„Diskriminierung trage ich nicht mit“

 in FEATURED, Politik (Inland)

Die Romanautorin Julia Freidank sagte eine Lesung ab, weil der Veranstalter in der heute leider „üblichen“ Weise Menschen ausschließen wollte, die für ihre Gesundheit eine andere Entscheidung getroffen haben, als von den Regierenden vorgegeben wird. Hier begründet sie ihre Entscheidung.

Dieser Tage erhielt ich eine Einladung zur Unterhachinger Lesenacht. Ich habe meine Teilnahme davon abhängig gemacht, dass dort keinerlei 3/2/1G-Regeln angewandt werden, woraufhin der Veranstalter heute abgesagt hat.

Grundsätzlich liebe ich Lesungen. Ich verstehe auch die Zwangslage, in der sich Veranstalter befinden. Aber jeder hat über seinen Körper selbst zu bestimmen. Dies ist ein grundlegendes Menschenrecht. Niemals werde ich mich deshalb an der Ausgrenzung und Diskriminierung von Menschen beteiligen, die nichts tun als dieses Recht wahrzunehmen. Die Regeln einer Regierung spielen dabei keine Rolle: Diskriminierung ist immer schmutzig, egal, wer sie anordnet, und jeder, der sie mitträgt, macht sich mit schuldig. Ich will kein Teil einer Gemeinschaft sein, die sich durch die Ausgrenzung anderer definiert. Mein Gewissen, meine humanistischen Überzeugungen und mein Glaube an die Freiheit sind nicht käuflich.

Unrecht lebt nicht nur von denen, die es aktiv begehen. Sondern auch und vor allem von denen, die es geschehen lassen. Deshalb unterstütze ich keinerlei Veranstaltungen, die Menschen aufgrund einer privaten medizinischen Entscheidung ausschließen. Heute nicht, morgen nicht, niemals. Wenn auch nur eine einzige Person ausgeschlossen wird, weil sie ihr Menschenrecht wahrnimmt, müsst ihr auch auf mich verzichten. Wenn dies die Gemeinschaft ist, die euch vorschwebt, eine Gemeinschaft der Diskriminierung und der Menschenverachtung, dann will ich mein Ticket dafür nicht haben. Der Preis ist mir zu hoch.

Showing 4 comments
  • Ulrike Spurgat
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    Volle Zustimmung, Hochachtung und Respekt.

    Sie sind ein Leuchtturm in dunkler Zeit, Frau Freidank, und so ist zu hoffen, dass einige der schreibenden und überhaupt der Künstler Zunft mehr Haltung mit Konsequenz zeigen so wie sie es in bemerkenswerter tun.

     

  • Freiherr
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    Hallo Frau Freidank,

    …meine Hochachtung für Ihre Haltung, die einzig richtige Haltung !

    Und ja – die Mitschuld (!) – trägt jeder der mitmacht, sich erpressen lässt,

    gegen ein resolutes NEIN könnten die Regierungsverbrecher gar nichts durchsetzten – das Ja ist eben dieses kollektive Versagen das diese Verbrechen möglicht macht.

    Jeder hat zu verlieren wenn er sich widersetzt, eine “ Rechtfertigung “ aus welchen Gründen auch immer, kann nicht gelten, ein sowohl-als auch auch nicht mehr.

    NEIN ist das ganze Geheimnis erfolgreichen Widerstandes, vier Buchstaben und keine Macht kann irgendetwas durchsetzen.

     

     

     

     

     

  • klaus baum
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    danke for ihren aufrichtigen text.
  • Laura Stein
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    Vielen Dank, Frau Freidank, für Ihren und Mut und  Zivilcourage! Die Zukunft, die Geschichte wird Ihnen Recht geben und zeigen, dass Sie es genau richtig gemacht haben, so sehr Sie sicherlich beruflich unter den Konsequenzen zu leiden haben. Es wundert mich längst,dass nicht viel mehr Autorinnen und Autoren „Nein!“ sagen zu „2G“, zu Ausgrenzung, Diffamierung und Spaltung, im Namen eines wahnhaften Kontroll- und Hygiene-Staates. Leider erlebe ich es Lüneburg auch so, die literarischen Institutionen der Stadt, früher Leuchttürme des freien Gedankenaustausches und des kritischen Diskurses, folgen blind dem offiziellen Bedrohungs-Narrativ. Kafka-, Orwell- und Foucault-Lektüre haben offfenbar bei viel zu wenigen Menschen eine gegen Totalitarismus immunisierende Wirkung gehabt. Hoffen wir, dass der Wind sich dreht, und wir unsere Demokratie und Freiheit doch noch retten können!  Sie, liebe Frau Freidank haben Ihren Beitrag dazu geleistet. Dankeschön! PS: Nicht nur Montage sind eine wunderbare Zeit, um Spazieren zu gehen, gemeinsam Kekse zu essen und Glühwein zu trinken!

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