Kämpfen wir auch gegen das Verschweigen der Unmenschlichkeiten in Griechenland!

 in FEATURED, GRIECHENLAND, Holdger Platta, Über diese Seite

270. Bericht zu unserer Spendenaktion „Helfen wir den Menschen in Griechenland!“ Dieses Mal ein etwas anderer Akzent in meinem Bericht: die Bitte nämlich, auch beizutragen zur Weiterverbreitung dieser regelmäßigen Informationen über die Menschlichkeitsverbrechen in Griechenland. Wer, wenn nicht wir, sollten auch diesen Aspekt unserer Arbeit nicht aus den Augen verlieren. Ansonsten: erst in dieser Woche findet in Griechenland der große Generalstreik statt. Die Mitsotakis-Regierung geht weiter mit brutaler Härte gegen Flüchtlinge vor und hat weiterhin die relative Mehrheit der GriechInnen, soweit es diesen noch gut geht, hinter sich. Und wir, die OrganisatorInnen der GriechInnenhilfe, müssen weiterhin bescheiden bleiben, was unsere Hilfsmöglichkeiten betrifft. Holdger Platta

 

Liebe HdS-Leserinnen und liebe HdS-Leser,

sagen wir es so: auch in der ersten Juniwoche 2021 ist es bei einem moderaten Anstieg bei den Neuspenden geblieben. Durften wir in der Vorwoche 130,- Euro an weiteren Hilfsgeldern auf unserem Konto verbuchen, überwiesen von 4 UnterstützerInnen an uns, ging während der letzten sieben Tage der Gesamtbetrag an neuen Spenden auf 125,- Euro zurück, 3 HelferInnen sorgten dafür.

Nach Abzug der 220,- Euro an Panagiota K. aus Megara mit ihren drei Töchtern für Miete verfügen wir derzeit also über knapp 1.500,- Euro für die GriechInnenhilfe.

Da demnächst unser Reiseteam Evi und Tassos Chatzatoglu zu einer neuen Fahrt nach Griechenland aufbrechen wird, werden wir dann erfahren, welcher Bedarf an Fortsetzung unserer Hilfsaktionen bestehen wird. Leider ist zu befürchten, dass wir ein weiteres Mal nicht allen Notleidenden in ausreichendem Maße werden helfen können. Aber warten wir ab!

Was den im letzten Bericht mitgeteilten eintägigen Generalstreik der Gewerkschaft ADEDY betrifft, so hat es da eine doppelte Änderung gegeben:

Zum einen wurde dieser Streiktag auf den 10. Juni verschoben (geplant war ursprünglich der 3. Juni des Jahres). Zum anderen haben sich inzwischen aber zwei weitere Arbeiterorganisationen diesem Streikvorhaben angeschlossen: neben der Gewerkschaft der Staatsangestellten, der ADEDY, werden nunmehr auch die Mitglieder der Arbeitergewerkschaft ihre Arbeit an diesem Tag niederlegen, außerdem die Werktätigen, die in der Schiffahrt beschäftigt sind. Folge unter anderem: die Schiffe bleiben in den Häfen, auch die Busse und die U-Bahn in Athen verkehren nicht. Außerdem wird in den Krankenhäusern nur ein Notbetrieb aufrechterhalten, die meisten KrankenpflegerInnen, Krankenschwestern und Ärzte treten also ebenfalls in den Streik.

Was die Streikziele betrifft, bleibt es bei dem, was ich Euch in der letzten Woche bereits mitgeteilt habe:

Rund 2 Millionen ArbeitnehmerInnen wollen verhindern, dass der Achtstundenarbeitstag abgeschafft wird, um eine 50-Stunden-Arbeitswoche einzuführen. Darüber hinaus soll der Sonntag als arbeitsfreier Tag erhalten bleiben.

Tassos Chatzatoglou hat das in einer Mail an mich so formuliert: die Streikenden kämpfen gegen die Absicht der ultrakonservativen Regierung unter Mitsotakis, in Griechenland wieder Arbeitsverhältnisse einzuführen, die zuletzt während der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts in diesem Mittelmeerstaat üblich waren. „Kapitalismus vom Feinsten“, wie es Tassos Chatzatoglou mit bitterer Ironie auf den Punkt gebracht hat. Und Kalle Apel ergänzte in einer Nachricht an mich: selbst an seinem Ferienort Kyparissi, an der südpeloponnesischen Küste gelegen, einem Ort, der bis dato Armut kaum kannte, nehmen die ökonomischen Alarmzeichen zu: ein befreundeter Schmied klagt über die schwierige Finanzlage der Bürger. Und die Bewohner dort gehen mit ihren Geldern sparsamer um, fahren kaum noch mit ihren Booten aufs Meer hinaus, weil die Spritpreise zu stark angestiegen sind. Eine Seefahrernation nimmt Abschied von alten Gewohnheiten.

Verschwiegen werden soll aber nicht, daß der Regierungschef Mitsotakis mit seiner „Nea Dimokratia“ sich weiterhin auf hohe Zustimmungswerte bei den Umfragen stützen darf. Nach wie vor liegen die „Neudemokraten“ mit 37,2 Prozent Zuspruch aus der Bevölkerung weit vor der SYRIZA mit gerademal 24 Prozent. Und auch die Veränderungen bei den Umfrageergebnissen für die anderen Parteien zeigen nach wie vor das gleiche Bild: die „Bewegung der Veränderung“, die sozialdemokratische Nachfolgepartei der PASOK, käme derzeit auf 6,8 Prozent, die kommunistische KKE dürfte mit 5,2 Prozent rechnen, und die MeRA25, die Parteigründung des Ex-Finanzministers Iannis Varoufakis ( vormals, im Jahre 2015 bis in den Herbst hinein, Mitglied der SYRIZA), würde nicht mal den Sprung ins griechische Parlament schaffen und mit 2,9 Prozent knapp an der Drei-Prozent-Hürde für einen Sitz im griechischen „Bundestag“ scheitern.

Keine Veränderungen im übrigen auch bei der Politik der griechischen Regierung gegenüber den Flüchtlingen im eigenen Land:

Obwohl die Zahl der Asylbewerber gegenüber dem Vorjahr um 40 Prozent zurückgegangen ist – auf den ostägäischen Inseln hielten sich Ende April dieses Jahres noch knapp 11.500 Flüchtlinge auf (Vorjahreszahl: über 32.000 Menschen, die in den dortigen Lagern dahinvegetieren mußten) –, legt die Mitsotakis-Regierung weiterhin ihre Unmenschlichkeit an den Tag und exekutiert ohne jede Einschränkung auch weiterhin ihre menschenrechts- und völkerrechtsfeindliche Politik. Mehr und mehr Unterkünfte für die Flüchtlinge werden geschlossen und die betreffenden Menschen – egal, ob anerkannte Asylbewerber oder nicht – einfach auf die Straße gesetzt. Eine Schande für Griechenland – und ich beziehe hier ausdrücklich die Mitsotakis-WählerInnen mit ein! –, eine Schande aber auch für Europa, die dem einfach so zuschaut – das betrifft vor allem die Politiker der EU – oder gar nicht mehr hinblickt – damit sind natürlich vor allem die westlichen Großmedien gemeint, einschließlich der bundesdeutschen Zeitungen und Fernsehanstalten.

Menschenfeindliche Grausamkeiten in einem Staat des eigenen Bündnisses: für Westeuropa kein Thema mehr! Weder sogenannt-christliche Demokraten noch sogenannt-soziale Demokraten kümmern sich um dieses gewollte Unglück in Griechenland. Und sogenannt-liberale Demokraten schon gar nicht. Für diese ist das ohnehin in Ordnung, weil es halt kapitalistische Ordnung ist, die an den Menschen dort im Süden Europas exekutiert wird. So wahnsinnig anders sieht das ja auch in unserem Lande nicht aus.

Wir halten dagegen, nach wie vor, in Worten und Taten. Und bitten auch Euch um Unterstützung dabei. Das betrifft Eure finanzielle Hilfe, auch weiterhin. Diese Unterstützung kann aber auch darin bestehen, daß Ihr für möglichst weite Verbreitung dieser Berichte sorgt. Die „Bild“-Zeitung wird das ganz gewiss nicht tun, nicht mal anerkanntere Medien wie FAZ und SZ tun das. Da sind wir angewiesen auf unsere eigene Initiative und unsere eigene Solidarität. Dank dafür also jetzt bereits! Und die andere Bitte kommt halt – wie gewohnt – an dieser Stelle noch hinzu. Also:

Wer uns Gelder für unsere Hilfe für Menschen in Griechenland zukommen lassen will, der überweise uns diese bitte unter dem Stichwort „GriechInnenhilfe“ auf das Konto:

IBAN: DE16 2605 0001 0056 0154 49
BIC: NOLADE21GOE
Inhaber: IHW

Wer eine Spendenbescheinigung benötigt – ab 201,- Euro erforderlich –, wende sich bitte an unseren Kassenwart Henry Royeck, entweder unter der Postanschrift Sültebecksbreite 14, 37075 Göttingen, oder unter der Mailadresse henryroyeck@web.de.

Mit herzlichen Grüßen
Euer Holdger Platta

Showing 5 comments
  • Klaus-Rüdiger
    Antworten
    Guten Tag Herr Platta und Herr Rottenfußer,

    nun bin ich doch ein klein wenig verwundert. Gerade jetzt müsste doch eigentlich ein bisschen mehr Unterstützung für die Griechenlandhilfe möglich sein. Immerhin wurde Ihnen, also „Hinter den Schlagzeilen“, erst kürzlich vom Magazin „Rubikon“ der ganz und gar nicht unerhebliche Betrag von immerhin EUR 10.000 (!!!) gespendet.

    Gerade wollte ich etwas für Ihre Griechenlandhilfe überweisen, aber damit werde ich jetzt warten. Ein Tranzparenzbericht, was mit dieser Großspende an HdS passiert, wäre angebracht.

    Als Nachweis für andere Leser (sofern mein Kommentar überhaupt freigeschaltet wird) siehe hier: https://www.rubikon.news/artikel/wir-sagen-danke

    Besten Dank

  • Holdger Platta
    Antworten
    Lieber Klaus-Rüdiger,

    ja, es stimmt: für HdS haben wir in der letzten Woche eine große Spende erhalten. Aber diese dürfen wir ausschließlich für HdS-Zwecke verwenden, nicht also für die GriechInnenhilfe!

    Bitte überprüfen Sie einmal die Kontonummern! Dann werden Sie feststellen, daß die jeweiligen Spenden für HdS einerseits und und Griechinnenhilfe andererseits auf verschiedenen Konten landen.

    Würden wir diese zweckgebundenden Spenden einfach so, nach eigenem Gutdünken, hin und her schieben, würden wir uns strafbar machen – vereinsrechtlich sowieso, aber auch strafrechtlich im Sinne des Betruges!

    Es ist und bleibt also eine Selbstverständlichkeit für uns, die bei uns eingehenden Spenden nur für jenen Zweck verwenden, den uns die SpenderInnen auf ihren Überweisungen selber angegeben haben.

    Mit herzlichen Grüßen

    Ihr Holdger Platta

  • Klaus-Rüdiger
    Antworten
    Lieber Holdger Platta,

    ok, das leuchtet ein. Diese Umstände habe ich nicht bedacht. Da aber, unabhängig von der Griechenlandhilfe, auch sonst recht häufig auf HdS um Spenden gebeten wird, wäre ein Transparenzbericht wünschenswert. Andere spendenfinanzierte Seiten machen das vorbildich. Auf HdS vermisse ich das. Es geht ja schließlich nicht um ein paar hundert Euro, sondern um eine Großspende von 10.000 Euro. Und dann auch noch ausgerechnet von „Rubikon“. Da scheint ja so einiges schief zu laufen. Aus mehr als nachvollziehbaren und verständlichen Gründen treten Beiratsmitglieder nahezu reihenweise zurück. Ich finde das Ganze ein wenig suspekt und befremdlich.

  • Ulrike Spurgat
    Antworten
    10 000 Euro…, dass ist aber ne Menge Holz.

    Da braucht man sich ja erstmal keine Gedanken mehr zu machen wie das Überleben von HdS gesichert bleibt.

    Trotzdem ist da irgendetwas, dass ich bislang nicht einordnen kann was mich daran stört.

    Da ich weder zum Rubikon, noch zu KenFm oder zum Demokratischen Widerstand eine nennenswerte Nähe habe kann es das nicht sein.

    Möglicherweise komme ich noch dahinter, um es einordnen zu können.

    Eine Information hätte gereicht, und die HdS Leser hätten sich über den „Geldregen“ mit freuen können. Und ich denke nicht, dass die Spendenbereitschaft aufgrund dessen dann sinken würde, wenn das eine der Überlegungen gewesen war.

    Aber vielleicht habe ich die Info auch einfach übersehen, dann ist der Kommentar hinfällig.

     

  • rr
    Antworten

    @ Klaus-Rüdiger

    Die Spendeneinnahmen fließen in Gehälter für unser 3-Mann-Team, die allesamt nicht üppig sind, in IT-Support und (geringe) Spesen. Das stimmt mit den Ankündigungen überein, die wir im Laufe der Zeit in mehreren Spendenartikeln gemacht haben.

    Und es stimmt: Wir haben unlängst eine Spende über 10.000 Euro erhalten. Diese wird uns nicht „übermütig“ machen, sondern schlicht so eingesetzt werden, dass unsere geringen Gehälter wenigstens nicht noch reduziert werden müssen – wie wir es schon einmal im Herbst 2020 tun mussten, als Folge nicht zuletzt auch des kostspieligen Rechtsstreits, den wir zur Rettung von HdS mit dem Herausgeber unserer Website führen mussten, der offenbar nicht mitbekommen hatte, dass er alle Rechte und Pflichten Ende 2016 (!) an den gemeinnützigen Verein „Initiative für eine humane Welt (IHW) e. V.“ abgetreten hatte. Weitere Ausführungen erspare ich uns allen!

    Wir machen normalerweise jeden Monat „Miese“, und die Großspende ermöglicht es uns, noch etwas länger durchzuhalten. Voraussichtlich wird der „Geldberg“ jetzt nämlich Stück für Stück abgetragen werden, bis wir in 10 oder in 20 Monaten wieder in die Bredouille kommen werden.

    Was den Rubikon betrifft, so ist das nicht der Ort, um über dessen Redaktionslinie zu diskutieren. Sie setzen ohne genauere Kenntnis der Materie voraus, dass der Rücktritt einiger Beiratsmitglieder gegen den Rubikon spricht, nicht gegen diese Beiräte. Eine solche Annahme simplifiziert den Sachverhalt zu sehr. Wie auch im Fall von Konstantin Wecker geht es überwiegend um politische Meinungsverschiedenheiten. Wie der Rubikon selbst besagte Spenden an mehrere kleinere Webmagazinen sieht, können Sie hier nachlesen:

    https://www.rubikon.news/artikel/wir-sagen-danke

Kommentar schreiben:

Start typing and press Enter to search