Gute Ärzte – gute Mediziner?

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Ärzte sind nicht nur dem Wohl ihrer Patienten und der Verschwiegenheit verpflichtet – auch die Achtung der Menschenrechte und der bürgerlichen Freiheiten gehört zu den grundsätzlichen Pflichten ihres Berufsstands. Dies haben sie einmal gelobt. Auch jene Kampfmediziner, die heute Teil eines dezidiert bürgerrechtsfernen Mileus sind – des „Corona-Mainstreams“. Ein Blick auf das „Gelöbnis des Arztes“ wirkt bewegend, es stimmt aber auch traurig, wenn man sieht, wie schändlich es vielfach heute verletzt wird. Goldfisch, Quelle: Die Basis

 

Ein Freund und inzwischen im Ruhestand befindlicher Arzt sagte in einem unserer Gespräche einmal: „Wir brauchen nicht noch mehr Mediziner, wir brauchen mehr Ärzte!“

Gemeint hat er den feinen Unterschied, dass nach seiner Meinung ein Mediziner den Menschen als reparaturbedürftige Maschine betrachtet, wogegen ein Arzt den Menschen eher in seiner Gesamtheit sehe, auf jeden Fall aber die vertrauensvolle Beziehung zwischen Arzt und Patient als Teil der Behandlung und Heilung erachte.

Er war es auch, der mich vor vielen Jahren auf das Gelöbnis der Ärzte[1] aufmerksam machte.

Dieses Gelöbnis ist Teil der Berufsordnung der Ärzte, wobei als zusätzlicher Verhaltensmaßstab der § 203 StGB hinzukommt[2]

 

Das Gelöbnis des Arztes[3]

Als Mitglied der ärztlichen Profession gelobe ich feierlich, mein Leben in den Dienst der Menschlichkeit zu stellen.

Die Gesundheit und das Wohlergehen meiner Patientin oder meines Patienten werden mein oberstes Anliegen sein.

Ich werde die Autonomie und die Würde meiner Patientin oder meines Patienten respektieren.

Ich werde den höchsten Respekt vor menschlichem Leben wahren.

Ich werde nicht zulassen, dass Erwägungen von Alter, Krankheit oder Behinderung, Glaube, ethnischer Herkunft, Geschlecht, Staatsangehörigkeit, politischer Zugehörigkeit, Rasse, sexueller Orientierung, sozialer Stellung oder jeglicher anderer Faktoren zwischen meine Pflichten und meine Patientin oder meinen Patienten treten.

Ich werde die mir anvertrauten Geheimnisse auch über den Tod der Patientin oder des Patienten hinaus wahren.

Ich werde meinen Beruf nach bestem Wissen und Gewissen, mit Würde und im Einklang mit guter medizinischer Praxis ausüben.

Ich werde die Ehre und die edlen Traditionen des ärztlichen Berufes fördern.

Ich werde meinen Lehrerinnen und Lehrern, meinen Kolleginnen und Kollegen und meinen Schülerinnen und Schülern die ihnen gebührende Achtung und Dankbarkeit erweisen.

Ich werde mein medizinisches Wissen zum Wohle der Patientin oder des Patienten und zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung teilen.

Ich werde auf meine eigene Gesundheit, mein Wohlergehen und meine Fähigkeiten achten, um eine Behandlung auf höchstem Niveau leisten zu können.

Ich werde, selbst unter Bedrohung, mein medizinisches Wissen nicht zur Verletzung von Menschenrechten und bürgerlichen Freiheiten anwenden.

Ich gelobe dies feierlich, aus freien Stücken und bei meiner Ehre.

 

Diese 12 Sätze sind derart gehaltvoll, dass es sich lohnte auf jeden einzelnen einzugehen.

Wie die Zeiten aber sind, beschränke ich mich auf den letzten:

Ich werde, selbst unter Bedrohung, mein medizinisches Wissen nicht zur Verletzung von Menschenrechten und bürgerlichen Freiheiten anwenden.

In der österreichischen Ärztezeitung waren im März 2018 diese bemerkenswerten Sätze zu lesen:

„In der Ärztekammer Steiermark sprechen wir es im Rahmen der feierlichen Diplomverleihung an unsere frisch ausgebildeten Kolleginnen und Kollegen.“ Lindner weiter: „Dabei beeindruckt, mit welcher Freude auch die schon länger im Berufsleben befindlichen Kollegen dabei sind.“[4]

Mit Freude ein Gelöbnis sprechen, mit Freude das Versprechen geben, dass, solange ich dein Arzt bin, dir nichts passieren kann, denn selbst, wenn ich bedroht werden sollte, werde ich deine Rechte nicht verletzen. Das spricht für hohe ethische Maßstäbe.

Herr Montgomery hat das unterschrieben und Herr Lauterbach hat es gelobt, Alena Buyx hat es, Herr Tschentscher ebenso wie Herr Drosten und viele viele andere.

Wir leben in einer Zeit, in der viele ethischen Maßstäbe über Bord geworfen werden.

Wehrt euch dagegen, friedlich, aber bestimmt – wir sind eine Menschheitsfamilie.

 

[1] Es wird auch als „Genfer Deklaration des Weltärztebundes“ bezeichnet

[2] https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__203.html

[3] Zuletzt geändert durch die 68. WMA (World Medical Association) -Generalversammlung, Chicago, Vereinigte Staaten, Oktober 2017

[4] © Österreichische Ärztezeitung Nr. 5 /10.03.2018

https://aerztezeitung.at/2018/oaz-artikel/politik/deklaration-von-genf-hippokrates-und-das-aerztliche-geloebnis/

 

Showing 4 comments
  • Gerhardus Lang
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    Ich kann mich nicht erinnern, dass ich dieses „Gelöbnis“ habe jemals aussprechen müssen, noch wurde es mir mitgeteilt, nachdem ich das medizinische Staatsexamen hinter mir hatte. Auch als ich nach den Pflichtjahren als Medizinal-Assistent (MA) meine Approbation per Post zugeschickt bekam, war von einem Gelöbnis keine Rede. Man hatte zwar mal etwas von dem „Eid“ des Hippokrates gehört, aber der stand in keinem Lehrbuch und darüber wurde auch keine Silbe in irgendwelchen Vorlesungen verloren. Nun habe ich das alles hinter mir und habe nach eigenem Wissen und Gewissen gehandelt. Ich wurde nicht straffällig und bekam keinen Prozess gemacht.

    Wozu also dieses ständige Hervorheben dieser Sammlung von wohltönenden Sprüchen, die genau so behandelt werden, wie unser „unveräusserlichen „Grundrechte. Jeder muss schließlich selber wissen und entscheiden, was er tut und die Folgen tragen.

    • Piranha
      Antworten
      Werden denn die Folgen getragen werden – irgendwann?
    • mensch ohne welt
      Antworten
      Naja alle Regierungen werden auf „so wahr mir Gott helfe“ dem Wohle des Volkes zu dienen vereidigt…doch was ist wenn sie garnicht an Gott glauben, und das Volk ihnen am A… vorbeigeht?!
  • Piranha
    Antworten
    PS: Der „Nürnberger Kodex“ ist Ihnen aber ganz sicher bekannt. Daraus hat der Weltärztebund das Gelöbnis der Ärzte abgeleitet.

    keine Silbe in irgendwelchen Vorlesungen verloren

    Schade, sehr schade, dass Sie dies nicht für bedeutsam halten.

    Ob Sie im deutschsprachigen Raum damit ein Einzelfall sind, kann ich nicht beurteilen. Ebenso wenig, ob in einer Vorlesung die „Medizinethik“ angesprochen wurde.

    In einem gebe ich Ihnen Recht: man springt mit ethischen Maßstäben, genau wie mit unseren unveräußerlichen Grundrechten um, als seien es Karamellen, die vom Faschingswagen geworfen werden und nach dem Umzug unbeachtet und zertreten liegen bleiben.

    Ich frag mich oft, ob man denn das eigene Gewissen einfach so abschalten kann.

    Dann komm ich aber wieder auf meine vielfältigen Erfahrungen im Gesundheitsberuf: bilanziert wird am Ende des Lebens, wenn Sterbende darauf zurückblicken. Sätze wie „ich hab alles gut und richtig gemacht“ sind genauso anzutreffen wie „ich muss noch etwas erzählen“ oder „es muss diese oder jene Person noch kommen, ich will da was gerade rücken“.

    Oder wird die damit einhergehende Unruhe mittels Psychopharmaka und/oder Opiaten abgeschaltet? also eine letzte Bilanz verunmöglicht. Pflegende bezeichnen diese Unruhe oft als: „da stirbt jemand schwer“.

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