Serie zu den Parteien im Wahlkampf: Die LINKE

 in Politik (Inland)

In einer Artikel-Reihe zum Bundestagswahlkampf stellen wir die Parteien einzeln vor. Die LINKE hat unter den im Bundestag vertretenen Parteien auf den Feldern des Sozialen und der Friedenspolitik die vielversprechendsten Punkte im Programm. Die von außen wahrgenommene Dominanz eines „Anti-Wagenknecht-Flügels“ und internes Mobbing gegen Andersdenkende trüben das Bild aber erheblich. Auch besteht die Gefahr, dass in einer unter Umständen möglichen rot-rot-grünen Koalition wichtige Standpunkte über Bord gehen würden, etwa zur Friedenspolitik. Die Positionen zu Corona sind zum Teil hanebüchen und sie beschädigen die Partei. (Quelle: Nachdenkseiten)
https://www.nachdenkseiten.de/?p=75410

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  • Heike Preißler
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    Noch einmal ein Zitat aus dem Buch „Marx & wir“ von Gregor Gysi:

    „Radikalität ist ein Grundproblem linkspolitischer Existenz. Keine Gesellschaft hat sich je so organisieren können, dass sie radikalen Hass auszutrocknen vermochte, und keine Radikalität hat sich je so in die Geschichte einschreiben können, dass sie nicht selber verdiente, ebenfalls gehasst zu werden. Die Frage lautet, wie man Dinge radikal ändert, ohne immer gleich die Grundfeste zu zerstören. Es ist eine Prüfung für die Demokratie: Was wagt sie, welche Risike geht sie ein, ohne sich zu gefährden. Radikal bedeutet nicht, extremistisch, aber es bedeutet, an Wurzeln zu gehen, wie Marx es ausdrückt, an die Grenzen des Bestehenden – um sie zu sprengen. Wie nun kann unter Demokraten ein politisches Empfinden entwickelt und bestärkt werden, dass das Bestehende wahrlich nicht das Beste, Endgültige ist? Es gehört Mut dazu, sehr weit zu gehen, ohne die Gefahr heraufzubeschwören, zu weit zu gehen.

    Wir sind zu sehr Getriebene, immer kurz vor Ladenschluss. Der Betriebsgeist der Dinge fesselt uns, ….)

    2018, als das Buch erschien, konnte auch Gregor Gysi nichts von Corona und seinem Umgang damit wissen. Der Betriebsgeist, der damals die Dinge fesselte, war noch ein anderer als der, der heute die Dinge fesselt. Damals bestand noch die Hoffnung auf eine Lösung des kapitalistischen Problems.

    Aber die Schatten des Untergangs waren schon länger zu sehen:

    „Ein Wort zum gegenwärtigen Verhältnis von Wirtschaft und Politik. Weltweit herrscht kein Primat der Politik mehr, weil die großen Banken und bestimmenden Konzerne zu übermächtig sind. Es gibt keine Struktur für eine funktionierende Weltpolitik. Keine Struktur und keinen Plan. Es ist so, als stünde die Weltpolitik vor einem breiten, tiefen, reißenden Fluss und hätte, um hinüberzugelangen, nur eine einzige Idee: austrinken. Deutschland macht da keine Ausnahme. Übrigens verwies Frau Merkel mal darauf, das Primat der Politik müsse wieder hergestellt werden. Dies war ein Eingeständnis: Dieses Primat existiert momentan nicht.“

    Nein, es existiert nicht mehr, das ist schon des Längeren so, und wir spüren zur Zeit die Konsequenzen. Die Pharmaindustrie ist ein gefräßiges Tie geworden und macht notfalls alle Menschen zu abhängigen Patienten, nur um sich den Bauch vollzuschlagen. Dabei geht sie an die Grenzen des Ethischen: es wird zunehmend auch in das Erbgut des Menschen eingegriffen (so wie zuvor schon in das Erbgut unserer Nahrungsmittel). das geht zu weit. Wir wolle Menschen bleiben und keine Roboter werden, die nur mit Chips in ihren Blubahnen überleben können. Und dahin geht die Entwicklung, auch wenn noch immer die Augen davor verschlossen werden – und die Forschungen dazu als Kampf gegen Krebs u.a. Krankheiten angepriesen werden. Heute sollen flächendeckend alle geimpft werden, morgen sollen alle vorbeugend gegen Krebs mit Mikrochips versorgt werden.

    Das ist der falsche Weg – und den Konzernen muss die Macht beschnitten werden, so tief in die Politik eindringen zu können und die Menschen zu manipulieren. Wir brauchen wieder einen gesunden Menschenverstand, und der besagt, dass wir keine Kriege brauchen (sprich Rüstungsindustrie), keine künstlichen Genveränderungen am Menschen (der Weg, auf den die Pharmaindustrie zusteuert) und keinen massenhaften Konsum, der sinnlos die Ressourcen der Erde verbraucht und Unmengen von Müll und Verschmutzung zurücklässt (die übrigen Konzerne, die sich einen Scheiss um die Umwelt kümmern und die Gesundheit ihrer Verbraucher, wie z.B. Nestle, Monsanto/Bayer). Eine Julia Klöckner macht Werbung für Nestle und erzählt, dass dieser Konzern 1/3 weniger Zucker in einige seiner Produkte steckt – und es ist noch nicht mal wahr. Wahr ist aber, dass dieser Konzern über die Leichen von vilen Menschen in den Entwicklungsländern gegangen ist, weil er dort Produkte angeboten hat, die die Bevölkerung krank werden ließ und zudem der Bevölkerung ihr eigenes Wasser genommen hat.

    „An der berühmten Kremlmauer in Moskau liegen zwei Deutsche, Clara Zetkin und Rudolf Decker. Clara Zetkin war eine tapfere deutsche Kommunistin. Sie setzte sich in den zwanziger Jahren mit einer für damalige Verhältnisse fast unvorstellbaren Energie und großem Mut für eine Gleichstellung der Geschlechter ein. Sie stellte sich an die Seite der Schwächsten der Gesellschaft, der unterdrückten Frauen, der Arbeiterschaft, der Erwerbslosen. Ihre Eröffnungsrede im Herbst 1932, als Alterspräsidentin des Reichstages, war eine mutige Kampfanage gegen die Nazis. Die saßen alle schon in der ersten Reihe, Hitler, Göring und so weiter. Sie musste, als Hitler die Macht übernahm, in die Sojetunion emigrieren und lebte dort von Anfang an isoliert, weil sie mit dem Stalin´schen Kurs nicht klarkam. In der KPD gab es nicht wenige, die sie sogar bekämpften. Einige Monate nach der Emigration starb sie. An der Kremlmauer: ihr Grab. Warum haben es noch nie ein Bundespräsident, noch nie ein Bundeskanzler oder eine Bundeskanzlerin übers Herz gebracht, an dieser Grabstelle eine Blume niederzulegen?“

     

    Lange Rede, kurzer Sinn: es wird zeit, dass sozialistische Ideen sich im deutschen Bundestag wiederfinden. Wenn sich in diesem System irgend etwas zum Besseren wende soll, dann ist das nötig – der Kapitalismus wird wi ein Krebsgeschwür nur noch mehr von unserer menschlichen Substanz in seinen Profitrachen fressen , die Menschen werden zu künstlichen Produkten … diese „Entwicklung“ ist keine mehr, sie ist ein Rückschritt für die menschliche Zivilisation, von der sich diese nicht mehr erholen wird.

    Also: wählt Links. Unsere einzige Chance (lang- und mittelfristig gesehen, kurzfristig eigentlich auch).

     

     

     

     

    • Freiherr
      Antworten
      Frau Preißler ! –

      „Also: wählt Links. Unsere einzige Chance (lang- und mittelfristig gesehen, kurzfristig eigentlich auch).“ –

      propagieren sie allen Ernstes !?

      Eine “ Linke „, die den Faschismus gerade unterstützt, das Merkel-Regime, eine scheinsozialistische -Diktatur nach China-Vorbild, den Genozid durch die Giftspritze, die Auslöschung freiheitlicher Systeme, u.u.u an momentan Verbrochenem gegen das menschenrecht…

      kurzum: eine “ Linke “ die nicht mehr links ist –

      die solle man nun wählen ??

      Es gibt drei herausragende Negativbeispiele für 180-grad Drehungen und Verleugnungen der eigenen Ideale,  in der jüngsten Geschichte :

      chronologisch – Joschka Fischer, Konstantin Wecker und nun auch die sogenannte „Linke “ !

       

       

       

       

  • Heike Preißler
    Antworten
    Die Linke ist wie keine andere Partei dem Widerspruch zwischen ihren Zielen und Idealen ausgesetzt und dem Zustand, in dem sich die politische Ordnung zur Zeit befindet. Die Linke weiß, wo sie einmal hin will (eine demokratische Gerechtigkeit, die unsere natürlichen Lebensbedingungen zu schützen vermag und den einzelnen Menschen eine größtmögliche Freiheit einräumt, ohne das dies zu Beschädigungen an der Allgemeinheit führt).

    Es gibt halt keine buddhistische Partei, weil der Buddhismus der Meinung ist, jeder selbst muss den Grundstein für sein Glück legen, welches aber letztendlich nur dann entstehen kann, wenn man auch die Bedürfnisse und das Glück der anderen beachtet. Der Buddhismus geht den Weg der Gewaltfreiheit, und eine demokratische Linke hat dasselbe Ziel: mit demokratischen Mitteln Schritt für Schritt zum Wohl der Menschheit beitragen.

    Dazu noch einmal Gregor Gysi in „Marx & wir“:

    „Wer politisch links steht, sozialistische Erfahrungen mitbringt und kommunistische Phantasien reizvoll findet, gerät leicht unter Verdacht, es ginge ihm einzig und allein – avantgardistisch – um die „große“ Gerechtigkeit. Und jeglicher Realismus, der bei Kritik nicht sofort an fundamentale Einschnitte und bei Opposition nicht immer gleich an Revolution denkt, sondern der auf demokratische, transistorische Prozesse vertraut – das sei etwas für Gewerkschafter, Bürgerrechtler, Elterninitiativen. Also letztlich und irgendwie bürgerliche Anpassung. Das ist eine Denkweise, die den Begriff der couragierten, engagierten Zivilgesellschaft zu Unrecht diffamiert. Und modernes linkes Denken sowieso!

    Spätestens seit Rosa Luxemburg ist die Wahrheit in der Welt, dass auch der entschiedene Einsatz, ja Kampf für die vielen kleinen Gerechtigkeiten deutlich machen kann, wo Emanzipationsschranken der kapitalistischen Gesellschaft bestehen, die beseitigt werden müssen. Der jeweils kleine Frieden baut mit am ersehnten großen Frieden. Gerecht ist, was allen nützt – aber auch mir selber guttut. Nicht erst morgen, heute schon – so arbeitet das Heute am Morgen. Oft genug eine Millimeterarbeit.

    Und: Der Kampf gegen Emanzipationsschranken findet nicht auf einer schnurgeraden Straße statt. Er führt sehr oft in Labyrinthe. Vielleicht irre ich mich unterwegs, und die Schranke liegt woanders, als ich dachte, oder an manchen Stellen habe ich mir sie nur eingebildet. Aber auch diese Erfahrung spräche für den praktischen Vorrang des Kampfes ums Alltägliche.

    Die historisch erledigte Alternative, wir kennen das, liegt bei Lenin: Eine Gruppe von Berufsrevolutionären weiß genau, wo es lang geht, und stürmt unnachgiebig durch alle Gegebenheiten. Und wir wissen also auch: Sehr rasant kann sich jener Prozess vollziehen, da das Gutgemeinte in Unterdrückung und bloße, rücksichtslose Macht und deren fortwährende Reproduktion umschlägt. Wenn eine linke Bewegung, aus Erfahrung und Belehrung, das Risiko der stalinistischen Entwicklung nie mehr eingehen will, dann muss die den demokratischen Sozialismus, die Herausbildung einer wahrhaft emanzipierten Gesellschaft, als einen allseits und allzeit offenen Prozess begreifen.

    Nun leben wir in einer bürgerlichen Welt, zu deren Fundamenten durchaus etablierte Gleichheitsnormen gehören. Diskrimminierung aufgrund von Geschlecht, von sozialer, religiöser, regionaler Herkunftsgruppe oder sexueller Orientierung abzulehnen, ist ein weitgehender Konsens in der Gesellschaft.“ (Dachte man jedenfalls bis vor ein paar Jahren – eigene Anmerkung.)

    „“Weitgehend“ deshalb, weil es natürlich immer sexuell-repressiv, rassistisch oder religiös-fundamentalistisch eingestellte Menschen gibt, die den normativen Frieden brechen.“

    So, an dieser Stelle breche ich erst mal ab.

     

     

     

     

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