Alexanders CD-Tipp der Woche: Ninotschka – Nabel

 In Alexander Kinsky, CD-Tipp

Die zweite CD der jungen Wiener Liedermacherin Ninotschka (Nina Lyne Gangl) bekräftigt selbstbewusst Individualität und Frausein. Eine gerade in der schlichten wie gleichwohl bildhaft-poetisch gedankensprudelnden Liederzählweise zur Gitarre ungemein eindringliche CD! (Alexander Kinsky)

Schon die Cover- und Bookletgestaltung der 2017 veröffentlichten CD „Nabel“ (kar Ton Records 2017 / ATCF2) zeugt vom individuell-authentischen künstlerischen Anspruch, mit den der Phantasie Tür und Tor öffnenden starken Schwarzweißmotiven die die komplett abgedruckten Liedtexte ergänzen. Die Gestaltung atmet eine einnehmende, naturverbundene Sanftheit, die gleichwohl gerade in ihrer Unaufgelöstheit der Bilder Räume ins Innere von Seelenwelten zu öffnen vermag.

Ninotschkas Vortrag und Liedanlage mischt wie schon bei ihrer ersten CD „Fleisch & Blut“ scheinbar dahinsprudelnde Gedankenketten mit sanfter Poesie. Wenige Geräuschzusätze, die naturhafte Stimmungen verstärken, werden eingeblendet, fast alles trägt sich mit Ninotschkas Gesang und ihrem Gitarrenspiel.

Die CD hat etwas Erdiges, Geerdetes, und dabei blickt sie uns ganz tief in die Seele. Nabel, Krantier, Geborgenheit zu zweit in der Natur, selbstbewusstes Frausein („Mein Gebet“, „Frau Percht“), Individualität („Individuum“), das Leben hinter einem Vorhang, der Tod als Teil des Stadtlebens, die mögliche Leichtigkeit an Wendepunkten des Lebens und schließlich (die Klammer der CD, zu Beginn instrumental, am Ende gesungen) die Harmonisierung des Daseins mit der Betrachtung des Nabels – Themen der Innenschau, unaufdringlich und gerade dadurch speziell eindringlich vorgestellt, mit teilweise ganz starken poetischen Bildern, dann wieder einfach so dahingesungen, wie innere Monologe.

Wer so wie der Schreiber dieser Zeilen Ende der 70er Jahre begonnen hat in Wien Liedermacherlieder zu hören stieß bald auf Erika Pluhar, die damals anfing, sich von Fremdkompositionen zu lösen und selbst geschriebene Lieder vorzutragen. Eines der stärksten war „Frau lauf weg, nimm dich selbst bei der Hand“. Ninotschkas Liedeinsatz fürs ganzheitliche Frausein in allen Facetten fast 40 Jahre später wagt nun Tabubrüche, auf psychologisch und poetisch ungemein eindringliche Weise. Ninotschkas Frauenlieder auf dieser CD gehören zu den stärksten Beiträgen was dieses Thema betrifft, sie sind unbedingt hörens- und verinnerlichenswert, für Frauen genauso wie für Männer und alles dazwischen.

Beim Lied „Individuum“ ist dem Schreiber dieser Zeilen ein anderes prägendes Jugenderlebnis in den Sinn gekommen, noch früher aus der Kindheit, Mira Lobes wunderbares Buch „Das kleine Ich bin Ich“.

Fazit: Ninotschka bringt eine ganz eigene, starke, sanft eindringliche, individuelle und vehement überzeugend frauliche Farbe in die LiedermacherInnenwelt.

Ninotschkas Homepage mit allen Infos und CD-Bestellmöglichkeit: https://www.liedermacherin.at/

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