zu dem Ergebnis kommen, dass die DDR eben kein totalitäres Regime war. Das kann nur behaupten, wer nie in der DDR gelebt hat und es als ideologisch notwendig erachtet nachzutreten. Um die eigene Gesellschaft und Staatsform als die bessere, humanere herausheben zu können – oder welchen Grund sollte es sonst dafür geben? Und warum hätte das nötig, wer wirklich besser ist?

    Ich persönlich bin in dieser jetzigen egoistischen, materialistisch orientierten, den Menschen verachtenden und Geld und Geschäft vergötternden  Gesellschaft jedenfalls nie richtig angekommen. Und unter gelebter Demokratie habe ich mir tatsächlich etwas anderes vorgestellt, und das nicht erst seit Corona, als die schlecht praktizierte und kaum mehr funktionierende repräsentative.

    Wenn die Geschichte aussagen will, dass Linke oder Die Linke in Corona-Zeiten versagt und ihre linken Positionen sozusagen verrät, dann kann ich das Geschehen nachvollziehen. Es ist doch aber so, dass Die Linke gar keine kommunistischen Ideen (mehr) verfolgt, sondern politische Macht erreichen will wie alle Parteien. Der Weg dahin ist in diesem Parteiensystem doch aber nur durch Anpassung (an vor allem wirtschaftliche Sachzwänge) möglich. Da sind menschliche, gesellschaftliche Ideale nur hinderlich. Die Grünen haben es doch schließlich vorgemacht.

    Wenn du, Holdger, Ulrikes Aussage „Kommunisten lieben das Leben und die Menschen“ auf Stalin ummünzt und daraus „Der Kommunist Stalin liebte das Ermorden von Menschen und haßte unsagbar viele Menschen.“ machst, ignorierst du, dass das nicht der Kommunist Stalin war, sondern der Machtmensch Stalin. Denn um den Bogen zur Geschichte „Der Revolutionär“ wieder herzustellen: Auch Stalin hat mit seinem Verhalten seine kommunistischen Ideale verraten. (Im Übrigen kann niemand wissen, ob er das Ermorden liebte und die Menschen, derer er sich entledigte, auch hasste.) Damit relativiere ich seine Untaten nicht. In der ehemaligen SU hat man sich im Übrigen mit Stalin genauso auseinandergesetzt wie die Deutschen mit Hitler. Ihn und alle anderen Verbrecher, die du, Holdger, aufgezählt hast, wie selbstverständlich mit der Idee des Kommunismus gleichzusetzen, halte ich für falsch.

    Wenn ich dich, Ulrike, richtig verstehe, schreibst du nie über eine Ideologie oder Theorie, sondern über das Leben und von Menschen gelebte Ideale. Solche Menschen bräuchte es in dieser Gesellschaft viel mehr.

    Darin liegt mMn der unterschiedliche Standpunkt zwischen euch beiden.

    Ich bin bei dir, Ulrike. Deine klugen Beiträge möchte ich hier nicht missen.

    Herzliche Grüße

    Cornelia

     

     

     

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      Ulrike Spurgat
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      Liebe Carola,

      der Kopf qualmt immer noch und die Gefühlswelt ähnelt einer Achterbahn.

      Überrascht bin ich nicht von deiner differenzierten Betrachtung zum Thema. Sowohl zum Artikel, als auch zu den Kommentaren. Kürzlich las ich von dir, dass du als Pädagogin/Lehrerin in der DDR gearbeitet hast. Hoffe, dass ich das noch richtig erinnere….

      Vieles ist geschrieben und mir ist die Brisanz dieses Themas mehr als bewusst und ich erwische mich immer mal wieder bei „Harry Potter“ und bei „dessen Namen nicht genannt werden darf“………. lach. Da kann mal sehen wie das mit der Konditionierung klappt, wenn das „Pawlowsche Glöckchen“ klingelt….

      Antworten möchte ich mit Nikolai Ostrowski, einem Zitat aus seinem bemerkenswerten Buch, nämlich dem „Wie der Stahl gehärtet wurde“

      „Das Wertvollste , was der Mensch besitzt, ist das Leben. Es wird ihm nur einmal gegeben , und er muß es so nützen, daß ihn sinnlos verbrachte Jahre nicht qualvoll gereuen , die Schande einer kleinlichen, inhaltslosen Vergangenheit ihn nicht bedrückt und daß er sterbend sagen kann:

      Mein ganzes Leben , meine Kraft habe ich dem Herrlichsten in der Welt – dem Kampf für die Befreiung der Menschheit – geweiht.

      Und er muß sich beeilen, zu leben.

      Denn eine dumme Krankheit oder irgendein tragischer Zufall kann dem Leben jäh ein Ende setzen.“

      Nie wieder Faschimus und Krieg !

      In diesem Sinne beste Grüße, Ulrike

       

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        Frau Lehmann
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        Liebe Ulrike,

         

        ja, ich war Lehrerin in der ehemaligen DDR, aber viel länger im „vereinten“ Deutschland und bin es noch immer. Das spielt aber nur insofern eine Rolle, dass ich mich mehr als Pädagogin denn als Lehrerin sehe und mein Fach Deutsch ist. Literatur hat mich sozusagen gelehrt, mich mit Menschenschicksalen, Gesellschaften  und Idealen auseinanderzusetzen. Die Fragen, die Literatur stellt , sind seit Jahrhunderten dieselben, nur die Antworten sind sozusagen zeitgebunden. Auch so kann man Geschichte erfahren und sich mit ihr auseinandersetzen.

        Im Moment bin ich an einem Punkt angelangt, dass ich die Entwicklung des Bildungssystems nicht mehr mittragen kann und will, es macht mich krank, und ich bin dabei auszusteigen. Mit anzusehen, dass bereits 5.Klässler verloren sind, dass den Schülerinnen und Schülern das Denken abgewöhnt wird, dass sie sich nicht mehr trauen, sich auszuprobieren, sondern ergebnisfixiert vorgegebene Konzepte abarbeiten, kann ich nicht mit meinen Vorstellungen von Bildung in Einklang bringen. Wer behauptet, dass unterscheide sich explizit von der  ideologiegebundenen Bildung in der ehemaligen DDR, hat nichts verstanden. Die Allgemeinbildung in der DDR war mMn sogar besser als die heutige. Geschichte, Ethik (das ich auch unterrichte) sind doch nur noch Alibifächer ohne jeglichen gesellschaftlichen Gewinn. Abrichten, disziplinieren, Strafandrohung – so sieht die Realität doch aus. Kann ich nicht mehr. Schwarze Pädagogik gewinnt immer mehr an Bedeutung, und das im 21. Jahrhundert!

        Deine Zitate aus „Wie der Stahl gehärtet wurde“ habe ich noch gut im Gedächtnis. Ein gutes Buch, nur leider wurde es in der DDR auch nicht entsprechend behandelt, sondern gipfelte in der Regel in der Frage: Was macht einen heutigen Revolutionär aus? Was sollen Kinder damit anfangen?

        Ähnlich menschlich berührt hat mich „Ein Menschenschicksal“ und zum Nachdenken angeregt „Der Gong des Porzellanhändlers“.

        Corona zeigt mMn nur wie durch eine Lupe, was in diesem System alles falsch läuft. Es sagt nur niemand – das böse Wort Kapitalismus. Aber genau darum müsste es gehen.

        Und endlich  um die Menschen.

         

        Beste Grüße, Cornelia

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    Ulrike Spurgat
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    Bitte um Nachsicht bei der Namen Verwechslung: Cornelia ist richtig und nicht Carola.
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    Freiherr von Anarch
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    Inzwischen tritt der Polizeistaat massiv auf, Hundertschaften oder mehrere sogar, auch bei kleinen Demos, in voller militärischer Kampfmontur, mit Hundestaffeln, Wasserwerfern, Gasgranaten – brutalste Körperverletzungen an den Demo-Teilnehmern –

    und unterbindet quasi vor vorne herein jede Demo und das mit einer unfassbaren Härte und völlig entgegen geltendem Recht sowieso.

    Und hier mal das Grundgesetz dazu:

    ‚ Jeder Bürger hat das Recht sich ohne Waffen unter freiem Himmel zu versammeln ! ‚

    Es herrscht der Polizeistaat, der Faschismus, die Diktatur !

    Und wer verursacht, billigt und setzt das durch ? – diese hochkriminelle Regierung !

    Regierungsverbrechen und blanker Staatsterrorismus gegen die Bevölkerung !

    Steht auf und kämpft für unsere Freiheit !

     

     

     

     

     

     

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      Freiherr von Anarch
      Antworten
      ..aktuell heute am Sonntang – zur demo in Düsseldorf:

      eine rein friedliche demo umzingelt von mehr als 100 Großfahrzeugen der Bullen plus 2 Wasserwerfern !

      kaum jemand hat eine Maske auf – und kein Abstand !

      Bravo !!

      ‚ wir haben keine Maske auf, weil keiner einen Abstand braucht …‘- wird gesungen.

      Bravo !!

       

       

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    Ulrike Spurgat
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    Lieber Holdger,

    danke dir, dass du dir die Mühe machst dich so verständlich zu machen, dass ich dem folgen kann was du schreibst.

    Das ist wirklich wichtig um einordnen zu können.

    Nein, du hast dich nicht missverständlich (Spontanität) ausgedrückt.

    Das sind immer mal wieder sogenannte „Altlasten“ die die Kommunikation etwas erschweren und dass das so ist ist in allerster Linie tatsächlich mein Problem.

    Ist aber Teil des Lebens und eher lästig und hinderlich wie man sehen kann.

    Bei Unklarheiten ist es ja auch möglich nachzuhaken wenn es einem wichtig ist.

    Danke für die Zeit und für die Mühe.

    Allerbeste Grüße und weiterhin ein gutes Gelingen für eure wichtige und sinnstiftende Arbeit, Ulrike

     

     

     

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