Wie widerstehen?

 In FEATURED, Gesundheit/Psyche, Politik, Roland Rottenfußer

Der notwendige Massenprotest benötigt, um nachhaltig zu sein, Visionen und Gemeinschaft. In Deutschland dümpelt der längst überfällige Massenprotest gegen die angemaßte neoliberale Plutokratie vor sich hin. Es fehlt schlicht an der Fähigkeit, sich eine bessere Welt vorzustellen. Ein Grund für die Kapitulation der schöpferischen Fantasie vor der „Realpolitik“ ist das zu Unrecht schlechte Image von Visionen. Es reicht nicht aus, wenn man aus Protest gegen die neoliberal dominierte Weltordnung einmal zu einer Demo geht und sich dann darüber beklagt, dass die Mächtigen nicht sofort ehrfürchtig zusammenzucken. Wir brauchen Widerstandsformen, die längerfristig durchzuhalten und in das Alltagsleben des Einzelnen integrierbar sind. Politisch aktive „Gemeinden“, die den ganzen Menschen in all seinen Lebensaspekten sozial unterstützen, könnten ein Lösungsansatz sein. Roland Rottenfußer

Politiker – so könnte man nach Jahren zermürbender „Reformpolitik“ meinen – sind Personen, die wir dafür bezahlen, dass sie Verschlechterungen für unsere Lebenssituation ersinnen und durchsetzen. Von dem Geld, was wir ihnen geben, bezahlen wir obendrein noch den Propagandaapparat, mit dessen Hilfe uns die betreffenden Verschlechterungen als Verbesserungen – oder als schicksalhafte Notwendigkeiten – verkauft werden sollen. Nach kurzem Aufbegehren, duckt sich das Volk stets aufs Neue unter die Knute vermeintlicher ökonomischer Sachzwänge: „Na gut, wie ihr wollt, Hauptsache, wir dürfen überhaupt noch ein bisschen leben und arbeiten“. Natürlich – die Politiker meinen es ja nicht böse, sie können halt leider Gottes nur so viel Geld ausgeben wie sie haben, und auf rätselhafte Weise wird das immer weniger.

Dabei wäre das Geld für die wesentlichen sozialen und ökologischen Aufgaben unserer Zeit da, es ist nur – wie so oft in der Geschichte – ungerecht verteilt. Und man lässt eben lieber breite Bevölkerungsschichten verarmen oder – wie in vielen Ländern der Dritten Welt – verrecken, bevor man sich an das geheiligte Recht auf Privateigentum (das heißt auf Erträge aus Wucherzinsen) heranwagt „Es ist genug da für jedermanns Bedürfnisse“, sagte Gandhi, „aber nicht für jedermanns Gier“. So ist das an für sich Hoffnung suggerierende Wort „Reform“ mittlerweile bis zum Überdruss pervertiert worden. Als „Reform“ definieren wir heute graduelle Verschlechterungen unserer Lebensqualität, die eine Politikerkaste über uns verhängt, um den Besitzern ohnehin großer Vermögen ein weiteres unbegrenztes Vermögenswachstum zu ermöglichen. Die „Volksvertreter“ verwandeln sich mehr und mehr in „Steuerpächter“, vergleichbar etwas der Figur des Zöllners Zachäus im Evangelium: Steuereintreiber im Dienst einer fremden, übernationalen Besatzungsmacht. Aufgabe dieser Zöllner ist es, den geordneten Transfer der von den Leistungsträgern erwirtschafteten Werte in die Hände weniger Bezieher leistungsloser „Einkommen“ zu sichern.

Was die Raubzüge des internationalen Finanzkapitals betrifft, so fehlt es mittlerweile nicht an brillanten Analysen und herzzerreißenden Elegien. Es käme aber nicht darauf an, über die Hand, die in unsere Taschen greift, zu klagen, sondern sie zu stoppen. „Nicht das Volk sollte seine Regierung fürchten, sondern die Regierung das Volk“, heißt es im Skript des Hollywood-Films „V for Vendetta“ – geschaffen von den genialischen Wachowski-Brüdern („Matrix“). Viel Franzosen haben ihrer Regierung kürzlich eine Ahnung davon vermittelt, was Politikern blühen kann, die mit beispielloser Überheblichkeit an den Bedürfnissen und am Willen der Menschen vorbei regieren.

Dergleichen müssen Merkel, Müntefering & Co. von den traditionell obrigkeitstreuen Deutschen nicht befürchten. Nicht zu Unrecht dürfte deren unausgesprochenes Motto lauten: „Die haben alles, was wir ihnen bisher zugemutet haben, so widerstandslos hingenommen, dass wir problemlos draufsatteln können.“ Aus historischer Perspektive dürfte unser Jahrzehnt als eine Epoche charakterisiert werden, in der ein Teilbereich der Gesellschaft – die Wirtschaft – alle anderen Bereiche (z.B. Kultur und soziales Leben) massiv terrorisiert, ihnen ihre Gesetze, ihre Begriffe und ihre Denkweise aufoktroyiert hat. Künftige Generationen werden mit einer Mischung aus verächtlichem Lächeln und unglaubwürdigem Kopfschütteln zur Kenntnis nehmen, wie wenig Widerstand wir gegen den offensichtlichen gefährlichen Unsinn der herrschenden marktradikalen Ideologie geleistet haben.

Wer keine Visionen hat, sollte zum Arzt gehen
Woran fehlt es uns – an Mut? An Einsicht in die Faktenlage? An Energie, um das als richtig Erkannte in die Tat umzusetzen? Sicher an all dem, ich möchte aber noch einen anderen Punkt hervorheben, der mir wichtig erscheint: Der Mensch braucht Visionen wie die Luft zum Atmen. Ohne Visionen erstickt er in der geistfeindlichen Enge des Realitätsprinzips. Der Grauschleier der sogenannten Realpolitik hat sich so flächendeckend über unsere geistige Landschaft gelegt, dass wir verlernt haben, über den Ist-Zustand hinaus zu denken, zu träumen und zu wünschen. „Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen“, heißt es. Ich denke, umgekehrt wird ein Schuh draus: Wer keine Visionen mehr hat, ist nicht mehr ganz, nicht mehr heil, benötigt also Heilung. Wozu, frage ich, sind uns die entsprechenden Gehirnareale gegeben worden, mit denen wir uns neue, in der vordergründigen Realität (noch) nicht vorhandene Welten vorstellen können? Industriell gefertigte Fluchträume (z.B. Fantasy-Kinofilme und Videospiele) zeugen noch immer von der suggestiven Kraft des noch Ungeschaffenen. Nur hat sich die Richtung dieser Kraft gedreht – nach innen. Kreative Impulse versanden auf den gesellschaftlich unfruchtbare Mindfuck-Spielplätzen unserer privaten Fernseh- und Computerwelten.

Wir sind nicht nur latent unzufrieden, wir haben verlernt uns auch nur vorzustellen, was uns zufriedener machen könnte. Wir haben verlernt, uns zu beklagen, wo wir uns ungerecht behandelt fühlen, aufzuschreien, wo man uns weh tut, weil jedes „Ich will mehr“ von argumentativen Keulen („Besitzstandsdenken“) niedergeknüppelt wird – ähnlich wie bei Charles Dickens Romanfigur Oliver Twist, wenn dieser im Armenhaus nach einem Schüsselchen Suppe mehr verlangt. Solange man uns gnädigerweise das Hemd lässt, schämen wir uns, dagegen zu protestieren, dass man uns den Rock stielt. Sicher, es gibt Weltregionen, denen es ungleich schlechter geht als uns. Aber die langsame Erosion unserer „Kaufkraft“ und die dramatische Verelendung der Straßenkinder in Brasilien sind nur zwei – graduell unterschiedlich schlimme – Folgen ein und desselben ökonomischen Irrsinns, gegen den wir uns erheben müssen.

„Die Deutschen jammern zu viel“, heißt es unisono in den Brainwashkampagnen, mit denen Politik, Wirtschaft und gleichgeschaltete Mainstreammedien uns überziehen. Gemeint ist natürlich: Wir sollten, anstatt zu jammern, schlucken, was uns vorgesetzt wird. Ich meine: Sogar Jammern, Sich-Beklagen kann fruchtbar sein, solange es den Beginn und nicht das Ende des Widerstands markiert. Die ganze Energie derer, die sich noch immer weigern aufzugeben, verpufft derzeit im aufreibenden Sisyphos-Kampf gegen von oben verordnete „unvermeidliche“ Verschlechterungen unserer Lebenssitution. Somit besteht die letzte verbleibende Vision unserer Zeit offenbar in dem Wunsch, die Geschwindigkeit, in der sich Verschlimmerungen vollziehen, zu verlangsamen. Verständlicherweise vermag eine solchermaßen kastrierte „Vision“ nicht mehr zu motivieren, geschweige denn zu begeistern. So muss der erste Appell, der an unsere deutschen Landsleute zu richten wäre, heißen: Habt den Mut, euch eurer imaginären Kraft zu bedienen. Jede bahnbrechende Innovation ist ein ehemaliges Hirngespinst, etwas, was von den „Altvorderen“ anfangs als Ding der Unmöglichkeit verlacht worden ist.

Isolation: die große Wunde der Gesellschaft
Die Herrschenden jeder Couleur und jeder Nationalität bedienen sich einer Doppelstrategie, die zu durchschauen bereits der erste Schritt zur Wiedergewinnung der eigenen Souveränität ist: Wer herrschen will, muss a) der die Herrschaft stützenden Lüge den Anschein des Alternativlosen, Allgegenwärtigen verleihen, b) dem der Lüge intuitiv widerstrebenden Einzelnen das Gefühl vermitteln, mit seiner Wahrheit allein dazustehen – hoffnungslos isoliert und bis zur Lächerlichkeit „neben der Spur“. Darum geht es aber gerade im Prozess der Emanzipation: „neben die Spur“ zu kommen, aus den Geleisen herauszutreten, die andere für uns als vorgesehene Lebensbahnen entworfen haben, und uns unseren eigenen Weg zu bahnen. Vielleicht werden wir dann zu unserer Überraschung feststellen, dass wir mit unserem Einzelgängertum gar nicht so allein stehen wie vermutet.

Isolation ist die große Wunde unserer Gesellschaft. Und vielleicht wird diese Wunde ja bewusst offen gehalten – von denen, die ein Interesse daran haben, dass wir nicht zueinander finden. Nicht umsonst sind „Zusammenrottung“ und „Meuterei“ beim Militär die schlimmsten Vergehen, die mit härtesten Strafen belegt werden. Kein Wunder: Menschen, die sich gegenseitig unterstützen, sich Halt, geistige Anregung, Zugehörigkeitsgefühl und menschliche Wärme geben, sind nicht so leicht kontrollierbar und für destruktive Zwecke einzuspannen. Die isolierten Appartment-Waben unserer großstädtischen Wohnsilos sind äußerer Ausdruck der Entfremdung, der Beziehungslosigkeit, an die wir uns offenbar gewöhnt haben wie Gefangene an ihre Isolationshaft. Aber die Mauern, die uns voneinander trennen, existieren nur im Geist, sie sind nicht wirklich. Wie wäre es, wenn wir beginnen würden, uns „zusammenzurotten“?

Aber wer sind „wir“ überhaupt? Gibt es überhaupt ein „Wir“, eine übergreifende Gemeinsamkeit? Ein Zusammenschluss „alternativer“ Zeitschriften hat im Frühjahr 2001 die Entdeckung eines neuen, zukunftsfähigen Menschentyps, des „kulturell Kreativen“ verkündet. Der Begriff wurde erstmals in den USA von Paul H. Ray und Sherry Anderson in ihrem Buch „The Cultural Creatives“ geprägt. Kennzeichen dieser Gruppe ist „Interesse an spiritueller Selbstverwirklichung, Wertschätzung von Beziehungen und ökologischer Lebensweise und eine engagierte Anteilnahme an der Welt (…). Offenheit für fremde Kulturen und neue Ideen sowie für die Transformation der Geschlechterrollen“. Beteiligt sind auch die vielen neuen Formen „freier Spiritualität und Lebensberatung, grenzwissenschaftlicher Untersuchungen und Bewusstseinsforschung, praktischer Anwendungen lebensenergetischer Gesundheitskonzepte sowie holistischer Wirtschaftsmethoden und Gesellschaftssysteme.“

„Kulturell kreativ“ werden
Nicht jeder und jede wird sich mit dem Begriff des Kulturell Kreativen und all seinen Charakteristiken anfreunden können. Man kann andere Schwerpunkte setzen und andere Bezeichnungen für das „geistige Feld“ finden, dem man sich selbst zugehörig fühlt. Das Faszinierende an dieser Charakterisierung ist aber für mich, dass die ökologische, die gesellschafts- und wirtschaftsreformerische „Szene“ hier nicht mehr als prinzipiell unvereinbar wahrgenommen wird mit spirituellen und alternativheilerischen Ansätzen. Sicher ist es schwierig im öde sich dahinschleppenden „Februar“ des neoliberalen Winters an das Kommen eines Frühling zu glauben. Und doch müsste ich mich sehr wundern, wenn nicht viele wären wie ich: nach außen oft zynisch und doch im Inneren voll verschütteter Sehnsucht danach, sich wieder für etwas begeistern zu können. Entscheidend wichtig für eine neue Aufbruchsstimmung wäre die Überwindung einer Haltung der Resignation und Depression, die sich in der Folge der 68er Bewegung eingestellt hatte, weil deren praktische Ergebnisse die Erwartungen teilweise enttäuscht haben.

Ein spätes, schwächeres Aufflammen derselben Hoffnung verbanden viele mit dem Start der rot-grünen Regierung, immerhin das große Projekt der 68er-Generation nach der Wiedervereinigung Deutschlands. Das Ergebnis dieses „Marsches durch die Institutionen“ kann in seiner Kläglichkeit nur noch mit George Orwells Revolutions-Satire „Animal-Farm“ verglichen werden: Die „Schweine“ (also die ehemaligen Revoluzzer) glichen schon bald bis zur Ununterscheidbarkeit den „Menschen“ (also den alten Führungsschicht der Kohl-Ära). Das politische Geschäft scheint einen ähnlich gleichschaltenden Effekt zu haben wie der „Mr. Smith-Virus“ in der berühmten „Matrix“-Filmtrilogie. Wer mit Politik zu tun hat, wird über kurz oder lang selbst zu einem „Mr. Smith“, einem grauen Herren und kaltschnäuzigen Sachwalter jener Maschinenwelt, die alle Menschen im Dämmerschlaf der Umwissenheit gefangen hält – so lange, bis immer mehr von uns aufwachen.

Wie könnte eine – wie immer geartete – neue Bewegung aussehen? Vielleicht wäre sie sanfter, aber nachhaltiger als die 68er-Revolte. Sie würde auf einem besseren Verständnis für die notwendige Langsamkeit organischer Entwicklungsprozesse beruhen, auf einem tieferen Einblick in die innerpsychischen Voraussetzungen des eigenen Handelns und auf dem Wissen um eine geistig-psychologische Innenseite aller im Außen ablaufenden Vorgänge. Die neue Bewegung würde nicht in erster Linie auf Verweigerung, Kampf, Widerstand gegen das als unzureichend erkannte bestehende System setzen. Sie würde somit den Effekt des „bellenden Hundes vor seinem Spiegelbild“ vermeiden, der sich über die Aggressivität seines Gegenübers wundert und sich infolgedessen immer mehr in seine eigene Wut hineinsteigert, bis er erschöpft zusammenbricht.

Statt dessen würden die „Neuen Revolutionäre“ Energie in den Aufbau positiver Gegenmodelle investieren. Der „Ausstieg“ würde zum Einstieg in die Avantgarde- und Pilotprojekte einer neuen, menschlicheren Weltordnung. Das Klagen über die Gegenwart – so sehr es sich auch mir manchmal aufdrängt – müssten verwandelt werden in Lust auf Zukunft. Diese Freude am Revoltieren und Agitieren, aber auch am Imaginieren, Planen und Ausprobieren, kann man jedoch nur schwerlich allein in sich erwecken. Man braucht dazu eine Gemeinschaft, den Austausch mit Gleich- und Ähnlichgesinnten. „Aus Angst, Isolation und Enttäuschung lässt sich keine Zukunft gestalten“, schreibt der Autor und Ökologie-Experte Geseko von Lüpke. „Sie muss uns anziehen mit der Kraft des Eros, sie muss inspiriert sein von der inneren Visionen der Lebensqualität, des Friedens und der Liebe. Politisches Engagement für eine lebenswerte Zukunft ist wichtig, doch es braucht das innere Feuer derer, die den dringenden Wandel für die Welt schon in sich selbst entfalten“.

Widerstand ist ein Recht, keine Majestätsbeleidigung
Es ist viel zu wenig bekannt, dass unser Grundgesetz in Artikel 20 ein Recht auf Widerstand enthält: „Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat. Alle Staatsgewalt geht vom Volk aus. (…) Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.“

Von einem ähnlichen Geist ist auch die amerikanische Unabhängigkeitserklärung beseelt, in der es heißt, „dass alle Menschen gleich geboren; dass sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten begabt sind; dass zu diesen Leben, Freiheit und das Streben nach Glückseligkeit gehöre; dass, um diese Rechte zu sichern, Regierungen eingesetzt sein müssen, deren volle Gewalten von der Zustimmung der Regierten herkommen; dass zu jeder Zeit, wenn irgend eine Regierungsform zerstörend auf diese Endzwecke einwirkt, das Volk das Recht hat, jene zu ändern oder abzuschaffen.“ Einschränkend sagen die die Gründerväter der USA: „Klugheit zwar gebiete, schon lange bestehende Regierungen nicht um leichter und vorübergehender Ursachen willen zu ändern“. Sie sagen aber auch: „Wenn aber eine lange Reihe von Missbräuchen und rechtswidrigen Ereignissen, welche unabänderlich den nämlichen Gegenstand verfolgen, die Absicht beweist, ein Volk dem absoluten Despotismus zu unterwerfen, so hat dieses das Recht, so ist es dessen Pflicht, eine solche Regierung umzustürzen.“

Klingt gut, aber dieser Fall ist doch noch nicht gegeben! Oder? Was, wenn als „sozial“ nur noch das definiert wird, „was Arbeit schafft“ (womit man in letzter Konsequenz sogar Sklaverei als „sozial“ bezeichnen könnte)? Wenn sich Demokratie darauf beschränkt, alle vier Jahre ein Kreuzlein bei einer von vier neoliberalen Parteien machen, also zwischen verschiedenen Nuancen des Verarscht- und Ausgeplündertwerdens wählen zu dürfen? Wenn sich der Staatsstreich des Kapitals schleichend vollzieht, und der Systemwechsel von der sozialen Marktwirtschaft hin zum Wirtschaftstotalitarismus längst im Gang ist? Hätten wir dann das Recht zum Widerstand? Wenn ja, wie sähe dieser Widerstand aus, und wann ist der Punkt erreicht, wo „andere Abhilfe nicht möglich ist“?

Geistesfamilien gründen
Eine wesentliche Idee, um die neue Bewegung voran zu bringen, ist die Gründung von „Geistesfamilien“. Blutsverwandtschaft darf in ihrer bindenden Kraft nicht unterschätzt werden. Andererseits drängt sich – wenn man nicht das seltene Glück hat, dass Vater, Mutter, Bruder und Schwester die eigenen Interessen und die eigene politische Zielsetzung teilen – das Gefühl auf, dass Blutsverwandtschaft allein nicht genügt. Während die 68er gegen „spießige“ Väter und Mütter aufbegehrten, liegt die Herausforderung ja heute oft eher darin, sich gegen reaktionäre und systemkonforme Söhne und Töchter zu behaupten – freilich mit der Einschränkung, dass die Enkel, die auch so genannte „Generation Greta“ sich in jüngster Zeit recht mutig und frech gezeigt hat. Ein Familienfest ist dennoch nicht automatisch der Ort, wo man sich mit jenen Ideen verstanden fühlt, für die man brennt.

„Geistesfamilien“ könnten sozusagen eine dritte Stufe der Evolution menschlicher Organisationsformen markieren. Von der auf Blutsverwandtschaft basierenden „Sippe“, über das Zwischenstadium größtmöglicher individualistischer Vereinzelung und Bindungslosigkeit (wie es in vielen großstädtischen Existenzen der Gegenwart sichtbar wird), hin zum Aufbau frei gewählter, auf geistiger, emotionaler und ideeller Verwandtschaft basierender Gemeinschaften.

Vielleicht hat der mangelnde Zulauf bei Demonstrationen auch mit ganz banalen psychologischen Faktoren zu tun. Ich selbst fühle mich, wenn ich allein zu Protestveranstaltungen gehe, z.B. häufig isoliert – mitten im Pulk der „Gleichgesinnten“. Dieses Gefühl der Isoliertheit hilft natürlich vor allem dem „Gegner“, etwa den Teilnehmern der jährlichen Münchener „Sicherheitskonferenz“, die sich in dem Gefühl wiegen können, dass gegen ihre vielfach destruktiven und schäbigen politischen Entscheidungen nicht gerade ein Volksaufstand im Gange ist. Der Strom der Protestierenden gleicht – gemessen an der Bedeutung der Sache, um die es geht – oft eher einem Rinnsal. Wir müssen uns also Gedanken über engere, menschlich befriedigendere Formen des Zusammenschlusses machen – und zwar nicht nur aus Gründen größerer menschlicher „Behaglichkeit“, sondern auch um der politischen Ziele willen, um die es geht.

Grundsätzlich kann man drei Organisationsformen unterscheiden: Gemeinschaft (Kommune), Gemeinde und Netzwerk. Hinzu kommen als viertes lockere, eher „themenzentrierte“ Aktionsbündnisse: Von großen NGOs (Non Governmental Organisations) wie Attac und Greenpeace bis hin zu Bürgerinitiativen wie „Rettet die Bäume in der Werdenfelserstraße!“ Kennzeichen dieser Aktionsbündnisse ist, dass sie nicht das ganze Leben eines Menschen begleiten und ideell „umschließen“ (und dies auch gar nicht für sich beanspruchen). Der Mensch wird in solchen Bündnissen (wie auch in Parteien und Vereinen) nur in einem bestimmten, begrenzten Aspekt seiner Persönlichkeit angesprochen: als Träger einer bestimmten Weltanschauung, als Befürworter der Solarenergie oder Gegner von Tierversuchen. Man klebt gemeinsam Plakate in der Fußgängerzone, fühlt sich aber in der Regel von seinen Mitstreitern nicht „getragen“, wenn man Liebeskummer hat, wenn ein Elternteil im Sterben liegt oder wenn man wegen des Leids auf der Welt mit Gott hadert. Solche Probleme tun einfach „nichts zur Sache“.

Wie entgeht man dem „Aktivisten-Burnout“?
Meines Erachtens liegt hierin ein Grund für die oft kurze Lebensdauer vieler dieser Bündnisse – bzw. für die hohe personelle Fluktuation in größeren idealistischen Organisationen. Mitglieder von Aktionsbündnissen verfallen leicht in Resignation, wenn die Aktionsziele nicht im gewünschten Ausmaß erreicht werden. Nach einer Phase der Euphorie stellt sich dann leicht ein Gefühl von „Es-hat-ja-doch-keinen-Sinn“ ein. Es kann dann sein, dass die Mitgliederzahlen nach anfänglichem raschem Emporschnellen zu bröckeln beginnen. Solche Bündnisse haben auch häufig eine ausschließlich negative Motivation, z.B. „gegen Rechts“, „gegen Atomkraft“. Selbst konstruktivere Formulierungen wie „für die Umwelt“ können oft nicht verdecken, dass der Kampf gegen das Bestehende den Alltag der Aktivisten prägt. Ein dritter Punkt: Aktionsbündnissen ist oft eine missmutige, verbissene Grundstimmung eigen. Man stellt sich opferbereit bis zur Selbstausbeutung und freudlos in den Dienst der „Sache“, wird dünnhäutig und wittert schnell mangelnde Wertschätzung und „Verrat“ durch Mitstreiter. Nicht umsonst heißt es: Wer sich um die Gesundheit unserer Umwelt sorgt, muss sich zunächst um die der Umweltaktivisten kümmern.

Ich bin ja von der Notwendigkeit von Widerstand gegen die kulturelle Dominanz und die faktische Gestaltungsmacht der neoliberalen Ideologie ausgegangen. Dazu ist die Bildung neuer und die Verstärkung schon bestehender Widerstandszellen notwendig, und um diese erfolgreicher zu gestalten, können wir von den positiven Erfahrungen mit anderen, quasi „artfremden“ Organisationsformen wie der Kirchengemeinde lernen. Was es da zu lernen gibt, könnte man z.B. so zusammenfassen: Einbindung des ganzen Menschen in allen seinen Lebensaspekten, eine über die konkrete politische Stoßrichtung hinausgehende Kultur der Gemeinsamkeit, eine nicht ausschließlich erfolgsorientierte Ausrichtung (sondern Konzentration auf das Tun), Integration freudvoller, sinnlicher Elemente wie Musik, Tanz, Bildsymbole, Essen, Trinken, Feuer u.ä., eine (auch) positive Ausrichtung und die Einbettung der Einzelaktion in einen größeren ideellen Zusammenhang. Dann könnte auch wieder eine Widerstandskultur entstehen, die dem Ernst und der Tragweite der anstehenden Probleme angemessen ist, denn: Es gibt nichts Gutes, außer man organisiert es.

Unter den Organisationsformen eines möglichen Widerstand und den alternativen Gesellschaftsmodellen ragen einige hervor, die einer näheren Betrachtung wert sind. Neben dem zielgerichteten politischen Aktionsbündnis sind dies vor allem Gemeinschaften (Kommunen), Netzwerke und Gemeinden.

Kommunen – von Liebe und Schatten
Die Gemeinschaft (Kommune) ist im Wesentlichen eine Lebensgemeinschaft Gleichgesinnter, die in räumlicher Nähe zueinander wohnen und oft auch arbeiten. Je nach Größe kann es sich um eine einzelne Wohnung, ein Haus oder um dörfliche Strukturen handeln. Gemeinschaften sind Praxiswerkstätten zur Erprobung alternativer Modelle bezüglich gelebter Spiritualität, ökologischen Wirtschaftens, des Zusammenlebens, der Entscheidungsfindung, der Liebe, Freundschaft und Kindererziehung. Manche mögen dabei an die von Rainer Langhans mitbegründete „Kommune 1“ denken, manche an die Bhagwan-Großkommune in Oregon, an Damanhur, Auroville oder das „Zentrum für Experimentelle Gesellschaftsgestaltung“ (ZEGG) mit seinen frei liebenden und zugleich politisch ambitionierten Bewohnern.

Die Bezeichnung „Experimentelle Gesellschaftsgestaltung“ ist für die ganze Kommunenbewegung bezeichnend und verweist auf ein gewissen Mut, sich als ganzer Mensch in die Kreation neuer Modelle des Zusammenlebens einzulassen. Wie ausgefeilt auch immer die Ideologie der betreffenden Gemeinschaft sich anhören mag, es menschelt allenthalben beträchtlich. Die durch die Vordertür verjagte „Spießigkeit“ schleicht sich oft durch die Hintertür wieder herein. Man streitet sich über die (männlichen) Urintröpfchen auf der Klobrille, über den Grad notwendigen commitments und einzufordernder Prinzipientreue. Die nicht vegetarische Brühe wird ebenso zum Stein des Anstoßes wie das nicht energetisierte Wasser oder Drückebergertum bei der Müllentsorgung. „Rücksichtslose Chaoten“ beschweren sich über „Kontrollfreaks“ – und umgekehrt. Die Gemeinschaft wird so im schlimmsten Fall zu einem Forum zur Lösung von Problemen, die ohne die betreffende Gemeinschaft gar nicht erst entstanden wären. Die Dichte des Zusammenlebens verstärkt alle Gruppenprozesse wie unter einem Brennglas: Das gilt für die Herausbildung von Schattenträgern (Sündenböcken) ebenso wie für Dominanzstreitigkeiten darüber, wer von zwei Führungspersönlichkeiten die Überwindung des Egos nun mit größerer Reinheit repräsentiert.

Die Könige von Lummerland
Zwischen „zu viel Führung“ und „zu wenig Führung“ taumelt das Kommunenschiff wie einst Odysseus zwischen Skylla und Charybdis. Zu viel „Laissez-faire“ entfesselt Fliehkräfte, führt zu Beliebigkeit und Substanzlosigkeit, die Kommunenideale diffundieren in das sie umgebenden Normalomilieu. Zu viel zentralistische Führung dagegen führt – wie im gescheiterten Experiment der Bhagwan-Großkommune in Oregon – zu faschistoiden Tendenzen. Egomanen und Westentaschen-Tyrannen wüten als Böcke im Garten einer meist freiheitlich-emanzipatorischen Ideologie. Das „König-von-Lummerland“-Syndrom geht um, das Bedürfnis, innerhalb seines eigenen Kreises der Wichtigste zu sein – mag dieser Kreis auch noch so überschaubar sein.

Was nun den formensprengenden Umgang mit gesellschaftlichen und sexuellen Normen betrifft, so gilt der Satz: In der bürgerlichen Familie werden Menschen durch Menschen verletzt, in der Freie-Liebe-Kommune ist dies umgekehrt. Statt dem Zwang zur Konformität herrscht dort manchmal Zwang zum Nonkonformismus. In Ehe und Familie wollen menschliche Beziehungsverstrickungen nicht mehr aufhören; in Kommunen dagegen bekommen Beziehungen oft gar nicht erst den Raum, um richtig anzufangen. Kurz gesagt: Kommunen-Modelle haben das Glück nicht für sich gepachtet, Stärken und Schwächen, Freude und Leid sind nur auf eine andere Art miteinander vermischt als bei „spießigen“ Gesellschaftsmodellen. Es verwundert nicht, dass Kommunen mit dem Ende der Hippie-Ära ein bisschen aus der Mode gekommen sind und dass ein anderes, etwas abstrakteres Modell heute in aller Munde ist, in dem menschliche Unzulänglichkeit schon deshalb weniger zum Tragen kommen, weil man Menschen dabei gar nicht richtig begegnet: das Netzwerk.

Netzwerke – gute Absichten und viele Löcher
Das Netzwerk ist ein durch moderne Kommunikationsmittel zusammengehaltenes Forum zum Austausch von Ideen, Informationen und Unterstützung unter Gleichgesinnten. Das Netzwerk ist im Gegensatz zur Kommune nicht-lokal, d.h. nicht an einen bestimmten Ort gebunden. Netzwerk-Zugehörige können in der benachbarten Großstadt wohnen, in der Toskana oder in New York. Durch Internet und Email können diese Menschen unterschiedlichster Herkunft in Sekundenschnelle zusammengeschaltet werden. „Anarchische“ Kommunikationswege wie Internetforum und Serienmail sind hervorragende Werkzeuge einer „sanften Verschwörung“, die sich der Kontrolle und dem Zugriff durch wie immer geartete Gegenkräfte entziehen. Netzwerke sind lockere, frei lassende und zugleich integrative, das Bewusstsein weitende Organisationsformen. Sie sind demokratisch und dezentral, insofern jeder „Netzknotenpunkt“ aus seiner Sicht Teil des Ganzen ist. Netzwerke sind mit funktionierenden, authentischen Formen der Kommune, aber auch der biologischen Familie grundsätzlich vereinbar. Sie bilden ein Gegengewicht zum „Um-sich-selbst-Kreisen“ und „Im-eigenen-Saft-Schwimmen“, das in Kleinfamilien und lokalen Gemeinschaften oft zu beobachten ist.

Kritiker merken allerdings an, dass Netzwerke hauptsächlich aus Löchern bestehen. Häufig bleiben sie blutleer und abstrakt, Geist ohne Fleisch und somit sozusagen das Gegenteil von Swingerclubs, die man als „Fleisch ohne Geist“ definieren könnte. Während in der Paarbeziehung die zwei Menschen (fast) alles übereinander wissen, wissen Netzwerker (fast) nichts über eine potenziell unbegrenzte Menge von Menschen. Ähnlich wie das wolkige Gebiet der Kommunikationswissenschaft stellt das Netzwerk nicht Inhalt und Substanz in den Vordergrund, sondern die Art und Weise, wie die Beteiligten untereinander verbunden sind.

Konkret sind Netzwerke oft schon bald nach ihrer Gründung davon bedroht, „einzuschlafen“, weil niemand so richtig weiß, worum es eigentlich geht. Man soll sich Menschen zugehörig fühlen, die man im besten Fall per Email oder durch kurze Telefonkontakte kennt. Man hat sich nie in die Augen geschaut, sich nie die Hände geschüttelt. Man bekommt Email-Rundbriefe, an denen man nach ein paar Ausgaben das Interesse verliert, kann sich in Listen eintragen und andere Teilnehmer auf der Liste ansprechen, was man aber in der Praxis nur selten tut. Netzwerke machen meistens häufig Spaß, es sei denn, sie entwickeln „sinnliche“ Begegnungsformen und Rituale.

Gemeinden – persönlich, aber nicht zu eng

Nachdem ich nun Gemeinschaft und Netzwerk – vielleicht auch etwas zugespitzt und verallgemeinernd – einer kritischen Betrachtung unterzogen habe, wird vielleicht deutlich, warum ich in der Gemeinde die Organisationsform mit dem größten Potenzial sehe. Sie liegt, was den geografischen Raum betrifft, auf dem sie sich entfaltet, zwischen Gemeinschaft und Netzwerk, irgendwo zwischen einem renovierten Bauernhof auf dem Land und der weltumspannenden „Global Community“. Gemeinden werden in der Regel das Einzugsgebiet einer mittelgroßen bis großen Stadt oder eines Landkreises umfassen. Vom Netzwerk unterscheidet sich die Gemeinde also im Wesentlichen dadurch, dass sie persönlichen Kontakt in geografischer Nähe ermöglichen. Von der Kommune unterscheidet sie sich dadurch, dass die Gemeindemitglieder in verschiedenen Haushalten, verstreut über das ganze Einzugsgebiet und auch – das ist wichtig! – vermischt mit Nicht-Mitgliedern wohnen. Sektiererische Tendenzen, die Dämonisierung von „Ungläubigen“ und mangelnde geistige Frischluftzufuhr werden dadurch schon von vornherein ausgeschlossen.

Man könnte die Existenzform einer politisch (z.B. durch Kapitalismuskritik oder Umweltschutzanliegen) motivierten „Gemeinde“ in einem mehrheitlich neoliberal geprägten Umfeld vielleicht mit evangelischen Kirchengemeinden im überwiegend katholischen Bayern vergleichen. In den liberaleren und fortschrittlicheren Regionen (wie im Münchner Umland) werden sich die Angehörigen verschiedener Konfessionen nicht beargwöhnen, bekriegen oder gegenseitige zu Unpersonen erklären. Man wird in selbstverständlicher Nachbarschaft nebeneinander und miteinander leben.

„Reformation“ statt Pseudo-Reformen

Das Beispiel „katholisch-evangelisch“ ist interessant, weil es als Vorbild für einen Aufbruch dienen könnte, der im Umfeld einer neoliberalen Meinungsmonokultur heute dringend notwendig wäre. Im Mittelalter gab es nur eine einzige Kirche – die katholische. Die Mitgliedschaft in dieser Kirche war in einem bestimmten geografischen Raum quasi unumgänglich, weil sie ein Individuum sozial schützte und trug. Dann kam Martin Luther und „erfand“ eine zweite Kirche, eine Parallelkirche mit ähnlichen Funktionen und Institutionen wie die katholische, jedoch mit anderen Werten. Heute gibt es neben diesen beiden großen Kirchen noch viele weitere spirituelle Wege, die in der Regel unbehelligt mit den christlichen koexistieren können. Das Monopol der einen Kirche auf religiöse Sinnstiftung und religiöse Dienstleistung ist aufgehoben. Mit Luther gab es einen Riss in der Decke der scheinbar allumfassenden Gültigkeit des katholischen Prinzips.

Wenn man weiterdenkt, könnte man sagen: Dem dominierenden (säkularen) Glaubenssystem unserer Zeit – dem Glaube an die unfehlbare Gestaltungsmacht des Marktes – sollte, da seine mangelnde Integrität auf vielen Feldern erkennbar wird – via „Reformation“ eine Alternative gegenüber gestellt werden. Diese Alternative sollte sich in Form ideeller Gemeinden organisieren – ergänzt durch überregionale Netzwerke. Alternative Formen des Wirtschaftens – etwas die Regionalwährungen – stellen schon funktionierende Gegenentwürfe auf Gemeindeebene dar (vergleiche etwa die Parallelwährung „Chiemgauer“ in Südostbayern). Von solchen Geld-Experimenten kann man nur nicht erwarten, dass sie die Gesamtheit der systembedingten Mängel in einem von marktradikaler Ideologie dominierten Staat in Angriff nimmt. Eine politisch aktive Gemeinde, wie sie mir vorschwebt, sollte stets einen größeren Entwurf im Auge behalten. Andererseits ist in unserer vernetzten Welt alles dermaßen von allem abhängig, dass die Schaffung einer funktionierenden, nicht-kapitalistischen „Parallelwelt“ auf deutschem Boden nicht wirklich vorstellbar erscheint. Alternative Lebensentwürfe sollten daher immer die Veränderung des Ganzen zum Ziel haben und dies kreativ-experimentell vorwegnehmen.

Kraft-Tankstellen für Aktivisten
Umso wichtiger ist es, dass die Alternative nicht inselartig isoliert vom Mainstream existiert, sondern sich mit ihm vermischt und ihn im lebendigen Austausch mit ihrem Geist infiziert. Das gefährdet gewiss die „Reinheit der Lehre“, ist aber unvermeidlich, wenn man nicht bei der „folie à trois“ oder „… à dix“ landen will, beim sich selbst bestätigenden Wahnsystem einer kleinen Menschengruppe. Neue Ideen müssen sich bewähren und stärker werden – auch durch den Widerstand, den der „alte Geist“ mit seinem Beharrungsvermögen ihnen unvermeidlich entgegensetzen wird. Auch wenn’s schwer fällt, es sich einzugestehen: Auch ich, auch Sie, der Leser/die Leserin, können sich mal irren. Gegenmeinungen helfen Ihnen und mir, Schwachstellen in der eigenen Argumentation aufzuspüren und zu korrigieren.

Gemeinden sollen Kraft-Tankstellen sein, keine Fluchräume vor der harten Wirklichkeit. Man erholt sich im Austausch mit Ähnlichgesinnten, um nicht ständig dem Kraftverlust durch Reibung an völlig andersartigen, „absurden“ Meinungen ausgesetzt zu sein. Dann geht man aber mit der gesammelten Kraft und dem gefüllten Köcher voll argumentativer Pfeile nach draußen und tritt für seine Überzeugung ein. Inselartige Gemeinschaften sind dazu weniger geeignet. Sie laufen Gefahr, sich zu verschließen – nach dem Motto: „Bei Leuten mit einem derartig niedrigen Erkenntnisniveau erübrigt sich jedes Gespräch.“

„Spießig“, aber integrativ – die Gemeinde

Der Begriff „Gemeinde“ steht noch immer im Geruch einer gewissen Spießigkeit, weil viele damit vielleicht anödende Kindheitserinnerungen verbinden: Kirchenkaffee mit zopfigen älteren Damen, leiernde „Herr-erbarme-Dich“-Gesänge, der Geruch von altem Holz und Staub, dudelnde, temperamentlose Orgelmusik… All das gibt es noch immer, aber es gibt selbst in diesen traditionellen Gemeinde Vorzüge, die in manchen „cooleren“ Organisationsformen komplett fehlen. Da besuchen jüngere Gemeindemitglieder Ältere in den Seniorenheimen, für verschiedene Altersgruppen gibt es „Kreise“, in denen man sich regelmäßig trifft, es gibt (wenn auch weltanschaulich festgelegte) Seelsorge durch einen „spirituellen Lehrer“, den Pfarrer, dem es ja keineswegs immer an Integrität mangelt.

Personen, die auf dem freien Markt der Eitelkeiten als zu unattraktiv, zu langsam, zu problembehaftet völlig chancenlos wären – Alte, Schrullige, Schüchterne, Einsame, Starrsinnige, Bedrückte und mit sich Hadernde – werden in intakten Gemeinden mit großer Selbstverständlichkeit integriert. Sie gehören einfach dazu, so sehr sie den „Normaleren“ unter den Gemeindemitglieder manchmal auch auf die Nerven gehen mögen. Der Film „Wie im Himmel“ zeichnet das Bild einer solchen, die verschiedensten Persönlichkeitstypen integrierenden Gemeinde mit einzigartiger, humorvoller Menschlichkeit. Im Vergleich dazu erscheinen mir viele spirituelle Gemeinschaften an der menschlichen Natur vorbeizugehen, weil die Voraussetzung für den Verbleib in der Gruppe darin besteht, dass der Einzelne auf dem ehrgeizigen Stufenweg zum Übermenschentum Schritt halten kann.

Ewige Wiederkehr des Gleichen
Natürlich hat auch die traditionelle Kirchengemeinde ihre Grenzen – einmal abgesehen davon, dass nicht jeder ihre weltanschauliche Grundlage akzeptieren kann. Die Aktivitäten einer Kirchengemeinde sind einem Zyklus sich wiederholender Events unterworfen und nicht zielgerichtet. Der Jahreskreis (das „Kirchenjahr“) mit ihren wiederkehrenden Festen, den Jubiläen und Heiligen-Gedenktagen prägt das Gemeindeleben und kann für Menschen, die an längerfristigen Projekten interessiert sind, als Einschränkung seiner Kreativität empfunden werden. Die bayerische Volksmusik-Gruppe „Biermösl Blas’n“ hat die Monotonie dieses beharrlich rekapitulierten Jahreslaufes einmal aufs Korn genommen: „Dann kimmt wieder die staade Zeit, in der man sich auf des Christkind’l g’freut. Und wenn dann kimmt der Januar, dann is’ nimmer weit bis zum Februar …“. Bei neoheidnisch und populärschamanisch geprägten Jahreszeitenfesten ist der Ablauf – mit kleinen Akzentverschiebungen – nicht viel anders: Man feiert Belthane, Johannisnacht, Halloween, Wintersonnwende usw.

Man kann diese Rhythmisierung des Lebenslaufs auch als archetypisch weibliches Phänomen betrachten. Sie schenkt Geborgenheit und Sicherheit im Gewohnten, was wichtig ist. Als Ergänzung sind aber dringend (archetypisch männliche) Elemente nötig, die auf zielgerichtete Entwicklung abzielen und nicht von Mondphasen und Wetterzyklen abhängen. Da ich von der Notwendigkeit eines organisierten Widerstands gegen den Neoliberalismus ausgegangen bin, wird klar, was gemeint ist. Es nicht gut, wenn die Menschen vom monotonen Rotieren des zyklischen Rades eingeschläfert werden. Die Zukunft sollte als prinzipiell offen, gestaltbar und nicht zu stark vorgeprägt durch sich wiederholende Events wahrgenommen werden. Nahe liegende, aber auch ferne, „utopische“ Ziele (etwa die Ablösung des Welt-Kapitalismus durch eine gerechtere Weltordnung) könnten die Beteiligten motivieren. Ihre Persönlichkeiten könnten mit den gestellten Aufgaben wachsen, ein Sog aus der Zukunft könnte sie erfassen und vorwärts tragen. „Seht doch, dass ihr, die Welt verlassend, nicht nur gut wart, sondern verlasst eine gute Welt“. Der Satz von Bertolt Brecht ist ein herausragender Weckruf für alle, die meinen, dass es genügt, zu „sein“. Andererseits kann man mit Menschen, die sich freudlos ins Gut-sein-Wollen verbissen haben, auch keine gute Welt schaffen.

Widerstand als Lebensform
Wie in allen Lebensbereichen ist auch im Bereich der menschlichen Organisationsformen die Synthese des „Männlichen“ mit dem „Weiblichen“, von Yang und Yin, die gesündeste und langfristig tragfähigste Lösung. Einfach zu „sein“, Mensch zu bleiben, zu genießen und mit den Rhythmen der Natur zu schwingen ist eher in einer Gemeindestruktur möglich; sich zu entwickeln, zu wachsen, Ziele zu erreichen wird dagegen in entwicklungsorientierten Gemeinschaften und in politischen Aktionsbündnissen gefordert. Ohne Gemeindestrukturen führt der Widerstand leicht zu Überforderung und menschlicher Ausdörrung; ohne den Drive eines Aktionsbündnisses wird er dagegen zahnlos und stagniert auf einem niedrigen Niveau der Selbstzufriedenheit. Was ich vorschlage, ist also die Gründung von „Aktionsgemeinden“ im regionalen Rahmen – ergänzt durch überregionale Netzwerkstrukturen, deren vergleichsweise unpersönlicher Charakter nicht so stark als Defizit wahrgenommen wird, wenn man auch in persönlichere Gemeinschaften eingebunden ist.

Was ich anregen möchte, ist Widerstand als langfristige Lebensform. Gleichzeitig möchte ich vermeiden, dass der Mensch auf seine Funktion als „Widerständler“ reduziert wird. Erfahrungsgemäß haben Menschen nur eine begrenzte Kapazität an Zeit und Energie frei, um für ihre politischen Ziele einzutreten. Wird ihr Idealismus überstrapaziert, kommt es zu einem Pendelausschlag in die Gegenrichtung, zu einer Rückkehr in unpolitische Lethargie. Es kommt also darauf an, diese begrenzte Kapazität optimal zu nutzen und zu organisieren, dem Widerstand beharrlich und nachhaltig zu machen und dabei den Menschen als das einzubinden, was er ist: kein wandelndes Gefäß linientreuer Meinungen und korrekter Verhaltensmuster, sondern ein Wesen, das Schwächen hat, manchmal den Mut verliert und „einknickt“, aber doch mit einer nicht klein zu kriegenden Grunddisposition zur Hoffnung und zur Lebensfreude.

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    Volker
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    Wir brauchen Widerstandsformen, die längerfristig durchzuhalten und in das Alltagsleben des Einzelnen integrierbar sind.

    Fahrrad fahren, Sommer wie Winter ++ Existenzminimum nicht an Konzerne zurückzahlen, schmeckt eh alles gleich giftig ++ Heizung nur bei sibirischer Kälte andrehen, ansonst einiegeln ++ Gesichtsverhüllung oder Revoluzzer-Burka tragen ++ Euroscheine auf Packpapier ausdrucken und jobben gehen ++ mit Steinschleuder auf SUVs ballern ++ Supermärkte beklauen, Diebesgut an Tafeln verschenken ++ vor dem Reichstag E-Balalaika spielen und russische Liebeslieder singen ++ … geht noch mehr, bin sehr kreativ.

    So ist das an für sich Hoffnung suggerierende Wort „Reform“ mittlerweile bis zum Überdruss pervertiert worden.

    Wurde hinweg reformiert, sprich: verscheißert und als Reformerfolg schlicht vergessen.

    Nicht das Volk sollte seine Regierung fürchten, sondern die Regierung das Volk (…)

    Eben, der Schuß geht allerdings in die falsche Richtung, weil: wenn sich Regierung und Co. fürchten, lassen sie Kampfhunde von der Leine und schicken Panzer hinterher.

    Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen (…)

    Nix da, Skallpelschwinger wollen mich nur umkrempeln und aus dem Leben therapieren. Wer ein Krankenhaus betritt, sollte sich von der Welt verabschieden, aber vorher erst gründlich runderneuern lassen, wegen Dividenden für’s Menschenschreddern.

    Wir haben verlernt, uns zu beklagen, wo wir uns ungerecht behandelt fühlen, aufzuschreien, wo man uns weh tut (…)

    Ne, nix verlernt. Meinem Sachbearbeiter der Armutsverwaltung ist es doch völlig wurscht, ob ich Klagetöne von mir gebe, verwaltet Armut wie Abfallwirtschaftsbetriebe Müll. Da kann ich herumjammern und bitte, bitte sagen, oder mich als Armutswurm auf dem Boden winden – keinen Euro mehr für meine Unangemessenheit als herumkriechendes Gewürm.

    Der Begriff „Gemeinde“ steht noch immer im Geruch einer gewissen Spießigkeit, weil viele damit vielleicht anödende Kindheitserinnerungen verbinden.

    Genau. Kindergottesdienst und die Heranführung zur Kommunion, Kommunionsunterricht mit anschließender Prüfung für Zulassung fordender Kirche, quasi ein christlicher Kinder-TÜV, mit Plakette schadstoffreier Kirchensteuer, zur Aufrechterhaltung eines Kirchensystems mit gelegendlichen Verwirrungen der Mitglieder im e.V.

    Roland, Du hast ja keine Ahnung, wie ich mit oder im Konfirmationsanzug aussah, aufgereit für Fotograf (damals: Photograph) und Familienalbum, verwirrt dahinguckend, hinter den Mädels in vorderster Reihe.  ++glucks++. Bin dann mit neunzehn Jahren aus Kirche ausgetreten, übte ersten Widerstand gegen Abzocke und Heuchelei.

    Love and Peace – ein Leser im alltäglichen Widerstand gegen den Wahnsinn.

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    Ruth
    Antworten
    Meine Analyse zur katholischen Kirche:

    Kindesmissbrauch/VERGEWALTIGUNG

    Brutalität

    Gewalt

    Unterdrückung

    Frauendiskriminierung

    Schuldverweigerung

    Geltungssucht

    Veruntreuung

    Verleugnung

    Verschwendungssucht

    Indoktrination

    Rückstand

     

    Eine undurchsichtige, verschleiernde Männerorganisation, niemals bereit ihre gepredigte, christliche Moral selbst zu leben!

    In meiner Jugend ein aktives Kirchenmitglied, jetzt ausgetreten, meiner „Illusion“ für immer beraubt, aber befreit von jeglicher Gehirnwäsche alter Männerbünde!

     

     

     

     

     

     

     

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    Ruth
    Antworten
    Noch ein wichtiger Nachtrag:

    Der Staat subventioniert ca. 90% der Kindergärten und akzeptiert eine Parallel-Justiz!

    „Tue Gutes und rede darüber“, ja, aber ein Trugschluss!

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    Sancho
    Antworten
    Kirche als Spiegelbild der Gesellschaft?!?

    Eine Gemeinschaft, die auch gutes tut!

    Da darf man/frau sogar mitmachen!!

    Und was ändern?

    Und was einbringen?

    Sich – ;

     

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    P. Franz
    Antworten
    Gemeinden? Keine gute Idee. Probiers mal mit Klane und Banden. Nichts fürchtet der kirchenähnliche Staat mehr als Klane und Banden. Nichts wird mehr verteufelt im brainwash Frame: Klane/Banden = Terror 
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    Ruth
    Antworten
    Zu Sancho:

    Als aktives Kirchenmitglied – so meine Lesart, oder?  – sind meine „S C H L A G W O R T E“ schwer zu ertragen, das ist mir bewusst!

    Und ich schätze jede Menschenhilfe außerordentlich in unserer – so empathielosen – Gesellschaft!

    Gucke ich jedoch in die Realität, mit dem Wissen jahrzehntelanger ehrenamtlicher Arbeit, dann war diese – gut überlegte – Entscheidung für mich unausweichlich!

     

    Die Augen offen

    Das Mitgefühl spürend

    Das Herz weit

     

    Meine Lebensmaxime – ein Selbstanspruch mit vielen Brüchen, leider!

     

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    Bettina Beckröge
    Antworten
    Die Anker des Widerstands

    Ich möchte diesen Artikel, den ich für sehr gelungen und wichtig halte zum Anlass nehmen, über die essentiellen Anker im Widerstand zu sprechen.  Durststrecken, lange Hängepartien, ohne dass sich ein Erfolg zeigt,  sind leider der Normalzustand in einer Widerstandsbewegung. Es wäre zu schön, um wahr zu sein, wenn man mit einem Handstreich ein Bollwerk aus Wirtschaft und politischem Unvermögen durchbrechen könnte. Kleine Schritte in homöopatischen Dosen, durchsetzt mit vielen Niederschlägen, ein Kräfte zehrendes immer wieder aufstehen, das ist das Schwarzbrot einer Widerstandsbewegung. Und doch gibt es tausende von Menschen, die immer wieder auf die Straße gehen um gemeinsam für eine Sache zu stehen. Wo kommt die Kraft?

    Die Gemeinschaft als Anker

    Das A und O einer Widerstandsbewegung ist der Zusammenhalt in der Gemeinschaft Gleichgesinnter, der Austausch miteinander, der respektvolle Umgang und das stille Einvernehmen, dass sich keiner zum „King Louis“ einer Bewegung macht. Jeder ist ein Teil des Ganzen, jeder einzelne ist gleichermaßen wichtig, das ist das wichtige und stille Einvernehmen einer guten und gesunden Widerstandsbewegung.
    Auf den zahlreichen Kundgebungen im Hambacher Wald (Waldspaziergang)  hatte ich bereits viele Gelegenheiten zu guten Gesprächen, sie sind für mich wie Tankstellen für Geist und Herz.  Gemeinsame Gehen, gute Gespräche am Wegesrand,  Lieder die gemeinsam gesungen werden, spontane Musiksessions, gute, informative, kämpferische und aufbauenden Reden… und nicht zuletzt die gute Versorgung mit einer warmen Mahlzeit durch den Hobbykoch aus der Eifel, der eigens dafür riesige Töpfe besorgt hat…all das sind die vielen kleinen Ankerpunkte. Die sonntäglichen Waldspaziergänge sind inzwischen fast wie ein Ritual geworden. Man fragt nicht nach dem Gewinn, man geht einfach hin.

    Der Anker in sich selbst

    Doch wie halte ich vor mir selber durch? Und was mache ich mit meinem inneren Schweinehund, der mir regelmäßig ins Ohr flüstert, „heute kannst du doch mal zu Hause bleiben, ist doch viel gemütlicher, am Sonntag“. Er hat recht, der innere Schweinehund, und darum braucht er eine gute Gegenkraft, und das ist der Anker in mir selbst, der eigentliche Grund, warum ich all das mache. Diesen Anker zu ergründen und in sich zu manifestieren, das ist vielleicht die wichtigste Aufgabe eines jeden. Dieser Anker lässt sich nicht per Copy and Taste vom Nachbarn, Freund, Mitstreiter übernehmen, dieser Anker ist für jeden individuell.

    Ich bin seit jeher tief mit der Natur verbunden, ich kann nicht ohne Baum, Blume, Bach und Wald. Später hat sich mir die Poesie dazu ergänzt (Novalis, Rilke, Hermann Hesse, Pablo Neruda und viele mehr). Das sind meine persönlichen Anker. Die kann ich gedanklich immer mitnehmen, sie wiegen nichts, sie kosten nichts, sie entheben mich dem Missmut und der Lithargie, sie sind mein kostbares Refugium.

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    Sancho
    Antworten
    zu Ruth:

    in welchem Verein (auch Kirche) man sich engagiert ist egal.

    Nur empfinde ich es oftmals kräftigend, mit Gleichgesinnten Gutes zu tun. Alleine macht das doch eh jeder – hoffe ich.

     

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    Ruth
    Antworten
    Ja, Sancho, zusammen ist man stark, da stimme ich Dir zu!

    Wenn jeder einzelne Mensch „Gutes“ tun würde, dann hieße unser Planet Utopika!

    Aber ohne Ironie und Humor…. wie armselig und freudlos wäre das Leben!

    Und Haltung kann man immer zeigen, auch mit einem Lächeln, spitzer Zunge und Wut in den Backen – natürlich Wangen!

    😉 R.

     

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