Helfen wir den Menschen in Griechenland! – 4. Zwischenbericht

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Holdger Platta

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In seiner neuen Zwischenbilanz freut sich Holdger vor allem über die wider Erwarten auch in der 4. Woche keineswegs abgeflaute Spendenfreudigkeit unserer Leserinnen und Leser. Neben ein paar praktischen Fragen nimmt er auch noch mal politisch Stellung. Am meisten werden wir ja durch Begriffe verdummt, die scheinbar nebenbei und dafür um so penetranter immer wieder in den Medien einfließen. Z.B. der Begriff „Griechenland-Rettungspaket“. Eigentlich handelt es sich dabei ja um ein Verarmungs-, Enteignungs und Demokratieabbau-Paket. Dagegen geht unsere GriechInnenhilfe in die richtige Richtung, wenn auch der Begriff „Rettung“ angesichts der Dimensionen des Problems viel zu hoch gegriffen wäre.

Liebe HdS-Leserinnen, liebe HdS-Leser,

zugegeben, als ich vor einer Woche für Euch den 3. Zwischenbericht schrieb, ging ich davon aus, daß der Spendeneingang in diesen zwei, drei Wochen bis zum Ende der Sommerferien erstmal ein wenig zurückgehen würde. Außerdem pausiert Konstantin Wecker seit dem vergangenen Sonntag ein wenig und erholt sich – hoffentlich gut! – von seiner Konzert-Tournee (mit der er, so richtig jedenfalls, erst ab Anfang Oktober wieder ‚loslegen’ wird). Werbung für unsere Hilfsaktion auch von dieser Seite aus also erstmal keine mehr.

Zur Erinnerung: der Anstieg des Spendenvolumens von vorher rund 41.000,- Euro belief sich während der vergangenen Woche ‚nur noch’ auf rund 6.500,- Euro, zeigte also am vergangenem Donnerstag einen ‚Pegelstand’ von 47.500,- Euro (bei 340 Spenderinnen und Spendern). In der Woche davor hatte dieser Anstieg noch rund 13.000,- Euro betragen.

Um so überraschter war ich deshalb, als ich von unserem Göttinger Kassenverwalter Peter Latuska heute die allerneuesten Zahlen erhielt, und ich denke, wir alle können uns freuen, sämtliche Mitakteure bei dieser Hilfsaktion, aber selbstverständlich auch – und vor allem! – die hilfsbedürftigen Menschen in Griechenland!

Liebe HdS-Leserinnen und liebe HdS-Leser, der neue Spendenstand beträgt

60.539,01 Euro,

was erneut einen Spendenanstieg von knapp über 13.000,- Euro binnen einer Woche entspricht, und die SpenderInnenanzahl ist inzwischen angewachsen auf 380 Helferinnen und Helfer. Ich danke von ganzem Herzen und im Namen aller, die seit nunmehr gut vier Wochen aktivst beteiligt sind an unserer Spendenaktion, für diese immense Hilfsbereitschaft! Wobei ich uns zu glauben bitte:

Nein, wir werden uns an solchen Zahlen nicht besoffen freuen! Allzu deutlich ist, daß wir damit einer ganzen Reihe einzelner Menschen und Familien, Krankenhäusern und Sozialstationen in Griechenland helfen können. Wir wissen aber auch und bleiben uns dessen bewusst, daß wir damit nur ganz wenigen Menschen und medizinisch-sozialen Einrichtungen in dem gepeinigten Mittelmeerland helfen können. Und: daß eine Aktion wie die unsere nicht mal im Ansatz wiedergutmachen kann, was eine zerstörerische Politik – die Politik der Euro-Staaten mit Deutschland an der Spitze! – kaputtmacht in diesem Land. In diesem Zusammenhang:

Es ist Zynismus sondergleichen, als „Hilfs-“ oder gar „Rettungs“-Paket auszugeben, was den Griechen vor einigen Wochen aufgezwungen worden ist (und gestern auch im deutschen Bundestag eine Mehrheit fand), und es ist beschämend für die Massenmedien in unserem Land, daß selbst „Tagesschau“ und „heute journal“ permanent die Menschen bei uns mit dieser Betrugsvokabel für dumm verkaufen. Ich verweise hier nur, stellvertretend für vielerlei, auf den „Fraport-Deal“: Für einen Appel und ein Ei muß Griechenland nun seine 14 lukrativen Flughäfen an die bundesdeutsche Betreibergesellschaft verkaufen und darf dafür auf seinen rund 30 Flughäfen ohne Ertragsplus sitzenbleiben. So sieht nicht „Hilfe“ oder gar „Rettung“ aus, sondern das ist Kolonialismus in neuer Gestalt, denn Mehrheitseigner bei der „Fraport“ sind staatliche Stellen (der Bund, das Land Hessen und die Stadt Frankfurt am Main). Das ist ein Ausverkauf Griechenlands zugunsten der Bundesrepublik Deutschland, das ist, volkswirtschaftlich betrachtet, Zerrüttungspolitik und, in ethisch-humaner Perspektive gesehen, Politik gegen die Ärmsten und Armen in Griechenland.

Wir, die Akteure, und Ihr, die vielen Helferinnen und Helfer, werden das nicht aus den Augen verlieren und wieder und wieder kritisieren. Wir leisten Hilfe, wo und wie wir nur können, aber wir lassen uns nicht abschieben auf Caritas! Unsere Hilfe wird demzufolge stets eine doppelte sein: Unterstützung der verelendeten Menschen in Griechenland und schärfste Kritik an allen Politikern, die Griechenland mit immer mehr Unglück überziehen. Versprochen!

Damit zu dem, was nun zuallererst passieren wird:

Übermorgen, am Samstag, reist Karl-Heinz Apel, der Apotheker aus Rosche (bei Uelzen) und Mitakteur in unserem Team, mit seiner Ehefrau nach Griechenland und wird dort das Kreiskrankenhaus in Molai, die Arztpraxis in Kyparissi sowie einige Einzelpersonen mit Sachmitteln und Spendengeldern versorgen (ich verweise hier auf meinen 2. Zwischenbericht).

Evelin und Tassos Chatzatoglou, unsere Team-Mitglieder aus Graz, das österreichisch-griechische Ehepaar, fährt ebenfalls nächste Woche nach Griechenland, und diese werden alle jene Menschen und Einrichtungen mit Sachspenden und Geldern versorgen, die ich im 3. Zwischenbericht in der letzten Woche vorgestellt habe.

Beide „Teil-Teams“ werden sich in Griechenland auch treffen, beide werden vor Ort – heißt: an vielen Stellen in Griechenland – nach weiteren Notsituationen fahnden. Sie werden mit zahlreichen Menschen in Griechenland sprechen, die ihrerseits bereits verarmte, notleidende Menschen unterstützen, als ‚Privatpersonen’, als Sozialarbeiter und Ärzte, als ‚Sozialapotheker’ (auch das gibt es mittlerweile in Griechenland!) und Popen. Beide ‚Teil-Teams‘ werden zudem vor Ort recherchieren, ob in allen Fällen die von uns zunächst zugedacht Hilfe auch ausreichen wird. Denn: aus unserer gemeinsamen Sicht ist es nicht damit getan, zig Menschen irgendwelche Almosenbeträge zukommen zu lassen. Jenen Menschen, denen wir helfen wollen und helfen werden, wollen wir – zumindest und zunächst für ein halbes Jahr (weiter wagen wir noch nicht zu denken!) – für diesen Zeitraum zu einem wirklich menschenwürdigen Leben zurückverhelfen. Auch dieses Hilfsprinzip hatte ich ja bereits in den Vorberichten benannt und erläutert.

Laßt mich zum Abschluß dieses Berichtes noch die folgen Punkte kurz ansprechen:

1. Voraussichtlich zu Anfang der kommenden Woche wird unser kleines – übrigens kostenlos erstelltes! – Werbevideo für unsere Hilfsaktion fertig sein. Vor allem dem Produzenten, Clemens Haid/Graz, danke ich dafür sehr. Aber auch Evelin Chatzatoglou, die kräftig mithalf, dieses Video erstellen zu helfen, sowie – aber natürlich! – Konstantin Wecker, der ‚Hauptbotschafter’ innerhalb dieses Videos ist.
2. Kurt Berlo, mit der geduldigen Vermittlerin und HdS-Leserin Margit Geilenbrügge, danke ich sehr für die Erarbeitung eines richtigen „Logos“ für unsere Hilfsaktion. Wenn ich’s mal persönlich kommentieren darf: Diese Idee, aus dem linken oberen Teil der Griechenlandflagge den Buchstaben „E“ herauszulesen – Kurt Berlos Entdeckung! -, halte ich für geradezu genial! Und ich finde, mit der Kombination von „Empört Euch!“ (das dem Flaggen-„E“ folgt) sowie unserem eigentlichen Slogan von Anfang an „Helfen wir den Menschen in Griechenland!“ präsentiert dieses Logo auch visuell aufs plausibelste den humanitär-politischen Doppelcharakter unserer Aktion!
3. Als wichtigen Hinweis und wichtige Bitte wiederhole ich sehr gerne auch heute nochmal die Empfehlung unseres Spendenverwalters Peter Latuska aus Göttingen, an alle Spenderinnen und Spender, die uns für einen längeren Zeitraum mit Geldern versorgen wollen, dieses per Dauerauftrag zu tun, nicht per Abbuchungsvollmacht. Apropos: auch Peter Latuska danke ich hier sehr herzlich für den – geben wir’s doch zu! – nicht sonderlich herzerwärmenden Job, das gesamte Geldverwaltungswesen mit Sorgfalt im Auge und im Griff zu behalten.

Über weitere – also: neue – Hilfsprojekte in Griechenland hoffe ich bereits im nächsten Zwischenbericht etwas mitteilen zu können. Vielleicht liegen dann ja sogar schon erste ‚Übergabe’-Berichte aus Griechenland vor. Außerdem – ich kündige es hier schon mal an! – denken wir InitiatorInnen auch über eine politische Ausweitung unseres Engagements nach.

Bleibt, wie nunmehr schon gewohnt, zum Abschluß nur noch, nochmals unsere Bankdaten zu nennen, wobei ich daran erinnere, bei Einzahlung das Stichwort „GriechInnenhilfe“ nicht zu vergessen:

Inhaber: IHW
IBAN: DE16 2605 0001 0056 0154 49
BIC: NOLADE21GOE

Ich grüße Euch alle ein weiteres Mal sehr herzlich, und erneut natürlich auch im Namen aller MitstreiterInnen,

Euer Holdger Platta

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