Zur Erinnerung: „Empört euch!“, Stéphane Hessel

 in Buchtipp, FEATURED, Politik, Roland Rottenfußer

Stephane Hessel

Das schmale Buch des Résistance-Veteranen Stéphane Hessel machte vor 11 Jahren in Frankreich, aber auch in Deutschland Furore. Endlich schaffte das ein politisches Buch, das sich nicht damit hervortat, Ausländerfeindlichkeit und sozialen Rassismus zu schüren. Das Werk stellte der neuen Politikergeneration, nicht nur in Hessels Heimat, ein vernichtendes Zeugnis aus. „Empört euch“ sieht die Ideale der Résistance und der Charta der Menschenrechte verletzt und ruft offen zur gewaltlosen Revolte auf. Wir tun gut daran, seinen Ruf zu hören. Roland Rottenfußer

 

Man stellt sich vor, eine Persönlichkeit des Widerstands gegen die Nazis, etwas Hans Scholl, hätte überlebt. Jahr für Jahr wären seine Taten von der politischen Elite in Festveranstaltungen gepriesen und jungen Menschen als Vorbild vor Augen gehalten worden. Eines Tages würde sich dieser Hans Scholl hinstellen und öffentlich das Versagen dieser Eliten anprangern. Alles, wofür wir damals gekämpft haben, würde er sagen, ist heute in Frage gestellt. Es ist wieder Zeit, sich gegen das Unrecht zu empören. Wäre das nicht entsetzlich peinlich für die Politik des alternativlosen Neoliberalismus?

Wer ist Stéphane Hessel?

In Frankreich ist etwas Vergleichbares passiert. Stéphane Hessel wurde noch ein Jahr vor Hans Scholl geboren. Und er gehört zu den Helden seines Landes. Ich verwende dieses Wort ohne Ironie, denn Hessels Lebensweg ist wirklich unfassbar aus der Perspektive des ruhigen Nachkriegsdeutschlands. 1917 wurde er in Berlin geboren – ein Junge jüdischer Herkunft. Die Familie zog 1924 nach Paris. Seit 1937 französischer Staatsbürger, wurde Hessel zum Kriegsdienst eingezogen. Er erlebte die Niederlage Frankreichs gegen Nazideutschland und die Kollaborationspolitik von Marschall Pétain. 1941 schloss er sich Charles de Gaulles „Freiem Frankreich“ an, einer Widerstandsgruppe mit Sitz in London.

Im März 1944 wagte Stéphane Hessel eine halsbrecherische Mission. Er ließ sich heimlich in Frankreich absetzen, um mit Widerstandsgruppen Kontakt aufzunehmen. Im Juni wurde er dann verraten und von der Gestapo verhaftet. Hessel wurde gefoltert und in das Konzentrationslager Buchenwald eingeliefert – unter normalen Umständen sein Todesurteil. Durch eine Aktion, die Stoff für einen Thriller hergäbe, gelang es ihm jedoch dem Tod zu entkommen. Er vertauschte seine Identität mit derjenigen eines im Lager Verstorbenen. Stéphane Hessel war damit noch nicht frei, er wurde zu Zwangsarbeit in ein nahe gelegenes Lager verlegt. Zweimal gelang es ihm zu fliehen, bevor er sich zu den anmarschierenden alliierten Truppen durchschlagen konnte.

Die Ideale der Résistance

„Dieses neu geschenkte Leben galt es sinnvoll zu nutzen“, schrieb Hessel in seiner Autobiografie. Er machte Karriere bei den Vereinten Nationen und wurde Referent von Henri Laugier, Sekretär der Menschenrechtskommission. Auf diesem Weg wurde er auch Mitglied der Kommission, die die „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“ (veröffentlicht 1948) entwarf. Der Autor von „Empört euch!“ sieht in der Erklärung den Geist der Résistance verewigt. Der Nationale Widerstandsrat unter de Gaulle hatte 1944 ein Programm verabschiedet, „auf dessen Werten die Demokratie des befreiten neuen Frankreich ruhen sollte.“ Hessel: „Genau dieses Grundsätze und Werte sind uns heute nötiger denn je.“

Dazu gehören:

  • „Ein vollständiger Plan sozialer Sicherheit mit dem Ziel, allen Bürgern, denen dies nicht durch eigene Arbeit möglich ist, die Existenzgrundlage zu gewährleisten.“
  • „Die Energieversorgung, Strom und Gas, der Kohlebergbau, die Großbanken sollen verstaatlicht werden.“
  • Die Errichtung einer echten wirtschaftlichen und sozialen Demokratie unter Ausschaltung des Einflusses der großen im Wirtschafts- und Finanzbereich bestehenden privaten Herrschaftsdomänen auf die Gestaltung der Wirtschaft.“

Stéphane Hessel deutet dies explizit als Reaktion auf die verheerenden Erfahrungen mit dem Faschismus: „Eine rationelle Wirtschaftsverfassung, in der die Individualinteressen dem Allgemeininteresse untergeordnet sind, ohne Diktatur der Sachzwänge nach dem Vorbild faschistischer Staaten. Schon ein flüchtiger Blick auf die deutschen Verhältnisse mit Hartz IV, Energie-Oligopolen und einer radikalen Orientierung des Staats am Privatwohl zeigt, dass wie nötig solche Grundsätze heute wären.

Verrat am Erbe des Antifaschismus

Stéphane Hessel erklärt nun aus der Perspektive von 2010 rundweg: „Dieses gesamte Fundament der sozialen Errungenschaften der Résistance ist heute in Frage gestellt.“ Leider spezifiziert der Autor nicht, inwieweit die Regierung von General de Gaulle in der Nachkriegszeit diesem Ideal überhaupt treu geblieben ist. Hessel war ja ein vehementer Gegner des grausamen Algerienkriegs von 1954 bis 1962. De Gaulle war Staatspräsident von 1959 bis 1969. Auch ist die Kritik an der Politik unter Präsident Sarkozy, die das schmale Bändchen „Empört euch!“ (15 Seiten Haupttext) enthält, nicht sehr präzise. Mich hätten mehr Details interessiert. Das, was Hessel durchblicken lässt, besitzt jedoch aufrüttelnde Kraft.

„Man wagt uns zu sagen, der Staat könne die Kosten dieser sozialen Errungenschaften nicht mehr tragen. Aber wie kann heute das Geld dafür fehlen, da doch der Wohlstand so viel größer ist als zur Zeit der Befreiung, als Europa in Trümmern lag? Doch nur deshalb, weil die Macht des Geldes – die so sehr von der Résistance bekämpft wurde – niemals so groß, so anmaßend, so egoistisch war wir heute.“ Und dann kommt der alte Herr zum Kern seiner Botschaft: „Das Grundmotiv der Résistanz war Empörung. Wir, die Veteranen der Widerstandsbewegung und der Kampfgruppen des Freien Frankreich, rufen die Jungen auf, das geistige und moralische Erbe der Résistance, ihre Ideale mit neuem Leben zu erfüllen und weiterzugeben. Mischt euch ein, empört euch! Die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft, die Intellektuellen, die ganze Gesellschaft dürfen sich nicht kleinmachen und kleinkriegen lassen von der internationalen Diktatur der Finanzmärkte, die es so weit gebracht haben, Frieden und Demokratie zu gefährden.“

Es gibt Gründe zur Empörung

Hessels Pamphlet ist geradezu eine Liebeserklärung an das Wort „Empörung“. Während die meisten Bürger nach dem Grundsatz „Im Zweifelsfall bleibe ich erst mal ruhig“ agieren, ruft der Veteran dazu auf, sich einen Grund zu suchen, um empört zu sein. „Ich wünsche allen, jedem Einzelnen von euch einen Grund zur Empörung. Das ist kostbar. Wenn man sich über etwas empört, wie mich der Naziwahn empört hat, wird man aktiv, stark und engagiert.“ Hessel schreibt der Empörung die kreative Kraft zu, die Geschichte voranzutreiben. Er ist ein Schüler zweier großer Philosophen: Hegel sieht die Geschichte als allmählichen Aufstieg der Menschheit zur Freiheit – durch eine Serie von Konflikten zwischen Gegensätzen. Sartre stellte den Menschen allein und ohne göttlichen Rückhalt auf die Erde, voll verantwortlich für eine im Prinzip offene Zukunft. Momentan droht die Hegelsche „Dialektik“ leider ins Stocken zu geraten, da sich die Antithese zur These „Neoliberalismus“ noch recht schwach artikuliert. Und sozialistische Intellektuelle vom Format Sartres, der das Zeug zum „Gewissen der Nation“ hatte, kann man heute mit der Lupe suchen.

Zwei Hauptgruppen von „Empörungsgründen“ schlüsselt Stéphane Hessel auf: „Die weit geöffnete und noch immer weiter sich öffnende Schere zwischen ganz arm und ganz reich“. Und „Die Menschenrechte und der Zustand unseres Planeten.“ Weitere Angriffspunkte des Pamphlets sind u.a die 2008 auf den Weg gebrachte französische Schulreform sowie „die Behandlung der Zuwanderer, der in die Illegalität Gestoßenen, der Sinti und Roma“. In jüngster Zeit empörte sich Hessel auch über die Zustände in Palästina und im Gazastreifen. Der Autor war zwischen 2002 und 2009 – schon hoch betagt – mehrfach in der Krisenregion. Man muss in Rechnung stellen, dass Hessel selbst jüdischer Abstammung ist, wenn er sagt: „Was den Gaza-Streifen betrifft, so ist er für anderthalb Millionen Palästinenser ein Gefängnis unter freiem Himmel.“ Und er konstatiert, sehr bitter: „Dass Juden Kriegsverbrechen begehen können, ist unerträglich. Leider kennt die Geschichte nicht viele Beispiele von Völkern, die aus ihrer Geschichte lernen.“

Gegen die Gleichgültigkeit

Terrorismus interpretiert Stéphane Hessel demgemäß als „Erscheinungsform von Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit“. Man könne, sagt er in Anlehnung an Sartre, „die Bombenwerfer nicht entschuldigen, aber verstehen.“ Trotzdem ist sein Appell zur Gewaltlosigkeit in „Empört euch“ klar. „Gewalt wirkt nicht. (…) Wenn es gelingt, dass Unterdrücker und Unterdrückte über das Ende der Unterdrückung verhandeln, wird keine terroristische Gewalt mehr erforderlich sein. Deshalb darf man nicht zulassen, dass sich zu viel Hass aufstaut.“

Mehr als um einzelne Missstände scheint es dem Autor aber um das Prinzip „Empörung“ zu gehen. „Das Schlimmste ist Gleichgültigkeit“, schreibt er. „’Ohne mich’ ist das Schlimmste, was man sich und der Welt antun kann. Den ‚Ohne mich’-Typen ist eines der absolut konstitutiven Merkmale des Menschen abhanden gekommen: die Fähigkeit zur Empörung und damit zum Engagement.“ So solidarisiert sich Hessel auch explizit mit modernen Protestbewegungen und Nichtregierungsorganisationen wie Attac. Seine besondere Sorge gilt der Jugend, die in Gleichgültigkeit und Medienkonsum zu versumpfen droht: „Und so rufen wir weiterhin auf zu einem wirklichen, friedlichen Aufstand gegen die Massenkommunikationsmittel, die unserer Jugend keine andere Perspektive bieten als den Massenkonsum, die Verachtung der Schwächsten und der Kultur, den allgemeinen Gedächtnisschwund und die maßlose Konkurrenz aller gegen alle.“ So jung möchte ich gern mal sein, wenn ich älter werde.

Neues schaffen hießt Widerstehen

Besonders peinlich für die jetzt Herrschenden ist aber die Tatsache, dass ein verdienter Résistance-Kämpfer ihnen bescheinigt, sich nicht konsequent genug vom Geist des Faschismus abgewandt zu haben bzw. wieder darauf zuzusteuern: „Der Nazismus ist besiegt worden dank dem Opfer unserer Brüder und Schwestern in der Résistance und der im Kampf gegen die faschistische Barbarei verbündeten Nationen. Doch die Bedrohung ist nicht vollständig gebannt, und unser Zorn über die Ungerechtigkeit ist nicht gewichen.“ Hessels kraftvoller Leitsatz, sein Resumee, heißt: „Neues schaffen heißt Widerstand leisten. Widerstand leisten heißt Neues schaffen.“ In einer Zeit, in der gelenkte Pressekampagnen gern die „Dagegengesellschaft“ beschwören – natürlich, damit wir die Zumutungen der Politik brav befürworten – ist dieser Satz erfrischend wie der Vorfrühling.

 

Buchtipp: Stéphane Hessel: Empört euch. Ullstein Verlag 2011, 30 Seiten,  € 3,99

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  • Freiherr
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    Empörung allein hilft nicht, nicht mehr, gerade jetzt –

    man muss mit allen verfügbaren Mitteln gegen das Unrecht ankämpfen – gerade jetzt !!

    Die Empörung allein wird wohlwollend kassiert – gerade jetzt,

    nur radikaler Widerstand kann noch etwas bewirken.

     

     

  • Brigitte
    Antworten
    Schon oft habe ich mich in den letzten Jahren gefragt, ob dieser Appell nicht grotesk instrumentalisiert wurde. Die Jugend hat sich ja enorm empört, und tut dies auch weiterhin. Nur wurde alle daraus erwachsene Energie kanalisiert in die Klimabewegung und den ausgerufenen Kampf gegen Rechts. Mit nahezu religiösem Eifer wird der Kampf gegen CO2 geführt – ohne Rücksicht auf Verluste. Und die Zensur kritischer Stimmen oder die Diffamierung und Diskreditierung von allem, was nicht das offizielle Narrativ stützt – so sieht heute der Kampf aus gegen den Faschismus.
    • Die A N N A loge
      Antworten
      Der Kampf, der gegen die systematische Ausbeutung unserer Umwelt geführt wird hat leider einen Haken : Unsere Erde hat sich selbst nicht zum Fürsprecher, sie kann nicht auf die Straße gehen und gegen die ungehemmte Fortsetzung von CO2 Ausstoß demonstrieren. Wenn wir uns nicht für den Fortbestand unserer Mutter Erde einsetzen, dann wird es niemand tun. Wir Nordeuropäer sind die größten pro Kopf Energieverbraucher und CO2 Schleudern. Der SUV ist zum Symbol der „Welt im Überfluss“ geworden, doch er ist nur ein Beispiel von tausenden. Allein der Energieverbrauch durch Handys, Laptops und PCs ist nicht mehr zu zählen, und wer mag schon auf seine Spülmaschine, Waschmaschine und Kaffeemaschine verzichten? Wer denkt schon ernsthaft darüber nach, seinen Wohnraum auf das Nötigste zu reduzieren und im privaten dem ECommerce abzuschwören?

      Wer ist ernsthaft dazu bereit, ganz auf sein Auto zu verzichten und auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen?

      Solange wir Gefangene unserer „Welt im Wohlstand“ sind, solange wir uns nicht aus dem Cocon unseres Status Quo befreien, werden wir keine Veränderung für unsere Umwelt bewirken.

      Dabei stände eine Empörung gemäß Stéphane Hessel dieser Zeiten mehr als an: die Empörung gegen die 2 Klassengesellschaft, Nord und Süd.

      https://youtu.be/RzHVsBS0z90

  • Gokh
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    Ich habe großen Respekt für Monsieur Hessel, würde aber meine Vorrednerin zustimmen.
    Ich glaube sogar, dass wir gerade jetzt in einer sehr empörenden Zeit leben. Nur wird diese Empörung eben auf andere Sachen gelenkt und das ganze wohl nicht ganz ohne gezielter Steuerung.
    Die Leute sollen sich untereinander empören, über den Dieselfahrer, den SUV-FahrerInnen, die Masken- oder ImpfverweigerInnen, die KuzurlaubfliegerInnen, das Profil, welches gerade etwas geschrieben hat, was mensch anders sieht, aber eben nicht über die Leute welche immer größere Reichtümer anhäufen und demzufolge auch nicht über das System.
    Statt dessen werden Philanthropen für sakrosankt erklärt, jede  Kritik an ihnen als strukturell antisemitisch diffamiert und mensch freut sich über ihr angebliches soziales Engagement.
    Die Leute erkenne auch nicht , dass das das Internet den kapitalistischen Verwertungsinteressen unterworfen ist, das dort nichts kostenlos ist, sondern dass mit ihren den Daten und Informationen schlichtweg Geld gemacht wird/wurde.
    Aus diesem Grunde empören sie sich auch nicht über diese technischen Hilfsmittel, die sich überwachen und immer mehr Freiheiten nehmen, sondern über diejenigen, welche hinter alledem bestimmte Interessen vermuten.
  • heike (Heike Preißler)
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    Also, Empörung an sich ist ja ein emotionaler Zustand, eine Empfindung, die immer dann einsetzt, wenn man sich ungerecht behandelt fühlt. Automatisch kommt es dann zu Empörung. Die Empörung, die Stephane Hessel den Menschen aufgetragen hat, ist die Empörung über ungerechte Zustände im weltweiten System, deren Auswirkungen aber nicht jeder hier spürt. Im Gegenteil, viele Menschen profitieren von der Ausbeutung der Menschen in z.B. Afrika, da es dadurch hier so billige Schokolade zu kaufen gibt.  Also sagt man mal lieber nichts dagegen, sondern weist lieber lautstark darauf hin, wie schlecht es einem selbst doch schon gehe, und die Millionen werden nach Afrika gekarrt, anstatt sich um die eigene Bevölkerung zu kümmern ….

    Über die Ärmsten der Armen im eigenen Land gibt es auch geteilte Meinungen, selbst schuld sagen die einen, ein paar wenige bemühen sich wenigstens zu helfen, z.B. indem sie Arbeits- und Ausbildungsplätze für Menschen schaffen, die sonst nie wieder Fuß in der Gesellschaft fassen könnten.

     

  • Die A N N A loge
    Antworten
    Die Empörung setzt da an, wo sich unsere Wut gegen Missstände in Energie entlädt. Produktiv wird die Empörung dann, wenn wir den Wert unseres Lebens erkennen und bereit sind, unter Aufopferung unseres Rückzugsortes, des „Ich Verstecks“, uns mit Gleichgesinnten zusammenzuschließen und im Raum der Öffentlichkeit unsere Empörung zum Ausdruck zu bringen. Die Empörung ist wirksam, solange uns die Wut Energie verleiht und uns der Solidaritätsgedanke verbindet.

    „Wut UND Zärtlichkeit“ singt Konstantin Wecker in seinem ausdrucksvollen Lied, was bedeutet : Wut über Missstände ist gut und richtig, doch zum Ausdruck bringen sollten wir unsere Wut mithilfe von friedlichen Mitteln. Damit, ebenso wie mit seinem Lied „Empört Euch“ steht Konstantin Wecker ganz auf der Seite von Stéphane Hessel.

    Die Empörung, aus der Verzweiflung geboren, in einem grandiosen Chorgesang von Verdi Mitte des 19.Jahrhundert manifestiert :

    Va pensiero

    Der Gefangenenchor

    oder auch

    Der Freiheitschor

     

    https://youtu.be/HY79yY247Eo

  • Gokh
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    Ja, das ist schon alles richtig, was Sie schreiben, aber ist sehe das ganze in einen komplexeren Zusammenhang.
    Verzeihen sie mir ein etwas weiteres Ausholen.

    In jedem System, auch in einem physikalischen System, gibt es bestimmte „Teile“, welche aus der Masse herausragen.
    Das kann auf reinen Zufall beruhen, ist aber in einem fließendem Gleichgewicht unabdingbar.
    Jetzt kommt das Entscheidende: Diese zunächst rein zufällig oder aufgrund bestimmter günstiger Voraussetzungen aus der Maße ragenden Bestandteile erweitern im weiteren Verlauf ihre eigene potentielle Energie indem sie diese den anderen in der Maße verbleibenden Bestandteilen entziehen.
    Die Energie des Systems selber ist nicht veränderlich, es verändert sich nur die Verteilung.
    Im weiteren Verlauf wird das gesamte System so ausgelegt, dass sich die energetische Verteilung immer mehr zu der Seite verlagert wo sich die Teile befinden, die bereits aus der Maße herausragen, und die quantitative Verteilung genau umgekehrt.
    Das ist diese potentiell „ungleiche Verteilung“, welche systembedingt ist.
    In einem physikalischen System wird sich daran ohne äußeren Einfluss auch nichts ändern, aber eine menschliche Gemeinschaft sollte da in der Lage sein, regulierend einzuwirken.
    Vor allem auch deshalb, weil die Teile, welche aus der Masse herausragen einen prozentual sehr geringe Anteil an dem Gesamtsystem haben.
    Um einen möglichst ausgeglichenen Zustand zu erreichen, wäre es am logistischen, die Teile welche sich auf Kosten der anderen bereichert haben und ausgeschert sind, wieder nach unten zu ziehen.
    Dadurch würde die potentielle Energie der anderen zunehmen und diese würden gleichsam nach oben aufrücken.
    Das würde aber voraussetzen, dass in der Gemeinschaft der Wunsch nach einer weitestgehenden Angleichung besteht.
    Hier könnte auch die Empörung einsetzen. Es wäre ja eigentlich logisch, wenn mensch sich darüber empört, dass die einen so weit oben und die anderen so weit unten liegen.
    Statt aber die oberen nach unten zu ziehen, wird jedoch versucht immer mehr Leute nach oben zu hieven, was aber wiederum nur auf Kosten des Bodensatzes geschieht.
    Das heißt die unteren Stufen rauben sich gegenseitig die potentiellen Energien und schauen eher nach oben statt nach unten.
    Jeder möchte selber höher kommen, aber gleichzeitig, weil wir ja soziale Wesen sind, das eigene Gewissen mit kleinen Almosen beruhigen.

    Um es klar zu sagen. Wir leben auf Kosten anderer Teile der Welt. Die Millionen die wir da angeblich hinkarren, um unser Gewissen zu beruhen decken nicht ansatzweise die Ausbeutung ab, die wir dort anrichten oder angerichtet haben, bzw. sind oft letztlich selber ein Teil der weiteren Ausbeutung.
    Menschen die von anderen Regionen der Welt in die westliche Wohlstandsgesellschaft aufrücken, leben genauso auf den Kosten der unteren Schichten und tragen deshalb nichts zu einem Ausgleich bei.
    Auch wenn es manchmal nicht so aussehen mag, sind auch sie ein Garant dafür, dass andere Leute in die oberen Sphären vordringen können, weil auch sie potentielle Energie für diese bereitstellen, welche sie anderen rauben.

    Empörung ist in der Tat eine Zustand der am ehesten dann einsetzt, wenn mensch sich selber ungerecht behandelt fühlt, aber er kann auch induziert werden, indem mensch andere für das Leid der Welt verantwortlich macht.
    Und genau darum geht es meiner Meinung nach hier.
    Es wird eben nicht das eigentlich Empörende, diese ungeheure Ungleichverteilung angeprangert, sondern es wird sich gegen Menschen positioniert die nur knapp über oder unter einem stehen.
    Sowohl ganz oben und ganz unten sind zu weit weg, als das mensch sich daran orientieren kann.
    Ganz unten dient zumindest teilweise noch dazu sein eigenes Gewissen zu beruhigen.

    Ich habe in meinem ersten Kommentar die gezielte Kanalisation der Empörung angesprochen.
    Es gelingt eben den oberen Teilen mehr oder weniger unbehelligt agieren zu können, weil sich die Schichten darunter zwar nach oben orientieren, aber selber nur die Möglichkeit haben die potentiellen Energien der gleichen oder unteren Stufen abzuschöpfen.
    Und das bedeutet eben, dass mensch sich untereinander anfeindet, dass Menschen auf gleicher oder unterer Stufe angeprangert werden oder deren Moral kritisiert wird.
    Empörung über die Leute an der unteren Stufe, die z.B. selber Sorge haben, durch die zunehmende Konkurrenz weiter abzufallen und das obwohl die Migration eigentlich Garant für den Bestand des gemeingesellschaftlich Wohlstand ist, Empörung über die Menschen die für ihr Bedürfnis nach Freiheit auf die Straße gehen. Empörung über eine Reise oder Autofahrt zu viel, etc.
    Die Menschen, die aus der Masse ragen werden hingegen nicht angeprangert, sondern an diejenige werden teilweise Forderungen gerichtet, aber gleichzeitig auch das Vertrauen ausgesprochen.
    D.h. letztlich nicht anderes, als das diesem System prinzipiell zugestimmt wird, weil es in der Lage ist, die Ressourcen dieser Welt am produktivsten auszubeuten und letztlich die eigenen Privilegien sichert bzw. Hoffnung nährt selber auch nach oben zu kommen.
    Um die Empörung in dieser Weise zu kanalisieren dienen eben die Medien und auch die Technik. Sie werden Waffen gegen Seinesgleichen, aber eben nicht gegen die oberen Schichten.

    Ausbildungsplätze, Integration, etc. sind schön und gut, sie geben Menschen eine Chance auch etwas höher zu kommen.
    Aber so lange dieses System so ist wie es ist, wird es niemals zu einer Angleichung der Verhältnisse kommen.
    Und dadurch versagt meiner Meinung nach jede gesellschaftliche Ordnung, wenn sie nicht in der Lage ist Zufälle oder günstige, bzw. ungünstige Lebensbedingungen auszugleichen, indem sie die Energie von denen abschöpfen, welche von diesem Bedingungen am meisten profitieren.

    Das ist übrigens keine verkürzte Kapitalismuskritik, dass ist einfach nur eine Versuch zu zeigen, dass durch diese Mechanismen schon seit langer Zeit echte Empörung über die Ungerechtigkeit oder gar riots verhindert werden.

    • Die A N N A loge
      Antworten
      Ich danke Ihnen für Ihren kurzen physikalischen Exkurs, den ich im Augenblick spürbar wahrnehmen kann. Mit Husten, Schnupfen und Gliederschmerzen liege ich im Bett, und all die mir zur Verfügung stehenden Energieteilchen konzentrieren sich derzeit darauf, meine Gesundheit wieder herzustellen. Wie wohl, dass der Körper die Notwendigkeit der Energiekette kennt und richtig zum Einsatz bringt. In der Tat, die Energie zum Berge erklimmen würde mir jetzt fehlen, sie wird derzeit anderseitig benötigt.

      Was ist nun mit der Energie, die sich einseitig konzentriert und damit rundherum allem anderen die Energie entzieht? Ich habe gerade das Bild des Tornados im Kopf, in dessen Mitte die energetische Nulllinie liegt. Wenn Stürme dieser Art nicht derartige Verwüstungen anrichten würden, wären sie ein faszinierendes Naturschauspiel, ebenso wie Gewitter, deren Energie sich kraftvoll entladen.

      Soweit zum energetischen Fluss in der Natur.

      Auch die Wut ist eine Form der energetischen Entladung. Da kann ein Mensch monatelang in Angst und Trauer leben, gefangen in Gefühle von Schuld und in Selbstzweifel. Erst wenn er sich selbst und seine Wertschätzung erkennt, wenn er die Courage besitzt, seine eigene Würde anzuerkennen und sich selbst als liebenswertes Wesen anzunehmen, dann schafft er es, für sich einzustehen und in einem Kraftakt von Wut seine Fesseln und Knebeln abzuwerfen.

      Wut betrachte ich als Energie geladener Motor, um sich von den Fesseln und Knebeln der Angst und Selbstzweifel befreien zu können. Ob der Mensch dabei jemals aus dem System ausbrechen kann, in dem er lebt, vermag ich nicht zu sagen. Dass aber jeder Anfang wie ein Domino Effekt wirken kann („In jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“ – Hermann Hesse), das beweist uns die Geschichte, gestern, heute und morgen.

      https://youtu.be/Cuzl_QTBlWI

       

       

    • Die A N N A loge
      Antworten
      Ich finde Ihre Gedanken zum komplexeren Zusammenhang sehr spannend.  Tatsächlich kratzen wir mit unserer Empörung nur an der Oberfläche. Wir sind Teil des neoliberalen Systems, haben gelernt in ihm zu agieren und sind damit eingebunden in die wirtschaftlichen Verflechtungen. Es fällt uns schwer uns vorzustellen, wie wir vollends auf unsere Privilegien  verzichten können, und was am Ende bei rauskommt, wenn wir an einer Strippe des Systems ziehen. Wir sind also verwurschtelt mit einer wirtschaftlichen Verflechtung, dessen schädliche Auswirkungen auf Mensch und Natur wir in ihrer Komplexität nur erahnen können.

      Das Netz der wirtschaftlichen Verflechtungen unter Vorteilnahme der westlichen Industrieländer ist zum Besten gespannt. Wenn alle Menschen, die die Fäden in der Hand hätten vorsichtig und besonnen nachgeben würden, dann würde dieses unsägliche Knäuel abgelegt werden können und der Mensch würde wieder neu laufen lernen, und sich den Gedanken der Vorteilnahme und Gewinnmaximierung für den Rest seines Lebens aus dem Kopf schlagen.

      Doch der Mensch ist nicht besonnen, leider, sonst hätte er auf die klaren Worte des Club of Rome, in den 70-Jahren gehört (Die Grenzen des Wachstums).

      Jetzt gibt es einen  Widersacher, gegen den die Wirtschaft nichts ausrichten kann : Die Natur. Sie folgt ihren logischen Gesetzen und reagiert auf die Jahrhunderte lange Ausbeutung durch den Menschen. Das wird kein neoliberales Wirtschaftssystem überleben. Ob der Mensch das überleben wird? Das hängt davon ab, wie er in der Lage ist, sich zu verändern und der Natur anzupassen.

      Wenn wir also von Empörung sprechen, dann sollten wir immer im Auge behalten, dass auch wir uns ändern müssen.

      Todo Cambia

      Mercedes Sosa

      https://youtu.be/0khKL3tTOTs

    • heike (Heike Preißler)
      Antworten
      Hallo Gokh, dein Kommentar bezog sich sicher auf den meinigen. Mit meinen eigenen Worten würde ich den Inhalt dessen, was du schreibst, so zusammenzufassen:

      In einer Gesellschaft gibt es einige Menschen, die außergewöhnlichere Anlagen als die restlichen Menschen besitzen. Diese Menschen vereinigen immer mehr Energie auf sich, der Masse fehlt diese Energie dann.

      Es kann bei dem, was du beschreibst, um Lebensenergie gehen, die dann in unterschiedlich erlebter Vitalität  (oder als Depression und Krankheit vom Menschen erlebt wird), oder um Geld, also finanziellen Reichtum.

      Irgendwie scheint es so angelegt zu sein, dass oft Geldbesitz noch mehr Geld „anzieht“, bzw. das durch finanzielle Anlagen, Geschäfte, Börsenspekulationen usw., sich viel Geld stärker vermehrt als wenig Geld.

      Persönliche Anziehungskraft führt oft auch dazu, dass sich Aufmerksamkeit und Interesse von vielen Menschen der entsprechenden Person zuwenden. Wenn jetzt diese mit Aufmerksamkeit bedachte Person, diese Energie nutzt, um z.B. ein Werk zu schaffen, das wiederum die anderen Menschen inspiriert und bewegt, dann finde ich es gerechtfertigt, dass dieser Aufmerksamkeitsstrom fließt.

      Heute bekommen viele Menschen über das Internet oder Fernsehen Aufmerksamkeit, die ich überhaupt nicht kenne und denen ich persönlich diese Aufmerksamkeit nicht schenken würde, da sie mich nicht ansprechen. Aber andere anscheinend schon. Jeder Mensch beschäftigt sich halt auch mit anderen Dingen, das ist auch abhängig von dem Umfeld, in dem er lebt, oder von Interessen und Begegnungen, die ihn geprägt haben.

      Früher haben Menschen ihre Treue ihrem Heerführer oder König verschrieben, diesen also mit ihrer Energie „versorgt“,  heute machen sie das mit ihrem Fußballverein oder Star oder sonstwem. Das scheint eine genetische Grundverankerung im Menschen zu sein.

      Wir haben halt noch die Prägungen vergangener Jahrtausende in uns. Einzelne Menschen haben besondere, außergewöhnliche Leistungen vollbringen können, weil sie mit der Energie von vielen versorgt worden sind. Die Leistungen vieler Menschen wurden aber auch erst nach deren Versterben gewürdigt, sie haben anscheinend aus sich selbst heraus außergewöhnliche Melodien komponiert oder Gemälde gemalt. Das waren Anlagen, die diese Menschen in sich schon auf diese Erde mitgebracht haben. Das Menschen heute in den Weltall fliegen können, ist allerdings eine Gruppenleistung. Die Arbeit und der Enthusiasmus von vielen mussten zusammenkommen, damit die Menschheit das erreichen konnte.

      Menschen interessieren sich ja für verschiedene Dinge. Die einen sind begeistert von Technik, von Fahrzeugen oder Raumschiffen usw., andere wieder sind fasziniert davon, wie künstliche Systeme auf das menschliche „System“ zugreifen können und umgekehrt. Andere Menschen interessieren sich wiederum hauptsächlich für andere Menschen, ganz ohne technische Hilfsmittel, wieder andere mehr für Tiere oder Natur.

      Ob daraus etwas Gutes oder Böses, etwas Nützliches oder Schädliches wird, hängt von der Motivation der Menschen ab.

      Stephane Hessel, der Einblick in die Mechanismen der modernen Wirtschafts- und Finanzwelt hatte, ging es wohl darum, die Menschen zu Empörung gegen Kreisläufe aufzurufen, die nicht mehr den Dienst am Menschen im Zentrum stehen haben, sondern ausschließlich die egoistische Bereicherung der Machteliten. Viele Leute haben seit dem Erscheinen des Buches 2010 Hintergründe und Verflechtungen dieser Eliten aufgedeckt, es wurden Namen und Zahlen genannt – man hat versucht, das System direkt anzugreifen und ins Stocken oder Wanken zu bringen. Das Resultat davon waren Gegenmaßnahmen, das System wurde dadurch nicht verändert oder gar zerstört, eventuell war eher das Gegenteil der Fall.

      Menschen, die ihre Lebensgrundlage nicht auf der Ausbeutung oder Erniedrigung anderer aufbauen wollen, müssen eben eigene Kreisläufe entwickeln. Nicht einfach, aber möglich.

      Aber selbst unter Menschen, die die Politik der Machteliten ablehnen, sind solche Ausbeutungsmechanismen am Laufen: es gibt genug Blutegel, die an anderen Menschen hängen und diesen ihre Energie entziehen. Echte Blutegel fallen, wenn sie vollgesaugt sind, von selbst ab, menschliche Blutegel, haben sie sich einmal verbissen, eher nicht. Ein paar kann man ja mit Durchfüttern, werden es zu viele davon, stirbt der Mensch. Dann wird ein bisschen getrauert und bedauert, Kränze auf dem Friedhof, das ist der Lauf der Dinge….

      Ich habe mich ja über einen längeren Zeitraum hinweg gefragt, wozu die Menschheit da ist, was das Ziel der Menschheit darstellt – und ich glaube, es geht darum, so vielen Menschen wie möglich die Möglichkeit zur eigenen Reifung und schließlich Vollendung zu verschaffen. Und diese wiederum besteht darin, dass die Menschen, die genug Erfahrung auf dieser Erde gesammelt haben, diese in unirdischer Form verlassen. Was danach kommt, weiß ich nicht. Und weiter glaube ich, dass das ein natürlicher Prozess ist, eine natürliche Reifung, die einfach nur verlangt, dass der Wein nicht gepanscht wird, man also möglichst seinen inneren Instinkten und Eingaben treu bleibt.

       

  • Gokh
    Antworten
    Zunächst einmal wünsche ich Ihnen gute Besserung.
    Ich möchte nur noch einmal kurz darstellen, warum ich diese physikalische Betrachtung hier gewählt habe.
    Er geht mir darum zu zeigen, dass dieser Zustand eben nichts geplantes ist und das es da gar keine großen Absprachen gibt um ihn aufrechtzuerhalten. Der Zustand ist für sich bestrebt stabil zu bleiben und stabil heißt in diesem Falle, die Energie unten sich gegenseitig weitestgehend eliminierend und oben bündelt.
    Natürlich sind die Zusammenhänge im Detail komplizierter, aber mir persönlich hilft diese grobe Betrachtung, um mich selber besser zurechtzufinden. In dieser groben Betrachtung sind die Verhältnisse stabil, es gibt nur sehr geringe Bewegung.
    Je mehr ich dann hineinzoome je mehr Bewegung erfährt das Bild.
    Das Individuum ist der Beginn jeder Veränderung. Nur jedeR einzelne selber ist in der Lage Aktivitäten auszuführen.
    Wie sie das sehr schön geschrieben haben, „sich von den Fesseln und Knebeln der Angst und Selbstzweifel“ zu befreien.
    Ich habe keinen Lösungsweg, wie mensch selber etwas zu einer wirklichen Veränderung beitragen kann, ich persönliche finde es nur immer wieder notwendig herauszuzoomen und das gröbere Bild zu betrachten, das all diese individuellen Aktivitäten dann meist nicht zeigt. Das kann einerseits frustrierend sein, aber anderseits hallte ich persönliche nichts von Selbstbeweihräucherung.
    Es wird ja immer wieder behauptet, dass das einzelne Individuum ungern gesellschaftliche Verantwortung übernimmt. Ich mag so pauschale Aussagen nicht, aber es scheint in der Tat so, dass der einzelne Mensch oft schon bei der Ausbildung des eigenen Individuums überfordert ist und sich dabei immer mehr an eine bestimmte Vorgabe orientiert.
    Früher gehörte zur Bereitschaft für bestimmtes Handeln Wissen. Die Menschen wurden „dumm“ gehalten – also zur Aufrechterhaltung des System (siehe oben) – um ihnen alles mögliche abzuverlangen.
    Hier verhinderte nicht-Wissen so etwas wie Empörung gegen diese Verhältnisse.
    Somit bedeutete Aufklärung, also Wissen, dann auch erst das Herausbilden von Empörung und zwar gemeinschaftliche Empörung.
    Erinnert sei an die Bauernaufstände, etc.
    Heute ist Wissen nicht mehr das Problem. Das Wissen steht jeden in Form von Büchern, Internet, etc. zur Verfügung, heute überfordert uns das ganze Wissen. Aus diesem Grunde erlangt auch das Filtern und das „nicht wissen wollen“, das ausblenden, etc. zu einer immer größeren Bedeutung. Und für ausgeblendetes Wissen trägt mensch dann eben auch keine Verantwortung.
    Aus diesem Grunde ist Empörung meiner Meinung nach heute keine gemeinschaftlich empfundene Emotion mehr, welche auf gemeinsame Erfahrungen und Wissen beruht, sondern sie kann leicht induziert und kanalisiert werden. Diese induzierte Empörung setzt auf ein leises Unbehagen eines jeden einzelnen Menschen auf, welches auf innere Unzufriedenheit, soziales Gewissen, Frust, Existenzängste, etc. beruht, aber im Grunde keine gemeinsame Grundlage mehr hat. Deshalb ist das Adressat dieser Empörung auch nicht mehr die Personengruppe / Institution die für das alles am wahrscheinlichsten verantwortlich ist, sondern all diejenigen, die einen neuen Paradigmenwechsel, der aber nichts an der Gesamtsituation ändert – also das System stabil hält -, nicht mitgehen wollen oder können.
    Es werden also Feindbilder geschaffen, an denen sich die Masse abarbeiten kann, um das System stabil zu halten.
    • Die A N N A -loge
      Antworten

      Natürlich sind die Zusammenhänge im Detail komplizierter, aber mir persönlich hilft diese grobe Betrachtung, um mich selber besser zurechtzufinden. In dieser groben Betrachtung sind die Verhältnisse stabil, es gibt nur sehr geringe Bewegung.
      Je mehr ich dann hineinzoome je mehr Bewegung erfährt das Bild.
      Das Individuum ist der Beginn jeder Veränderung. Nur jedeR einzelne selber ist in der Lage Aktivitäten auszuführen.

      Ihre beiden Betrachtungsweisen kann ich gut nachvollziehen. Ideal wäre es, wenn diese beiden Blickwinkel uns dabei helfen könnten, Missstände zu ändern. Im kleinen können wir etwas bewegen, wir können uns Bürgerinitiativen anschließen, unseren Konsum einschränken, auf unser Auto verzichten, Plastik vermeiden oder einfach nur für Menschen da sein, die unsere Hilfe benötigen. Das wären Veränderungen, die das Bild beim Hineinzoomen verändern würden. Aus der Vogelperspektive betrachtet hätte sich jedoch noch nichts verändert.
      Wir müssten uns also ALLE verändern, um unseren Lebensraum zu retten und weltweit soziale Gerechtigkeit herzustellen. Nur, wie soll das funktionieren? Ich kann mich selbst ändern, doch ändern sich dadurch auch meine Freunde, Verwandten und Nachbarn? In einer höheren Kategorie denke ich nicht, denn alles, was darüber hinausgeht, ist Illusion. Tatsächlich schaffe ich es noch nicht einmal im kleinsten Kreise Veränderungen zu bewirken, stattdessen ich bin froh über jedes kleinste Detail, wo ich es schaffe, mich zu verändern.

      Warum ist das so, dass der Mensch sich so schwer tut, das große Gebilde, die gesellschaftliche Hierarchie mit all seinem wirtschaftlichen Morast zu verändern? Ich glaube, ein Hauptgrund liegt in den weltwirtschaftlichen Verflechtungen, dessen Zusammenhänge sich mit menschlichem Verstand nicht mehr entknoten lassen. Wir bewegen uns, wirtschaftlich gesehen, wie die Fische im Netz, unten die kleinen, oben die großen.
      Wie sollen wir die Zusammenhänge noch verstehen, den irrsinnigen Verlauf des weltweiten Handels- und Warenverkehr, die Auswirkungen des ECommerce, den Einfluss von Börsenkursen, Bitcoins und Aktien, die Übernahme von Firmen und Konzentration des Großkapitals auf immer weniger Unternehmen, den überbordenden Konsum in den Industrieländern bei gleichzeitigen Hungerkatastrophen in afrikanischen Ländern, die unverhältnismäßig hohen Rüstungsausgaben und die zerstörerischen Einsätze in Kriegsgebieten, die Entsorgung von Lebensmitteln im großen Stil, aus „gesundheitshygienischen“ Gründen, oder weil das Haltbarkeitsdatum abgelaufen ist, bei gleichzeitiger existentieller Not der Flüchtlinge? Wie sollen wir die Zusammenhänge noch verstehen, wenn wir uns klar machen, dass umgerechnet in Deutschland jeder  zurzeit durchschnittlich 12,5 Tonnen CO2 verursacht, in Sudan hingegen nur 0,5 Tonnen, dass jedoch die Auswirkungen der Klimaerwärmung in Afrika viel mehr zu Buche schlägt, als bei uns?

      Was kann ich tun? Wo kann ich ansetzen um diesem irrsinnigen Lauf an Verstrickungen etwas entgegenzuhalten? Den großen Lauf werde ich nicht ändern können, doch meinen eigenen: achtsamer und bewusster leben und Konsum reduzieren.

      • heike (Heike Preißler)
        Antworten
        🙂 ja, wir zwei kleinen Lichtlein haben uns jedenfalls ernsthaft bemüht …:-)

        Danke für den schönen Urlaub mit dir, und deinen Besuch auch.

        Ich hoffe, dir geht es gut, ich werde mich bald mal wieder persönlich bei dir melden.

        Viele Grüße,

        Heike

         

  • heike (Heike Preißler)
    Antworten
    Der Stephane Hessel ist halt noch ein Recke, ein Überbleibsel aus einer alten ehrlichen Zeit. Damals sagte man offen : Empört Euch!, wenn man es so meinte, und zählte auch gleich noch die Ungerechtigkeiten, gegen die sich diese Empörung richten sollte, auf.

    Heute läuft das anders. Ganz anders. Heute soll man sich weder empören noch einen eigenen Willen haben, aber, um das zu erreichen, wird man gerade gefragt: Möchtest du das tun? Und zwar in einem Zusammenhang, wo einem sein eigenes Ich quasi moralisch gebietet, diese Frage jetzt nicht verneinen zu können, also „Ja“ sagen zu müssen – aber dieses höfliche „Ja“ auf die „höfliche“ Frage führt einen weg von sich selbst hin zum Bediensteten, Ausführenden, eines fremden Willens.

    Z.B. vermute ich mal eine sehr höfliche Frage, wenn man vorm Impfteam steht, und sich impfen lassen „will“, damit man seinen Job weiter ausühren darf.

    „Möchten Sie die Impfung haben?“ Lächel, lächel. „Ja.“  Lächel, lächel….

    Muss man dort auch noch unterschreiben, dass man die Impfung „will“?

    Also, ich weiß das nicht so, da ich mich nicht impfen lassen werde. Und das Impfbeispiel ist auch nur ein Beispiel, das die Verlogenheit dieser Zeit illustrieren soll. Überall begegnet einem diese Verlogenheit. Ich hasse diese Lügereien. Ich will hier weg, ich habe dieses Lügenspiel nicht angefangen und ich werde eure Lügen (Hds ist nicht gemeint) nicht weiterführen.

    Und ich gehe, da ich selbst mir lieber bin als eure Erpressungen.

    Heute und morgen gehe ich im übrigen noch nicht, da das Geld fehlt, aber bald.

    Und, um nochmal zu Stephane Hessel zurückzukommen: Genau wegen diesem verlogenen Mechanismus, der da am Laufen ist und den ich gerade versucht habe etwas (wenn auch nur bruchstückhaft) zu beschreiben, ist Empörung nicht mehr möglich. Empörung wird gegen sich selbst verkehrt.

    Und übrig bleibt ein monotoner, willfähriger Einheitsbrei.

    Da fragt man sich, wozu man noch Mensch ist.

  • heike (Heike Preißler)
    Antworten

    Und für ausgeblendetes Wissen trägt mensch dann eben auch keine Verantwortung.
    Aus diesem Grunde ist Empörung meiner Meinung nach heute keine gemeinschaftlich empfundene Emotion mehr, welche auf gemeinsame Erfahrungen und Wissen beruht, sondern sie kann leicht induziert und kanalisiert werden. Diese induzierte Empörung setzt auf ein leises Unbehagen eines jeden einzelnen Menschen auf, welches auf innere Unzufriedenheit, soziales Gewissen, Frust, Existenzängste, etc. beruht, aber im Grunde keine gemeinsame Grundlage mehr hat. Deshalb ist das Adressat dieser Empörung auch nicht mehr die Personengruppe / Institution die für das alles am wahrscheinlichsten verantwortlich ist, sondern all diejenigen, die einen neuen Paradigmenwechsel, der aber nichts an der Gesamtsituation ändert – also das System stabil hält -, nicht mitgehen wollen oder können.
    Es werden also Feindbilder geschaffen, an denen sich die Masse abarbeiten kann, um das System stabil zu halten.

    Das sehe ich genauso. Danke dir für deine Zusammenfassung!

    Aber dieses Umlenken der Empörung lag nicht im Sinne des Verfassers von „Empört Euch!“ Stephane Hessel und denjenigen, die seinem Aufruf zunächst gefolgt sind.

    • Gokh
      Antworten
      Hallo Heike,
      ja der Text bezog sich immer noch auf Deinen ersten Kommentar: Ich habe das aber dann auch mit den guten Genesungswünschen an Die A N N A loge und teile Deines Kommentars verbunden.

      > Es kann bei dem, was du beschreibst, um Lebensenergie gehen, die dann in unterschiedlich erlebter Vitalität (oder als Depression und Krankheit vom Menschen erlebt wird), oder um Geld, also finanziellen Reichtum.

      Absolut richtig, auch um diese Lebensenergie geht es.

      > Wenn jetzt diese mit Aufmerksamkeit bedachte Person, diese Energie nutzt, um z.B. ein Werk zu schaffen, das wiederum die anderen Menschen inspiriert und bewegt, dann finde ich es gerechtfertigt, dass dieser Aufmerksamkeitsstrom fließt.

      Verstehe was Du hier meinst, aber ich wäre dennoch eher für eine etwas ausgeglichene Aufmerksamkeit.
      Egal ob es jetzt ein eventuell historischer Jesus oder eine jetzige Greta, es wollte zumindest prinzipiell jeder Mensch eine ansatzweise gleiche Möglichkeit besitzen Aufmerksamkeit zu bekommen.
      Aufmerksamkeit heißt ja nicht automatisch Zustimmung, sondern Aufmerksamkeit heißt Beachtung zu finden.

      > Jeder Mensch beschäftigt sich halt auch mit anderen Dingen, das ist auch abhängig von dem Umfeld, in dem er lebt, oder von Interessen und Begegnungen, die ihn geprägt haben.

      Absolut richtig und ich hoffe Du verstehst meine Sichtweise nicht so, als das ich hier für Konformität spreche.

      > Früher haben Menschen ihre Treue ihrem Heerführer oder König verschrieben, diesen also mit ihrer Energie „versorgt“, heute machen sie das mit ihrem Fußballverein oder Star oder sonstwem. Das scheint eine genetische Grundverankerung im Menschen zu sein.

      Das finde ich interessant, in der Tat hat das Fußballfanwesen oder der Starkult etwas von Götter/GöttInnen-Verehrung.
      Aber ist diese Verehrung der Götter gegenüber nicht auch etwas was sich Menschen zu Nutzen gemacht haben?
      Nach meiner Überzeugung ist das Priestertum der Ursprung für diese Ungleichheit der Menschen. Auch hier wurden Menschen „klein gehalten“ um eine bestehende Ordnung aufrechtzuerhalten.

      > Das Menschen heute in den Weltall fliegen können, ist allerdings eine Gruppenleistung. Die Arbeit und der Enthusiasmus von vielen mussten zusammenkommen, damit die Menschheit das erreichen konnte.

      Ja, richtig, aber ich nehme da gerne das Beispiel der Eisenbahn.
      Die Eisenbahn war einer der Sperrspitzen für die Entwicklung der modernen USA. Aber die Errichtung hat nicht nur viele Menschenleben gekostet, die sich freiwillig oder erzwungener Maße an dem Bau beteiligt haben, sie hat auch die Lebensgrundlage vieler anderer Menschen zerstört. In Indien wurde erst durch die Eisenbahn, die Ausbeutung und Zerstörungen der entlegensten Regionen ermöglicht, alte Banden zerstört und vormals relativ freie Menschen in die Abhängigkeit getrieben.
      Hier wird meiner Meinung nach sehr deutlich, wie VerliererInnen und GewinnerInnen sich in einer Gemeinschaft gegenüber stehen.
      Besonders interessant, da es hier um verschiedene Gemeinschaften ging und auch demzufolge auch um verschiedene Interessen. Da waren die ursprünglichen BewohnerInnen und dem gegenüber die Interessen der neuen SiedlerInnen.
      Die einen Interessen haben sich über die der anderen gestellt und immer passierte dies durch irgendeine Form von Rechtfertigung.  Auch Rassismus war Teil dieser Rechtfertigung.
      Ich frage mich gerade, ob es wirklich „moralisch“ gerechtfertigt ist den Mond und das Universum zu erforschen, während auf der Welt alle 10 Sekunden ein Kind an Hunger stirbt?

      > Ob daraus etwas Gutes oder Böses, etwas Nützliches oder Schädliches wird, hängt von der Motivation der Menschen ab.

      Ich glaube nicht, dass die Menschen jemals etwas „Böses“ beabsichtigt haben. Ja, sie wollten sich auch materiell bereichern, aber ich denke hinter alle diesen Sachen steckte auch der Gedanke etwas Positives für die Menschen zu schaffen. Ob für alle oder nur für einige Ausgewählte, dass ist jetzt wieder eine andere Frage.

      > Stephane Hessel, der Einblick in die Mechanismen der modernen Wirtschafts- und Finanzwelt hatte, ging es wohl darum, die Menschen zu Empörung gegen Kreisläufe aufzurufen, die nicht mehr den Dienst am Menschen im Zentrum stehen haben, sondern ausschließlich die egoistische Bereicherung der Machteliten….

      Für diesen letzten Abschnitt bin ich Dir sehr dankbar. Weil ich diese Sache vielleicht zu sehr auf die jetzige Zeit bezogen habe und deshalb spezielle aktuelle Empörungen im Auge hatte, z.B. die Genderproblematik und zum anderen die Klima-Bewegung. Wohl heute die meist beachtesten Empörungen. Wichtig auch die Rassismus-Debatte, die meiner Meinung nach auch extrem viel Heuchelei in der Empörung zeigt.
      Wobei das, was mensch Klassenkampf nennen könnte  – mensch könnte es aber auch anders nennen, wenn dieser Begriff vermieden werden soll -, also diese enorme Differenz zwischen arm und reich, obwohl immer perverse Dimension annehmend, alleine nicht für diese Empörung sorgt.
      Auch Umweltschutz, der Tod von hunderten jungen Umweltaktivistinnen in Südamerika oder Ostasien hat irgendwie keine Aufmerksamkeit bekommen, auch nicht die Vertreibungen und Ermordungen von Indigena. Aber eine extrem überprivilegierte Person, die dann irgendwann mal mit einen Pappschild vor ihrer Schule steht, die erhellen plötzlich alle Suchscheinwerfer dieser Welt.
      Als ob es so etwas wie Ankettungen, stille Mahnwachen, auch von Einzelpersonen, nicht die ganze Zeit gegeben hat.
      Das ist das was ich mit gesteuerte Empörung meinte. Und diese dient immer einem Interesse.

      Aber mir wird gerade durch Deinen letzten Abschnitt bewusst, dass Stephane Hessel etwas ganz anderes meinte.
      Danke.

  • heike (Heike Preißler)
    Antworten
    Danke auch für deine Antwort.

    Genau genommen rief Stephane Hessel auf zu Empörung, die zu friedlichem Widerstand gegen die Ungerechtigkeiten in unserer Gesellschaft wie die Diktatur des Finanzkapitalismus, die Unterdrückung von Minderheiten und die Umweltzerstörung auf unserem Planeten führen sollte.

    Gesteuerte Empörung dient natürlich immer einem Interesse, logischerweise desjenigen, der sie steuert. Und da es vielfältige Interessen gibt, gibt es auch verschiedene Empörungssteuerer.

    Wichtig ist eigentlich, dass man das Gute, das man erkennt, unterstützt, sich für die Belange der Welt interessiert und  versucht, diesen gegenseitigen Schuldzuschreibungen zu entkommen und stattdessen die Möglichkeiten, die sich bieten, dazu nutzt das Bestmögliche zu dem man in der Lage ist zu tun.

    Bei einigen Menschen wird das immer auf einen Kompromiss hinauslaufen, da der Mensch nunmal nicht in der Lage ist, allen Notleidenden gleichzeitig zu Hilfe zu eilen, auch wenn er das gern täte.

    Sehr viele Menschen allerdings sind noch immer in der Schiene des bloßen Meckerns steckengeblieben und machen absolut gar nichts für Dinge, die ich als wichtig erkannt habe. Vielleicht tun sie z.B. ihrer Oma oder ihrer Nachbarin einen großen Dienst, indem sie sich sehr um sie kümmern. Das ist auch gut. Aber ich würde mich freuen, wenn jeder sich ein bisschen mehr anstrengen würde und ein bisschen mehr tun, z.B. Geld für Umweltverbände spenden, die damit Naturflächen aufkaufen können und dadurch bedrohten Arten einen Lebensraum bewahren. Oder auch Geld für Hilfsprojekte zur Selbsthilfe für Afrika spenden, immerhin kann damit ein Teil der Bevölkerung eigenständig und unabhängig seine Ernährung sicher stellen, ohne genmanipuliertes und pestizidabhängiges Saatgut von westlichen Firmen kaufen zu müssen. Das sind ja auch Taten, die im Sinne Stephane Hessels wirken.

    Und zu diesen ganzen Empörungswellen in den Medien – es muss eben immer was zu diskutieren und zu streiten geben, zu polarisieren usw., damit man die wirklich gesellschaftsverändernden Maßnahmen nicht angehen muss und bestenfalls erst gar nicht wahrnimmt.

    Ich denke ja auch, dass es den Menschen einfach gut tut, wenn sie sich für Projekte interessieren und engagieren, die über die Planung des nächsten eigenen Urlaubs hinausgehen. Und auf die Art und Weise ändert sich dann die Bewusstheit der Menschen auf dem ganzen Planeten und die Probleme gibt es nicht mehr in dem gravierenden Ausmaß wie heute und die Menschheit strebt paradiesischen Zeiten entgegen. Warum soll das nicht sein können?

    In der Beziehung bin ich bei Wolf Schneider: man muss die positive Entwicklung für möglich halten, damit sie auch eintreten kann.

     

     

     

    • Palantir
      Antworten
      Deine naive Unschuld solltest du dir unbedingt erhalten. Sie macht das Leben einfacher und überschaubarer. Gut für eine ruhige Seele und der Intellekt muss sich nicht mit belastenden Realitäten befassen.

      Zum Beispiel, dass Gates, William Henry III., der Philanthrop, der dem Kontinent Afrika bis heute natürlich nur Gutes tat, genauso in Indien – klar… Der weltweit größte Landbesitzer, der dich abhängig macht von dem, was er als Nahrung richtig findet. Der, der dich alle paar Monate spritzen will, bis dein Immunsystem vollkommen danieder liegt … an ihn und seine Kumpane musst du dich halten und für seine Umweltorganisationen bitte spenden was du kannst. Unbedingt. Das kommt ganz sicher 1 : 1 an. wo genau, das kann ich dir auch nicht sagen, ist geheim.

      Du willst noch ein paar weitere der wohltätigen Philanthropen der Welt kennenlernen?  Musst du selber recherchieren. Guckschd du mal.

      • heike (Heike Preißler)
        Antworten
        Hallo Palantir, leider ist meine Unschuld nicht mehr so unschuldig, deshalb sitze ich ja in dem Schlamassel. Und da sehr viele andere ebenfalls in dem Schlamassel sitzen, vermute ich mal … naja, da kann ja jetzt jeder selbst drauf kommen.

        Ich spende z.B., falls ich mal etwas übrig habe (:-)) für den Nabu, der mit dem Geld Flächen in Deutschland aufkauft und artgerecht betreut (manche Flächen sollen einfach verwildern, manche müssen sachgerecht beweidet werden, damit die dort noch ansässigen Tiere und Pflanzen in den ihnen gemäßen Lebensräumen gedeihen können). Manchmal spende ich auch für den WWF, da ich die Idee, beispielsweise durch Aufforstung von Korridoren zwischen mehreren noch existierenden Waldflächen die Vermehrung von bedrohten Tierarten wie Tigern, Elefanten, Orang Utahs oder Leoparden zu fördern logisch und richtig finde. Für Brot für die Welt spende ich auch gern, dort wird das Geld für Hilfe zur Selbsthilfe verwendet.

        Mit dem Impfen stehe ich auf Kriegsfuß, ich finde den Anatz richtiger, durch entsprechende Lebensweise und Ernährung das Immunsystem der Menschen bestmöglich zu stärken.

        In den letzten Jahren hat man im Westen die Impfempfehlungen für Kinder bis zum 16. Lebensjahr um den Faktor vier erhöht. 1983 empfahl man in den USA noch insgesamt 11 Impfdosen (gegen 7 Krankheiten) für Kinder im Alter von 2 Monaten bis 16 Jahren, 2015 waren es schon mindestens 50 Impfdosen (gegen 16 Krankheiten), mit denen bereits in den ersten Stunden des Lebens begonnen wurde.

        2015 (aktuellere Zahlen habe ich nicht) befanden sich weitere 300 Impfstoffe in der Entwicklung, 170 davon gegen Infektionskrankheiten, 8 gegen neurologische Erkrankungen und 10 gegen verschiedene Krebsarten.

        Ich glaube nicht, dass es ein sinnvoller Weg zur Gesunderhaltung der Menschen ist, diese gegen alles impfen zu wollen, was so passieren kann.

        Abgesehen davon haben diese Impfungen Nebenwirkungen auf den Körper, die sich in der Ausbildung ebenfalls nicht sehr schöner Erkrankungen darstellen, wie z.B. in vielen neurologischen Störungen und Entwicklungsverzögerungen: ADHS, ADS, Autismus und  Autoimmunkrankheiten.

         

         

  • Gokh
    Antworten
    Hallo Heike,

    ich finde es wichtig mal lieber mit einer Annäherung zu Enden, statt mit Differenzen, deshalb habe ich jetzt einen längeren Kommentar doch wieder gelöscht.

    Aber zu diesem Kommentar hier von Dir einfach nur zur Info ein Link

    > Das ist auch gut. Aber ich würde mich freuen, wenn jeder sich ein bisschen mehr anstrengen würde und ein bisschen mehr tun, z.B. Geld für Umweltverbände spenden, die damit Naturflächen aufkaufen können und dadurch bedrohten Arten einen Lebensraum bewahren.

    https://www.wrongkindofgreen.org/2021/10/13/the-big-green-lie-2/

    Schon anhand der anderen Kommentare von Dir hier zum Thema Umwelt- und Umweltbewegungen, erkenne ich, das wir – obwohl uns beiden wohl gerade sehr viel an diesem Thema gelegen ist – in dieser Frage meilenweit auseinander liegen.

    Leider, deckt sich das dann aber doch mit meiner behaupteten Kanalisation der Empörung. Diese verbindet sich hier dann noch mit Halo- Lizensierungs- und Kompensationseffekt.

    https://hinter-den-schlagzeilen.de/die-macht-des-einzelnen-2

    Aber ich stelle meine Ansichten nicht über die Deine. Ich bin davon überzeugt, dass Du wirklich nur mit aufrichtigsten und reinsten Gefühlen handelst. Aber genau diese werden von diesem System eben ausgenutzt und gelenkt.

    https://nodealfornature.org/#why-get-involved

     

     

  • heike (Heike Preißler)
    Antworten
    Hallo Gokh,

    also dein erster Link sagt aus, dass mit Hilfe der 30 Prozent Land- und Meeresflächen, die die Umweltorganisationen zu schützen empfehlen, sich auf unaufrichtige und hinterlistige Weise das Land, in denen heute noch Indigene leben, unter den Nagel gerissen werden soll.

    In deinem Kommentar zu dem Artikel im 2. Link schreibst du sehr viel, ich werde mir das später noch genauer durchlesen, aber vor allem prangerst du an, dass Greta Aufmerksamkeit von den Mächtigsten der Welt erhalten hat und Gruppen von indigenen UmweltschützerInnen beispielsweise nicht. Dass das so ist, ist deiner Meinung nach nur damit zu begründen, dass mit Gretas Forderungen nach mehr Klimaschutz sehr viel Geld verdient werden kann, mit Umweltschutz dagegen nicht.

    Ich denke, dass in den höchsten Etagen der Macht schon seit längerem gerungen wird und auch dort nicht eine einheitliche Meinung herrscht. Und da gab es eben auch diejenigen, die schon einige Jährchen vor dem Erscheinen von Greta (so zwischen ein und zwei Jahrzehnten schätze ich mal) erkannt haben, dass die Art wie die moderne Wirtschaft wirtschaftet zur Klimakatastrophe, sprich überdimensionaler Erderwärmung mit all ihren Folgen führen wird. Die Wirkung der Treibhausgase CO2, CH4 und Lachgas wurden ausgemacht, man wusste, dass man sie dezimieren musste, aber da die moderne Energiegewinnung an die fossilen Energieträger angepasst war, herrschte wenig Begeisterung bei einem großen Teil der großen Mächtigen, etwas daran zu ändern, da man nämlich dadurch Profit v e r  l i e r e n würde. Und jetzt, da durch Greta das wichtige Thema der Klimaerwärmung (das zuvor wohl nur einigen wenigen geläufig war, da man es so unmittelbar eben nicht spürt – aber wenn man es unmittelbar spürt, dann ist es zu spät, die Gegenmaßnahmen einzuleiten) in der Bevölkerung und unter den Jugendlichen bekannt gemacht wurde, kann dieses Thema durch den Rückhalt in der Bevölkerung auch anders von ganz oben angepackt werden.

    Niemand ist an dem Zusammenbruch der Wirtschaft interessiert, es geht darum, die Wirtschaft so auf- und umzubauen, dass sie unsere Ökosysteme und unser Klima respektiert und schützt und dass sie den Menschen nützt. Das ist die große Aufgabe, vor der die Menschheit steht.

    Und, völlig richtig, man muss aufpassen, dass nicht durch Klimaprojekte die Umwelt unwiderbringlich in Mitleidenschaft gezogen wird, wie es durch undurchdachtes Windradaufstellen geschieht.

    Der dritte Link führt wieder Argumente gegen die Naturschutzprojekte auf.

    Auf die Art und Weise kann man jede Maßnahme konterkarieren.

     

    Was wäre denn deine Alternative? Gar nichts mehr schützen? Und jeder soll produzieren wie er will, womit er will, was er will? Keine Reglementierungen und Gesetze mehr, ausschließlich wirklich freie Marktwirtschaft?

    Dann fühlen sich zumindest die Leute nicht bevormundet. Aber dann brauchen wir eigentlich auch keine Regierungen mehr. Soziale Leistungen würden nur noch von Unternehmen, die daran interessiert sind, erbracht. Und wer regelt dann den Lehrplan in den Schulen? Jede Schule eigenverantwortlich?

    In der Menschheitsgeschichte gab es seit den Urmenschen bei allen zusammenlebenden Gruppen Hierarchien, die dem Stamm die Richtung vorgaben, und zwar mit dem Ziel, dem Stamm das Überleben zu sichern.

    Wenn es jetzt eben einige gibt, die sehen, dass die Menschheit sich in ernste Schwierigkeiten bringt, wenn sie der Erderwärmung nicht rechtzeitig, also jetzt, durch geeignete Maßnamen Einhalt gebietet, dann ist eben der Menschheitsstamm in ein paar Jahrzehnten in Gefahr.

    So sehe ich das. Also, ich bin für überlegte Klimaschutzmaßnahmen. Und glaube nicht, dass es einfach ist.

     

    • heike (Heike Preißler)
      Antworten

       

      Der dritte Link führt wieder Argumente gegen die Naturschutzprojekte auf.

      Also diese Aussage von mir war jetzt nicht ganz korrekt, ich habe nach einem ersten Überfliegen des Beitrages vermutet, das es so wäre, aber nachdem ich den Text langsam übersetzt habe (mein Englisch ist nämlich nicht gerade super), kann ich korrigieren:

      Er richtet sich gegen die nicht näher konkretisierten geplanten Schutzmaßnahmen der Unterzeichner des The New Deal For Nature (NDFN) zum Artenschutz und Erhalt der Biodiversität. Den Ausarbeitern des NDFN werden eigennütziges Handeln und mangelnde Demokratie vorgeworfen.

      Ich kann dazu wenig sagen, da ich diese Dinge nicht einschätzen kann, aber ich weiß, dass gegen den WWF schon seit längerem torpediert wird, und glaube, dass das ungerechtfertigter Weise geschieht. Der WWF hat sich für Tierschutz schon engagiert, als das so gut wie allen anderen egal war, weil diese anderen ihre persönlichen Interessen dadurch bedroht sahen. Mensch und Tier soll halt neben- und miteinander leben – man muss Räume für Wildtiere erhalten, aber auch der Mensch muss geschützt sein. Deshalb finde ich die Idee der 30 Prozent geschützten Land- und Meeresflächen sehr sinnvoll – da dadurch auch die Tiere die Chance eines Überlebens außerhalb von Zoos bekommen – der Mensch bevölkert sonst ohne Rücksicht auf Verluste die ganze Erde. Und am Ende ist er auch nicht glücklicher oder zufriedener, als wenn er seine Konsum- und Expansiossucht mal vorher etwas eingeschränkt hätte.

      • ak
        Antworten
        Wenn ich richtig informiert bin, wurde der WWF auch von Prinz Charles gegründet. Er ging  auch gerne auf die Jagd auf bedrohte Tierarten so weit ich weiß.

        Schutzgebiete, ohne die Rechte der Indigenen zu achten lehne ich ab. Menschen sind sehr wohl in der Lage im Einklang mit den natürlichen Gegebenheiten zu leben, wenn sie nicht der kapitalistischen Gier verfallen. Buschbrände haben dort wenig Chancen, wo Menschen mit ihren Tieren die Vegetation niedrig halten.

        Kürzlich hörte ich auch einen Bericht, dass z.B. die Ureinwohner in den USA absichtlich Brände legten, bevor die Vögel zum Brüten aus dem Süden zurückkehren. Die Brände in den Trockenzeiten hatten so weniger Macht, da die Feuer weniger Nahrung fanden und nicht mehr so verhehrend werden.

        Es täte der Welt wirklich gut, wenn wir in Europa mal von unserem hohen Ross kämen und mal wieder demütig von den Naturvölkern lernen könnten, wie Leben geht.

  • Lang lang...
    Antworten
    …ist es her, so hatte ich ein Umweltprojekt gestartet, welches zum den Schutz eines kleinen Gebietes, dass in Gefahr geriet, für den Bau von „EIGENTUMSWOHNUNGEN- UND HÄUSER“ eingeebnet zu werden. Also starteten wir eine Unterschriftensammlung, bei der viele Anwohner sich beteiligten. Umweltverbände wurden konsultiert und gemeinsam mit städtische Dienste in Abständen die Grünfläche immer wieder vom Müll befreit. Umweltfrevler, oftmals von anderweitig kommende zur Anzeige gebracht. Und auch in der Freizeit wurden Menschen unterschiedlichen Alters zum Schutz des Gebietes in jeder nur erdenklichen Weise tätig. Zeitungen wurden mit ins Boot genommen und ich stellte mich der Rede und Antwort in der Stadtratssitzung. Bis auf die der CDU und FDP zeigten die Politiker reges Interesse an unserem anliegen. Stellten viele Fragen die ich beantwortete.

    Und als folge dessen welch Überraschung, kurze Zeit später trafen sich Politik mit Presse für ein Titelbild vor Ort, um sich dann auch schnell wieder anderen, teils eigenen Interessen zuzuwenden.  Was bei der zeitlich langen und teils aufwendigen Aktion besonders auffallend war, waren die Umfaller,  die übrigens auch schon bei den Aufräumaktionen nur spärlich anwesend waren . Diejenigen, die schnell ihr Wohlwollen für dieses Projekt über den Jordan warfen, als es darum ging, das auch sie ihren noch so geringen Müll zuhause in ihrer Mülltonne entsorgen sollten und nicht achtlos an Ort und Stelle, nämlich dort wo sie gerade waren. Es waren zwar immer wieder diese aus allen Altersgruppen, doch hauptsächlich die Nachkommen der Kriegsveteranen des zweiten Weltkrieges. Und auch die städtischen Behörden mit ihre Sesselfurzern, die alles nach Möglichkeit Bürokratisch korrekt und nach DIN renaturalisieren wollten. Für sie schien es schwer bis unmöglich, das die Natur sich in erster Linie am besten selbst erholen könnte, wenn man sie nur ließe.

    Bei aller Schwierigkeit mit der Politik und den kapitalistischen Interessen weniger, den Behörden und der erwähnten uneinsichtigen Bürger war am Ende doch wenigstens das Ergebnis nach langer Mühe ein kleiner Schutz, indem dieses Gebiet als Lanschaftsschutzgebiet ausgeschildert wurde.

  • Gokh
    Antworten
    > Niemand ist an dem Zusammenbruch der Wirtschaft interessiert, es geht darum, die Wirtschaft so auf- und umzubauen, dass sie unsere Ökosysteme und unser Klima respektiert und schützt und dass sie den Menschen nützt. Das ist die große Aufgabe, vor der die Menschheit steht.

    Doch, es gibt Gruppen die genau daran interessiert sind.
    An einem Zusammenbruch dieses Wirtschaftssystem, weil nur dann etwas neues entstehen kann.
    Und es ist klar, dass da viele Menschen nicht mitgehen wollen, weil es eben auch Unsicherheiten bedeutet, aber dann sollte es doch genauso klar sein, dass die derzeitige Klimabewegung nicht etwa irgendwie links oder revolutionär ist. Nein, sie steht im Dienste der Reichen und Mächtigen um die nötigen Veränderungen genau in deren Sinne zu erreichen.
    Dazu wurden schon immer Leute in die Umweltbewegung eingeschleust. Bewegungen infiltriert, um sie in eine bestimmte Richtung zu bewegen.
    Dieses mal wurde das aber von Anfang an inszeniert. Aus Angst vor einem zweiten Genua, wurde die Bewegung quasi selbst aufgebaut um sie jederzeit beherrschen zu können.

    > Was wäre denn deine Alternative? Gar nichts mehr schützen? Und jeder soll produzieren wie er will, womit er will, was er will? Keine Reglementierungen und Gesetze mehr, ausschließlich wirklich freie Marktwirtschaft?

    Mal etwas abstrakter: Es braucht immer eine Krise, damit Menschen zum Umdenken angeregt werden.
    Also erst wenn die Menschen wirklich selber betroffen sind, dann sind sie bereit über ihren Horizont hinaus zu denken.
    Würde der Mensch nun wirklich in seiner Existenz bedroht sein, wäre er vielleicht bereit auf das eine oder andere zu verzichten.
    Sieht der Mensch wirklich vor dem eigenen Augen, was seine Handlungen in der Umwelt bedeuten, dann wäre er vielleicht gewillt etwas daran zu ändern.

    Was machen Umweltorganisationen.
    Zunächst einmal machen sie auf Probleme aufmerksam. Sie führen den Menschen ihr Handeln vor Augen. Das ist genau das, was ich an diesen Organisationen schätze. Jetzt kommt aber das, was ich sehr kritisch sehe.
    Sie geben den Menschen Lösungen vor. Sie ermöglichen den Menschen sich finanziell, wie ein Ablassbrief, für diese Lösungen einzusetzen. Sie beruhigen also das Gewissen der Menschen.
    Holo- Lizensierungs und Kompensationseffekt spielen hier wirklich eine ganz entscheidende psychologische Rolle.

    Nehmen wir doch mal die großen NGOs. Die feiern gerne ihre Jubiläen und verweisen auf Erfolge.
    Wo sind denn diese Erfolge?
    Da wurde mehr Regenwald gerodet als je prognostiziert. Da hat der Artenschwund weiter angehalten.
    Natürlich wurden mit großen Aufwand einige Arten vor dem natürlichen Verschwinden bewahrt. Aber das kann mensch wirklich nur dann als Erfolg ausweisen, wenn mensch bestimmte Arten nach ihrer Popularität einordnet und ganz bestimmt nicht in der Hinsicht der allgemeine Biozönose dieser Welt.
    Kurz um, es gibt keinen Grund irgendetwas zu feiern. Was haben diese Orgas jetzt gebracht?
    Sie haben als erstes schon einmal selber ganz gut von den Spendengeldern gelebt.
    Sie können behaupten, dass es ohne sie noch schlimmer gekommen wäre.
    Sie haben aber selber auch durch bestimmte Aktionen Unmengen an Ressourcen verschwendet.
    Da werden Info-Broschüren massenweise gedruckt, da werden öffentlichkeitswirksam bestimmte Utensilien durch die Welt gekarrt, um diese zu präsentieren, z.B. die Steine welche die Schleppnetzfischerei verhindern soll, Greenpeace, da wäre die tolle Beluga 2 als Publikumsattraktion, Greenpeace. Da wäre der Segelreise von Greta. Diese wird um so lächerlicher, indem im Nachhinein dann noch tolle Gründe für Übungssegeln und so weiter gefunden wurde.
    Wir können es ja ganz einfach machen, alle Menschen die in den nächster Zeit in die USA reisen, erledigen diese Reise mit teuren Segelschiffen, welches zu diesem Zweck erst gewartet und erneuert werden muss, dessen Verpflegungen angeschafft werden müssen und welche mit teurer Navigationstechnik und teuren Kunst- und Verbundstoffen ausgestattet sind.
    Alleine schon die Rechtfertigung dieser Reise durch viele Medien, zeigt, das hier andere Mächte im Spiel sind.
    Es geht um einen Langstreckenflug, also nicht um einen Reise nach Malle fürs Wochenende.
    Es geht um einen Langstreckenflug, den in Zukunft auch immer mehr MigrantInnen zurücklegen müssen, wenn sie ihre zurückgelassenen Verwandte und Freunde besuchen wollen.
    Kurz um, es geht hier um Sonderrechte. Es gibt halt Leute die können über Wasser gehen, für die gelten andere Gesetze.
    Sich solchen InfluencerInnen zu bedienen kann nie etwas Gutes bedeuten.

    Mensch erkennt sofort, Lizensierungseffekt. Leute die sich scheinbar für das Gute einsetzen, haben mehr Rechte als andere.
    Da ist dann auch egal, ob das Streamen selbst der banalsten Botschaften mehr Ressourcen verschwendet als etliche Flugreisen, es geht hier schon längst nicht mehr um Sachlichkeit, sondern um Image.

    Aber zurück zu den NGOS, da wären Kooperationen mit großen Firmen, welche diese dann als Werbung nutzen.
    Krombacher (WFF), Lufthansa, Kranichschutz (Nabu), Baiersdorfer AG, (WFF), etc. etc.
    Vom WWF sollten wir wohl spätestens nach der Doku „Der Pakt mit dem Panda“ nicht mehr als ernstzunehmende Umweltorganisation sprechen.

    > Auf die Art und Weise kann man jede Maßnahme konterkarieren.

    Ja, richtig, aber das verstehe ich unter kritischer Reflexion.
    Ich habe immer versucht in den Gruppen wo ich aktiv war , nach einer Aktion oder Kampagne sich darüber auch kritisch auseinanderzusetzen. Das war nicht erwünscht. Die Gründe dafür sind vielfältig. Zum einen wollte mensch ja weitere FörderInnen gewinnen, zum anderen wollte mensch positive Gefühle ausstrahlen. Mensch wollte weg von diesem alles wird immer schlechter.
    Ja, mensch wollte selber Seelenheil betreiben, und auch verbreiten, dass sich der Einsatz für die Umwelt nicht nur auszahlt, sondern auch Freude bereitet. Kurz, das was ich Selbstbeweihräucherung nenne, stand oft ganz oben.
    Niederlagen waren schlecht für das Image, deshalb suchte mensch sich auch nur Themen aus, wo zumindest eine gute Chance bestand diese später als Erfolg zu vermarkten.

    Was sehr auffällig ist, wurde z.B. die Rainbow Warrior 1985 noch in die Luft gejagt, die AktivistInnen also mit TerroristInnen verglichen, treten heute die Verhandlungsteams der großen NGOs selbst in den größten Konzernen dieser Welt sofort offene Türen ein.
    Kein großer Konzern kann es sich mehr leisten, sich nicht mit den NGOs an einen Tisch zu setzen.
    Natürlich kann nicht jeder im Namen der jeweiligen Orga sprechen, da gibt es ganz bestimmte VerhandlungsführerInnen, welche genauso unerreichbar sind, wie andere ManagerInnen.
    Für den/die normalen AktivistInnen bleiben nur die mehr oder weniger spektakulären Kampagnen und die Öffentlichkeitsarbeit.

    Das Engagement bei den NGOs macht sich gut im Lebenslauf und teilweise finden direkte Wechsel von den Orgas in die Konzerne oder bestimmte Gremien statt. Das Angebot an Frau Neubauer ist da also keine Ausnahme, wenngleich es natürlich sehr groß ausgebreitet wurde.

    Das ist alles andere nur kein Umweltschutz von unten, sondern das ist Umweltschutz von oben.
    Natürlich gibt es auch kleinere Organisationen die wirklich nur als verlängerter Arm für kleine einheimische Gruppen vor Ort agieren, wie z.B. Retter den Regenwald. Aber diese Gruppen sind meist auch nicht gut auf die großen NGOs zu sprechen.

    Kleinere Organisation arbeiten weniger mit Kampagnen und appellieren weniger an die Emotionen oder Moral. Sie sind oft auch bereit bestimmte Entwicklungen mit pro und contra neutral zu analysieren. So ist z.B. der Einsatz von genetischen Verfahren, welche Arten resistenter gegen bestimmte Umweltbedingungen machen kann, etwas was im Bereich des Umweltschutzes sehr kontrovers diskutiert wird.
    Ich begrüße dies, Diskussionen können nie schaden, wenngleich ich diese Technik komplett ablehne. Sie unterstützen z.B. auch Tierhaltungen, wenn diese nicht extensiv betrieben wird und zur Selbstbestimmung indigener Menschen beitragen. Kurz um sie helfen den Menschen und damit der dem Zusammenspiel Mensch/Natur vor Ort und nicht von Oben herab.

    Allgemein kann mensch aber sagen, dass NGOs heute leider so oder so zum Spielball der Industrie und der großen Konzerne geworden sind. Sie wollen in Kooperation mit der Wirtschaft agieren und werden dabei häufig zum Bumerang für bestimmte Ökosysteme. Erwähnt seinen hier z.B. das RSPO-Label.

    **

    Die Alternative könnte eine eventuell eine Postwachstumsökonomie sein, welche aber durch keine der derzeitigen Proteste wahrscheinlich wird. Denn je alarmierender und dringender der Appell, je lukrativer wird die Errichtungen neuer Industrien.
    Siehe Tesla-Fabrik in Berlin/Brandenburg.

    Eine echte Alternative kann es aber ohne eine Systemumwandlung nicht geben.
    Sie muss mit einer radikalen Arbeitszeit-Verkürzung, Reduzierung der Produktion und des Konsums einhergehen.
    Sie braucht eine Gesellschaft der Begegnung der direkten Kommunikation unter Menschen und nicht über irgendwelche Hilfsmittel, wie Stream, Telefon, etc.
    Ja, eine Lösung kann meiner Meinung nach in einer immer kritischeren Betrachtung der Technik liegen.
    Siehe dazu Jacques Elluls Arbeiten.

    https://yewtu.be/watch?v=lLanFdVlYhg

    Die jetzige Umweltbewegung und vor allem der Alarmismus verhindert grundlegenden Veränderung. Schon die Tatsache, dass von dieser Bewegung die Lösungen gerade von den Leuten des WEF und der Technik gesucht wird, welcher wir das alles zu verdanken haben, ist doch mehr als entlarvend. Mensch schaue sich nur mal dieses kleinen Video hier an.
    Das sind also die Freunde von Greta. Gesponsert vom WEF.
    https://redirect.invidious.io/watch?v=CMOEcUPGi9c
    Die Leute aus Genua 2001 können gar nicht so viel fressen, wie sie k…. müssten.

    Noch etwas dürfte sehr interessant aber wenig erbaulich für das eigene Wohlbefinden sein.
    Jeder Euro hat einen ökologischen Fußabdruck. Du kannst Dein Geld selbst mit Naturschutzarbeit verdienen, aber das Geld was Du da bekommt hat einen ökologischen Fußabdruck.
    Was bedeutet dies?
    Das jeder wohlhabende Mensch, alleine schon durch diesen seinen Besitz immer eine um ein vielfach höheren ökologischen Fußabdruck hat als eine arme Person.
    Das wird oft vergessen. Die Leute feiern ihre Zero-CO2-Urlaub, ihr Elektrofahrzeuge, ihr Passiv-Energiehaus oder Kleidung aus Hanf oder anderen natürlichen Materialien. Sind sind sie deshalb wirklich VorreiterInnen in Sachen Umweltschutz?
    Nein, sind sie nicht.
    Aber eine Anhebung der Energiekosten trifft jetzt alle Menschen und es trifft vor allem die, die selber gar nichts haben, kaum etwas verdienen. Selbst wenn diese Leute im Winter um ein vielfaches mehr heizen als andere, selbst wenn sie die ganze Zeit mit einem alten dreckigen Diesel durch die Gegend fahren, werden sie nie einen vergleichbaren Fußabdruck haben wie wohlhabende Menschen.
    Kurz um, so lange wir dieses System haben, bedeutet jeder Arbeitsplatz, jeder Wohlstandgewinn, eine plus an Ressourcenverbrauch.

    Wenngleich arme Leute einen geringen Fußabdruck haben, so ist dennoch gleichzeitig nur in einer besseren Verteilung von Wohlstand , in der Verbesserung der sozialen Situation von Menschen die einzige Lösung der Umweltproblematik zu suchen. Denn arme Menschen in anderen Teilen der Welt, müssen teilweise ihre eigene Lebensgrundlage, ihren eigenen Lebensraum zerstören um zu überleben. Das hat enorme Folgen für die Umwelt, aber der ökologische Fußabdruck der dabei anfällt, kann diesen Menschen eben nicht alleine zugeschrieben werden, sondern muss immer auch den westlichen Ländern – und damit anteilig jeden Menschen der im Westen lebt – in Rechnung gestellt werden.

    Diese Fakten sind genauso wenig populär, wie die Behauptung das aus diesem Grunde nur der Klassenkampf wirklichen Umweltschutz bedeuten kann.
    Was für Horrorvorstellungen für dieses System, da ist es dann doch schon irgendwie ’nicer‘ wenn die Jugend nach technischen Änderungen schreit, nach einer Transformation der Energieträger und damit nach einer Transformation und somit weiteren Schub des Systems, wenngleich mensch durchaus auch bereit ist, dem Staat etwas mehr Regulationsmacht zuzugestehen. Vielleicht weg von der bedingungslosen freien Marktwirtschaft hin zum Staatskapitalismus.
    Da sich hier auch die Gedanken vom Schwab bestens eingliedern sollte sofort ersichtlich sein.
    Ebenso, dass die Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie einige der zu erwartenden Widerstände bei diesem Transformationsprozess eliminiert und einen großen Schritt in Richtung der erwünschte Transformation gebracht haben.

    Schon der Terminus „Klimaschutz“ zeigt doch die Richtung eindeutig an. Da geht es nicht um Menschen, da geht es nicht um Ökosysteme, da geht es um etwas was viel größer ist.
    Es geht um CO2.
    Was bedeutet das? Es geht eigentlich um den Kohlenstoffhaushalt.
    Es müsste also gerade um Ökosysteme gehen. Aber Pflanzen, insbesondere Bäume, Boden, darum geht es durch einen Begriff wie „Klimaschutz“ eben nicht. Es geht dann um CO2-Senken und angebliche Zero-CO2.
    Das ganze wird also nicht als ein prinzipielles Problem unsere Lebensweise angesehen, es wird vertechnisiert.
    Wenn es um Kohlenstoff gehen würde, dann würde mensch erkennen, dass eine Ökosystem Wald nicht nur aus Bäumen besteht, sondern das alle Biomasse aus Kohlenstoff aufgebaut ist und darin also Kohlenstoff gebunden ist.
    Es ist also kein Problem des CO2 Ausstoßes, sondern der natürlichen CO2-Bindung.
    Anstatt also jetzt diese klimatische Erwärmung dazu zu nutzen, unsere ganzen Lebensweise unseren ganzen Konsum in Frage zu stellen, wird entschieden was guter Konsum, Elektro, etc. ist und was schlechter Konsum ist, Dieselfahrzeuge. Produkte und Konsum sind also nicht prinzipiell in Frage zu stellen, sondern ihnen wird ein ziemlich willkürlicher CO2-Fussabdruck zugeschrieben.
    Land wird ein immer wertvolleres Handelsprodukt, es dient als Wohnraum, Anbaufläche, Energiespeicher und hat je nach dem Ökosystem welches sich ihm befindet, plötzlich, durch die Monetarisierung, ein eigenen materiellen Wert.

    Mal etwas allgemeines zum Umweltschutz.
    Das was wir hier im Westen betreiben, bezeichne ich als dekadenten Umweltschutz.
    Wenn wir das Abholzen eines verbleibenden Ökosystems feiern, so wie z.B. den Hambacher Forst, dann sollten wir das in dem Bewusstsein, dass wir schon heute nicht von den eigenen Rohstoffen unseres Landes leben, sondern nur als Parasit, auf den Rohstoffen andere Länder. Wir leben völlig über unsere Verhältnisse und wollen dies durch die Digitalisierung auch noch ausbauen.
    Sowohl die Regenerativen Anlagen, wie auch sämtliche Materialien zu ihrer Wartung wird aus Produkten hergestellt, die in Bergbau abgebaut werden. Dann aber nicht mehr bei uns, sondern in Gebieten, welchen der einheimischen Bevölkerung geraubt wird. Bergbau der in der Umgebung für viele gesundheitliche Beeinträchtigung verantwortlich ist. Der teilweise Sklaven- und Kinderarbeit erfordert.
    Mensch hält also den Schmutz vor der eigenen Haustür fern, wohl wissend, dass er vor andere Türen gekehrt werden muss.
    Das alle reichen Wohnsiedlungen nicht in Schmutz und Abfall, sondern in landwirtschaftlichen schönen Gegenden, mit sauberen Straßen, eigener Solaranlage und Garten, liegen, ist doch jetzt hoffentlich nicht ein Beweis für deren Umweltbewusstsein.
    NGOs bedienen dieses reiche Wohlbefinden, indem sie sogar dessen Gewissen noch zu einer Handelsware machen.
    Geld spenden für Umweltschutz ist eigentlich schon von der Bedeutung dieser Worte her mehr als unlogisch und zeigt wie weit abgedriftet der Mensch heute ist.
    Darüber hinaus sind NGOs heute auch ein Politikum. Sie dienen auch dem westlichen Kolonialismus.
    Sie werden als Druck gegen unliebsame Regierungen eingesetzt.
    z.B. Indigenous Leaders in Nicaragua Speak Out Against Western Media and NGOs:
    https://dissidentvoice.org/2021/10/indigenous-leaders-in-nicaragua-speak-out-against-western-media-and-ngos/

    Und das ist doch alles mehr als logisch. Warum sollte ein System, welches auf Kapitalismus aufgebaut ist.
    Ein System welches durch Propaganda und InfluencerInnen bestimmt was nächsten Sommer modern ist, ein System welches die freiwilligen oder gezwungenermaßen abgegebenen Daten der BürgerInnen dazu verwendet, sie noch gezielter als KonsumentInnen anzusprechen, um eben immer mehr zu produzieren. Ein System welches alle Medien, SportlerInnen und KünstlerInnen für diese Sache vereinnahmt hat, sich ausgerechnet aus NGOs heraushalten?!
    Also wenn das so behauptet würde, dann würde ich das wirklich als eine Verschwörung bezeichnen. Eine freie Organisation, bei der jeder mitmachen kann, die so einflussreich ist, aber dennoch nicht vom Kapital unterwandert werden würde, das klingt für mich so unrealistisch, wie die Behauptung, dass der Mond ein Käsekuchen sei.

    • heike (Heike Preißler)
      Antworten

      Was machen Umweltorganisationen.
      Zunächst einmal machen sie auf Probleme aufmerksam. Sie führen den Menschen ihr Handeln vor Augen. Das ist genau das, was ich an diesen Organisationen schätze. Jetzt kommt aber das, was ich sehr kritisch sehe.
      Sie geben den Menschen Lösungen vor. Sie ermöglichen den Menschen sich finanziell, wie ein Ablassbrief, für diese Lösungen einzusetzen. Sie beruhigen also das Gewissen der Menschen.
      Holo- Lizensierungs und Kompensationseffekt spielen hier wirklich eine ganz entscheidende psychologische Rolle.

      Genau, Umweltorganisationen informieren über Hintergründe, von denen man sonst nichts wüsste. Und genau, nur so kann der Mensch sein eigenes Verhalten überdenken und günstigstenfalls umstellen. Aber auch Umweltorganisationen brauchen Geld, um etwas bewirken zu können, also ist es sehr hilfreich, wenn man Geld spendet, um die Dinge, die einem wichtig sind zu unterstützen. Das ist für mich kein Ablasshandel (und was Holo-, Lizensierungs- und Kompensationseffekt sind, weiß ich nicht). Wahrscheinlich meinst du, dass man zwar Geld spendet, aber in seiner Lebensweise trotzdem noch sehr viele Umweltsünden begeht bzw. unterstützt. Das kann so sein, muss es aber nicht. Fast alle Menschen, mit denen ich so gesprochen habe, befinden sich in Widersprüchen. Um Geld zu verdienen, müssen sie zum Beispiel für die Autoindustrie arbeiten, aber eigentlich wollen sie lieber eine intakte Umwelt und auch viel persönliche Freiheit haben, z.B. zum Reisen (wobei ihnen allerdings auch wieder das Auto lieber ist, da es eine größere Unabhängigkeit gewährt als Zugreisen). Wir befinden uns eben in einem Zeitalter des Übergangs. Und meiner Meinung nach ist es das Sinnvollste, die Technologien so klima- und umweltfreundlich wie möglich zu gestalten. Das ist die Aufgabe der Industrie. Die Aufgabe der Menschen ist, sich von unnötigen Abhängigkeiten zu befreien und ein selbstständiges Denken zu entwickeln. Und dieses Denken sollte wiederum nicht egoistisch geprägt sein, sondern das Wohl aller im Mittelpunkt haben. Und dahin gibt es keinen einheitlichen DIN-genormten Weg, sondern diese Wege sind sehr, sehr individuell. Und am Ende wird sich zeigen, wie die Menschheit diese Aufgabe gelöst hat.

      Ich selbst bin in keinem Umweltverein tätig, aber ich weiß, wie wenig dankbar, Engagement in dieser Beziehung sein kann. Man investiert  viel Zeit und Arbeit, man bekommt eventuell auch mal einen Preis, man hat es immerhin geschafft, bestimmte Abschnitte von Flüssen wieder zu renaturieren, was dem Arten-, Biotop-, Klima- und Hochwasserschutz dient – aber dann kommen die uneinsichtigen Leute, allen voran der Bürgermeister, und verlangen, dass über das so geschützte Gebiet eine Umleitungsstraße gebaut wird, um den Verkehr aus der Innenstadt zu leiten (dabei gäbe es dafür auch andere Möglichkeiten).

       

       

    • heike (Heike Preißler)
      Antworten

      Es geht um CO2.
      Was bedeutet das? Es geht eigentlich um den Kohlenstoffhaushalt.
      Es müsste also gerade um Ökosysteme gehen. Aber Pflanzen, insbesondere Bäume, Boden, darum geht es durch einen Begriff wie „Klimaschutz“ eben nicht. Es geht dann um CO2-Senken und angebliche Zero-CO2.
      Das ganze wird also nicht als ein prinzipielles Problem unsere Lebensweise angesehen, es wird vertechnisiert.
      Wenn es um Kohlenstoff gehen würde, dann würde mensch erkennen, dass eine Ökosystem Wald nicht nur aus Bäumen besteht, sondern das alle Biomasse aus Kohlenstoff aufgebaut ist und darin also Kohlenstoff gebunden ist.

      Bis hierhin stimme ich dir zu.

      Es ist also kein Problem des CO2 Ausstoßes, sondern der natürlichen CO2-Bindung.

      Das stimmt so nicht. Die großen Mengen an zusätzlichem CO2, die durch die Verbrennung der C-haltigen Materialien Kohle, Erdöl und Erdgas ausgestoßen werden, können eben nicht nur durch mehr Wälder allein aufgefangen werden, diese Mengen sind zusätzlich zu Waldanpflanzungen einzuschränken.

      Anstatt also jetzt diese klimatische Erwärmung dazu zu nutzen, unsere ganzen Lebensweise unseren ganzen Konsum in Frage zu stellen, wird entschieden was guter Konsum, Elektro, etc. ist und was schlechter Konsum ist, Dieselfahrzeuge. Produkte und Konsum sind also nicht prinzipiell in Frage zu stellen, sondern ihnen wird ein ziemlich willkürlicher CO2-Fussabdruck zugeschrieben.

      Ich glaube nicht, dass die zugeschriebenen CO2-Fussabdrücke wirklich so willkürlich sind. Es gibt Berechnungen, nach wieviel Jahren Nutzung ein E-Auto klimaneutraler wird als ein Benziner oder Diesel -> muss ich noch mal raussuchen.

    • heike (Heike Preißler)
      Antworten
      Hier noch mal eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Treibhausgase der Erde, ihrer Entstehung und ihrer Wirkung und der Versuch der Aufklärung des Unterschiedes zwischen natürlichem Treibhauseffekt und menschgemachtem (zusätzlichem) Treibhauseffekt:

      Die Erdatmosphäre besteht zu 78,1 % aus Stickstoff, 20,9 % Sauerstoff, 0,93 % Argon und 0,07 % Spurengasen und Aerosolen wie Wasserdampf, Kohlendioxid (CO2), Methan (CH4), Ozon (O3), Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKWs), Schwefeldioxid (SO2) und Stickstoffverbindungen.

      Diese Spurengase sind ausschlaggebend für das Klima auf der Erde.  Wasserdampf ist zu zwei Dritteln hauptverantwortlich für den natürlichen Treibhauseffekt, der seit Millionen Jahren die Erde für uns bekanntes Leben bewohnbar macht, da ohne ihn die Erde – 18 °C kalt wäre. Durch den natürlichen Treibhauseffekt (der so funktioniert: kurzwellige Strahlung gelangt von der Sonne zu uns auf die Erde, rückgestrahlte langwellige Strahlung, also Wärme, wird von den Treibhausgasen in der Atmosphäre daran gehindert, in das Weltall zu entweichen) wird eine Erddurchschnittstemperatur von 15 °C auf der Erdoberfläche und den umgebenden Luftschichten  erreicht.

      CO2 ist das zweitwichtigste Treibhausgas neben Wasserdampf. Du hast recht, Kohlenstoff ist in allen lebendigen „Materialien“ enthalten, es ist ein kennzeichnendes Merkmal für organisches Leben. Es gibt einen stabilen Kohlenstoffkreislauf auf der Erde. Durch Photosynthese wird CO2 aus der Luft von Pflanzen entnommen, die extrahieren daraus den Kohlenstoff, den sie in ihre Strukturen einbauen und geben das O2, also Sauerstoff, in die Atmosphäre ab. Den Sauerstoff brauchen wir Menschen und alle Lebewesen mit Lungen zum Leben (wir wandeln den Sauerstoff in Energie um), und auch die Lebewesen mit Kiemen, die ihn nur auf andere Art und Weise aus dem Wasser extrahieren.

      Das alles war ein relativ stabiler Kreislauf, Schwankungen der Erdmitteltemperatur gab es durch wechselnde Sonnenaktivität, Vulkantätigkeit auf der Erde bedingt durch die Plattentektonik und Meteoriteneinschläge.

      Mit Beginn der industriellen Revolution vor ca. 150 Jahren begann der Mensch damit in immer größerem Maßstab kohlenstoffhaltige Materialien (also Material, in dem über Jahrmillionen Kohlenstoff eingespeichert wurde, der auf diese Weise dem natürlichen Kohlenstoffzyklus auf der Erde entzogen worden war) zur Energiegewinnung zu verbrennen: angefangen bei Kohle zur Betreibung der Dampfmaschinen, dann später Erdöl und Erdgas. Also die Menge an Kohlenstoff, die innerhalb von vielleicht tausend Jahren in ein Stück Kohle hinein gespeichert wurde, wurde innerhalb einer Minute verbrannt. Und das Ganze multipliziert mit vielleicht dem Faktor 10 Millionen oder mehr, da der Mensch nicht nur ein Stück Kohle am Tag verbrannte, sondern viele.  Dadurch kommt täglich viel mehr Kohlenstoff in die Atmosphäre, als innerhalb des natürlichen Kohlenstoffzyklus wieder aufgefangen werden kann, durch den Einbau in Pflanzenmaterial oder durch die Ozeane (welche immer mehr versauern, was für die Organismen, welche Kalkschalengehäuse besitzen lebensbedrohlich wird). Wir müssten wieder mehr Wälder anpflanzen, um mehr CO2 zu speichern und wir müssten den CO2-Eintrag durch den Menschen insgesamt senken, indem eben nicht mehr so viele C-haltige Materialien (wie Kohle, Erdöl und Erdgas) verbrannt werden.

      Methan (CH4) ist das drittwirksamste Treibhausgas auf der Erde. Es ist zwar in deutlich geringerer Konzentration in der Atmosphäre vorhanden, verweilt dort auch nur 8 Jahre (im Gegensatz zu den 150 Jahren des CO2), ist aber 21-mal treibhauswirksamer als CO2. Ein Großteil des Methans kommt aus den Mägen unserer Wiederkäuer (Massentierhaltung), entsteht beim Reisanbau, auf Mülldeponien (wenn dort organisches Material zersetzt wird), in Kläranlagen und ist in den Permafrostböden und Kontinentalschelfgebieten der Erde gespeichert. Wenn die Dauerfrostböden durch die Erdtemperaturerhöhung auftauen, wird also zusätzlich massenhaft Methan freigesetzt.

      Ähnlich klimawirksam wie Methan ist Lachgas, was durch die stickstoffhaltigen Düngemittel im Boden entsteht und daraus dann langsam wieder freigesetzt wird.

      Noch treibhauswirksamer sind die fluorierenden Kohlenwasserstoffverbindungen (10.000 mal wirksamer als CO2). Fluorierende Kohlenwasserstoffe sind die Nachfolger von Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKWs), die das Ozon in der Stratosphäre zerstört haben und in den 1980erJahren aus diesem Grund verboten worden sind (man geht davon aus, dass sich das Ozonloch über dem Südpol bis 2070 wieder komplett schließt – immerhin erst 90 Jahre nachdem die FCKWs verboten wurden -> bei einer Verweildauer von ca. 150 Jahren des CO2 in der Atmosphäre wird es also noch länger dauern, bis sich Einschränkungen aus auswirken) . Die fluorierenden Kohlenwasserstoffe werden nur sehr wenig eingesetzt (z.B. Schwefelhexafluorid in Hochspannungsschaltanlagen) und fallen deshalb mengenmäßig nicht so ins Gewicht.

      Die Auswirkungen der Erderwärmung sind bekannt: abschmelzende Polkappen bedeuten ein Ansteigen des Meeresspiegels mit Lebensraumvernichtung für den Menschen und extremere Wetterereignisse wie zunehmende Dürren, Hitzewellen und Waldbrände einerseits und extremere Niederschläge und damit einhergehende Überschwemmungen andererseits.

      Wollen wir in Zukunft bei vernünftigen klimatischen Bedingungen leben, müssen wir unser Verhalten ändern und den Output von Treibhausgasen vermindern.

       

  • heike (Heike Preißler)
    Antworten
    Vielen Dank für deine ausführliche Antwort. Du schreibst

    Das ist alles andere nur kein Umweltschutz von unten, sondern das ist Umweltschutz von oben.

    Aber ist Umweltschutz denn anders überhaupt möglich, solange es noch die Regierungen der jeweiligen Länder sind, die Gesetze erlassen oder Banken, die die notwendigen Gelder für Projekte aller Arten zur Verfügung stellen?

    Ich sehe das so: Regierungen und große Konzerne kommen heute an Umweltschutzorganisationen nicht mehr vorbei, weil dieses Thema inzwischen zu viel Rückhalt in der Bevölkerung hat. Und das ist doch gut so und auch der Arbeit der vielen Menschen in den Umweltorganisationen zu verdanken. Aber es ist jetzt an diesem derzeitigen Punkt der Geschichte wichtig, dass die Intentionen und Standpunkte der Umweltorganisationen sich nicht dadurch verwässern, indem sie mit in das Boot der Mächtigen und Bestimmenden geholt werden. Sie müssen sich also immer wieder auf ihre Grundsätze besinnen und sich nicht bestechen lassen. Das ist wahrscheinlich schwieriger zu bewerkstelligen, als wenn man von außen gegen die „Umweltsünder“ arbeitet, aber vielleicht ist es auch falsch, den Menschen einen grundsätzlich schlechten Willen zuzuschreiben.

    Im neunten Kapitel des 2015 erschienen Buches „Die Macht des Guten. Der Dalai Lama und seine Vision für die Menschheit“ von Daniel Goleman werden unter der Überschrift „Ein Jahrhundet des Dialogs“ anhand von zwei Beipielen die positiven Auswirkungen des Miteinander-Sprechens beschrieben.

    „Ein Jahrhundert des Dialogs

    Zurück zu jenem Augenblick der Unruhen in Irland Anfang der siebziger Jahre, als es in Nordirland zur Auflehnung gegen die britische Herrschaft kam und Soldaten entsandt wurden. Die Trennungslinie verlief im Wesentlichen zwischen den Religionen, zwischen den Protestanten Nordirlands und den Katholiken.

    Der furchtbare „Bloody Sunday“ in Derry (der 30. Januar 1972, an dem vierzehn unbewaffnete Demonstranten und Passanten erschossen wurden) lag gerade erst Monate zurück, es herrschte eine Atmosphäre der gespannten Nervosität. Aufgebrachte junge Männer bewarfen einige Soldaten in ihrem Unterstand mit Steinen. Einer dieser Soldaten war Charles Innes. Er erinnert sich an den schwelenden Zorn und die mühsam bewahrte Ruhe jener Zeit. Und er erinnert sich, dass er Angst hatte.

    Er überlegte, was zu tun war, und sah drei Alternativen. Er konnte nach draußen laufen und die Jungen lautstark zurechtweisen und wegjagen, doch dabei würde er riskieren, von einem womöglich irgendwo versteckten Gewehrschützen mit Zielfernrohr angeschossen zu werden. Er konnte seine eigene Waffe benutzen, aber er wollte niemandem Schaden zufügen. Oder er konnte sein Gewehr für Gummigeschosse einsetzen. Diese Geschosse konnten auf kurze Entfernung sehr viel Schaden anrichten, aber auf eine Distanz von etwa 20 Metern waren sie eher harmlos und verletzten kaum jemanden. Die nordirischen Kinder sammelten sie als Souvenirs, so Innes.

    An diesem Tag jedenfalls feuerte er aus einer Distanz von etwa zehn Metern ein Gummigeschoss ab. Es traf einen unbeteiligten zehnjährigen Jungen, der auf dem Heimweg von der Schule war, so unglücklich, dass er erblindete. Dieser Junge war Richard Moore, von dem schon früher in diesem Buch die Rede war und der später ei Freund des Dalai Lama wurde.

    Für Richards Familie war es eine doppelte Tragödie. Sein Onkel gehörte zu den Opfern des Bloody Sunday, und jetzt war auch Richard betroffen. Aber wie bereits erzählt: Nach einer ersten schwierigen Phase fasste der Junge den Entschluss, sich nicht dem Selbstmitleid zu überlassen, und es dauerte dann nicht mehr lange, bis er dem Soldaten, der das Geschoss abgefeuert hatte und den er nicht kannte, verzieh.

    Innes seinerseits war am Boden zerstört, als er von der Erblindung des Jungen erfuhr – und er trug die Traurigkeit und das Bedauern viele Jahre mit sich herum. Einundzwanzig Jahre nach diesem verhängnisvollen Tag bekam er einen Brief von Richard Moore, der ihn irgendwie aufgespürt hatte und kennenlernen wollte.

    Bei dieser bewegenden Begegnung bekundete Innes, wie leid ihm der Unfall tue, während Moore ihm versicherte, dass er ihm nichts nachtrage. Er sagte: „Wir können das Geschehene nicht ungeschehen machen, aber wir können vorwärts gehen.“ Sie sprachen dann weiter über ihr Leben, ihre Familien, und am Ende des Gesprächs waren sie Freunde. Sie blieben Freunde und haben ihre Geschichte immer wieder zusammen vor Publikum erzählt, auch an einer tibetischen Schule in Dharamsala in Anwesenheit des Dalai Lama.

    Charles Innes ist inzwischen oft nach Nordirland gereist, um seinen Freund zu besuchen. Bei ihrem ersten gemeinsamen Auftreten dort, erinnert sich Innes, herrschte eine deutlich angespannte, sogar feindselige Atmosphäre ihm gegenüber, aber am Ende weinten alle, und das haben die beiden inzwischen oft erlebt. „

    Im zweiten Teil des Kapitels geht es um den WWF.

    „Andererseits kann Gewalt nie die Lösung sein, man muss das Gespräch suchen, den „Gewalt erzeugt unweigerlich mehr Probleme, als sie löst. Probleme löst man nur dadurch, dass man miteinander spricht. Deshalb sage ich, dass dieses Jahrhundert ein Jahrhundert des Dialogs werden muss.“

    Nehmen wir als Beispiel den weit über 4000 Kilometer langen Mekong, der von seinem Ursprungsgebiet auf der tibetischen Hochebene aus durch die chinesische Provinz Yünnan und dann durch Burma, Laos, Kambodscha, Thailand und Vietnam fließt, bis er schließlich ins chinesische Meer mündet. Der Mekong belegt, was die Fluß-Biodiversität angeht, den zweiten Platz der Welt, er versorgt 300 Millionen Menschen mit Wasser und Nahrung und dient ihnen als Haupttransportweg.

    Der Plan war nun, entlang des Stroms Staudämme für Wasserkraftwerke zu errichten. Das hätte allerdings für hundertfünfzig Fischarten das Ende ihrer Laichwanderschaft bedeutet, die für die Landwirtschaft wichtigen jahreszeitlichen Pegelschwankungen wären größtenteils weggefallen, und schließlich hätte de Fluss sein Mündungsdelta nicht mehr mit seinen mitgeführten Sedimenten stabilisieren können – und die Erhöhung de Meeresspiegels hatte hier ohnehin schon schwerwiegende Auswirkungen, die den Lebensraum von Millionen Menschen gefährden.

    Davon wurde der Dalai Lama beim Mind-and-Life-Meeting über Ethik, Ökologie und Interdependenz 2011 in Dharamsala durch Dekila Chungyalpa unterrichtet, die aus Sikkim stammt und seit vielen Jahren für den World Wide Fund for Nature (WWF) arbeitet. Sie gehörte dem WWF-Team an, das mit all den verschiedenen Interessensgruppen am Mekong einen befriedigenden Kompromiss aushandelte.

    Zunächst einmal, erzählt sie, „mussten wir herausfinden, welche Hebel am besten geeignet waren, um ein politisches Umdenken zu bewirken, so dass der größte Nutzen für das Gemeinwesen erzielt und gleichzeitig auch noch das Bestmögliche für den Artenschutz herauszuholen war.“ Anschließend ging es um den Aufbau einer Partnerschaft mit diesen Institutionen und Schlüsselfiguren.

    Sie gingen in die Ortschaften am Fluss, um sicherzustellen, dass nachhaltiger Fischfang betrieben wurde, sie sprachen mit Banken, die an der Finanzierung der Staudämme beteiligt sein würden, sie verhandelten sogar mit Coca Cola über die gemeinsame Sicherung der Frischwasservorkommen in der Gegend.

    Die betroffenen Regierungen bildeten die Mekong River Comission, und der WWF wurde mit der technischen Beratung betraut. Man konnte sogar den obersten Patriarchen des Theravada-Buddhismus in Kambodscha als Sprecher für den Erhalt des natürlichen Flusslaufs gewinnen – und wenn der redet, horchen die Leute auf.

    Der WWF kartographierte die Fischereizonen am Mekong und zeigte auf, welche schlimmen Folgen sich aus Dammbauten am Hauptstrom ergeben würden und wie viel weniger schädlich sich Dämme an den Nebenflüssen auswirken würden.

    Durch das Abwägen der Folgen von Dammbauten an bestimmten Stellen und mit bestimmten Dimensionen fiel es den Entscheidungsträgern leichter, zu Beschlüssen zu kommen – und die finanzierenden Banken konnten besser ermessen, was an Rendite zu erwarten war.

    Das Ergebnis: Die Ministerpräsidenten von Vietnam, Kambodscha und Thailand sprachen sich dafür aus, am Hauptstrom des Mekong keine Dämme zu errichten. Laos, das ärmste Land der Gegend, entschied sich gegen großen Widerstand für den Bau eines solchen Damms.

    Aber es fielen eben, wie Dekila berichtet, genügend Entscheidungen für die Artenvielfalt, die örtlichen Lebensgemeinschaften und die wirklichen langfristigen Interessen. Außerdem, sagt sie, seien die Menschen am Mekong jetzt sensibilisiert und bereit, sich für die Zukunft des Flusses zu engagieren. Dialog und Verhandlung, schloss sie, führten in diesem Fall zum Ziel.“

     

     

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