Wie „weise“ ist der Homo sapiens?

 in FEATURED, Philosophie, Wolf Schneider

Homo sapiens ist die Spezies, die bisher wie keine andere eine Spur der Ausrottung (Extinction) auf dem Planeten hinterlassen hat. Noch ohne dass eine Rebellion dieser Zerstörung etwas Wesentliches hätte entgegen setzen können. Der Kapitalismus macht einfach weiter. Seine Fähigkeit „Bewegungen“ aller Art, auch Gegenbewegungen gegen seine Dominanz, in sich aufzunehmen und auf den Märkten machen zu lassen, was sie wollen, wenn sie es denn von ihrer PR-Kraft her können, ist ungebrochen. Wolf Schneider, www.connection.de

Um das zu ändern, könnte es helfen, die „darwinsche Wende“ besser zu verstehen. Noch mehr als die kopernikanische Wende stürzt die darwinsche Wende unsere menschliche Überheblichkeit – „sapiens“ nennt sich der Mensch, „weise“ – vom Sockel und definiert unsere Position im Kosmos neu. Zu verstehen, wie dieses Tier mit seiner außerordentlichen Fähigkeit an Fiktionen zu glauben sich schon in der Steinzeit an die Spitze der Nahrungskette gesetzt hat und schon damals eine Spur massiver Umweltzerstörungen hinterließ. Yuval Noah Harari erzählt dies in seinem Hauptwerk „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ so phänomenal verdichtet und eloquent, dass ich sie mir nun zum dritten Mal anhöre – im Auto. Während der Sommerferienreise mit „unseren beiden Jung“‘, die zehn und elf Jahre alt sind. Sie verfolgen die Erzählung gespannt mit und haben dazu viele Fragen.

Ein solches Verständnis des Menschen eröffnet der Ethik ganz neue Felder. Hat Sapiens einen „freien Willen“? Statistisch gesehen eher nicht, da kann man sein Verhalten voraussagen, auch wenn der Einzelne Optionen zu haben scheint. Der Mensch als ein mustergesteuertes Tier, dessen Psyche sich in der Steinzeit gebildet hat. Kann ein Bewusstsein dieser Muster uns retten?

Die dies lesen, halten sich gutmöglich für ein bisschen bewusster als das Gros von Homo sapiens. Können sie, können wir gegen Zerstörer wie Donald Trump und Jair Bolsonaro etwas ausrichten? Vielleicht könnten wir es, wenn wir Ideen hätten, die sich viral so weit ausbreiten würden, wie einst Occupy, MeToo, Fridays for Future oder auch damals Gandhis Widerstand gegen das Britische Imperium in Indien. „Nichts ist mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist“, verkündete einst Victor Hugo. Was für eine Optimist! Welche heutige Idee ist denn so stark? Ich wünsche mir ein Labor für virale Ideen, die gute Wirkungen haben und fähig sind, sich so weit, schnell und durchschlagend auszubreiten wie Covid-19.

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    Werner Hülsmeier
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    Gerne! #Wertstufendemokratie ist ein wirkkräftiges Upgrade für die Churchil-Version.
    https://www.johannesheinrichs.de/media/155/cms_4f89401862eaa.pdf
    https://www.johannesheinrichs.de/media/155/cms_4d9435666c921.pdf
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    Volker
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    (…) wie dieses Tier mit seiner außerordentlichen Fähigkeit an Fiktionen zu glauben sich schon in der Steinzeit an die Spitze der Nahrungskette gesetzt hat und schon damals eine Spur massiver Umweltzerstörungen hinterließ.

    Na na, nicht übertreiben, so viele Steinzeitmenschen gab’s nun auch nicht, die konnte man mit der Lupe suchen. Und: was sollten sie großartig zerstört haben, hatten ja nur Hände und Füße.

    Der Mensch als ein mustergesteuertes Tier, dessen Psyche sich in der Steinzeit gebildet hat.

    Wann sonst, vorher gab’s ihn ja nicht. Ob Halbmensch schon wußte, dass er später als Volltrottel mutieren würde, mit Neurosen und sonstigen Ausfallerscheinungen, würde ich verneinen, sonst hätte er sich, still und ohne Tamtam, wieder verpieselt, dank voraussehenderr Steinzeit-Psyche. Oder nicht?

    Können sie, können wir gegen Zerstörer wie Donald Trump und Jair Bolsonaro etwas ausrichten?

    Möglicherweise schon, nur die Methoden wären nicht gerade ethisch vertretbar, da ziemlich grausam. Die katholische Kirche kannte sich mit solchen Dingen gut aus, alles Übel wurde mit Stumpf und Stiel der Hölle entrissen – ein Nährboden, aus dem das Böse wuchs. Gottesmänner erfanden die Hexe, den Hexer und ihre Hexenbrut, schickten ihnen gottesfürchtige Psychophaten auf den Hals, deren Handwerk darin bestand, das Böse auszufoltern und reinigenden Flammen zu übergeben.
    Ich meine, warum nicht mal im Vatikan nachhaken, dort gibt’s sicherlich noch Inquisitoren, die Feuer und Flamme wären, Trump und sonstige Höllenolme handwerklich zu läutern.
    Bei Trump müßte man nicht erst großartig beweisen, dass er die Ausgeburt schlechthin sei, aus dessen Höllenschlund zischt, dampft, twittert und brodelt es ständig – selbst der Teufel meidet ihn. Was Bolsonaro betrifft, hilft nur teuflich-gebündelte Magie, würde ihn in eine Kröte verwandeln und quer durch den Amazonas jagen, zur Freude hungriger Schlangen. Oder Piranhas ++glucks++ mit Bolso-Fischfutter beglücken.

    🙂

    Mahlzeit.

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    DIE INNERE REIFE
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    Es ist weise immer auch Kind zu sein, umso geringer, dass Streben nach der Welt der Erwachsenen.

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