Griechischer Ministerpräsident lügt

 in FEATURED, GRIECHENLAND, Holdger Platta, Über diese Seite

Kyriakos Mitsotakis, Foto: European People’s Party, Lizenz Creative Commons

294. Bericht zu unserer Spendenaktion „Helfen wir den Menschen in Griechenland!“ Jawohl, zum ersten Mal wieder, liebe HdS-LeserInnen, ein sozusagen „regulärer“ Griechenland-Bericht – ein Bericht, der nach langer Zeit wieder politische Geschehnisse in Griechenland selber aufgreift. Im Mittelpunkt: der griechische Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis, der in den letzten Wochen gleich zweimal gelogen hat. Doch Genaueres in diesem Bericht – nach den obligaten Meldungen zum Spendengeschehen bei uns. Holdger Platta

 

Liebe HdS-Leserinnen und liebe HdS-Leser,

 

nun gut, heute noch nicht der große nachholende Bericht, der meinem fast viermonatigen Schweigen zu den politischen und ökonomisch-sozialen Verhältnissen in Griechenland ein Ende setzt! Aber immerhin doch ein Blick auf Griechenland, der mehr zu zeigen versucht als nur die Situation bei unseren Hilfsversuchen für die notleidenden Menschen in diesem Mittelmeerstaat. Vorweg aber noch:

Wir von der „Initiative für eine humane Welt (IHW) e. V.“ haben brieflich und telefonisch Kontakt aufgenommen zu den beiden „Großspendern“, die ich in meinem letzten Bericht erwähnt habe. Die Antworten stehen noch aus. Mehr also dazu, wenn ich Euch wirklich Substantielles mitteilen kann!

Am Anfang meines Berichtes sollen auch heute nochmal die neuesten Spendenzahlen stehen. Erfreulich ist ganz gewiss, dass ich Euch einen weiteren Anstieg vermelden darf gegenüber den beiden Vorwochen – 75,- Euro in der vorvorletzten Woche (mit vier Spenderinnen), 135,- Euro in den sieben Tagen danach (ebenfalls von vier SpenderInnen überwiesen). Während der letzten Woche bis heute, Donnerstag, gingen 350,- Euro auf unserem Hilfskonto ein.

Das ist wahrlich ein Zuwachs, der uns mit Freude erfüllt, und dementsprechend groß ist auch unser Dank. Freilich, dieses Mal kamen diese Hilfsgelder lediglich von zwei SpenderInnen. Und das zeigt doch sehr deutlich, dass es um die Anzahl der UnterstützerInnen, die uns weiterhin bei unseren Hilfsbemühungen beistehen, nicht besonders gut bestellt ist. „Irgendwie“ scheint es – trotz wachsender LeserInnenzahl bei HdS – in puncto „Massenbasis“ für unsere Spendenaktion doch etwas zu hapern, ganz sicher nicht zuletzt deshalb, weil HdS nicht gerade die reichsten Bürgerinnen und Bürger hinter sich versammelt, in Deutschland nicht, aber auch nicht in Österreich und der Schweiz. Uns ist das ja auch bewusst (und niemanden von diesen LeserInnen möchten wir missen: es gibt so manche unter Euch, die selber jeden Cent dreimal umdrehen müssen, ehe sie ihn – vielleicht – ausgeben oder gar spenden können – Stichwort „Hartz IV“). Sei es, wie es sei:

Derzeit befinden sich 1.461,86 Euro auf unserem Konto für die GriechInnenhilfe. Ganz gewiss zu begrüßen, dass damit unsere Spendenaktion noch lange nicht vor ihrem Aus steht! Aber mit Blick auf die nach wie vor existierende Notsituation der elfjährigen Laura auf Andros, die in der Kostenhöhe von 5.000,- Euro neue Prothesen benötigt, weil sie ihre Füße verloren hat, kein wirklicher Trost. Doch ich wiederhole es nochmal: vielleicht tut sich ja was – womöglich in den nächsten Tagen sogar – bei den potentiellen „Großspendern“, die wir angesprochen haben. Nebenbei: selbstverständlich gab es zwischendurch auch schon einige andere Versuche, zum Teil uns sehr nahestehende Menschen um Hilfe zu bitten. Leider ist das alles vergebens gewesen – was manchmal auch persönlich etwas schmerzt.

Tja, und was nun habe ich heute aus Griechenland selber zu berichten, präziser: von der „großen“ Politik oder den mächtigsten Politikern dort? – Ganz gewiß nichts Positives! Und ich beschränke mich dieses Mal ausschließlich auf den mächtigsten Politiker dieses Landes, auf den Premierminister dieser Republik, auf den Ultrakonservativen Kyriakos Mitsotakis von der „Nea Dimokratia“ (ND), eigener Einschätzung nach einer Schwesterpartei der bundesdeutschen CDU. Wahrlich, ein wahrer Christ, dieser Herr! Vorausgeschickt aber sei:

Ganz so toll sieht es mit den Umfrageergebnissen für die ND keineswegs mehr aus! Lagen deren Zustimmungswerte vor rund vier Monaten, als ich zuletzt darüber berichtete, noch bei 34 bis 35 Prozent, so ist diese Partei inzwischen abgestürzt auf 28 Prozent – so das neueste Umfrageergebnis des Meinungsforschungsinstitutes Metron Analysis zur sogenannten „Sonntagsfrage“ für die griechische Sonntagszeitung „To Vima“ (= auf deutsch „Das Redner-Podium“ bzw. eigentlich „Der Schritt“). Beiseite lasse ich hier, daß SYRIZA überhaupt nicht von diesem deutlichen Niedergang der ND zu profitieren vermag: Sie krebst, derselben Umfrage zufolge, immer noch bei 18,3 Prozent herum. Und 54 Prozent aller befragten GriechInnen äußerten bei derselben Umfrage die Ansicht, dass sich die Regierung „in die falsche Richtung“ bewege und auch insgesamt negativ zu bewerten sei.

Und vorausgeschickt sei auch eine zweite Mitteilung noch (egal, wie das im Einzelnen zu bewerten ist): Mehr und mehr scheitert die ultrakonservative Regierung daran, die Probleme der Corona-Krise im eigenen Land zu bewältigen. Zig Intensivstationen sind inzwischen außerstande, noch weitere PatientInnen aufzunehmen, der Ärztemangel wird überall deutlich, und die öffentlichen Krankenhäuser – so die „Griechenland Zeitung“ vom 17. November des Jahres – „stehen mit dem Rücken zur Wand“. Niemandem, der unsere HdS-Berichte regelmäßig gelesen hat, dürfte das alles in Erstaunen versetzen: x-mal war das marode Gesundheitssystem in Griechenland Gegenstand meiner Berichte. Doch damit zur ersten großen Lüge des christlichen Kyriakos Mitsotakis gegenüber der griechischen Öffentlichkeit:

Dem Verband der Vereinigungen der Krankenhausärzte, die dem Ministerpräsidenten Mitsotakis bei seiner „Gesundheitspolitik“ – so wörtlich! – ein „Verbrechen“ vorgeworfen hat, für das die Regierung die Verantwortung trage, unter anderem deshalb, weil er nicht die zugesagten 2.000 neuen Ärzte eingestellt habe, diesem Verband glaubte der griechische Regierungs-Chef entgegenhalten zu dürfen, genau dieses sei doch geschehen. Er habe doch diese 2.000 neuen KollegInnen eingestellt. Die Wahrheit, die hinter dieser Lüge steckt, lautet jedoch: Es hat sich bei diesen 2.000 – angeblich „neuen“ – Ärzten lediglich um die Verlängerung von Zeitverträgen gehandelt! Mag mich Herr Mitsotakis verklagen, aber ich stelle hiermit fest: Kyriakos Mitsotakis lügt!

Die zweite Lüge tischte der griechische Ministerpräsident beim Besuch des Amtskollegen aus den Niederlanden Mark Ruette der Öffentlichkeit auf, als eine niederländische Journalistin Mitsotakis bei einer Pressekonferenz vorhielt, dass die griechische Regierung illegale „Pushbacks“ von Asylbewerbern dulde und verschweige – die gewaltsame Rückbeförderung also von Flüchtlingen, oft auf hoher See, in die Herkunftsländer bzw. vor allem in die Türkei. Ohne jegliches Zögern warf Mitsotakis der Journalistin daraufhin eine Lüge vor und bestritt den Wahrheitsgehalt dieser Beschuldigung. Dabei wisst Ihr genauso gut wie ich: Vertreter von vielen human engagierten Nichtregierungsorganisationen, Vertreter des UN-Flüchtlingshilfswerks, viele unparteiische Journalisten aus der ganzen Welt sind Zeugen dieser Geschehnisse geworden und haben das während der letzten zig Monate zigfach bestätigt (wie auch wir zigfach darüber berichtet haben).

Nicht die Journalistin trug eine Unwahrheit vor, es war Kyriakos Mitsotakis, der bei dieser Gelegenheit log. Auch hier mag es der griechische Ministerpräsident mit einer Klage versuchen, meinetwegen auch gegen mich! Nicht eine Beleidigung des Herrn Premierministers durch die Weltpresse steht hier zur Debatte, nicht der Versuch einer Beleidigung dieses Herrn durch uns, die bösen Journalisten. Es geht um die Wahrheit, es geht um die Pressefreiheit, es geht um Verstöße gegen das Völkerrecht, und es geht um Mitmenschlichkeit. Und die werden wir uns nicht nehmen lassen, auch von einem Ministerpräsidenten nicht, und unsere Liebe zur Wahrheit ebenfalls nicht. Amen!

Womit ich wieder bei den obligaten Schluss-Hinweisen bin:

Wer uns Gelder für unsere Hilfe für Menschen in Griechenland zukommen lassen will, der überweise uns diese bitte unter dem Stichwort „GriechInnenhilfe“  auf das Konto:

 

IBAN: DE16 2605 0001 0056 0154 49

BIC: NOLADE21 GOE

Inhaber: IHW

 

Wer eine Spendenbescheinigung benötigt – ab 201,- Euro erforderlich –, wende sich bitte an mich, entweder unter der Postanschrift Füllegraben 3, 37176 Sudershausen, oder unter der Mailadresse marggraf-platta@web.de.

 

Mit herzlichen Grüßen

Euer Holdger Platta

 

 

 

 

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