WILLE, WILLE (Christian Biribauer)

 in Christian Biribauer, Kultur, Kurzgeschichte/Satire, Philosophie, Poesie

Hier ist mein Wille –

So soll es passier’n

Hier ist mein Wille

Oder kann ich mich irr’n?

Das ist mein Wille!

Das weiß ich genau

Doch wird bei dem Gedanken

mir ganz flau.

 

„Der Weg ist das Ziel“,

„und der macht mich froh“,

der Spruch auf dem Honigglas

und den Cornflakes – sowieso.

Ich brauch ihn nicht lesen

Ich brauch ihn nicht seh’n

Ich kann ohnehin immer nur

– ohne zu versteh’n

den einen undurchschaubaren,

eig’nen Weg geh’n.

 

Ja meiner meiner meiner – ach so frei

und was ich nicht will

ist mir einerlei.

Man muss handeln

beim Wandeln

durch dies dunkle Tal,

jetzt und sofort und das allemal.

Jetzt, jetzt, jetzt,

muss es gescheh’n,

es ist doch mein Wille

und schnell muss es gehen.

 

Warum nur warum

klappt es nicht fix,

so viel ich probier‘

– es funktioniert einfach nix.

Wille, Wille – bist du gar falsch?

Hab’s doch entschieden –

mir ist schon ganz kalt.

Freiheit zu handeln

Freiheit zu tun

ist doch dasselbe?

Bald zweifle ich schon.

 

Ist gar der Wille mir doch nicht gegeben?

Ich muss doch handeln, handeln in diesem Leben.

Komisch – bin immer noch auf diesem einen Weg

Warum nur – ich dachte ich lauf schon ganz schräg.

 

Denk hin, denk her,

macht das Handeln ach so schwer

in diese Richtung –

hey, ist da irgendwer?

am besten ich tu jetzt –

gar nichts mehr.

 

Geh, flieg oder rud’re dich endlich frei,

wohin du denkst

ist doch einerlei.

Hast die Freiheit wohl zu handeln,

hast die Freiheit auch zu tun,

nur den undenkbaren Sinn,

ja den findest Du im Ruh’n.

Kein Denken schafft Sicherheit

kein Denken vertreibt die Angst

bist auch noch so gescheit

du immer wieder

von Neuem anfangst.

Wille, Wille

vor dir kann ich mich nicht wehr’n

wie es passiert

kann kein Handeln beschwör’n.

 

Das ist mein Wille –

so soll es passier’n

ist es wirklich mein Denken?

Oder kann ich mich irr’n?

ChriB 12/19

 

Showing 12 comments
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    heike
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    Wir hatten ja schon vor ein, zwei, drei Jahren festgestellt, dass es einen oberflächlichen eigenen Willen gibt und dann den Willen des Weltgeschehen (= Gott).

    Die Taten, die man begeht haben Auswirkungen auf andere. Wir haben nicht das Recht mit unseren Taten anderen zu schaden.

    Es kann eben nicht jeder machen was er will. Der Dalai Lama spricht von Interdependenz (universeller Verantwortung). Und ja, so etwas gibt es tatsächlich.

    Jeder schafft mit der Art und Weise, wie er sein Leben führt und bisher geführt hat, bestimmte Vorbedingungen, die, je älter man wird, bestimmte Verantwortlichkeiten erschaffen haben.

    Wenn man mir das Lieben verbietet, dann sterbe ich lieber. Aber Lieben hat viele Formen.

     

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    heike
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    Der Dalai Lama sagt auch, dass Ideen von oben kommen können, aber umgesetzt werden müssen sie von unten, nur so haben sie Substanz und Bestand. Man kann Leute nicht überlisten, für den Umweltschutz zu sein, sie müssen das selbst wollen, das ist ein Bewusstsein, das man sich erarbeiten, erfühlen, von innen verstehen und wollen muss. Überdenken, welche Auswirkungen eigene Verhaltensweisen auf andere und die Umwelt haben, z.B.

    Wenn ich meine Kekse selber backe, dann brauche ich keine industriell mit Palmöl Zubereiteten zu kaufen, sie sind weniger süß und schädigen nicht die Lebensräume der Orang Utans im indonesischen Dschungel.

    Man muss das Gute wollen und dann handeln. Ich habe hier das mit dem Handeln sehr viel mehr gelernt. Und das finde ich gut. Ich freue mich, wenn ich immer weniger Leute mit diesen Einwegbechern in der Hand rumrennen sehe. Und ich freue mich auch, wenn sich Autofahrer darüber Gedanken machen, wie sie weniger Benzin verbrauchen müssten.

     

     

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    heike
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    Die massenhafte Verwendung von Palmöl in westlichen industriellen Lebensmitteln und Kosmetika sowie in Autotanks als „Biodiesel“ führte zur fast vollständigen Vernichtung des natürlichen Regenwaldes in Borneo und damit des Lebensraumes der Oran Utans sowie 222 weiterer Säugetierarten, rund 400 Reptilien- und Amphibienarten (darunter 166 Schlangen) sowie 420 Vogelarten, 349 Fisch- und 40 Schmetterlingsarten. 44 Säugetiere, 37 Vögel, 19 Fische und vier Schmetterlinge sind endemisch, d.h. es gibt sie nur hier.

    Frankreich hat als erstes Land in der EU Palmöl nicht mehr zur Erfüllung gesetzlich vorgeschriebener Beimischquoten für Biosprit anerkannt. Beschlossen wurde das Ende 2018, umgesetzt ab diesem Jahr 2020.

    61 Prozent der Palmölimporte in die EU werden für Biodiesel und Elektrizität verwendet.

    „Frankreich setzt ein wichtiges Zeichen. Denn die EU hat in ihrer neuen Richt-linie zu erneuerbaren Energien zwar das politische Ziel formuliert, dass konven-tioneller Biosprit, der aus Nahrungs-mitteln hergestellt wird, bis zum Jahr 2030 auslaufen soll. Auch sollen besonders fragwürdige Rohstoffe mit einem hohen Risiko für das Klima wie Palm- und Sojaöl schon ab 2021 ausgeschlossen werden. Doch die politische Einigkeit der drei EU-Institutionen Rat, Parlament und Kommission muss erst noch in konkrete Maßnahmen umgesetzt werden. Der Vorschlag dazu soll im Februar von der EU-Kommission präsentiert werden.

    Frankreich zeigt, dass es eigentlich ganz einfach ist: Warum streichen nicht alle Mitgliedsländer der EU Palmöl von der Liste der Rohstoffe, die auf die gesetzlichen Biospritziele angerechnet werden? Ohne staatliche Zuschüsse und Steuervergünstigungen zeigt sich sehr schnell, wie unsinnig die Verwendung von Palmöl grundsätzlich ist.“

    https://www.regenwald.org/regenwaldreport/2019/515/kein-palmoel-mehr-im-biosprit

    Dort kann man auch eine Petition unterschreiben.

     

     

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      heike
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      Dazu noch eine Ergänzung:

      Indonesien hat Ende 2019 gegen den (richtigen) EU-Beschluss bis 2030 Palmöl als Biodiesel und zur Verbrennung in Kraftwerken zur Elektrizität- und Wärmegewinnung nicht mehr zuzulassen, Klage bei der Welthandelsorganisation in Genf eingereicht.

      Palmöl ist durch die in den Jahrzehnten zuvor stattgefundene massive Förderung durch Subventionen und Steuervergünstigungen zum wichtigsten Handelsprodukt Indonesiens (nach Kohle) aufgestiegen. Leider verursachte diese Förderung mehr Umwelt- und Klimaschäden als sie (eventuell) verhindern wollte. Millionen Hektar Regenwald gingen in Rauch und CO2 auf, mit ihnen die Lebensgrundlage vieler in Einklang mit der Natur lebender Einheimischer und natürlich der tierischen Bewohner des Regenwaldes. Jetzt hat die EU die richtigen Schlussfolgerungen gezogen, aber leider wollen diejenigen, die in den letzten Jahrzehnten vom Geldsegen profitiert haben, diesen weiter fließen sehen.

      Jedenfalls ist es gut, wenn Fehler erkannt und korrigiert werden. Wir brauchen auch nicht an jedem Flecken der Erde mehr Wirtschaft, die macht weder Mensch noch Natur glücklich.

      Im übrigen steht es auch allen EU-Mitgliedsländern frei, auch schon vor 2030 ganz aus der Palmöl-Biospritverbrennung auszusteigen (was sinnvoll wäre).

      Mehr Informationen unter:

      https://www.regenwald.org/news/9607/pandorabuechse-palmoel-indonesien-klagt-gegen-die-eu

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    Wille wille Panikpille
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    Der Sitz ist warm, die Öffnung groß
    die Spülung top, Papier…na los

    .

    Und wie ich sitz, so schaudert mir
    die Schüssel voll, Papier nicht hier

    .

    Da droht die Mutti voller Stolz
    mit ihren riesen Nudelholz

    .

    Die Futt muss sauber, der Darm ganz leer
    sonst Beutel ich, mir fällt nicht schwer

    .

    den an dir häng, Fekalien sammle
    Fäkal Oral so keine Bange

    .

    die Mutti hat es voll im Griff
    Corona nun so wie ein Blitz

    .

    ich find es nicht wo ist es nur
    vom Winzling jetzt schon keine Spur

    .

    Wie aus Regierungskreisen durchsickerte, plant die Regierung zum Schutz der drastisch sinkenden Holzbestände durch den Ausverkauf lebenswichtiger Papiersorten für jeden Bürger der Bundesrepublik Deutschland Windelpflicht einzuführen. Die Modeindustrie plädiert aus pychologischen Gründen für einen modebewußten Windelentwurf für Volljährige. Um die Krankenkassen vor zu hohe Kosten zu schützen hat die Regierung für Gesundheit fördernde  Entwürfe Gelder zugesagt. Für den Fall von Engpässe für den Nachwuchs durch die Windelpflicht für Vollöjährige zieht die Bundesregierung auch eine Pflicht für das Mitführen eines künstlichen Darmausgang in betracht.

    .

    Ach wie schön: „Greta, Edward usw., wie schnell und leicht doch so ein Winzling Störenfriede beiseite räumt. Es geht doch nichts über SOLIDARITÄT!

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    Christian
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    ad Heike: Stimme Dir zu, ich würde es einfacher ausdrücken – es geht bei dieser Umsetzung, von der Du schreibst, um Authentizität, welche ein tieferes Verstehen erfordert. Und jenes erfordert auch Erfahrung und viel Nachdenken. Um den von Dir angesprochenen Umweltschutz als Beispiel zu nehmen – nur mitrennen nützt auf Dauer nichts, man muss einmal den ganzen Kreislauf verstehen lernen direkt in der Natur. Dies wird in der digitalen Welt aber immer schwerer und entfremdeter. „Man kann Leute nicht..“ stimme ich zu, diese „Abkürzung“ funktioniert nicht, bestenfalls als Anregung. Dass mit diesem meinem Text ein grosses Thema angesprochen wird, war mir klar, er ist jedoch eher emotional entstanden und stellt eben das Denken in Frage.
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    heike
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    Danke Christian, für dein Gedicht und deine Worte. 🙂 ich werde drüber nachdenken…
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    heike
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    Die letzten Jahre zusammen mit den Autoren und Kommentatoren von HdS haben mir gezeigt, welche großen, globalen Probleme die Menschheit zu bewältigen hat und welche Schwierigkeiten der Lösung im Wege stehen.  Ich bin ein wenig desillusioniert und das macht mich traurig. Mein Grundgefühl sagt mir, man kann nichts erzwingen und man kann nur aus innerer Kraft heraus sinnbringend handeln. Das, was man tut, muss in Übereinstimmung mit dem inneren Selbst stehen. Wenn man nur noch im Außen reflektiert/reflektiert wird, dann wird man zum Spielball äußerer Einflüsse. Das befriedigt mich nicht und befriedet auch die Welt nicht.
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    Christian
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    Stimme Dir zu!
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      heike
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      Weißt du Christian, es gibt ein paar wirklich gute Menschen, die anderen Menschen auch wirklich helfen … aber die haben im Internet nichts zu suchen … finde ich, es ist einfach zu schade um sie. Leider kann ich im wirklichen Leben nicht bei dir oder in deiner Umgebung ankommen.

      Jedenfalls danke für deine Kämpfe aus denen die Fähigkeit, anderen wirklich zu helfen, entstanden ist.

      Ich wünsche dir und deiner Familie auch alles Gute. Ich weiß nicht, was aus meiner wird – ich hoffe meine Söhne kommen da irgendwie heil oder lädiert, jedenfalls irgendwie und möglichst bald raus aus dem ganzen Irrsinn.

       

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    heike
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    Und – weil ich mich so an das Rumplappern hier gewöhnt habe – noch meine Gedanken zu Gefühlen und Wille.

    Gefühle werden auch sehr oft von Sehnsüchten genährt, von Wunschvorstellungen. Zu einer echten tragfähigen Verbundenheit kommt man im Leben nur durch direkten Kontakt, durch physisch miteinander verbrachter Zeit. Dazu gehören immer zwei. Und am besten ist es  wohl, wenn es einfach passiert. Ich habe noch nie eine Beziehung gehabt, die ich zuvor „anvisiert“ habe. Das geht halt irgendwie nicht. Also ein Wille führt da wohl eher ins Nichts.

    Ich wollte mal Gutes für die Menschen. Jetzt will ich erst mal was Gutes für mich. Ob ich das kriege? Chris, der mein email-Konto (?) regelmäßig frequentiert, ist der Meinung meine Sterne stehen nicht besonders gut, astrale Verwerfungen usw. Leider habe ich keine Kreditkarte und so kann er meine Verwerfungen nicht beheben. Mit Geld wäre mir das nicht passiert …. da wäre ich schon seit Monaten alle Sorgen los…. Also dieser ausbeuterischer Neoliberalismus ist doch wirklich zum Kotzen.

    Wie auch immer … ich werde jetzt mal wieder meine eigenen Götter anbeten ….

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    heike
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    Und noch ein Nachsatz: Pflastersteine für den Frieden werfen ist schon ziemlich bescheuert – aber anderen in „heroischer “ Selbstaufopferung die Eier abschneiden, um an die Macht zu kommen, die dann „das Gute“ auf der Welt durchsetzen soll, ist mehr als krank und ….. da fehlen mir die Worte … sadistisch.

    Wer helfen kann, der sollte helfen. Mein Sohn sollte zu mir kommen, und wenn er das allein nicht tun kann, dann sollte ihn jemand fahren (da mir die Tür ja nicht mehr aufgemacht wird, wenn ich davor stehe und er nicht mehr als einen Satz mit mir am Telefon sprechen kann).

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