Helfen wir den Menschen in Griechenland! – Neunter Bericht 2016

 in Holdger Platta

GriechenlandhilfeLogo-300x194Liebe HdS-Leserinnen, liebe HdS-Leser,

wenn mir die persönliche Vorbemerkung gestattet ist: ich melde mich von der ‚Krankheitsfront’ – Grippe bzw. Virusinfektion – wieder zurück und bedanke mich sehr dafür, daß in der letzten Woche Roland Rottenfußer als Berichterstatter eingesprungen ist.

‚Naturgemäß’ habe ich mich im den letzten zwei, drei Wochen nicht ausreichend auf dem Laufenden halten können, was die politisch-soziale Großwetterlage in und um Griechenland betrifft. Dasselbe gilt für manche Details unserer Hilfsaktion. Doch vorweg einige Informationen, die mir wichtig erscheinen:

1. Ganz offenkundig kann derzeit die äußerst problematische Lage in Griechenland nicht getrennt werden von der furchtbaren Situation, in der die Flüchtlinge seit Wochen und in wachsender Zahl an der griechisch-mazedonischen Grenze ausharren müssen. Wäre es nicht so zynisch, müßte man kommentieren: der Umstand, daß es Griechenland ist, das in diesen Wochen vor allem die Lasten zu tragen hat, die einen menschenwürdigen Umgang mit den Flüchtlingen gewährleisten sollen, hat dazu geführt, daß auch Griechenland als notleidendes Land in die Berichterstattung der bundesdeutschen Medien zurückkehren ‚durfte’.
2. Und diese Fakten sind erschreckend selbst dort, wo sie uns als ‚Erfolg’ verkauft werden sollen. Zum Beispiel:

3. Da hat die EU doch tatsächlich 300 Millionen Euro für die Flüchtlingsnothilfe in Griechenland bewilligt (2017 und 2018 sollen jeweils 200 Millionen Euro folgen). Ist das nicht toll? – Nein, überhaupt nicht! Auch wenn wir absehen davon, daß die griechische Regierung – auch dieses noch sehr knapp berechnet! – 480 Millionen Euro bei der EU für die Flüchtlingsnothilfe beantragt hatte, in dieser Höhe erfolglos ‚natürlich’, müßte dieser Geldbetrag noch jeden stutzig machen, der sich auch nur ein bißchen aufs Rechnen versteht. Für 100.000 geflüchtete Menschen sollen von diesem Geldbetrag 300 Millionen Euro Zeltstädte errichtet, Hotels angemietet und eine ganzjährige Versorgung der Flüchtlinge mit Lebensmitteln, Kleidern undsoweiter sichergestellt werden. Da steht pro Flüchtling und Monat also ein Geldbetrag von sage und schreibe 250 Euro zur Verfügung! Nochmal: für Essen und Trinken, für Heizen und Strom, für Kleidung und Arzt und Hygieneartikel undundund . – Entschuldigung, liebe HdS-Leserinnen und HdS-Leser, aber so sieht nicht Nothilfe aus, sondern europäisch garantiertes Verrecken! Und an dieser Stelle möchte ich einen Politiker zitieren, der wahrlich nicht im Verdacht steht, ein linker „Gutmensch“ zu sein, und wahrlich auch nicht zu meinen Idolen zählt: „Wir brauchen Milliarden pro Jahr, um in bestehenden Flüchtlingslagern in Jordanien, im Libanon, in der Türkei, in anderen Ländern endlich Menschenwürde zu finanzieren.“ – „Milliarden“, sagte dieser Mann. Sein Name: Günther Oettinger, Ex-Ministerpräsident der CDU in Baden-Württemberg, derzeit in Brüssel EU-Kommissar.
4. Mittlerweile wächst die Anzahl der flüchtenden Menschen in Griechenland von Tag zu Tag mehr und mehr an: mindestens 36.000 Flüchtlinge stecken derzeit in Griechenland fest, davon allein 14.000 Menschen bei Idomeni, an der griechisch-mazedonischen Grenze. Wie das Griechenland bewältigen soll, dank der EU-Politik selber seit langem in allergrößter Not, ist nicht nur schleierhaft, sondern kann als Schreckenslandschaft aus Schlamm und Dreck alltäglich in Idomeni besichtigt werden.
5. Um so bewundernswerter deshalb die anhaltende, die überwältigende Hilfsbereitschaft der Einheimischen, der Menschen in Griechenland! Tassos Chatzatoglou hat uns eindrucksvoll darüber berichtet. Diese Hilfsbereitschaft, nebenbei, findet sich auch anderswo in Griechenland, nicht nur an der Grenze zu Mazedonien. Das gilt auch für die Inseln, gilt auch für Piräus und Athen. Griechenland, das ist nicht nur voller Flüchtlinge, Griechenland ist auch voller Humanität! Voll jener Humanität, die in zig europäischen Ländern, zumindest, was deren Führungs’eliten’ angeht, völlig verlorengegangen ist. Und da ist gänzlich egal, ob man auf eine Johanna Mikle-Leitner blickt oder auf einen Viktor Orbán, auf einen Markus Söder oder einen Horst Seehofer, auf eine Frauke Petry oder eine Beatrix von Storch: der Eindruck drängt sich auf, man habe es mit einer ganz großen Koalition von Soziopathen zu tun, mit Menschen, die den Begriff Humanität bestenfalls aus dem Fremdwörterbuch kennen.

Liebe HdS-Leserinnen und liebe HdS-Leser, um so erfreulicher ist, daß von unten her – und keinesfalls nur in Griechenland oder auch nur in Österreich oder Deutschland – auch andere Menschen sich mehr und mehr zu Wort melden, Menschen, die helfen oder helfen wollen, Menschen, die beitragen wollen zur Beseitigung des Elends, wo immer und wann immer es sich zeigt. Und auf bescheidene Weise und mit bescheidenem Umfang gehört auch unsere Hilfsaktion, gehört auch Eure konsequente und andauernde Unterstützung dazu!

Womit ich bei den neuesten Spendenzahlen bin. Zunächst:

Eure Spendenbereitschaft hält an, sie nimmt sogar zu: stieg der Spendenbetrag in der Vorwoche bereits um 1.017,50 Euro an, so gingen während der letzten sieben Tage sogar 1.168 Euro auf unser Hilfskonto ein. Und – was kaum weniger wichtig ist – mittlerweile hat sich ein Dauerspenderkreis um unsere Hilfsaktion gebildet, der pro Monat für einen ‚Sockelbetrag’ von fast 1.500,- Euro an Spendengeldern sorgt. Das sichert Kontinuität und Zuverlässigkeit Eurer/unserer Hilfe für nicht wenige notleidende Menschen in Griechenland! Ich danke Euch dafür.

In einem gewissen Zusammenhang damit steht auch die wachsende Bereitschaft bei manchen von Euch, Patenschaften übernehmen zu wollen. Dank Euch auch dafür! Anfragen dazu, Ihr wisst es, richtet bitte an Peter Latuska (dessen Mail/Postanschrift am Ende dieses Berichts), die weitere Organisation der Patenschaften übernimmt dann unser Mitakteur Tassos Chatzatoglou aus Graz. Ein paar Informationen zur Übernahme solcher Patenschaften von Tassos aber schon hier. Ich zitiere aus seiner Mail dazu:

„Eine Patenschaft ist in folgender Form möglich:

1. Sie spenden monatlich einen von Ihnen festgelegten Betrag (der steuerlich abgeschrieben werden kann). Wir kaufen bei einer Supermarktkette Lebensmittelgutscheine, die wir den Betroffenen zukommen lassen.

2. Eine andere Möglichkeit wäre, Sie finanzieren Medikamente und Diätetika z.B. für unseren kleinen Dionysis oder auch Medikamente für den kleinen Panagiotis. Das Procedere ist ähnlich, nur dass wir Ihnen sagen, welche Medikamente die Kinder regelmäßig benötigen und wieviel Sie kosten. Sie entscheiden dann, was Sie bezahlen möchten und überweisen das Geld aufs Konto der IHW (wg. Bestätigung für das Finanzamt). Wir bestellen in der Apotheke in Athen die Medikamente, die in weiterer Folge von einem Apotheker unseres Vertrauens ausgeliefert werden.

Oder Sie schließen sich mit dem Apotheker kurz und überweisen direkt an ihn.

Sie bekommen auf Wunsch auch Namen, Adresse, Telefonnummer und Emailadresse (falls vorhanden), damit Sie mit der Familie auch persönlich in Kontakt treten können.
Von einer Spende direkt auf ein Konto (falls dieses überhaupt vorhanden ist) raten wir ab, da die Konten oft heillos überzogen und gesperrt sind und die Betroffenen nicht ans Geld kommen.“

Gerne gebe ich an dieser Stelle auch den Text einer Mail an Euch weiter, die ich unlängst von Professor Dr. mult. Athanassios Giannis aus Leipzig bekam. Er richtete sich unter anderem an einen Leserbriefschreiber unter Euch, der Scham bekundet hatte wegen der totalen Abschottungspolitik seines Landes Österreich gegenüber den flüchtenden Menschen:

„Keiner braucht sich wegen seiner Nationalität zu schämen!!!

Ihr gehört ALLE zu den GERECHTEN!

Im übrigen: eine gute Tat – zum Beispiel Sammeln und Verschicken von Medikamenten, Verbandsstoffen, Nahrungsmittel nach GR – ist besser als eine Menge Tränen und Traurigkeit.

Wir schicken Ende März aus Leipzig einen kleinen LKW voll mit wichtigen Sachen nach Thessaloniki.

Und noch was: Bucht euren Sommerurlaub nach GR: und zwar Lesbos, Chios, Samos…

Grüsse
Euer Athanassios Giannis“

Der zitierten Mail von Giannis könnt Ihr entnehmen, daß nunmehr auch er Hilfslieferungen nach Griechenland plant. Erwähnt werden soll an dieser Stelle aber auch, daß in den letzten beiden Wochen unser Mitakteur Karl-Heinz Apel in Griechenland unterwegs war und erneut bei zahlreichen Menschen und Institutionen für helfenden Nachschub gesorgt hat, zum Beispiel

• in Piräus bei der schwersterkrankten Katerina K. (= Ermöglichung ihrer Dialysefahrten nach Athen),
• im Altenheim Gythion (= Ankauf von Heizöl im Wert von 1.000,- Euro),
• im Kreiskrankenhaus von Molai (= ein Anhänger voll mit Verbandsstoffen, OP-Material usw.),
• in der Arztpraxis von Kyparissi (= ebenfalls Anlieferung von Verbandsstoffen usw.),
• Hilfe für zahlreiche Einzelpersonen und Familien (= Bezahlung von Stromrechnungen, aber auch Geld für Lebensmittel usw.).

Zu dieser kleinen Auflistung eine Nachricht, die wirklich Hoffnung macht:

Es sieht ganz so aus, daß der jungen Katerina K. aus Piräus – Ihr wisst: die Patientin, die seit langem schon darauf wartet, eine neue Niere bekommen zu können – ihr dringlichster Wunsch recht bald erfüllt werden kann. Ende März soll diese Operation nun endlich stattfinden, in London. Die griechische Krankenkasse wird nunmehr die Arztkosten übernehmen, wir können Katerina und ihren Eltern (= den Nierenspendern) Reise und Aufenthalt in London finanzieren. Verdient gemacht hat sich dabei vor allem unser Mitakteur Karl-Heinz Apel, der Apotheker aus Rosche bei Uelzen, der seine vielen Fach-Beziehungen hat dabei spielen lassen. Auch von dieser Stelle aus mein herzlichster Dank! Und alles, alles Gute für Katerina schon jetzt!

Liebe HdS-Leserinnen und liebe HdS-Leser, damit zu den obligaten Schlußhinweisen:

Unser Konto, auf das Ihr unter dem Stichwort „GriechInnenhilfe“ spenden könnt:

Inhaber: IHW
IBAN: DE16 2605 0001 0056 0154 49
BIC: NOLADE21GOE

Und hier, wie gesagt, die Kontaktdaten von Peter Latuska, an den Ihr Euch wenden könnt, wenn Ihr Patenschaften übernehmen wollt oder eine Spendenbescheinigung benötigt (für Spendenbeträge bis 200,- Euro genügt fürs Einreichen beim Finanzamt Kopie oder Original Eurer entsprechenden Kontoauszuges):

Peter Latuska
Theodor Heuss Str. 14
37075 Göttingen
Email: latuskalatuska@web.de

Liebe HdS-Leserinnen und liebe HdS-Leser! Wir setzen unsere Arbeit fort. Und es tut gut zu wissen, daß wir bei dieser Arbeit so viele HelferInnen und UnterstützerInnen haben: Euch!

Seid herzlich gegrüßt
Euer Holdger

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