Der Schwarze Schwan

 in FEATURED, Monika Herz, Philosophie, Umwelt/Natur

Der Schwarze Schwan steht symbolisch für etwas, was es eigentlich gar nicht geben dürfte. Wie ein weißer Rabe. Zumindest gibt es ihn in unseren Breiten in Freiheit sehr selten. Ursprünglich ist seine Heimat Australien. Unsere Autorin hatte sich mit einem angefreundet. Sie mag so ziemlich alle Tiere und Pflanzen. Aber vielleicht hatte sie es diesmal zu gut gemeint und ihn gefüttert. Widerrechtlich. Es ist ja verboten. Wie so vieles in diesen Tagen. Aber nicht jedes Verbot ist ja automatisch eine Schikane – man vergisst das leicht. Hat der Schwarze Schwan diese „Behandlung“ überlebt – der Artikel wird es enthüllen. Aber selbst wenn sie einen Fehler gemacht hätte, besäße die Autorin wenigstens noch eine gewisse Sensibilität. Sie hatte ein schlechtes Gewissen. Manche andere haben das nicht. Wölfe zum Beispiel darf man jetzt regierungsamtlich abschießen… Monika Herz

 

Ich mag es ja wirklich nicht, wenn ich gegen Gesetze oder Regelungen verstoße. Das fühlt sich für mich überhaupt nicht gut an. Keine Ahnung, warum das so ist. Wahrscheinlich historisch bedingt. Ich halte mich tatsächlich gerne an sinnvolle Regeln, obwohl sie meine absolute Freiheit einschränken. Die absolute Freiheit ist bei mir erst dann erreicht, wenn ich überhaupt kein äußeres Gesetz mehr brauch, weil das innewohnende Gesetz der Güte und Freundlichkeit alles zum bestmöglichen Ergebnis bringt.

Zur Orientierung reichen mir die 10 Gebote, die Bismillah-Formel im Islam, der 8-fache Pfad des Buddha, ein Hügel und ein Weiher, nicht weit vom Fluss, und ein Vertrauen in das Menschliche, das sich doch noch immer bewährt hat.

Trotz alledem.

Ich habe eine Übung entwickelt, die mir hilft. Die geht so:

Der 1. Teil der Übung

Ich stelle mir vor, es gäbe so etwas wie eine Zeitlinie, die von der Vergangenheit über das Jetzt in die Zukunft läuft.

Manche meinen ja, die Vergangenheit sei unauslöschlich. Und die Zukunft sei ungewiss. Einzig das Jetzt sei gewiss. Aber es sei sehr kurz. Dieser eine kurze Moment. Innehalten. Beim Fenster hinausschauen, die Sonne ist schon aufgegangen, aber ich war nicht draußen, um sie zu begrüßen. Es ist so bitterlich kalt. Minus 5 Grad. Seitdem ich diesen Sturz hatte vor mehr als zwei Monaten und unvernünftigerweise viel zu spät zum Arzt gegangen bin, seitdem habe ich Angst, wenn es draußen so kalt und glatt ist, ich könnte wieder stürzen. Dann wäre der Wirbel vielleicht ganz kaputt. Der 5. Lendenwirbel.

Jetzt hab ich dieses „Long-follow-up-damage“! Niemand kümmert sich um mich und meinen Schaden. Ich habe bereits Ausfall-Erscheinungen in den Beinen – aber bei meinem Arzt komm ich nicht einmal telefonisch durch. Letztes Mal bin ich wieder gegangen, weil so viele Leute im Wartezimmer saßen. Da hatte ich allerdings diese Ausfall-Erscheinungen noch nicht. Ich bräuchte auch dringend ein Blutbild. Ob das Vitamin D, das Eisen, das Magnesium und Calzium genügen?

Allerdings kenn ich Leute, die bräuchten noch viel dringender ein Blutbild. Sie bräuchten auch Vitamin D.

Sonnenschein.

Denn sie gehen überhaupt nicht mehr nach draußen. Sie bewegen sich kaum noch und produzieren Übergewicht, weil sie eigentlich mangelernährt sind. Der Körper isst und isst auf der Suche, diesen Mangel zu beheben. Aber er isst das Falsche…

Angst.

Angst vor Krankheit, Alter, vor Verhaftung, vor Anklage, vor Folter womöglich, vor Gefängnis… Angst.

Stop!

Ich sitze hier, sicher, geborgen und warm, und schreibe diesen Text.

Und Jetzt? Ein Gedankenblitz!

Ich denke an den Schwarzen Schwan. Damals 2012 lebte ein schwarzer Schwan in Bad Tölz auf der Isar. Lebt er noch? Habe ich ihn zu Tode gefüttert, damals, als ich ihm Weißbrot zu essen gab? Obwohl da doch das Schild stand: „Füttern verboten!“

Ich weiß es nicht. Hoffentlich nicht. Ich wusste nicht, dass meine Unvernunft womöglich gefährlich ist für den Schwan. Wenn es überhaupt so ist. Weiß ich etwas über den Nahrungsbedarf von Schwänen? Ob sie verhungern würden ohne mich? Nichts weiß ich. Besser, man hält sich an die Verbots-Schilder, auch wenn man sich den Grund selber denken muss. Nämlich: Dass ich dann schuld sein könnte am Tod des Schwarzen Schwans. Falls er überhaupt gestorben ist.

Wenige Minuten später:

Ah, Jubel! Er hat es überlebt! Vier Jahre später wurde „Ottilie“ – so heißt nämlich diese wunderschöne schwarze Schwanen-Lady – am Tegernsee gesehen!

https://www.merkur.de/lokales/region-tegernsee/schwarzer-schwan-erneut-am-tegernsee-gesichtet-toelzerin-meint-ihn-zu-kennen-7007782.html

Diese Erleichterung! Tief ausatmen! Und wieder einatmen.

Ich wollte ja diese Übung beschreiben. Immer diese Ideen-Flucht! Die Lektorin wird sich wundern.

Der 2. Teil der Übung

Ich gehe raus, den Hügel hinauf, und wenn ich an die Vergangenheit denke, dann drehe ich mich um und dann tu ich so, als könnte ich die Vergangenheit sehen, obwohl ich ja nur die Wiese seh und die Häuser und die Bäume und den Himmel. Dann mache ich eine Gebärde. Mit den Armen hole ich so aus und dann tue ich so, als hätte ich so etwas Freundliches in mir, das „segnen“ kann. Dann tue ich so, als würde ich die ganze Vergangenheit segnen. Dabei halte ich meine Arme und Hände so, als ob sie etwas aus meinem Herz herausholen und dann in die eingebildete Vergangenheit hineinschieben. Als Segen eben. Ich tue einfach so, als könnte ich das, obwohl ich es gar nicht gelernt habe und auch kein Zertifikat vorweisen kann.

Der 3. Teil der Übung

Dann drehe ich mich vollends herum, so dass ich wieder in die Richtung schaue, wo ich hinwill. Nämlich den Hügel hinauf. Und dann halte ich noch einmal kurz inne. Und dann öffne ich die Arme. Weit oder ein bißchen, je nach dem. Als ob ich selber offen wäre. Offen und weit. Offen für ein Jetzt, so wie es ist – und offen für eine Zukunft, die schön ist und gut. Wo es mir gefällt zu leben. Und wo ich Sachen lerne, die mich interessieren und die auch wirklich wichtig sind. Wie etwa den Umgang mit Kindern. Oder mit Tieren. Mit Schwarzen Schwänen und mit Wölfen. Oder mit der Sonne.

Ah! Die Geschichte vom Wolf muss auch noch rein. Der Wolf ist tot! Am 17.01.2022 hat die Oberbayrische Regierung den Wolf zum Abschuss freigegeben. Drei Tage später hat das Verwaltungs-Gericht die Abschuss-Genehmigung wieder außer Kraft gesetzt. Der Wolf sei nach Tschechien geflohen. Ungefähr 360 km bis zur Grenze. Reine Geh-Zeit als Mensch: 75 Stunden. Den Grenz-Übergang hat der Wolf noch geschafft – in ein Land, wo er nicht erschossen wird – aber er war wohl so geschwächt, dass er dem Auto nicht mehr rechtzeitig ausweichen konnte. Vielleicht hat er auch Selbstmord verübt.

Die Wölfe verlassen Mittelerde!

Bitte bleibt. Wenn ich euch füttern dürfte, würde ich euch füttern. Womit? Ob Wölfe auch Ersatzfleisch essen würden, wenn es genauso schmeckt? Keine Ahnung. Schafe und Ziegen würd ich jetzt auch nicht gern opfern. Aber was die ehemalige Landwirtschafts-Ministerin da als Argument hervorgekramt hat, das war schon abenteuerlich. Weil die Bauern ihre Schafe so lieben und zu jedem Schaf eine Herz-Beziehung haben, deshalb wollen die Bauern die Schafe lieber selber umbringen. Dem Wolf gönnen sie nichts! Keinen Happen!

Also ich würde das gern erforschen, ob ein Wolf auch pflanzliches Eiweiß fressen würde. Wenn man es genauso „produziert“, dass es wie ein frisch gerissenes Schaf aussieht und riecht und schmeckt. Muss es auch nach Tod riechen? Mein innerer Wolf schüttelt den Kopf. Hauptsache es ernährt ihn…

Hunger. Hunger soll es in meiner Welt in der Zukunft auch nicht mehr geben. Jedenfalls keinen, der nicht gestillt werden kann. Und während ich JETZT gerade wieder aus dem Fenster schaue und die vielen Fenster sehe, hinter denen Menschen leben, die normalerweise keinen Hunger haben, da stelle ich mir einfach vor, das wäre in Zukunft überall auf der Welt so…

Ich glaube, das ließe sich schon organisieren, wenn „man“ wollte.

Wo bin ich jetzt nur gelandet mit meinen Gedanken?

Ist die Übung dann schon vorbei. Nach diesen 3 Schritten?

Nein. Nicht ganz. Denn Danke könnte man noch sagen.

Danke sagen ist selten verkehrt.

Dankbarkeit fühlen – wie geht das? Wie fühlt sich das an? Keine Ahnung? Dann tue ich einfach so, als wäre ich JETZT schon dankbar dafür, dass in der Zukunft keiner mehr Hunger hat. Auch mein Wolf nicht. Und mein Schwan auch nicht. Und meine Kinder und Enkelkinder auch nicht und überhaupt niemand.

Tief einatmen. Tief ausatmen. So.

Work is done!

Comments
  • Freiherr
    Antworten
    Bier mag der Wolf ! – dear Mo, Weißbier naturtrüb…

    nun haben sie ihn solange herumgehetzt bis er überfahren wurde, what a tragic.

    All das nur weil er fressen muss, der Futterneider Dummmensch ihm das nicht gönnt, obwohl der selbst ja das brutalste Raubtier ist.

    Ich hatte ja mal einen Disput mit einem der “ Jägerdeppen “ hier, “ er hätte ja nix gegen Lux und Wolf , wenn die nur maßhalten würden… „.

    Und darum geht es diesen Arschlöchern der “ edlen “ Zunft, sie haben Angst dass sie dann weniger Abschüsse haben könnten als man ihnen mit ihrem Jahresbeitrag garantiert, weil Wolf und Lux auch fressen müssen.

    Eine scheinheilige Bande von sexualpathologischen Flintenmännern, um den Erhalt von Vielfalt geht es denen nicht, wohl aber um ihr angestammtes „Recht“ über Flora und Fauna zu herrschen – ins Jagdhorn zu blasen um die erlegte Strecke dann zu heiligen.

    Ruhm und Ehre bringt freilich ein erschossener Wolf dann erst recht.

    Eine ekelhafte Sorte, fürwahr.

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