Beiträge von Roland Rottenfusser

«Erzeugen Sie eine Volksstimmung und behaupten Sie dann, diese nur widerzuspiegeln».

Unser Informant schanzte uns ein Foto des Hauptverschwörers Trutz Eichner zu.

Die Wahrheit über den deutschen Kampagnenjournalismus am Beispiel der Niedersachsenwahl. Wir ahnten ja schon längst, dass es bei den Mainstream-Medien nicht mit rechten Dingen zugeht. (Das heißt: mit rechten mitunter schon, aber keinesfalls mit linken Dingen.) Da wird manipuliert, werden Kampagnen ausgetüftelt und fast flächendeckend im Volk verbreitet, werden Fakten verdreht oder verschwiegen, wird auch auf interne Diskussionsprozesse in den politischen Parteien Einfluss genommen, da man zu Recht annimmt, dass Politiker die großen Magazine und Fernsehsendungen beobachten. Was bisher nur ein Gerücht war, konnte nun endlich bewiesen werden. Whistleblower schanzten „Hinter den Schlagzeilen“ ein geheimes Papier zu. Der Inhalt: Dienstanweisungen des neoliberalen Thinktanks „Initiative Neue Soziale Eigenverantwortung“ (INSE) an alle eingebetteten Print-, Rundfunk-, Fernseh- und Onlinemedien aus Anlass der Niedersachsenwahl vom vergangenen Sonntag. Ein erschütterndes Dokument, das manches erklärt, was in Deutschland so abläuft. (Roland Rottenfußer) (mehr …)

0 weiterlesen

Spiritueller Kapitalismus

„Opfer für die Göttin Vesta“, Sebastiano Ricci

Im spirituellen Ökonomismus wird Religion als Handelsbeziehung zwischen dem Menschen und einer kosmischen Macht interpretiert. Wer im Soll ist, muss Ausgleich schaffen; moralisch wie pekuniär müssen wir für alles bezahlen. Spiritueller Kapitalismus ist die Eskalationsstufe dieses Prinzips. Der Alptraum einer untilgbaren Schuld wird entworfen – mit Gott als unersättlichem Gläubiger. Der Protestantismus entstand annähernd in derselben Epoche wie der moderne Kapitalismus und etablierten eine Kultur des Reichen-(Selbst)lobs und des Armen-Bashings. Im neoliberalen Zeitalter wird noch kräftig draufgesattelt. Ein spiritueller Wachstumswahn spiegelt den ökonomischen. Aus dem Prinzip „Gott segnet die Reichen“ wurde: „Das Gesetz der Anziehung gibt jedem, was er verdient.“ Wollen wir diesen Verfallsformen der spirituellen Kultur die Stirn bieten, müssen wir uns auf Werte wie Großzügigkeit und Gnade besinnen und eine Post-Wachstums-Spiritualität etablieren. (Roland Rottenfußer) (mehr …)

2 weiterlesen

«Egal, was sie dir erzählen: Hinhören und das Maul aufmachen.»

Birgit Vanderbeke

Zwei autobiografische Romane von Birgit Vanderbeke über Kindesmisshandlung und die Selbstheilungskräfte der Seele. Schläge und Übergriffe gegen die eigenen Kinder – es ein vielfach noch immer tabuisiertes Thema. Dereinst , in den Jahren des Wirtschaftswunders war es das natürlich erst recht, denn da trug eine traumatisierte Gesellschaft der „Unschuldigen“ einen regelrechten Verdrängungs-Wettbewerb aus . Das kleine Mädchen in den beiden zu einem Doppelroman zusammengefassten Teilen „Ich freue mich, dass ich geboren bin“ und „Wer dann noch lachen kann“ von Birgit Vanderbeke beleuchtet die Absurdität und Grausamkeit des Erwachsenenlebens aus der Froschperspektive – höchst erhellend, zutiefst menschlich und voll melancholischer Ironie. Ähnlichkeiten zu heutigen Verhältnissen sind keinesfalls zufällig – damals schrieb Kempowki: „Uns geht’s ja noch gold“, heute schwärmt Merkel: „Deutschland geht es gut“ – und ewig schweigt man über die Opfer. (Roland Rottenfußer) (mehr …)

0 weiterlesen

Den Schleier der Lüge zerreißen

Meinungs-Monokultur in Deutschland und die subversive Macht der Minderheiten. Spätestens seit George Orwell wissen wir, dass Sprache – bzw. die Möglichkeit ihrer Verdrehung – ein Machtinstrument erster Güte ist. Die „Wahrheitsministerien“ unserer Zeit leisten im Moment ganze Arbeit. Mit dem Slogan „Sozial ist, wer Arbeit schafft“ könnte sich wohl auch ein Sklavenhalter aus den Zeiten von „Onkel Toms Hütte“ rechtfertigen. Und mit dem Schlagwort „mutige Reformen“ verschleiern Politiker ihr feiges Zurückweichen vor der Macht des internationalen Finanzkapitals. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy spricht von einem „geistigen Kollateralschaden durch gezielten Sprachmissbrauch.“ Roland Rottenfußer meint, dass wir trotzdem nicht verzagen sollten. (Roland Rottenfußer) (mehr …)

2 weiterlesen

«Kein rechtes Herz für’s Vaterland»

Konstantin Weckers Auseinandersetzung mit dem Wiedererwachen nationalistischer Gefühle während der Wendezeit 1989/1991 war beispielhaft. Seine Aussagen und Liedtexte damals zeugten von Standfestigkeit und Weitblick. Sie können uns auch heute noch inpirieren, in einer Zeit, in der es scheinbar nichts Wichtigeres zu klären gibt als die Frage, ob ein „gesunder Patriotismus“ uns 72 Jahre nach Kriegsende nicht guttäte. Konstantins Antwort: So etwas wie einen harmlosen Patriotismus gibt es nicht. Seine Begründung: dem neonationalistischen Rausch folgte ein fürchterlicher Kater in Gestalt von Ausschreitungen gegen Asylbewerberheime. Roland Rottenfußer hat das Thema „Konstantin Wecker und die Wiedervereinigung“ in einem Abschnitt der Biografie „Konstantin Wecker: Das ganze schrecklich schöne Leben“ dargestellt. (mehr …)

1 weiterlesen

Mit Links den Klassenerhalt geschafft

Die „Linke“ ist nach der Wahl besser aufgestellt als es den Anschein hat – vor allem im Vergleich zu ihren großenteils wankenden politischen Rivalen. Einige Fallstricke gibt es dennoch: die Partei könnte im Schatten von derart vielen „wichtigen“ und verhaltensoriginellen Parteien wenig Gehör finden. Und sie könnte von einer Nahles-SPD umarmt und totgedrückt werden, die Linkssein aus taktischen Gründen nur simuliert. Vorsicht ist auf jeden Fall angeraten. Und kritische Solidarität von unserer Seite. (Roland Rottenfußer) (mehr …)

3 weiterlesen

Sakko Springer Stiefel – Die nationalneoliberale Republik

Triumphator Gauland. Merkel abgestraft – vielleicht vor allem wegen der menschlichsten Entscheidung ihrer Amtszeit. SPD geschreddert. Die Linke schwächste Oppositionspartei. Und vielleicht künftig eine Regierung Merkel/Lindner/Hofreiter. „Ach, du mein schauriges Vaterland“, sang Konstantin Wecker. Mit dem neuen Bundestag wird die Arbeit außerparlamentarisch Oppositioneller und kritischer Journalisten nicht leichter. Eine Hoffnung bleibt jedoch: Wenn wenige betuchte AfD-Wähler ihre Miete nicht mehr bezahlen können, wenn ihnen der Strom gesperrt und ihre geliebte CD-Sammlung rausgepfändet wird, dann werden sie merken, dass man Ausländerfeindlichkeit nicht essen kann. (Roland Rottenfußer) (mehr …)

17 weiterlesen

Die 9 Sargnägel der Demokratie

Die repräsentative Demokratie in der ursprünglich intendierten Form ist gescheitert, wenn die Repräsentanten das „demos“ (Volk) nicht mehr repräsentieren, sondern es zur Unterwerfung unter die Interessen einer dritten Kraft aus dem Wirtschafts- und Finanzsektor zwingen. Natürlich sagt niemand offen: „Wir schaffen jetzt die Demokratie ab.“ Die Menschen dürfen noch immer wählen, was sie wollen, solange sie nur das denken können, was sie sollen. Die Hauptaufgabe „demokratisch gewählter“ Politikern besteht in einem solchen System paradoxerweise im Demokratieabbau, also in der Begrenzung demokratischer Volksmacht auf das für die Finanzoligarchie Unschädliche. (Roland Rottenfußer) (mehr …)

3 weiterlesen

Wahrhaftiges, zeitkritisches Theater muss leben können!

Das Metropoltheater, München

Das renommierte Metropoltheater in München, das demnächst wieder eine ergreifende Produktion über Flüchtlingsschicksale auf die Bühne bringt, leidet an seiner knappen finanziellen Ausstattung. Ist solches Theater am Puls der Zeit den Stadt- und LandespolitikerInnen vielleicht zu unbequem? Konstantin Wecker und Roland Rottenfußer bitten um Unterstützung eines Appells des Metropol-Fördervereins. (mehr …)

0 weiterlesen

Ist es in Ordnung, dass jemand regiert?

Alfons der Viertelvorzwölfte

Anarchische Gedanken über das Verhältnis von Staat und Individuum. „Fast ein jeder verlangt leidenschaftlich danach, über wenigstens einen einzigen seiner Brüder zu herrschen. Darin liegt das Unheil“, heißt es in Tschingis Aitmatows Roman „Der Richtplatz“.Wir werden von unserem ersten Atemzug an regiert, ob wir das wollen oder nicht. Dabei ist es verständlich, dass Herrschende Gehorsam und Unterordnung gut finden; dass aber auch die meisten Beherrschten es in Ordnung finden, dass jemand regiert, ist vielleicht der phänomenaler Erfolg einer jahrhundertealten Propaganda. (Roland Rottenfußer) (mehr …)

9 weiterlesen

Start typing and press Enter to search

Do NOT follow this link or you will be banned from the site!