Vergesst die Freiheit nicht, Teil 3

 in FEATURED, Gesundheit/Psyche, Politik, Roland Rottenfußer

Vier weitere (teilweise) neue Thesen zu Corona. Alles neu macht der Virus und fast alles schlechter. Wir sind auf dem Trip in die Gleichschaltungshölle, in eine bis ins Letzte durchreglementierte Gesellschaft. In dieser wird alles auf merkwürdige Weise groß, was wir seit Jahren bekämpft haben – Staatsautoritarismus, Anpassung, Ängstlichkeit – und alles klein, was wir liebten: Freiheitsdrang, selbständiges Denken und die Freude, andere zu berühren… Vorsichtsmaßnahmen in Ehren – jeder Tote, jeder Kranke ist einer zu viel –, aber wenn wir nicht aufpassen, sterben nicht nur Menschen als Folge dieser „Schutzmaßnahmen“, es stirbt etwas Größeres: unsere Freiheit und die Verfassungsordnung, die uns bislang vor dem Schlimmsten bewahrt hat. Mit der Freiheit stirbt auch die Seele – jedenfalls die Teile von ihr, die zum Wertvollsten des Menschen gehören. Wir werden die jetzt anstehende große Bewährungsprobe unserer geistigen Eigenständigkeit und unserer Treue zu den bisher als richtig erkannten Werten nicht bestehen können, indem wir so tun als wäre da keine Bewährungsprobe. Erster Teil dieses Artikels hier, zweiter Teil hier. Roland Rottenfußer

These 15:

Während der Krise „regieren“ Naturwissenschaftler, Virologen und Schulmediziner. Man müsste die Krise jedoch ganzheitlich betrachten.

In diesen Tagen starren die verängstigten Menschen gebannt auf das, was Promi-Virologen wie Prof. Christian Drosten sagen. Von ihrem Votum kann Wohl und Wehe von Millionen Menschen abhängen. Ein lapidar geäußerter Satz wie „Wir sollten vorsichtig sein, die Einschränkungen voreilig zu lockern“ kann Existenzen vernichten. Selbst wenn wir davon ausgehen, dass diese Experten nach bestem Wissen und Gewissen sprechen, sollte ihnen in einer pluralistischen Gesellschaft keine quasi diktatorische Macht zukommen.

Virologen und Epidemiologen sehen immer nur einen bestimmten Ausschnitt des Problems. Das ist legitim. Darauf sind sie geschult. Die Politik – und auch die Presse – sollten jedoch stets das „bigger picture“ im Auge behalten. Journalisten wie Politiker sollten mehr tun als die Ansichten von Wissenschaftlern nur ungefiltert weiterzuleiten. Vielfach hört man heute, dass sich Menschen kein Urteil über die rein medizinische Dimension der Krise erlauben können oder wollen. Das ist, wenn man so will, gesunde Demut. Wie soll man als Laie auch wissen, unter welchen Umständen und mit welcher Geschwindigkeit sich das Virus ausbreitet? Also schweigt man lieber und lässt die machen, die es zu wissen vorgeben.

Die Tatsache, dass man als Laie nicht mit absoluter Sicherheit sagen kann, wie gefährlich das Virus ist, bedeutet jedoch nicht, dass man sich keinerlei fundierte Meinung darüber bilden könnte. Man kann sich umfassend informieren, einander widersprechende Informationen vergleichen und eigene Schlussfolgerungen aufgrund von Logik und „gesundem Menschenverstands“ daraus ziehen.

So kann man die Infektions- und Sterberaten bei Corona 2020 mit denen anderer die Atemwege betreffender Epidemien in den Vorjahren vergleichen. Man kann fragen, wie viele der Corona-Toten hochbetagt waren und Vorerkrankungen hatten. Ob alle diese Menschen „wegen Corona“ oder „mit Corona“ gestorben sind. Welche Rolle bei der Ausbreitung des Virus Luftverschmutzung und die Zustände in den örtlichen Krankenhäusern („Nosokomiale Infektionen“ sowie Personalmangel, mitunter mitverursacht durch Quarantänen von Krankenhauspersonal) gespielt haben. Auch ist zu fragen, ob die Zunahme von Infizierten-Zahlen nicht mit der starken Zunahme diesbezüglicher Tests tun hat.

All dieses Informationen sind frei zugänglich, wenn es auch schwierig ist, diesbezüglich zu einem klaren und einheitlichen Bild zu kommen. Es besteht für kluge Menschen mit Lesekompetenz jedoch derzeit kein „Recht auf Uninformiertheit“. Speziell nicht für Personen, die dezidiert die Meinung vertreten, die derzeitigen Einschränkungen der Freiheitsrechte und der Berufsausübung, die Unterhöhlung des Grundgesetzes und die vielfach durch die Maßnahmen verursachten psychosomatischen Leiden seien „unter diesen Umständen unvermeidbar“. Dies ist eine kühne Aussage, die wohl begründet sein will.

Wissenschaftliche Spezialisten beleuchten vielfach nur einen Ausschnitt der Realität, alle anderen Aspekte vermögen sie nicht zu sehen. Die Politik folgt ihnen hierbei in der Regel. Schon allein in der Medizin gibt es jedoch völlig verschiedenen Modelle, wie ein Krankheitsgeschehen betrachtet werden kann. So sehen Virologen meist nur das Virus, seine Ausbreitungswege und seine Ausbreitungsgeschwindigkeit. Sie betrachten weniger den ganzen Menschen als den „Wirt“, auf den ein Virus dann trifft. Der infizierte Mensch kann gesundheitlich stabil oder labil sein, mit starkem oder auch schwachem Immunsystem. Es ist zum Beispiel wahrscheinlich, dass Einsamkeit, Angst und der Mangel an frischer Luft unser Immunsystem schwächen, während umgekehrt menschliche Gesellschaft, Zuversicht und Bewegung sie stärken. Desgleichen zählen auch Faktoren wie Ernährung, Süchte, Vorerkrankungen, eine befriedigende Arbeit und befriedigende menschliche Beziehungen. All das wäre zu bedenken, wenn man politische Maßnahmen auf der Basis gesundheitlicher Argumente beschließt.

Außer den verschiedenen „Medizin-Ideologien“, die man hier berücksichtigen müsste, sollten aber auch Experten anderer Branchen befragt werden, bevor man weit reichende Entscheidungen trifft.
– Psychologen könnten die negativen seelischen Folgen von Isolation beleuchten – oder sich auch mit der Psychopathologie der Machtausübung befassen.
– Soziologen könnten die Folgen einer weitgehenden Vereinzelung der Menschen für das Zusammenleben in der Gesellschaft untersuchen.
– Künstler und Kunstveranstalter können Auskunft über die Folgen eines völlig „heruntergefahrenen“ Kulturlebens geben.
– Ökonomen würden sich vor allem mit den wirtschaftlichen Verwerfungen durch einen Shutdown befassen.
– Ökologen würden Faktoren wie Luftverschmutzung und Bevölkerungsdichte, aber auch die positiven Auswirkungen einer allgemeinen Verkehrsberuhigung auf die Umwelt beleuchten.

Diese Liste ist längst nicht vollständig. Es ergibt sich für die momentanen Vorgänge nicht nur das Bild einer allgemeinen „Expertokratie“, sondern auch das einer sehr selektiven Rekrutierung von Fachleuten durch die Politik. Wieder zeigen sich bedeutende Schwächen des herrschenden, naturwissenschaftlich-logischen Paradigmas. Typisch ist etwa die Betonung eines monokausalen Geschehens, die Leugnung von Ganzheitlichkeit, eigentlich die Negierung des ganzen Menschen als eines in soziale und ökologische Zusammenhänge eingebetteten Körper-Geist-Seele-Wesens.

Überspitzt gesagt, würde uns der Endsieg im „Krieg gegen das Virus“ nichts nützen, wenn der ganze Mensch „hinterher“ weiterhin so vielen gefährlichen Angriffen auf seine psychosoziale Integrität und auf das Ökosystem ausgesetzt bliebe, von dem er ein Teil ist.

 

These 16:

Die Corona-Maßnahmen sind auch Gehorsams-Tests und dienen der flächendeckenden Gesinnungsprüfung.

Die Ausgangssperren und die jetzt anvisierte Maskenpflicht, ebenso auch eine eventuell drohende Pflicht zur Corona-Schutzimpfung (sobald der Impfstoff verfügbar ist) sind Maßnahmen, die flächendeckend die gesamte Bevölkerung betreffen. Vergleichbar sind sie nur noch z.B. mit der Pflicht, eine Steuererklärung abzugeben. Von letzterer bleiben jedoch immerhin Kinder verschont.

Bei Atemschutzmasken ist zunächst einmal festzustellen, dass sie nicht grundsätzlich verkehrt sind. Sie schenken Vertrauen, zumal sie von Ärzten und Personal im Krankenhaus sowie von Zahnärzten schon lange „vor Corona“ getragen wurden, speziell bei Operationen.

Masken haben aber auch ein paar sehr fragwürdige Eigenschaften: 1. Sie sind entstellend, 2. Sie wirken uniformierend – alle Menschen sehen darin zumindest teilweise gleich aus. 3. Sie wirken markierend. D.h. der Träger dieser Maske ist schon von weitem als jemand erkennbar, der sich an die Vorschriften hält. Mehr noch: er demonstriert damit seine ethische Integrität und drückt aus: „Mir ist der Schutz meiner Mitmenschen vor Infektion wichtig“. Umgekehrt gilt: Die Weigerung, die Maske zu tragen, markiert den so Handelnden schon von weitem für alle erkennbar als einen „Dissidenten“ – als jemanden, der nicht mitmacht, der vielleicht sogar unverantwortlich handelt.

Dies muss aber nicht unbedingt zutreffen. Vielleicht schätzt der Masken-Verweigerer die Gefahrenlage nur etwas anders ein, weil er über andere Informationen verfügt. Oder er ist Anhänger einer vom Drosten-Mainstream abweichenden Medizin-Ideologie. In Zeiten des Maskenzwangs kann er seine Meinung zwar nach wie vor in Wort und Schrift zum Ausdruck bringen, jedoch nicht mehr ungestraft durch sein tägliches Verhalten in der Öffentlichkeit. Wir werden es also in den nächsten Wochen mit einer Epidemie von Zurechtweisungen und Belehrungen zu tun bekommen. Und dies, obwohl nichts anderes geschehen wird als noch Tage vorher Usus war: ein Mensch betritt einen Supermarkt ohne Maske, hält vielleicht sogar Abstand.

Was hier also ganz massiv stattfindet, ist eine Kriminalisierung der Normalität. Denken wir umgekehrt daran, wie Michael Jackson seinerzeit für das Tragen einer Atemschutzmaske in der Öffentlichkeit verlacht wurde. Die meisten hielten das schlicht für übertrieben. Es war aber der Ausdruck einer subjektiv realen Angst. Mit dem Zwang zum Tragen der Maske wird den Bürgern somit quasi eine Angst-Pflicht auferlegt. Zumindest die Pflicht, wie jemand auszusehen, der Angst hat. Er damit durch seinen bloßen Anblick auch anderen Angst machen und signalisieren: etwas Fürcherliches, zuvor nie Dagewesenes ist geschehen. Und dies ohne Berücksichtigung der konkreten Situation, in der jemand sich befindet. Denn es ist ja ein Unterschied, ob man sich – wegen eines Heuschnupfens schnaubend – in eine dichte Menschenmenge stürzt, oder ob man als Gesunder – nach bereits vier Wochen Quarantäne – durch einen fast menschenleeren Getränkemarkt schlendert.

Da der Sinn einer Maskenpflicht also durchaus angezweifelt werden kann, kann man sich über mögliche andere Motive der Politik Gedanken machen. Dabei kommt mir vor allem der eben erwähnte Konformitätsdruck in den Sinn.
– Die Obrigkeit kann durch die Maskenpflicht abweichendes Verhalten und eine abweichende Einstellung auf den ersten Blick erkennen und ahnden.
– Ihr steht hierfür ein Heer an Hilfslehrern und Hilfspolizisten zur Verfügung, denn es wird für nicht wenige Zeitgenossen ein Vergnügen sein, Nicht-Maskierte zu belehren und zu maßregeln.
– Sie kann Widerstrebende sehr leicht delegitimieren, indem sie auf den Gesundheitsschutz verweist, sie sogar als „Lebensgefährder“ abkanzeln.
– Gerade in Zeiten häufig wechselnder und verwirrender Vorschriften kann sie die Bürger daran gewöhnen, eine Art Obrigkeitsscheu zu entwickeln, sich also ängstlich und reflexhaft der jeweiligen Verbots- und Erlaubnislage anzupassen. Eine solche Situation ist der Bürger eines demokratischen Gemeinwesens, die gern in Sonntagsreden als „der Souverän“ gebauchpinselt werden, eigentlich nicht würdig. Inszeniert wird also eine Gewöhnung daran, unwürdig behandelt zu werden.

Insgesamt kann eine Absicht unterstellt werden, die Kräfteverhältnisse zwischen Staat und Bürgern einseitig und massiv zugunsten des ersteren zu verschieben. Dies geschieht durch eine Verstärkung von Propaganda, durch die Kriminalisierung normaler menschlicher Verhaltensweisen, durch den Ausbau der Kontrollierbarkeit von abweichendem Verhalten im Alltag, durch die Rekrutierung einer angepassten Mehrheit als Disziplinierungshelfer, durch die Drangsalierung der Bevölkerung mittels wechselnder Vorschriften und übertriebener Strafen.

Der Übergang von einer liberalen Demokratie mit mündigen Bürgern hin zu einem autoritären Polizeistaat verläuft zwar schleichend, derzeit aber nicht allzu langsam und dezent. Jeder möge selbst überlegen, ob die Vorteile dieser Maßnahmen – vermutlich wird es tatsächlich weniger Infizierte und Tote geben – diesen Preis wert sind.

 

These 17:

Während der Corona-Krise verschärfen sich negative gesellschaftliche Tendenzen, die sich schon vorher angedeutet hatten.

Sie werden es gemerkt haben: Sobald Sie Ihre Wohnung verlassen, ist fast jeder, dem Sie begegnen, ihr Vorgesetzter. Ein typischer Einkauf in Corona-Zeiten läuft ungefähr so ab: Wenn Sie sich einem Supermarkt nähern, werden Sie von Angestellten belehrt, dass Sie sich einen Einkaufswagen zu nehmen hätten (obwohl Sie das vermutlich ohnehin immer tun). Wenn Sie Glück haben, erfolgt die Belehrung in einem freundlichen Tonfall. Es sind Tafeln aufgestellt oder gar Schriftzüge in den Boden eingelassen, die Sie über die „Nutzungsbedingungen“ für den Supermarkt aufklären. Dieselbe Funktion erfüllen Lautsprecherdurchsagen, abwechselnd mit permanenter Säuselmusik im Hintergrund, um die Sie nicht gebeten haben. So als beträten Sie einen exklusiven Club, kein Allerwelts-Geschäft, dessen Besuch buchstäblich lebensnotwendig ist. An der Kasse sollten Sie nicht versuchen, Geldscheine zu zücken. Man wird Sie drängen, mit Karte zu zahlen.

Dies sind relativ harmlose Vorkommnisse, sie zeigen aber eine potenziell gefährliche Tendenz. Denn derzeit verstärken sich Trends, die sich „vor Corona“ schon angedeutet haben, durch die Krise jedoch gerade einen gewaltigen Sprung nach vorne machen. Solche Trends sind:

– Die Bargeldabschaffung. Die Verlockung, später auch der Zwang, alles mit Karte zu bezahlen, wodurch alle Zahlungsvorgänge komplett überwachbar werden.
– Der Trend zur Privatisierung der Repression. Private „Sicherheitskräfte“ gängeln den Bürger und Kunden. Sie üben dabei Macht aus, die nicht demokratisch legitimiert ist. Niemand von uns hat diese Leute oder deren Vorgesetzte gewählt. Geschäfte berufen sich generell natürlich auf das „Hausrecht“, Einkäufe finden stets auf Privatgrund statt. Ordnungskräfte fungieren somit gleichzeitig als verlängerter Arm staatlicher Regularien im privaten Bereich und als Sachwalter der reichen Besitzer von Großhandelsketten.
– Der Handel (außer Lebensmitteln) verlagert sich tendenziell mehr und mehr hin zu großen Versandhändlern wie amazon. Da man es „offline“ schon teilweise mit einem Einkaufstotalitarismus zu tun hat – verstärkt noch in einigen Ländern durch den Maskenzwang –, gewinnt der Versandhandel an Attraktivität, obwohl eigentlich das Gegenteil angezeigt wäre: eine Rückbesinnung auf die kleinen Händler um die Ecke.
– Der Bürger wird zunehmend und überall Gegenstand von Erziehungs- und Optimierungsversuchen durch Personen, die für Lehrer- und Polizistenfunktionen weder ausgebildet noch legitimiert sind.

Wir finden uns also zunehmend in einer „Schönen neuen Welt“ wieder, die nicht so sehr auf brutaler Gewalt als auf strukturellen Zwänge basiert. Fast alles scheint möglich, nur nicht, dass sich der Bürger spontan und unbefangen auf eine Weise verhält, die ihm selbst angemessen erscheint. Es ist den Menschen immer weniger möglich, die Bedingungen, unter denen eine Interaktion stattfindet, ergebnisoffen und auf Augenhöhe mit einem Partner auszuhandeln. Stets tritt dieser Partner (z.B. ein Händler) bereits als Autorität auf; die Möglichkeiten und Grenzen eigenen Handelns sind durch Vorschriften und Verbote bereits vorstrukturiert. Der Kunde ist somit eher das Gegenteil von einem „König“.

 

18. These:

Das Motto „Lebensschutz geht über alles“ ist verständlich, jedoch auch ein gefährlicher Hebel gegen die Freiheitrechte.

Der Grundsatz „Lebensschutz über alles“ scheint derart plausibel, dass man kaum etwas dagegen einwenden möchte. Das haben wir so ähnlich schon einmal bei der Diskussion um das „Supergrundrecht“ Sicherheit erlebt. Auch bei der Sicherheit geht es ja letztlich um den Lebensschutz – in diesem Fall vor terroristischen und kriminellen Angriffen. Das Grundgesetz allerdings hat der Menschenwürde in Paragraf 1 einen überragenden Rang zugebilligt, dem Recht auf Leben jedoch nicht. Warum wurde das so entschieden? Eine interessante Frage. Vielleicht auch weil der Tod nicht wirklich zu vermeiden ist, Verletzungen der Würde jedoch schon. Der Staat muss deshalb letzteres unbedingt schützen. Das Recht auf Leben erscheint im Grundgesetz nur als eines von vielen Rechten und es kann nur bedeuten: Leben muss geschützt werden, solange es möglich ist. Man kann den Tod nur hinauszuschieben.

Beim Thema „Sicherheit“ war es vielen klar, dass dieses unter Politikern verbreitete Narrativ ein Vorwand war, um die Freiheitsrechte auszuhebeln. Ich schrieb darüber in einem Artikel vor Jahren:

Die Logik, die hinter dem Diktum vom „Supergrundrecht“ steht, ist ungefähr folgende: Der höchste Wert ist noch immer das menschliche Leben, denn ohne am Leben zu sein, kann niemand seine Menschenwürde in Anspruch nehmen. Um das menschliche Leben zu schützen, muss der Staat also Maßnahmen ergreifen, muss die Bevölkerung flächendeckend ausspionieren, an allen Ecken und Enden martialisch bewaffnete Soldaten hinstellen, Menschen grundlos auf der Straße kontrollieren, Demonstrationen verbieten, Grundrechte schleifen und notfalls auch mal zur Folter greifen, um einem Gefährder sein Bomben-Versteck zu entlocken. In der Kurzfassung besagt diese Logik: Wir sichern die Menschenwürde am besten, indem wir die Menschenwürde verletzen.

Eine ähnliche Dynamik entwickelt sich jetzt auch im Zusammenhang mit dem „Supergrundecht Leben“. Das Manöver der Staatsautorität ist in diesem Fall nur nicht so leicht zu durchschauen. Menschliches Leben besitzt ja tatsächlich einen sehr hohen Rang. Man muss nur daran denken, unser eigene Leben oder das unserer engsten Angehörigen stünde zur Disposition – schon wäre man bereit, „geringerwertige“ Güter zu opfern.

Andererseits nimmt die öffentliche Diskussion derzeit eine für mich teilweise sehr ungute Wendung. Was viele Politiker, „Experten“ und Medien derzeit von sich geben, besagt ungefähr: „Freiheit kostet Leben, Diktatur rettet Leben; es sollte also gar keine Frage sein, dass wir uns unter solchen Umständen für die Diktatur entscheiden müssen.“ Oder: „Was nützt uns Freiheit, wenn wir nicht am Leben sind – also schauen wir erst mal, dass wir überleben können, und dabei stört die Freiheit nur, als weg damit!“ Die Freiheit wird so zum Staatsfeind Nr. 1 – was sie für autoritär gesinnte Politiker ja eigentlich schon immer war. Für unser „Supergrundrecht“ schaffen wir alle alle anderen ab.

Es wird dabei aber leicht übersehen, dass ohne Freiheit nur noch ein sehr reduziertes, unlebendiges Leben möglich ist. Und dass auch der „Shutdown“ Leben kosten dürfte, je länger er dauert, umso mehr. Es wird auch übersehen, dass die Gesellschaft schließlich andauernd Leben riskiert. Indem sie Autoverkehr zulässt zum Beispiel. Und indem sie zu wenig gegen die Haupttodesursachen wie Herzerkrankungen, Depression, Süchte, Stress, Einsamkeit, Fehlernährung u.a. unternimmt. Von weltweiten Toten durch Krieg, Ausbeutung und Umweltschäden rede ich jetzt gar nicht. Der absolute Vorrang menschlichen Lebens ist somit eine „plötzliche“ Entdeckung des Corona-Zeitalters. Es macht mich extrem misstrauisch zu sehen, wie viele Überraschungsgäste auf dieser großen Charity-Party der Humanität jetzt auftauchen. Lebensschutz ist zur Humantitäts-Maske der Kriegstreiber und Flüchtlinge-ertrinken-Lasser geworden.

Im Ergebnis bedeutet das: Man muss nicht „im Zweifel für die Freiheit“ votieren, aber man kann es nach sorgfältiger Abwägung durchaus tun. So wie der Corona-Normalo nicht grundsätzlich nur ein Feigling ist, der sich nicht traut, für seine Freiheitsrechte zu kämpfen, ist der Corona-Skeptiker nicht einfach ein hartherziger Mensch, dem die zu befürchtenden Toten egal sind. Man kann beide Positionen mit guten Gründen einnehmen. Es geht ja immer um die Verhältnismäßigkeit. Auch wenn der Virus ziemlich gefährlich ist, könnte man eine Güterabwägung vornehmen, die zu einem anderen Ergebnis führt als es Merkel, Söder oder Drosten suggerieren.

Wir sollten uns dagegen wehren, dass über Lebensschutz und Freiheit derart „unterkomplex“ diskutiert wird. Dabei spielt gewiss die Frage nach der tatsächlichen Gefährlichkeit (oder relativen Ungefährlichkeit) des Virus eine Rolle. Man müsste diskutieren, ob ein Appell an die Freiwilligkeit und Vernunft der Bürger, verbunden mit wirklich ehrlicher Aufklärung unter Abwägung aller Aspekte nicht die bessere Lösung wäre. Oder man könnte über Kompromisse diskutieren. Etwa in der Art, dass besonders wichtige Grundrechte wie Demonstrations- und Religionsfreiheit unangetastet bleiben und dass Treffen zwischen nicht im selben Haushalt befindlichen Menschen erlaubt bleiben – wobei aber dringend dazu geraten würde, Abstand zu halten.

Die zu erwartenden Demonstrationen würden einen lebendigen demokratischen Diskussionsprozess über den richtigen Weg anstoßen; die Lockerungen würden das Gefühl von Beklemmung und Demütigung bei den Bürgern zu vermeiden helfen. Der Staat würde damit allen, die mittlerweile daran zweifeln, ob sein Vorgehen wirklich wohlwollend und noch im demokratischen Rahmen ist, den Wind aus den Segeln nehmen. Daran scheint dieser jedoch nicht interessiert zu sein. Lieber wird ohne Rücksicht auf Verluste „durchregiert“.

Showing 6 comments
  • Avatar
    Hope
    Antworten
    Nun ist es soweit. Ab Montag den 27.04.2020 gilt die Maskenpflicht in fast allen Bundesländern. Wenn Sie dann Mittel zum Leben benötigen, sogenannte Lebensmittel, müssen Sie sich irgendeinen Lappen um den Kopf wickeln. Denen haben se doch allen ins Gehirn geschissen, jetzt wo Corona, wie bei jeder jahresüblichen Grippewelle, sich wieder verzieht.

    https://www.euromomo.eu/

    Keine Sau in den oberen Etagen hat sich in den letzten Monaten und Jahren um irgendwelche Schutzausrüstungen für die Bevölkerung bemüht. Aber jetzt soll es endlich losgehen mit irgendwelchen Lappen vor Mund und Nase weil 18 Milliarden Masken fehlen?

    https://www.tagesschau.de/inland/schutzmasken-pflege-101.html

    Die da oben brauchen vielleicht endlich mal ein paar auf die Masken damit sie wieder klar im Kopf werden.

    https://www.youtube.com/watch?v=hHUciZwQyN4

    Und im Herbst 2020 haben wir dann das neue mutierte Covid 20 unter der alljährlich kommenden Grippewelle. Dann muss neu getestet werden mit neuen Tests, denn das neue mutierte Corona fragt nicht nach alten Tests. Dann werden sie wieder erneut zum zweiten Mal weltweit die Infizierten und Toten zählen und Panik verbreiten. Und wir haben dann immer noch die Lappen vor dem Kopf?

    Was die da Oben angerichtet haben, ist nicht mehr gutzumachen.

  • Avatar
    Hope
    Antworten

    Ignorance Meditation

    https://www.dailymotion.com/video/x7tgzu0

    Auf das Lautsprechersymbol unten rechts klicken um zu hören

    Anmerkung:

    Warum macht die Exekutive das mit? Ganz einfach, die haben auch den Köttel in der Hose ihren Arbeitsplatz in diesen Zeiten zu verlieren! Das war schon immer in der Geschichte Deutschlands so. Der Deutschlandladen kackt ab. Verantwortlich dafür ist Bundeskanzlerin Angela Merkel.

  • Avatar
    c.g.
    Antworten
    das mit dem einkaufswagennehmen habe ich dadurch gelöst, dass ich nicht mehr in solchen geschäften einkaufe. das habe ich bisher, wenn ich angewiesen wurde, auch immer so kommuniziert. bisher bin ich noch nicht verhungert.

    maske werde ich erstmal keine tragen, auch schon deswegen, weil ich luft zum atmen brauche. ich werd immer meinen schal um den hals tragen.

    läden werde ich mit rückmeldung verlassen.

    evtl. lege ich mir einen schal über den kopf, so kann ich im notfall immer noch reagieren. sollte das alles sie mich ärgern, bastel ich mir ne miniburka wie die imker, nur mit nem stück stoff, in den ich mir sehschlitze reinschneide.

    ……….

    c.g.

  • Avatar
    Gerold Flock
    Antworten
    Ich hab jetzt erstmal hoffentlich 4 Monate frei. – Jetzt können die vo mir aus Ihren Corona-Totalitarismus durchziehen. Mir wurscht. – Das wird jetzt bezahlt.

    Ja. Genau. Das wird das auch sein. Da viele Selbstständige Sofortüberweisungen vom Staat bekommen. Regt sich kein Mensch über den Freiheitsentzug auf.

    Das ist glaube ich das Spiel.

    Wir BEZAHLEN das.

    Woher das Geld kommt und WER das auf lange Sicht wirklich bezahlt?

    Das interessiert erstmal nicht. Niemanden. Hauptsache die Existenz ist gesichert.

    Da können die eine totalitaristische DIKTATUR mit Stacheldraht und Fussfesseln und DROHNEN und allem was es so gibt machen.

    Solange das alles BEZAHLT wird, ist doch alles ok.

    Nur die Jobber. Die waren im Arsch. – Mit 50 % oder 60 % Kurzarbeitergeld.

    Da hat mensch dann als KURZARBEITER Stacheldraht und Fussfesslen und Masken und all das und noch wesentlich weniger Geld zum Überleben als sonst.

    Aber wenn der Staatsapparat die Kurzarbeiter auch noch, wie mich jetzt nach einer langen Radeltour…alle versorgt, wie die Babys. – Ja. Dann. Dann können die in jeder Fussgängerzone Guantanomo-Bay machen. Mir wurscht. Her mit den KETTEN. Die sind jetzt bezahlt.

    Ich geh eh nie in Fussgängerzonen.

     

     

     

  • Avatar
    Gerold Flock
    Antworten
  • Avatar
    Gerold Flock
    Antworten
    Freiheit?

    Ich hab vorhin mein Fenster aufgemacht. – Da sehe ich meine Vermieterin wie jedes im Frühjahr mit ihrem Rasenmäher ,die schönsten Blumen vernichten…und es werden ja nicht nur die Blumen vernichtet, sondern auch die Möglichkeiten für die Bienen. – Du brauchst Deinen Mitmenschen also nur Zuzuschauen, wie Sie sich ihre Freiheit kaputt machen bzw. selber vernichten.

    Vor dem Haus liegen dann Baumstämme. – Die werden verheizt im Winter, zusätzlich zur Zentralölheizung. Weil der Holzofen nun mal eben so da ist. – So machen das da Draussen am Land fast alle. – Weil der Wald der vernichtet wird, einem eben gehört. – Oder ein paar Meter weiter, da werden riesige Bäume in den Gärten gefällt. – Die Bäume wären Draussen in der sogenannten freien Natur unter Naturschutz.

    Die Freiheit zerstören Wir uns alle schon selber.

    Das hier sind ja nur Beispiele, die man auf das wirklich Leben übertragen kann.

    Der Virus?

    Der ist die Rache der Natur.

    Die Natur die wehrt sich jetzt mit Stürmen und Viren usw. um die Menschheitsplage zu vernichten!

     

Schreibe einen Kommentar zu c.g. Antworten abbrechen

Start typing and press Enter to search