Geschichten vom Herrn F.

 in FEATURED, Kurzgeschichte/Satire

Diese launigen literarischen Miniaturen drehen sich um Alltagsbeobachtungen und die Macken unserer Mitmenschen. Speziell wird auch der Umgang mit Sprache aufs Korn genommen. Und: keine Sorge, dass wir hier etwas völlig Unpolitisches veröffentlichen könnten. Ein Seitenhieb auf unseren neuen Krankheitsminister und bestimmte uns eingeimpfte Verhaltens- und Redeweisen muss sein. Volker Freystedt

 

REINKARNATION

Als ich Herrn F. neulich auf einer Parkbank sitzend antraf und ihn fragte, ob ich mich dazu setzen dürfte, willigte er ohne Zögern ein. Er kannte mich inzwischen immerhin so gut, um sicher sein zu können, dass ich weder eine Zigarette rauchen noch einen Handyanruf erhalten würde.

Nach einer Weile schweigenden Zusammensitzens fragte ich ihn: „Und was machen Sie jetzt so, Sie sind doch seit kurzem in Rente?“

Darauf war seine kurze und spontane Antwort: „Ich wart‘ eigentlich auf’s nächste Leben.“   (11/2021)

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DAS UNSTOFFLICHE BUCH

Neulich war ich nach längerer Zeit einmal wieder bei Herrn F. zum Kaffee eingeladen. Wir waren uns tags zuvor beim Spaziergang begegnet, doch da wir aus entgegengesetzten Richtungen kamen, bot sich keine gemeinsame Fortsetzung an. So kam es zu seiner Einladung an mich.

Während wir Kaffee tranken und uns unterhielten, zog irgendwann etwas meine Aufmerksamkeit immer stärker auf sich, bis die Ablenkung so stark war, dass ich unser Gespräch unterbrach und auf meine Beobachtung hinlenkte. Mir war in einem seiner zahlreichen Bücherregale ein Fach aufgefallen, in dem sich weder Bücher noch CDs stapelten, sondern verschieden große Schachteln, die alle eines gemeinsam hatten: sie waren in buntes Geschenkpapier verpackt! Meine Neugier ließ mir keine Wahl – ich musste Herrn F. fragen, was es damit für eine Bewandtnis habe.

Herr F. erklärte darauf, dass es sich um Geschenke handele, die im Laufe der letzten Jahre zu Geburtstagen, ja sogar zu Weihnachten (das ihm doch überhaupt nichts bedeute) zugeschickt worden seien, von Leuten, die es einfach nicht fertig bringen, nichts zu schenken. Dabei habe er immer wieder zu verstehen gegeben, dass er nichts brauche, ja, dass er eher selber Dinge, die er zu viel habe, verschenken möchte, aber mit Rücksicht auf potenzielle Empfänger sich verkneifen würde.

Ich wäre mit dieser Erklärung zufrieden und in der Lage gewesen, wieder zu unserem vorhergehenden Thema zurückkehren, doch nach einer kurzen Pause beantwortete Herr F. quasi vorwegnehmend die Frage, die mir bestimmt später noch gekommen wäre: Warum er die Päckchen nicht wenigstens ausgepackt hätte!

„Sie sehen ja, dass ich ein Liebhaber von Büchern bin. Und so habe ich, als auch ich noch meinte, zu bestimmten Anlässen etwas schenken zu müssen, am liebsten Bücher verschenkt. Natürlich nur, wenn ich von den Interessensgebieten der zu Beschenkenden wusste. Im Laufe der Zeit stellte ich allerdings fest, dass diese Bücher – obwohl ein grundlegendes Interesse an der jeweiligen Thematik bestand! – meist ungelesen im Bücherregal verschwanden. `Einem geschenkten Gaul guckt man nicht ins Maul´ – und in ein geschenktes Buch schaut man offenbar nur auf die Widmung auf dem Vorblatt….“

Ich ließ in Gedanken die Bücher Revue passieren, die mir irgendwann mal geschenkt worden waren, und wie viele ich davon wohl gelesen haben könnte…

Da fuhr Herr F. fort: „Die Menschen haben den Sinn, das Wesen eines Buches schlicht nicht verstanden! Das, was ein Buch ausmacht, ist doch nicht das Papier, auf das die Buchstaben gedruckt sind! Es sind die Buchstaben selbst! Sie packen ein Buch aus dem Geschenkpapier aus und meinen, jetzt hielten sie den Inhalt des Geschenkes in Händen! Nein! Jetzt erst halten sie die Verpackung in Händen – der Inhalt ist mit den Händen nicht greifbar! Erst durch das Lesen macht man sich den Inhalt – und damit das eigentliche Geschenk – zu eigen!

So habe ich begonnen, die Geschenke, die ich bekam, ebenfalls unausgepackt ins Regal zu stellen.

Und ich hatte immer die Hoffnung, dass, wenn einmal jemand von den Schenkenden zu Besuch käme, ihm sein Geschenk auffallen könnte und ich ihm das würde erklären können, was ich Ihnen gerade erklärt habe.“

Nach einer längeren Pause fügte er noch hinzu: „Seither schenke ich nur noch eBooks, da gibt es nichts Stoffliches mehr, das man irrtümlich für den Inhalt des Geschenkes halten könnte.“   (11/2021)

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SPRACHLOSIGKEIT

Vor einigen Tagen ergab es sich, dass Herr F. und ich einmal wieder zu einem gemeinsamen Spaziergang zusammenfanden. Meist ging er lieber allein, mit seiner Geschwindigkeit, mit seiner gerade passenden Reichweite, mit seinen eigenen Gedanken. Diesmal aber war es ihm offenbar ein Bedürfnis, sich jemandem mitteilen zu können.

Nach einigen der üblichen Redefloskeln zu Beginn (die bei ihm sowieso so knapp wie möglich ausfielen) kam er auf sein eigentliches Thema zu sprechen. „Sie nutzen doch auch das Internet und dort auch etliche der so genannten sozialen Medien. Ich sage bewusst `so genannt´, weil ich darin immer deutlichere Züge zum Asozialen erkenne. Nicht nur die Verrohung des Umgangs miteinander durch die Anonymität, sondern vor allem der Verlust der Sprache! Jeder will sich äußern, will in Erscheinung treten – aber es muss schnell, ganz schnell gehen! Da stehen dann Wörter nebeneinander, die keinen Sinn ergeben, bei denen kein Satzbau erkennbar ist, sondern die nur Bausteine ohne Bauplan sind. Und viele haben offenbar völlig aufgegeben, sich überhaupt mit Worten ausdrücken zu wollen; sie bedienen sich aus dem immer größer und bunter werdenden Repertoire dieser Emojis, die mittlerweile die Zwischenstufe auf dem Weg in die Sprachlosigkeit, Abkürzungen wie LOL, OMG, RIP etc, abgelöst haben. Werden wir wieder zurückkehren zur infantilen Bildersprache?“

Eine Weile gingen wir schweigend weiter, und ich dachte über das nach, was Herr F. mit so großem Nachdruck gerade gesagt hatte. Ja, auch mir war die Entwicklung nicht verborgen geblieben, nur hatte ich sie einfach so hingenommen, ja, mich – weil es der Bequemlichkeit entgegen kommt – selbst gelegentlich dieser oft schrillen Piktogramme bedient. „Sie haben recht“, ergriff ich nun das Wort, „allerdings sehe ich die Verarmung der Sprache hauptsächlich bei den Menschen, die einen geringen Bildungsstand erreicht haben. Vielleicht ist es wie mit dem Materiellen: wer viel hat, wird seinen Reichtum leicht vermehren können – wer hingegen benachteiligt beginnt, lässt sich letztlich auch das Wenige noch nehmen!“

Herr F. entgegnete darauf mit leicht zynisch-resigniertem Unterton: „Ich denke, da liegen Sie richtig!“    (11/2021)

 

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HILFSBEREITSCHAFT

Gestern lief mir Herr F. in der Abenddämmerung über den Weg. Trotz der schlechten Lichtverhältnisse war nicht zu übersehen, dass er eine dunkle Augenklappe trug, um die herum ein Bluterguss zu erkennen war. Ich spürte zwar, dass er lieber das Thema vermieden hätte, doch musste ich ihn einfach darauf ansprechen. Seine Antwort war knapp, aber erklärte alles ausreichend: „Das hat man von seiner Hilfsbereitschaft! Ich habe nur jemand, der mich blöd angeredet hat, gefragt: `’Sie Armer! Was hat man denn mit Ihnen gemacht? Sie haben ja gar kein Hirn mehr! Kann ich Ihnen vielleicht beim Denken helfen?‘ Aber wie Sie sehen, wollte er meine Hilfe nicht, was er mir auf seine Art wortlos mitgeteilt hat.“     (11/2021)

 

 

GESUNDHEIT

Häufig muss ich noch schmunzeln, wenn ich von einem Spaziergang nach Hause komme und unterwegs eine kurze Begegnung mit Herrn F. hatte, denn seine spontanen Bemerkungen zu einem von mir angerissenen Thema sind häufig geradezu aphoristisch. So sprachen wir neulich kurz über das Thema Gesundheit, ausgelöst durch den Umstand, dass ich einige Wochen wegen eines Infektes kaum das Haus hatte verlassen können und wir uns deshalb nicht hatten über den Weg laufen können. Er beglückwünschte mich zu meiner Genesung, worauf ich eine Bemerkung bzgl. seiner offenbar robusten Konstitution machte. Darauf entgegnete er kurz: „Nun ja, ich leb´ so g´sund, dass ich langsam befürchte, ich könnt´ davon noch krank werden!“    (11/2021)

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LEBENSSINN

Als neulich ein Mann in der Nachbarschaft Suizid beging, weil er unheilbar krank war und unter unerträglichen Schmerzen litt, sagte ich zu Herrn F. , dass ich dafür vollstes Verständnis hätte. Er gab zu verstehen, dass er in solch einer Lage wahrscheinlich ebenso handeln würde. Allerdings habe er wenig Verständnis für Selbstmörder, die ihrem Leben ein Ende setzten, weil sie darin keinen Sinn mehr sähen. „Das unterscheidet uns Menschen von der Pflanzen- und Tierwelt“, meinte er. „Kein Baum sieht seine Erfüllung darin, dass aus ihm ein Tisch oder wenigstens Brennholz wird. Kein Stier bezieht seinen Lebenssinn daraus, dass er einen Karren zieht oder als Steak auf einem Grill landet. Nur der Mensch möchte zu etwas dienen, zu etwas zu gebrauchen sein. Wir haben es wirklich weit gebracht!“     (11/2021)

 

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ENTSCHEIDENDER UNTERSCHIED

Herr F. und ich setzten uns bei einem gemeinsamen Spaziergang auf eine Bank. Bei diesem Vorgang des Hinsetzens setzte offenbar bei ihm ein spontaner assoziativer Gedankengang ein. „Zwischen `Setzen` und `Stellen` ist der Unterschied bedeutend größer, als man oberflächlich denken mag“, sinnierte er. „Ja, im Extremfall entscheidet der vermeintlich kleine Unterschied sogar über Leben und Tod!“

Seine kunstvolle Pause nutzte ich zu der (von ihm erwarteten und provozierten) Frage: „Wie das?“

„Nun, nehmen Sie die beiden Berufe SchriftSTELLER und SchriftSETZER! Der letztere ist ja mittlerweile so gut wie ausgestorben!“ Dabei verzog er keine Miene, wohl um dem Hörer keinen Hinweis darauf zu geben, ob seine Äußerung ernst- oder scherzhaft gemeint war.

Ein andermal – daran erinnere ich jetzt gerade, weil die Thematik ähnlich ist – meinte er, als ich ihn in seinem Garten im Liegestuhl antraf: „Ja, ich habe mittlerweile festgestellt, dass man den RuheSTAND auch ganz gut im LIEGEN genießen kann! Sehr gut sogar!“         (12/2021)

 

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DEUTSCH FÜR AUFMERKSAME

Herr F. entdeckte als aufmerksamer Hinhörer oder Leser immer wieder sprachliche Seltsamkeiten, die sonst kaum jemand auffielen, weil man sich entweder an das Floskelhafte gewöhnt hatte oder eben nicht so genau auf die Wörter achtete, die für eine Aussage verwendet wurden.

Er dachte dabei auch an diejenigen, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, sondern die sich bemüht haben, in Kursen und aus Büchern korrektes Deutsch zu erlernen.

„Was soll so jemand mit einem Satz anfangen wie: `Ich hab´ Rücken!“? Wie sollte er erkennen können, dass es sich um einen aus Sprachfaulheit abgebrochenen Satz handelt, dessen Bedeutung nicht etwa positiv ist, sondern aussagt, dass jemand Probleme mit seinem Rücken hat.

Und dazu quasi als Gegenpol die Formulierung, in der die gleiche Körperregion eine völlig andere Rolle spielt: `Das hat der doch nicht im Kreuz!“ bedeutet eben nicht, dass jemand keine Rückenschmerzen hat, sondern dass er als unfähig in Bezug auf eine Aufgabe gesehen wird.

Während also die erste Formulierung eine negative Bedeutung hat, obwohl sie aussagt, dass jemand etwas hat, trifft die zweite Formulierung ebenfalls eine negative Aussage, obwohl doch gesagt wird, dass jemand etwas scheinbar Vergleichbares nicht hat!“

Dem konnte ich dann nichts entgegnen, das hatte ich dann doch nicht im Kreuz…    (12/2021)

 

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STUMMFILM

Herr F., der wusste, dass ich mich für Fußball interessiere, lud mich einmal zu einer Champions League Übertragung ein, die er ebenfalls anschauen wollte. Während der Halbzeitpause merkte er an, dass er, wenn er alleine eine Übertragung anschaue, in der Regel nach der Anfangsphase den Ton abschalte. Er könne es nicht ertragen, wenn Reporter immer wieder von dem, was dort gerade auf dem Rasen live ablaufe, abdriften und einem erzählen müssen, wo Spieler X. voriges Jahr und fünf Jahre davor gespielt hat und wo er voraussichtlich nächste Saison unter Vertrag stehen wird. „Und ganz aus ist es für mich, wenn der Reporter abgedroschene Phrasen als originelle Einfälle serviert. So sagt er dann anerkennend über einen Spieler: ‚der kann kicken‘, und über einen Stürmer: ‚der weiß wo das Tor steht‘, und wenn der Trainer 2 Minuten vor Abpfiff noch Spieler auswechselt, heißt es: ‚er will Zeit von der Uhr nehmen‘. Da bekomme ich Ausschlag auf der Innenseite meiner Schädeldecke!“    (12/2021)

 

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AUFFALLEND

Apropos Fußball- und andere Sportübertragungen im TV: da geht es mir in einem Punkt genauso wie Herrn F.

Der meinte einmal über die Zuschauer, die, wenn sie sich auf der Großleinwand entdecken, wie von der Tarantel gestochen in die Kamera gestikulieren: „Da sieht man die Schizophrenie! Jeder giert nach Aufmerksamkeit, will gesehen werden – was ja auch die vielen Selfies belegen. Früher sah man nach einer Reise von Anna die Dias mit Eiffelturm, Towerbridge, Akropolis – heute sieht man auf Facebook die Selfies von Anna, dahinter verdeckt Eiffelturm, Towerbridge, Akropolis.

Alle wollen aber nur positiv auffallen – jedenfalls was sie darunter verstehen. Man leiht sich quasi seine Bedeutung: Das eigene kleine Ich vor einem bedeutenden Gebäude, neben einer bedeutenden Person, oder bei einem bedeutenden Ereignis. Aber niemand will unangenehm auffallen, will nicht in Verbindung gebracht werden mit ‚umstrittenen‘ Personen, nicht an ‚umstrittenen‘ Veranstaltungen teilnehmen. Und die ganz konsequent Auffällig-Unauffälligen tragen z.B. im Urlaub dort keine Maske, wo alle keine tragen, obwohl sie der Meinung sind, dies sei riskant – und in Deutschland tragen sie eine, weil alle eine tragen! Bloß nicht als schwarzes Schaf aus der Herde herausstechen!“      (12/2021)

 

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FC BA…

Um das Thema Fußball abzuschließen und die Leser nicht zu vergraulen, die sich dafür nicht interessieren: Einmal fragte ich Herrn F., ob er einen Lieblingsverein habe. Seine Antwort: „Nein, hatte ich nie. Ich bin Fan guter Fußballspiele, d.h. wo Könner ihres Fachs auch wirklich ihr Repertoire zeigen und es mehr um den Ball als um die Knochen des Gegenübers geht. Am liebsten sind mir Spiele, die z.B. 3:3 ausgehen. Da hat dann keiner über den anderen triumphiert, aber es ist emotional hin und her gegangen.“ Nach einer Weile fügte er noch mit einem Grinsen hinzu: „Es gab eine Zeit, da habe ich scherzhaft gesagt, ich sei Fan vom FCB. Das waren damals der FC Bayern, der FC Barcelona und der FC Basel. Die spielten alle drei sehr offensiv, so dass es eigentlich immer viele Tore gab.“     (12/2021)

 

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DEJA VU

Herr F. verlor nie viele Worte zum Thema Pandemie-Maßnahmen, denn er wusste, wie ich dazu stand, und er wusste, dass ich wusste, wie er dazu stand. Wir lebten in dem, was man heutzutage eine „Blase“ nennt, sprich: wir nutzten ähnliche Informationsquellen und hatten Bekanntenkreise, die überschaubar groß waren und sich zum größten Teil in den Monaten der Krise drastisch umgestaltet hatten, um es vorsichtig zu formulieren.

Doch neulich – er kam mir gerade mit neu gekauften Schuhen entgegen (ein Kaufvorgang, der in der Regel eine längere Kommunikation zwischen Kunde und Verkäufer mit sich bringt) – meinte er mit einem besorgten Gesichtsausdruck: „Als ich das Geschäft verließ, wurde ich vom freundlichen Verkäufer mit einem Satz verabschiedet, den man jetzt öfter zu hören bekommt, und der bei mir Gänsehaut verursachte: ‚Bleiben Sie gesund!‘

Ich habe das Gefühl, das ersetzt langsam das ‚Heitler!‘ im Dritten Reich. Fehlt nur noch eine passende Handbewegung…“  (12/2021)

 

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VOLLE ZÜGE

Herr F., der für seine Mobilität am liebsten die Bahn nutzte, war auch da nicht ganz anspruchslos. Seine Einstellung drückte er einmal sehr aphoristisch so aus: „Eine Zugfahrt genieße ich dann in vollen Zügen, wenn der Zug möglichst leer ist!“   (12/2021)

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VORLAUTERBACH

Herr F. brachte bei unserem letzten Treffen das Gespräch wieder auf Fußball, allerdings nicht auf den Sport. Er meinte: „Derzeit jubeln die Mainstream-Medien ja, dass Joshua Kimmich endlich ein Einsehen hatte und sich spritzen ließ. Nehmen wir einmal an, er habe tatsächlich den echten Stoff erhalten, und nehmen wir weiter an, er trüge Nebenwirkungen davon, die seine Karriere als Top-Spieler beenden würden. Das wäre für ihn fatal, aber auch für seinen Verein sowie die Nationalmannschaft, also letztlich für ganz Deutschland. Was meinen Sie, wie die, die so vehement auf ihn eingeredet haben, dann reagieren würden?“

Ich entgegnete, dass ich dann nicht in deren Haut stecken möchte.

Herr F. darauf: „Ich habe mich einmal in die Haut unseres neuen Krankheitsministers Vorlauterbach versetzt, denn der steht ja bei dem Thema ganz vorn in der Verantwortung, und außerdem hat er ja sowieso ständig etwas zu sagen.“

Und dann bekam ich eine einmalige Stand-up Vorstellung auf der grünen Wiese, denn Herr F. gab den Vorlauterbach, wie er ihn zu bezeichnen pflegte auf Grund seiner medialen Omnipräsenz: „Also, ich sage mal, der Herr Kimmich, also weil er ja erst, also so lange dagegen, also gegen die Impfung war, wenn er jetzt also adverse Reaktionen, also so nennen wir Mediziner das, was er jetzt also offenbar bekommen hat, dann könnte es also genau damit, also mit seiner adversen Haltung zu der Impfung zu tun haben, denn ich kenne also ganz viele Menschen, die sich ohne diese ablehnende Haltung, also man könnte beinahe schon sagen, die sich freudig haben impfen lassen, dass die also keine adversen Reaktionen, also keine Probleme bekommen haben. Ich möchte also jedem, der noch nicht geimpft ist, also auch noch nicht genügend, also nicht zeitlich up to date aufgefrischt ist, also denen möchte ich dringend raten, gehen Sie in sich, und dann kommen sie wieder raus und gehen also mit der richtigen Einstellung zum Impfen! Sie tun also etwas Gutes, für sich, für mich, für alle! Also impfen, impfen was das Zeug hält!“

Das war zwar eigentlich gar nicht lustig, da in diesen wirren Zeiten durchaus denkbar, aber ich musste laut lachen, einfach weil der neue Krankheitsministers so gut getroffen war – und der ist ja nun mal eine Witzfigur, die normalerweise in eine geschlossene Anstalt gehörte!    (12/2021)

 

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to be continued… maybe…

Comments
  • Volker
    Antworten
    Strategie Schafherde

    Eine dieser bösartig-willkürlich aufgestellten Kurven wäre das Problem nicht gewesen, saß immerhin fest im Sattel, Kette frisch geschmiert, greifbar fester Boden unter mir, friedliche Wolken über mir, linkerhand Emsbach, rechterhand Wiesenteppich. Keine Panik, klare Kante zeigen, dachte ich sinnend, und, solltest du widerwillens abheben und dahin fliegen, vertraue deiner Erde Schwerkraft, sie hält dich sicher im Griff.
    Zweifel?
    Ach was. Beschwingt abbremsen, locker herunterschalten, akrobatische Seitenlage, röhrende Lungenflügel, dann Adrenalinspiegel hochschalten, Vollgas. Hauptsächlich Überblick behalten – born to be wild, linke Rampensau.

    Allerdings: Ein richtig dickes Problem kam hinter feindlicher Kurve auf mich zu, besser gesagt, es stand plötzlich vor mir, glotzte und blökte mich herausfordernd an. Was tun, wenn ein Bataillon stumpfsinniger Blöker in Stellung geht, dazu von einem gepanzerten Schäferwagen gedeckt? In Hose machen und klein beigeben geht schon gar nicht. Bin schließlich das Volk, und somit unantastbar.
    Dachte ich bisher, leitete Vollbremsung ein, unter Inanspruchnahme meiner Schwerkraftsituation,  vernahm über Stein kratzende Pedale.  So entstehen Feuersbrünste, dachte ich noch, bevor mir umnachtet wurde. Sekundenbruchteilige Nahcrasherfahrung, danach blankes Entsetzen.

    Aufmarsch: Eintausendvierhundert Augenpaare auf zweitausendachthundert Beinen formierten sich in Form einer schafswollenden Spritze, von einem Rudel Deutscher Schäferhunde zusammengetrieben und in Schach gehalten, deren blank gezogene Lefzen, widerliches Knurren,  nahendes Unheil verkündeten.

    Weia, Staat im Schafspelz!, schrie ich japsend. Dann knurrte ich zurück.

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