Holdger Platta zum Spendenaufruf von HdS

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„Hinter den Schlagzeilen“ wird die Leserinnen und Leser in einer oder zwei Wochen mit einem neuen „Gesicht“ überraschen, visuell aufgepeppt und mit einigen neuen Funktion. Wir setzen konsequent um, was Roland Rottenfußer in seinem ersten Spendenaufruf versprach: mittelfristig (noch) mehr Qualität auf HdS. Heute aber meldet sich Holdger Platta zu Wort. Er beschreibt die Nöte freiberuflicher Redakteure und skizziert, was unser Webmagazin sein möchte: „der Versuch zu mehr gelebter Mitmenschlichkeit, bis weit in unseren eigenen Alltag hinein.“ (Holdger Platta)

Liebe HdS-Leserinnen und liebe HdS-Leser,

ich habe mal versucht, mich in Eure Lage zu versetzen:

Da habt Ihr – womöglich über Jahre hinweg – HdS gelesen und werdet nun urplötzlich mit einer Spendenbitte konfrontiert. Mutet das nicht etwas komisch an? Warum so plötzlich? Präsentieren zig andere – gute! – Websites ihre Texte nicht ebenfalls kostenlos? Könnte und sollte und müsste das demzufolge nicht auch so bleiben bei HdS?

Ich denke, keine dieser Fragen ist ungerechtfertigt oder gar dumm. Ihr könnt also feststellen: ich bin ein überzeugter Anhänger der These, dass es keine dummen Fragen gibt, sondern höchstens dumme Antworten darauf. Naja, nicht unbedingt in jedem Fall, aber überwiegend schon, und hier ganz gewiss. Noch einmal mithin: alle diese Fragen sind berechtigt, keine ist töricht, und, bei genauer Überlegung, kommen sogar noch weitere – wichtige und berechtigte – Fragen hinzu. Einige davon will ich beantworten heute, füge aber jetzt schon hinzu: auch Nachfragen sind „erlaubt“, und auch bei diesen werden wir uns um Antworten bemühen.

Vorweg aber eine – nur scheinbar banale – Anfangsbemerkung noch:

Klar doch, wer HdS nicht mag, sollte sich durch keinen Spendenaufruf für unsere Website angesprochen fühlen! Diese Erwartung zu hegen – jawohl, selbst Gegner von HdS sollten bereit sein, Gelder zu überweisen auf das Hilfskonto für uns! –, das wäre in der Tat die schiere Dummheit – Dummheit nämlich unsererseits! Kurz: wir hauen nicht mit unserer Spendenbitte Abstinenzler an, die für ein Weinfest blechen sollen. Und um Weinfeste geht’s ja sowieso nicht – nicht mal um Luxusbedürfnisse, urplötzlich bei uns HdS-Machern erwacht, die urplötzlich befriedigt werden sollen. Es geht um eine bessere Website mit Namen www.hinter-den-schlagzeilen.de, und es geht um bessere Arbeitsbedingungen für uns, die weiter ihrer Aufgabe nachzukommen versuchen, eine gute Website mit Namen www.hinter-den-schlagzeilen.de auf die Beine zu stellen. Um dies zu erläutern, eine ganze Reihe von Auskünften hier:

Erstens: Liebe HdS-Leserinnen und HdS-Leser, es ist so: selbst ein derart renommierter Künstler wie Konstantin Wecker schwimmt nicht im Geld, selbst er ist noch längst nicht zum Krösus geworden, der – wie bis dato geschehen – allein aus eigener Tasche ein solches Non-Profit-Unternehmen wie HdS auf Dauer finanzieren könnte, heißt: bis in die fernste Zukunft hinein. Konstantin Wecker darf das Folgende nicht schreiben, aber ich tue es hier: Konstantin Wecker unterstützt ungeheuer viele Initiativen auch außerhalb von HdS – soziale Initiativen, friedenspolitische Initiativen, Initiativen, nicht zuletzt, für Flüchtlingshilfe und gegen Fremdenhass. Aus der Tatsache, dass Konstantin Wecker über seine vielfachen Hilfsaktionen in der Öffentlichkeit nicht quatscht – von der einen oder anderen Ausnahme aus wohlbegründeter Motivation einmal abgesehen –, zu schließen, es gäbe diese Hilfsaktionen nicht, wäre also völlig falsch. Und was manche dieser Untersteller betrifft, riskiere ich den Satz: sie unterstellen Konstantin Wecker damit lediglich ihr eigenes Nichtengagement, sie schließen von sich auf ihn. Dies also Punkt eins!

Zweitens: Konstantin Wecker hat dieses Projekt HdS, existent seit 2003 (Anlass für ihn und seine Frau Annik war die US-Propaganda für den Irak-Krieg), im Rahmen seiner finanziellen Möglichkeiten Jahr für Jahr mit rund 8.000,- Euro ausschließlich aus eigenen Mitteln unterstützt. In diese Rechnung gingen sämtliche Sach- und Bürokosten ein, Kosten für das Erstellen und Überarbeiten dieser Website (Beträge nicht selten bei 3.000,- Euro), die Arbeitshonorare schließlich für Roland Rottenfußer. Darf ich konkretisieren? Zu einem monatlichen Honorar weit entfernt vom Hartz-IV-Regelsatz plus Wohnkostenerstattung. Woraus folgt:

Drittens: der Freiberufler Roland Rottenfußer war (und: ist!) permanent genötigt, Geld hinzuzuverdienen mit seiner journalistischen Tätigkeit. Nicht nur die gesamte Admin-Funktion oblag und obliegt ihm, nicht nur die Website-Pflege generell, nicht nur das Schreiben eigener Beiträge für HdS. Nein, auch Zusatzarbeiten sind permanenter Zwang für ihn, um nicht selber abzurutschen in die Vergnügungsregionen von Hartz-IV: die Publikation von Artikeln in Zeitschriften, die Publikation von Büchern und und und. Kurz: ein arbeitsreiches Leben auf der Rasierklinge, das wohl keine und keiner von Euch einem anderen wünscht – schon gar nicht jene, denen ebenfalls das Leben auf der Rasierklinge allzu vertraut ist (sorry, wenn ich’s erwähne: mir zum Beispiel!). Womit ich auch schon beim nächsten Punkt bin:

Viertens: ich selber, bis 2009 dito Vergnügungsreisender in der Hartz-IV-Region, seither Armutsrentner, mithin sogenannter „Grundsicherungs“-Empfänger, der keinen Cent hinzuverdienen darf, ich selber mache meine Arbeit für HdS von Beginn an, seit 2013, völlig unbezahlt und kostenlos. Um mich geht’s also bei der Spendenbitte für HdS überhaupt nicht. Sehr wohl aber um

• Befreiung von Arbeitsdruck und Zeitdruck für Roland Rottenfußer,

• um finanzielle Entlastung – gegebenenfalls – für Konstantin Wecker, der seine Hilfsgelder dann noch in andere, unendlich wichtige, Projekte stecken kann,

• ums Bezahlenkönnen – bislang unmöglich! – von anderen Beiträgern (die, gleich uns allen, nicht nur von Luft und Liebe, von Herzblut und humanem Engagement zu leben vermögen),

• und ums Bezahlenkönnen – endlich! – auch von Beiträgerinnen und Beiträgern, die in der Verelendungszone der „Agenda 2010“ leben dürfen wie ich, aber, da noch ALG-II-BezieherInnen, bis zu 100,- Euro pro Monat abzugsfrei hinzuverdienen dürfen.

Für HdS spenden heißt also auch, spenden für etwas mehr Lebens- und Beteiligungs-Chancen dieser MitarbeiterInnen von HdS. Ich darf das schreiben, weil’s nicht pro domo geschrieben ist, also nicht zum eigenen Vorteil. Und damit zum – für mich jedenfalls – letzten Punkt heute:

Fünftens: jawohl, es ist so! Das Leben- und Arbeitenmüssen unter derart prekären Bedingungen, wie es für Roland Rottenfußer seit Jahren typisch ist – und ebenso typisch ist für die MitarbeiterInnen im ALG-II-Bezug –, laugt auf Dauer aus. Es droht, die Kräfte versiegen zu lassen, die Kreativität, den Elan, es stellt – tatsächlich! – auf Dauer eine Gefahr dar für dieses uns so wichtig erscheinende Projekt HdS. Noch einmal: ein Konstantin Wecker kann das alles nicht alleine stemmen, auf Dauer schon gar nicht, und wir anderen ebenfalls nicht. Da erhoffen wir nun Abhilfe von jenen, denen – natürlich hoffen wir das inständig! – HdS so sehr am Herzen liegt wie uns. Und was ist – aus unserer Sicht – das Projekt mit Namen www.hinter-den-schlagzeilen.de?

Ich will hier meine ganz persönliche Antwort geben (etwas verkürzt an dieser Stelle, es sei eingeräumt):

• HdS ist in meinen Augen das Projekt einer linken, einer kapitalismus-, also systemkritischen Humanität;

• HdS ist damit das Projekt einer Toleranz, die meinen höchstpersönlichen, meinen – ich hoffe es: humanitären! – Marxismus ebenso umfasst wie die radikaldemokratisch- anarchistische Grundorientierung eines Konstantin Wecker, ein Projekt der Toleranz, das selbstverständlich – ich wiederhole: selbstverständlich! – auch alle entsprechenden humanen Impulse außerhalb unserer Ismen (= Marxismus, Anarchismus, Pazifismus, Antifaschismus) miteinbezieht, freiheitliche, soziale, pazifistische Strömungen also auch im Katholizismus etwa und in den protestantischen Kirchen, aber auch humanitäre Bewegungen außerhalb jedweder Religionen;

• HdS ist damit aber nicht nur ein Projekt (hoffentlich!) gelebter Menschenrechte schlechthin, sondern auch der Versuch zu mehr gelebter Mitmenschlichkeit, bis weit in unseren eigenen Alltag hinein. Was nun intensivst erläutert werden müsste, ich weiß. Hier nur:

Für Menschenrechte zu kämpfen – eine Selbstverständlichkeit für uns –, das allein dürfte schon anerkennenswert sein! Man nehme einmal die Menschenrechts-Charta der UNO zur Hand, diesen großartigen Text, der großartige Menschheitsziele zu formulieren verstand (by the way: es war kein geringerer als Stéphane Hessel, Verfasser des berühmten Aufrufs „Empört Euch!“, der an dieser Charta mitgeschrieben hat!). Aber gleichwohl ist dieser Text „nur“ ein juristischer Text. Er stellt Menschenrechtsdenken dar in juristisch kodifizierter Form. Was diese Charta nicht enthält und eine solche Charta auch gar nicht enthalten kann, das war und ist die Utopie einer Welt, in der auch Freundlichkeit gelebt werden kann, Interesse am Glück der anderen Menschen und – nicht zuletzt dieses! – Empathie. Menschenrechte sind die Basis für diese Mitmenschlichkeit, aber Mitmenschlichkeit geht übers Realisieren dieser unverzichtbaren und unendlich wichtigen Menschenrechte hinaus. Und für diese Mitmenschlichkeit, auf der Basis der Menschenrechte, setzt sich – scheint mir jedenfalls – HdS ganz besonders ein.

Aus all diesen Gründen, so meine ich, benötigt es Hilfe, dieses Projekt HdS, Hilfe auch von Euch! Wobei niemand schief angesehen wird, dem solche Hilfe nicht möglich ist, von keinem von uns. Auch diese Leserinnen und Leser sind und bleiben aufs herzlichste willkommen bei uns!

Euer Holdger Platta

Hier zum Abschluss noch einmal unsere Spendenkontonummer:
Inhaber: IHW

IBAN DE 09 2605 0001 0056 0608 74
BIC: NOLADE 21GOE
Stichwort: HdS

Sparkasse Göttingen

Spendenbescheinigungen auf Wunsch bei:
Peter Latuska
Theodor Heuss Str. 14
37075 Göttingen
Email: latuskalatuska@web.de

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