Utopische Romane – Experimentierfelder des Möglichen

 in Buchtipp, FEATURED, Politik, Roland Rottenfußer

„Es bedarf in der Tat der Hoffnung, Phantasie und des Traums, um die bestehenden Verhältnisse transzendieren zu können“, sagte Rudi Dutschke. Realpolitiker messen den Begriff des „Möglichen“ stets am Bestehenden. Der Verzicht auf Utopien bedeutet also die Selbstbeschränkung auf den von den Mächtigen vorgegebenen Bewegungsspielraum. Künstler und Schriftsteller haben diese Grenzen schon immer überschritten. Sie gestalten literarische Entwürfe des radikal Neuen und pflanzen in die Köpfe ihrer Leser Samen, die einmal aufgehen können: in der Realität.  Roland Rottenfußer

Tahitis Präsident Omai hat Grund zur Zufriedenheit: „Wir haben Sie hergebeten, damit Sie sich davon überzeugen können, dass die menschliche Gemeinschaft funktioniert“, sagt er vor internationalen Pressevertretern. „Dass sie frei sein kann von Missgunst und Vorteilsnahme, dass die Kluft zwischen Arm und Reich nicht zwingend notwendig ist. Die menschliche Gemeinschaft ist unsere Heimat, ebenso wie die Natur unsere Heimat ist. Wir Polynesier begegnen uns im gegenseitigen Respekt und verstehen, dass der Natur das gleiche Recht gebührt“. Leider ist Tahiti eine Insel, nicht nur im geografischen Sinn. Überall rings um das Ökoparadies im Südpazifik regieren Wachstumswahn und Umweltzerstörung: „Die westlichen Demokratien waren zu inhaltsleeren Gebilden verkommen, hinter denen autoritäre Strukturen ans Licht kamen, wie sie nur in Diktaturen möglich schienen. Milliarden Menschen fristeten in dieser hoch technisierten, vernetzten Welt unter dem Diktat multinationaler Konzerne ein elendes Sklavendasein.“

Sind Utopien „von gestern“?

Interessant an beiden Zitaten ist: Sie stammen nicht aus Sachtexten, sondern aus einem utopischen Roman: „Das Tahiti-Projekt“ von Dirk C. Fleck. Sie sind Fiktion. Oder? Wir stellen fest, dass uns das zweite Zitat über den Zerfall der Demokratien sehr realitätsnah vorkommt. Ein Öko- und Sozialparadies Tahiti, wie es im ersten Zitat beschrieben wird, gibt es jedoch nicht. Auch der aufrechte Präsident Omai wartet noch vergeblich auf seine Inthronisation. Der Roman spielt im Jahr 2022. Ist es legitim, die Leser mit einer solch geschickten Mischung aus Fiktion und Realität zu verwirren?

Utopien haben nicht den besten Ruf in unserer Zeit. So gelten sie in spirituellen Kreisen als sträflicher Versuch, die Erfüllung im Hier und Jetzt hinauszuschieben. „Solange die Utopie nicht realisiert ist, kann ich nicht glücklich leben. Diese Einstellung bezeichne ich als Utopismus“, sagte der Psychologe Peter Lauster. Der Begriff der Utopie hat im 20. Jahrhundert an Anziehungskraft verloren. Denkt man an utopische Romane, fallen einem zuerst die negativen ein. George Orwells „1984“, Aldous Huxleys „Schöne neue Welt“ oder José Saramagos „Die Stadt der Blinden“ sind nicht gerade Stimmungsaufheller. Utopien sind im 20. Jahrhundert vor allem deshalb aus der Mode gekommen, weil man den Begriff mit den unter verheerenden Umständen gescheiterten Gesellschaftsentwürfen des Nationalsozialismus und des Staatskommunismus verband. „Utopien“ stehen heute in der öffentlichen Debatte für ideologisch begründete Maximalforderungen, die am wirklichen Leben vorbei gehen. Dies allerdings ist nicht das Wesen der Utopie. So wie frühere gesellschaftliche Entwürfe den Menschen überforderten, wird er vom gegenwärtigen politischen Establishment unterfordert. Man reduziert ihn darauf, eine Anpassungsleistung an das Vorgegebene zu vollziehen. Utopien freilich sollen eine bessere Realität nicht ersetzen, sondern ihr vorauseilen.

Thomas Morus: Seiner Zeit weit voraus

Als Gründerwerk für das Genre des utopischen Romans gilt Thomas Morus „Utopia“ von 1516. Das Buch zeichnet das Porträt einer idealen Gesellschaft, die tendenziell demokratisch verfasst ist, über ein Bildungs- und Sozialsystem verfügt und religiöse Toleranz übt. Stil prägend war neben dem Buchtitel auch die Tatsache, dass der Autor das „Paradies“ auf einer fernen Insel ansiedelte. Europa galt schon zu Thomas Morus Zeiten als aussichtsloser Fall. Viele der Ideen des großen Humanisten, der für seine Gewissensentscheidung 1535 von Heinrich VIII. hingerichtet wurde, erscheinen bis heute aktuell, ja sie wirken nach wie vor „utopisch“. So die Abschaffung des Privateigentums und der kostenlose Zugriff aller Bürger auf die Güter des täglichen Lebens. Eine der handelnden Personen im Roman sagt, „dass es überall da, wo es Privateigentum gibt, wo alle alles nach dem Wert des Geldes messen, kaum jemals möglich sein wird, gerechte oder erfolgreiche Politik zu treiben, es sei denn, man wäre der Ansicht, dass es dort gerecht zugehe, wo immer das Beste den Schlechtesten zufällt, oder glücklich, wo alles an ganz wenige verteilt wird.“

Aldous Huxley: Tantrische Gemeinwohlökonomie

Ein modernes Echo auf „Utopia“ war Aldous Huxleys 1962 erschienener Roman „Eiland“. Die positive Utopie erschien somit genau 30 Jahre nach „Brave New World“, Huxleys negativer Zukunftsvision „Schöne neue Welt“. „Eiland“ ist zu Unrecht, aber nicht ohne Grund weniger populär, denn die idyllische Zustandsbeschreibung einer idealen Inselgemeinschaft verheißt wenig Spannung und Drama. Visionär ist das Werk aber nichtsdestotrotz. Heute kann man es nicht nur als Vorgriff auf Hippie-Bewegung und Neue Spiritualität lesen, sondern auch als Vorwegnahme politischer Konzepte, deren Bedeutung erst heute völlig klar wird. Auf der tropischen Insel Pala versuchen die Inselbewohner „unsere Nationalökonomie und Technologie dem Menschen anzupassen – nicht unser Volk der Ökonomie.“ Pala verfolgt einen dritten Weg zwischen Kapitalismus und Kommunismus, eine genossenschaftliche Wirtschaftsform, die auf Gemeinsinn basiert und ohne Wettbewerb auskommt. Auch kommerzielle Banken fehlen angenehmerweise. Die Inselgemeinschaft denkt streng pazifistisch, setzt auf vorbeugende Naturmedizin und stellt das Modell der Kleinfamilie in Frage. Stattdessen existieren „Kinderpflegevereine“, moderne Wahlfamilien, in denen mehrere Paare alle Kinder der Sippe gemeinsam aufziehen.

Außergewöhnlich ist an „Eiland“ aber vor allem die spirituelle Tiefe, die im Roman dasselbe Gewicht hat wie politische Konzepte. Die Inselreligion auf Pala kann als buddhistisch und zugleich tantrisch bezeichnet werden. Dies ist in folgendem Abschnitt schön zusammengefasst: Der Tantriker  „nutzt alles, was man tut, alles, was einem widerfährt, alles, was man sieht, hört, schmeckt und fühlt, als Mittel zu seiner Befreiung aus dem Gefängnis des eigenen Ich.“ Spiritueller Fortschritt wird auf Pala durch Initiation mit einer psychoaktiven Substanz, genannt „Moksha-Medizin“, vorangetrieben. Sie verschafft den Probanden künstliche „Samadhis“ (spirituelle Gipfelerlebnisse). Wer so mit seinem innersten Wesen in Kontakt gekommen ist, für den entfällt die Notwendigkeit von Ersatzbefriedigungen, etwa materieller Gier. Die Realutopisten um den genialen Dr. McPhail wissen um ihre Außenseiterposition in einer (auch 1962) dem selbstgerechten Wahnsinn verfallenen Welt: „Im Land der Geisteskranken wird der geistig Gesunde niemals König. (…) Er wird gelyncht.“ So fällt die friedfertige Insel denn auch am Schluss der militärischen Besetzung durch ausländische Mächte zum Opfer.

Ökotopia oder Ökodiktatur?

Als Weg weisende Utopie der 68er-Generation mit weit reichendem Einfluss gilt Ernest Callenbachs 1975 erschienener Roman „Ökotopia“. Er spielt nicht auf einer Insel, sondern geht von der Fiktion aus, dass sich drei Staaten von den USA abgespalten und eine ideale öko-soziale Republik errichtet haben. Man erinnere sich: 1975 waren die Grünen noch nicht gegründet, ökologisches Denken alles andere als selbstverständlich. Callenbach hat die grüne Bewegung beeinflusst, nicht umgekehrt, obwohl der Roman einige damals schon als Konzepte vorhandene moderne Techniken beschreibt. „Natürlichkeit“ dominiert als Kulturideal, sowohl im Umgang mit der Erde als auch im politischen Leben, weshalb strenge Hierarchien abgelehnt werden. Heute gängige Begriffe wie „Nachhaltigkeit“, „Vernetzung“, Regionalisierung“, „Regenerierbare Energie“ und „Technologiefolgenabschätzung“ wurden schon in „Ökotopia“ thematisiert, wenn auch nicht alle unter diesen Bezeichnungen. Der Roman entstand als bewusstes Gegenbild zum „American Way of Life“, der schon damals seine destruktiven Tendenzen enthüllte.

Wie in „Utopia“, „Eiland“ und auch „Tahiti-Projekt“ wird das ideale Gemeinwesen auch in „Ökotopia“ aus der Perspektive eines Reisenden beschrieben, der das Wunderland als Fremder betritt und zunächst skeptisch ist. Mit Hilfe allwissender „Reiseführer“ wird der Besucher schließlich mit den Gegebenheiten vertraut und zum begeisterten Anhänger der Utopie. Auch eine Liebesgeschichte mit einer „Ureinwohnerin“ darf in den Romanen nicht fehlen. Von der Erfüllung des ökologischen Traums ist es allerdings nicht weit bis zum Alptraum. Als Dirk C. Fleck 1993 seine Negativutopie „GO! Die Öko-Diktatur“ herausbrachte, hatte sich die Weltlage seit den 70er-Jahren drastisch geändert. Ökologisches Bewusstsein war nun nicht mehr nur ein elitäres Gedankenspiel, sondern erschien überlebenswichtig. In den 90ern war klar: Naturverbrauch und Konsumverhalten der Spezies Mensch führen notwendig zum Kollaps der Biosphäre und zur Auslöschung allen Lebens. Appelle an die Vernunft fruchten (wie man bis heute sieht) wenig. War es da nicht vorstellbar, dass Erdschützer aus einem Überlebensreflex heraus eine Diktatur errichten würden, um zu erzwingen, was die Menschen nicht freiwillig tun. Die bittere Schattenseite: Das Überleben der Erde wäre mit dem Tod der Freiheit erkauft.

Von der Theorie zur Fiktion

Kritiker warfen Dirk C. Fleck wegen seines Romans vor, er sympathisiere insgeheim mit der Öko-Diktatur. In Wahrheit versuchte er Hände ringend, die Menschen zur Umkehr zu bewegen, damit weder Öko-Kollaps noch Diktatur Realität werden müssen. Verletzt über die ungerechten Vorwürfe, zog sich Fleck eine Weile aus der ökologischen Diskussion zurück. Bis er eines Tages einen Anruf von Eric Bihl erhielt. Bihl war Vorsitzender des Vereins „Equilibrismus e.V.“ und zusammen mit Volker Freystedt Autor des Sachbuchs „Equilibrismus. Neue Konzepte statt Reformen für eine Welt im Gleichgewicht.“ Darin wird ein zusammenhängendes System ökologischer und sozialer Alternativen entworfen. Eric Bihl zeigte sich schockiert von der Vision einer „Öko-Diktatur“ und erklärte Dirk C. Fleck, dass er nach wie vor an die Lernfähigkeit der Menschen glaubte. Er überredete den Autor, einen positiven Zukunftsroman zu schreiben, in dem die Visionen des Equilibrismus als bereits verwirklicht dargestellt werden: „Das Tahiti-Projekt“. Die Idee hatte kein Geringerer als Sir Peter Ustinov („Quo Vadis“), der das Nachwort zum Buch „Equilibrismus“ geschrieben hatte. Ein Bestseller mit Thriller-Elementen, so das Kalkül, sollte die neuen Ideen einem breiteren Publikum zugänglich machen.

Und was für Ideen! Auf Dirk C. Flecks Tahiti sind viele der kühnsten Visionen unserer Zeit Wirklichkeit: Ein bedingungsloses Grundeinkommen. Ein Geld, das nicht gehortet werden kann und so die Wirtschaft ankurbelt. Eine Bodenreform, die Privatbesitz an Grund und Boden verbietet und stattdessen nur Pachtverträge zulässt. Eine dezentrale Energieversorgung, ganz auf regenerative Energien abgestimmt (z.B. Biogasanlagen). Ein Steuersystem, das den Verbrauch von Naturgütern besteuert, nicht die Arbeit. Die Abschaffung des Individualverkehrs, statt dessen ein preiswertes und umweltschonendes Verkehrssystem: die „Reva-Tae“ (kleine Gondeln, die der Fahrgast selbst bedienen kann). Alles wird, wo möglich, aus Naturmaterialien hergestellt: Hanfbeton, Lehm oder Bambus. Der Straßenbelag ist aus Reiskleie. Übergroße Gebäude aus Tahitis finsterer neoliberaler Vergangenheit werden abgerissen und durch eine Architektur des menschlichen Maßes ersetzt.

Der Tahiti-Virus

Auch politisch ist im Roman-Tahiti einiges anders als im Rest der Welt: Es gibt keine Parteien, stattdessen die direkte Wahl von Personen, die in die vier (!) Parlamente des Landes entsandt werden: Wirtschaftsparlament, politisches Parlament, Kulturparlament und Grundwerteparlament. Die letzten beiden Bereiche sind in realen gelenkten Demokratien bekanntlich unterrepräsentiert. Auch das Justizsystem der Insel gibt Stoff zum Nachdenken. Es wird auf Wiedergutmachung gesetzt, nicht auf Strafe. Unbescholtene Bürger gestehen in öffentlichen Versammlungen freiwillig (!) ihre Vergehen und  bestimmen selbst, welchen Ausgleich sie dafür leisten möchten. Allen voran gesteht der Richter selbst seine Untaten. Denn nur wer sich seines eigenen Schattens bewusst ist, kann ein gerechter Richter sein. Die Handlung des Romans folgt dem bei positiven Utopien üblichen Muster: Der Journalist Cording wird von seiner Redaktion beauftragt, das neuartige ökologische Experiment in Polynesien zu dokumentiert. Unter der Führung der – natürlich gut aussehenden – Insulanerin Maeva erkundet er die Insel. Für Thriller-Spannung sorgen die Angriffe mächtiger transnationaler Konzerne, die die Idylle bedrohen.

Die Weltanschauung des Equilibrismus bzw. des Tahiti-Projekts lässt sich nicht leicht auf wenige Stichworte reduzieren. Gerade das macht aber ihre Seriosität aus. Eric Bihl sagt dazu: „Man renoviert schließlich nicht mit großem Aufwand eine Besenkammer, wenn das ganze Haus baufällig und zugleich auf Sand gebaut ist. Wir müssen versuchen, ein neues Haus zu errichten, bevor das alte einstürzt.“ Eine Insel der Seligen allein kann die Welt nicht retten, wenn ringsherum alles einstürzt. Die Ideen des Tahiti-Projekts müssen sich deshalb überall verbreiten wie ein ansteckender Virus. „Ich denke, dass sich die Menschen schnell begeistern lassen, wenn man ihnen funktionierende Alternativen aufzeigt“, meint Bihl. In der Fiktion hat Autor Dirk C. Fleck diesen Gedanken bereits weiter gesponnen. Im Fortsetzungsroman „Maeva“, erschienen 2011, bereist Cordings tahitianische Freundin die Welt auf der Suche nach alternativen Lebensmodellen. Sie wird zur Inspiration von Millionen Menschen, eine Art weiblicher Öko-Messias. Dies ruft natürlich mächtige Gegner auf den Plan, und die Situation wird für Maeva lebensgefährlich. Am Ende des Romans taucht sie wieder auf Tahiti unter. Dies kann jedoch nicht das letzte Wort gewesen sein, Dirk C. Fleck arbeitet bereits an einem dritten Teil.

Von der Fiktion zur Realität

Wie kann das Dilemma gelöst werden, wonach fortschrittliche Ideen entweder klein bleiben und ignoriert werden oder wachsen und dann von den Profiteuren des alten Systems gnadenlos bekämpft werden? Diese Frage stellt sich sowohl für den kommenden dritten „Tahiti-Roman“ als auch in der Realität. Eric Bihl und seine Mitstreiter sehen die Romane jedenfalls nur als einen Zwischenschritt auf dem Weg zu einem realen ökologischen Modellprojekt. Bihl stammt aus dem Elsass und war als französischer Soldat in Polynesien stationiert. Er kennt die Gegend und die Menschen und bereiste verschiedene Inseln des Südpazifik, um die Entscheidungsträger für die Idee eines „echten“ Tahiti-Projekts zu begeistern. Sein Plan, das reale Tahiti oder die Nachbarinsel Moorea zu gewinnen, scheiterte am Widerstand des Insel-Establishments. Dafür gewann Bihl eine einflussreiche Mitstreiterin vor Ort: Roti Make, Präsidentin der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit in Polynesien. Beiden gelang es, den Ältestenrat sowie viele Menschen auf der kleinen Insel Rapa Iti von dem Projekt zu überzeugen. Auch Studenten mehrere Universitäten stehen bereit, als „Versuchskaninchen“ an dem ökosozialen Experiment mitzuwirken. Alles deutet also darauf hin, dass das „Tahiti-Projekt“ an der Schwelle zu seiner Realisierung steht. Es wird spannend, den weiteren Verlauf der Ereignisse zu verfolgen.

U-topie heißt, wörtlich übersetzt: „Nicht-Ort“. Man platziert ihn gern im „Nimmerland“ und datiert ihn auf den „St. Nimmerleinstag“. Entsorgt man die Utopie ins Schattenreich des Unrealisierbaren, bleibt sie für die Herrschenden ungefährlich. Ganz anders verstehen sich jedoch Utopien von der Art des „Tahiti-Projekts“. „Wir wissen, dass die Dinge nicht unbedingt so schlimm sein müssen, wie sie es tatsächlich immer waren“, sagt Dr. McPhail in „Eiland“, „weil sie bereits viel besser sind, hier und jetzt, auf dieser absurden kleinen Insel.“ Damit verkündet er das Credo der Utopisten: Angebliche Alternativlosigkeit, wie sie von den Neoliberalen von Thatcher bis Merkel gern postuliert wird, ist nur das Ergebnis mangelnder Phantasie und (noch) fehlender positiver Gegenbeispiele. Also gilt es, diese Gegenbilder zu erschaffen – in der Fantasie und in der Realität! Sehr schön drückte es der sozialdemokratische Kulturpolitiker Hilmar Hoffmann aus: „Utopien bleiben solange welche, wie die Anstrengungen fehlen, ihre Realisierung voranzutreiben.“

 

Showing 3 comments
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    Bettina
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    In Sekunden den Text überflogen… ich denke, meine spontane Intuition passt.
    Auch Brecht war seiner Zeit voraus- man denke nur zurück an die Dreigroschenoper und die „Moritat von Meckie Messer“.
    Entschuldige bitte, lieber Roland, gleich werde ich deinen Artikel in Ruhe lesen, doch meine mir angeborene Ungeduld verführt mich zu diesem eiligen Schritt. 🙂
    .
    Hildegard Knef ~ Mackie Messer (Mack The Knife)
    https://youtu.be/xVtpqO3WqvQ
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    Ruth
    Antworten
    Eine Utopie, sehr verlockend und ich träume mich gern in eine verheißungsvolle Erzählung hinein.

    Eines, das wird nicht bedacht:  Was geschieht, wenn sich der Mensch weiter und weiter vermehrt?

    Die Überbevölkerung gefährdet Ressourcen, Not und Elend breitet sich aus! Das eigene Leben ist gefährdet! Konsequenz: Geburtenverbote? Eine Selektion – ein fürchterliches Wort, das an unsere schlimmste Zeit erinnert – und wer entscheidet über Leben und Tod?

    Und schon ereilt den Leser die Realität.

    Ca. sechs Milliarden Menschen leben auf unserer Erde! Kriege, Hunger, Not und Elend, eine zwangsläufige Entwicklung, in welcher Gesellschaft auch immer, wir sehen es tagtäglich!

    Die Menschen werden flüchten, auch aus Utopia, denn sie wollen leben und nichts wird sie aufhalten können!

     

     

  • Avatar
    Shabi
    Antworten
    Liebe Ruth,

    ich möchte dich nicht noch mehr beunruhigen, aber es sind meines Wissens weit über 7 Milliarden auf diesem Planeten und gerade Jetzt lebendig.

    Über eine Milliarde Menschen mehr als Du es dachtest und dennoch hat es rein gar nichts an deine gegenwärtigen Situation geändert. Die Frage ist, für wen wird es eng? Für die Neuankömmlinge jeden Tag oder denen, die ein materiell gutes und zufriedenstellendes Leben führen können.

     

    Reite deinen Kopf doch nicht so sehr rein in die dystopischen Ideen und Visionen.

    Wenn ein kleine Teil der Menschen den großen Teil des „Brennwertes“ auf dieser Welt erzeugt, dann sind gewiss nicht die vielen Geburten das Problem unserer Zeit.

     

    Bzgl. des Textes habe ich mich nur gefragt, weshalb auf das Wort Dystopie verzichtet wurde. Ansonsten denke ich mir bei Roland’s Texten immer, „ach herrje, soviel zu Lesen für das eine Thema. Na komm, kurz anlesen.“ – und eine Viertel Stunde später habe ich es doch zu Ende gelesen 🙂

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