Unsere Hilfsaktion: Seit an Seit mit den friedlichen Anarchisten in Griechenland?

 In FEATURED, GRIECHENLAND, Holdger Platta, Über diese Seite

Holdger Platta im August 2019

180. Bericht zu unserer Spendenaktion „Helfen wir den Menschen in Griechenland!“ Nicht unerfreulich auch dieses Mal das neueste Spendenergebnis. Weitere Aktivitäten unserer Außenteams bereiten sich vor. Aus Griechenland selber hingegen sind äußerst düstere Nachrichten mitzuteilen: die konservative Regierung schlägt Wege ein, die sich – rein äußerlich betrachtet – gegen friedlich-anarchistische Gruppen richten, in Wahrheit aber und in der Substanz alte Zustände aus der Obristenzeit wiederherzustellen versuchen. Überraschendes Resultat für uns: es kommt die Frage auf, ob unsere Hilfsaktion als „Terrorismus“ zu bezeichnen ist. Aber lest lieber selbst! Holdger Platta

Liebe HdS-Leserinnen und liebe HdS-Leser,

Eure Spendenzahlungen auf solidem mittleren Niveau halten an: durften wir für die Vorwoche einen Unterstützungsbetrag von 195,- Euro für unsere Hilfsaktion verzeichnen (SpenderInnenanzahl: 3), so gingen während der letzten sieben Tage 230,- Euro auf unserem Konto ein, überwiesen von 3 Helferinnen und Helfern an uns. Für mich ist das erneut ein Anlass für zuversichtlichen Dank an alle, die an der Seite unserer Unterstützungsaktivitäten stehen! Und dieses sicherlich auch dieses Mal im Namen des gesamten Organisationsteams!

Und damit zuallererst die beiden allerneuesten Nachrichten zu unseren Hilfsaktionen in Griechenland:

Zunächst: unser Außenhelferteam Uschi und Kalle bereitet sich auf seine neueste Hilfsreise nach Griechenland vor. Anfang September soll es losgehen – erneut mit einem Anhänger voller Hilfsmaterial für das Kreiskrankenhaus in Neapolis und für eine Landarztpraxis in Kyparissi/Südpeloponnes, die – wie das Krankenhaus – verarmte Griechinnen und Griechen (ohne Krankenversicherung) auch kostenlos behandelt. Wiederum hat Kalle diese ärztlichen Hilfsmittel akquirieren können (die Spenderfirma will nach wie vor ungenannt bleiben). Der Wert dieser Materialien dürfte auch dieses Mal bei ca. 4.000,- Euro liegen – bei einem Betrag mithin, der eigentlich dem o.g. Spendenerlös in der Höhe von 230,- Euro hinzuzufügen ist.

Und unser anderes Helferteam – Evi und Tassos Chatzatoglou – ist derzeit damit beschäftigt, die Geldbeträge für diverse Hilfszwecke, über die ich in der letzten Woche ausführlicher berichtet habe, nach Griechenland zu transferieren. Die Gesamthöhe dieser Hilfsbeträge liegt bei rund 3.000,- Euro.

Ansonsten will ich in den heutigen Mitteilungen vor allem vom weiteren Vorgehen berichten, mit dem die neue Regierung – das konservative Riesenkabinett unter Kyriakos Mitsotakis (Chef der „Nea Dimokratia“) – gegen friedliche Anarchisten im linken Stadtteil von Athen, Exarchia, einzuschreiten beginnt. Bemerkenswert dabei: diese Aktionen stellen gleichzeitig schärfste Sanktionen gegen Flüchtlinge in Griechenland dar, die von ihren anarchistischen Helfern in der griechischen Hauptstadt unterstützt werden. Aber der Reihe nach:

Das Ministerium für Migration ist von der neuen Regierung inzwischen aufgelöst worden. Dessen Kompetenzen wurden vollständig dem Ministerium für öffentliche Ordnung übertragen und dort vor allem – der Polizei!

Diese Polizei aber hat begonnen, Massenverhaftungen vorzunehmen; die Opfer sind vor allem Menschen ohne „legale“ Papiere, Migranten mithin. Des weiteren hat die Polizei die Grenzkontrollen zur Türkei verschärft und schiebt immer mehr „illegalisierte“ Menschen in das genannte Nachbarland ab. Und nicht zuletzt auch dieses noch: die Polizei verwehrt den Flüchtlingen den Zugang zum nationalen Gesundheitssystem, indem sie den Einwanderern die Ausgabe sogenannter „Sozialversicherungsnummern“ verweigert. Das hat vor allem dramatische Auswirkungen für die Migrantenkinder in Griechenland: sie dürfen aufgrund dieser Tatsache keine Schule besuchen, weil ihnen deswegen der dafür erforderliche Impfnachweis fehlt. Für mich heißt das: „konservative“ Politik in Griechenland, das ist identisch mit menschenrechtsfeindlicher Politik!

In Exarchia wurde vom griechischen Ministerium für öffentliche Ordnung den BewohnerInnen zweier besetzter – vorher leer stehender! – Häuser Wasser und Strom abgedreht, auch diese allesamt Flüchtlinge, die in den betreffenden Häusern dank der Anarchistenhilfe ein Obdach gefunden hatten!

Die Anarchisten selber haben mittlerweile begonnen, ein weiteres, ein drittes, Haus, das seit langem leer stand, für die Flüchtlinge einzurichten. Aus einer Erklärung der betreffenden HelferInnengruppe dazu, nachzulesen auf https://de.indymedia.org/node/36317 vom 18. August:

„Wir haben mit dem Bau von Badezimmern und separaten Räumen begonnen, wir haben es geschafft, ein Klassenzimmer und einen Spielplatz für die Kinder zu bauen, sie zu unterrichten und ihr Leben farbenfroher zu gestalten. Wir haben einen selbst organisierten Ort mit einer wöchentlichen Vollversammlung und Arbeitsgruppen geschaffen, in dem wir alle Entscheidungen über unser gemeinsames Leben und unsere Kämpfe treffen, und zwar auf der Grundlage unserer antiautoritären, antirassistischen und feministischen Werten und Prinzipien.“

Die Anarchistengruppe, die sich, nach eigenen Worten, einsetzt für eine Gesellschaft, „in der Solidarität, Gleichheit und Selbstorganisation“ das Leben der Menschen bestimmen sollen, wird diesen Kampf fortsetzen, obwohl ihr, nicht nur dort, der Staat mit immer schärferen Maßnahmen entgegentritt. Ich erinnere hier nur an die folgenden Fakten:

• Die rechtskonservative Regierung unter Mitsotakis gedenkt, alle Aktionsformen der Anarchisten – ausdrücklich auch die unblutigen, die friedlichen – fortan einzustufen als „terroristische Handlungen“ (nach Artikel 187a des griechischen Strafgesetzbuches). Man bedenke, selbst der zitierte Ausbau von Badezimmern für Flüchtlinge fällt dann unter diese Kategorie „Terrorismus“.

• 2.000 Polizisten sollen allein für den Zweck eingestellt werden, in Exarchia wieder die sogenannte „Ruhe & Ordnung“ wiederherzustellen.

• Des weiteren soll die – seit dem Obristenregime 1967 bis 1974 – traditionell linke Rückzugszone, die „Polytechnische Hochschule“, unter Polizeikontrolle gestellt werden. Konkret: das dort (wie an anderen Hochschulen) gültige „Universitätsasyl“ soll zur Gänze abgeschafft werden. Heißt: was „Rechts“-Realität unter den Generälen war – Razzien und Festnahme von Studierenden und sonstigen Universitätsangehörigen -, das hat sich nun auch diese neue Regierung auf ihre Fahnen geschrieben. Was scheinbar „nur“ die Anarchisten trifft, das soll fortan alle Oppositionelle treffen, die gegen staatliche Maßnahmen aufbegehren. Das Mitsotakis-Kabinett trägt unter seiner Zivilkleidung bereits Uniform.

• Und ganz besonders im Fokus der neuen Regierungspolitik: eine Anarchistengruppe mit Namen „Rouvikonas“ (zu deutsch: Rubikon), der Zusammenschluss von Menschen, der im syrischen Bürgerkrieg auf Seiten der kurdischen YPG-Miliz kämpft und der in Griechenland vor allem wegen seiner sozialen Aktivitäten bekannt geworden ist: wegen der Verteilung von Medikamenten und Nahrungsmitteln an verarmte Menschen in Griechenland. Dieser Beurteilung durch die griechische Regierung zufolge fiele demnach auch unsere Hilfsaktion „Helfen wir den Menschen in Griechenland!“ unter diese Kategorie! Heißt: auch wir, die HelferInnen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, sollen uns wohl allmählich an den Gedanken gewöhnen, gemäß Artikel 187a des griechischen Strafgesetzbuches, zu den neuen „Terroristen“ zu zählen. – Na, Dankeschön für diese Ehre, die uns da zuteil zu werden droht!

Muss ich ergänzen, dass wir uns damit ganz unverhofft wiederfinden auf der Seite der friedlichen, der sozial-engagierten, Anarchisten in Griechenland? Wohl kaum! – Ergänzt werden soll an dieser Stelle nur, daß selbst die SYRIZA gegen diese neue Diffamierungspolitik Einspruch erhoben hat – und sogar die Leninisten in diesem Mittelmeerstaat, ansonsten entschiedene Gegner jeglicher Sozialhilfen für die verarmten Menschen in Griechenland, die Mitglieder der KKE haben sich diesem Protest der SYRIZA angeschlossen. Wahrlich, überraschende De-facto-Koalitionen sind das! Aber: verwunderlich angesichts einer neuen Regierung, die Verhältnisse aus der alten Obristen-Zeit wiederherzustellen beginnt? Sei es, wie es sei: selbstverständlich setzen auch wir – mit unseren bescheidenen und friedlichen Mitteln – den Kampf gegen Armut und Verelendung in Griechenland fort!

Weshalb ich auch dieses Mal meinen Aufruf zu Spenden für unsere Hilfsaktion „Helfen wir den Menschen in Griechenland!“ erneuern möchte – und dieses Mal sogar besonders „kämpferisch“. Wie gewohnt also zum Abschluss dieses Berichtes alle erforderlichen Angaben dazu:
Wer uns Gelder für unsere Hilfe für Menschen in Griechenland zukommen lassen will, der überweise uns diese bitte unter dem Stichwort „GriechInnenhilfe“ auf das Konto:

Inhaber: IHW
IBAN: DE16 2605 0001 0056 0154 49
BIC: NOLADE21GOE

Wer eine Spendenbescheinigung benötigt – ab 201,- Euro erforderlich –, wende sich bitte an unseren Kassenwart Henry Royeck, entweder unter der Postanschrift Sültebecksbreite 14, 37075 Göttingen, oder unter der Mailadresse henryroyeck@web.de.

Und wer, wie gesagt, noch etwas mehr tun will: auch unser gemeinnütziger Verein, die „Initiative für eine humane Welt (IHW) e.V.“, ist immer wieder erneut auf neue Hilfsgelder angewiesen, zur finanziellen Absicherung unserer Arbeit ganz generell. Diese Spenden bitte dann an dasselbe Konto, wie oben angegeben, jedoch mit dem Stichwort „GR-IHW“ versehen. Es sei wiederholt: wir würden uns riesig auch über diese Unterstützung freuen.

Mit herzlichen Grüßen wie stets
Euer Holdger Platta

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