Beiträge von Roland Rottenfusser

Das Schreiben der Hoheit – ein Märchen (1/3)

Flagellanten, Holzschnitt 1493

„Eines Tages erhielt R., ein einfacher Mann aus dem Volk, Schreiner von Beruf, ein Schreiben der höchsten Majestät des Landes. Ein Bote klopfte an der Tür und überbrachte es, eindeutig ausgewiesen durch das kaiserliche Siegel. Der Brief, den R. andächtig und voll erregter Spannung entrollte, enthielt eine Vorladung, der Adressat möge sich unverzüglich am Kaiserhof einfinden, wo die Hoheit mit ihm zu sprechen wünsche. Verständlicherweise war R. sehr besorgt und fragte sich, was eine solch hochgestellte Person von ihm wolle, denn ein Anlass für die geforderte Unterredung war im Brief nicht angegeben. R. war sich keiner Schuld bewusst, er konnte sich aber auch nicht vorstellen, dass die Hoheit ohne Grund nach ihm hatte schicken lassen, und so durchwühlte er sein Gedächtnis nach Gründen, warum er möglicherweise in Ungnade hatte fallen können.“ Eine Erzählung von Schuld, Sühne und Vergebung. Ähnlichkeiten mit real existierenden Religionen wären rein zufällig. (Roland Rottenfußer) (mehr …)

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Gnade: Gutes nähren statt Böses strafen

Gemälde: „Die Heimkehr des verlorenen Sohnes“, Rembrandt

Wir können versuchen an unserer psychischen Gesundheit und spirituellen Entwicklung zur arbeiten. Trotzdem wäre es falsch anzunehmen, dass die Befreiung von Schuld und Schuldgefühlen allein von uns und unserer „Willenskraft“ abhinge. Vielfach wird in religiösen Schriften auf die Wirksamkeit einer Kraft hingewiesen, die wir nicht erzwingen und nicht steuern können, die uns jedoch unter bestimmten Umständen geschenkt wird. In einem altmodischen Begriff heißt diese Kraft Gnade. Gnade und Vergebung haben es nicht leicht in einer Welt, in der noch immer das Schuldprinzip dominiert. Dennoch sind sie notwendig, wenn wir die Wunden der Gesellschaft heilen wollen – und die in unserer Seele. (Neu bearbeiteter Auszug aus dem Buch „Schuld-Entrümpelung“ von Roland Rottenfußer und Monika Herz.) (mehr …)

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Die Halle der lebenden Toten

lanparty„Unvernünftige Eltern produzieren heute um ein Vielfaches mehr Jugendliche als unsere Wirtschaft in den nächsten Jahrzehnten jemals wird verwerten können.“ Tja uns was fangen wir dann mit dem ganzen überschüssigen Jugendlichenmaterial an? Die meisten der jungen Leute um die 20 haben die Antwort darauf längst selbst gefunden: Sie verbringen den Großteil ihres Tages vor diversen flimmernden Bildschirmen, vernachlässigen dabei ihren Körper und ihr soziales Leben. Die Offline-Welt hat wenig zu bieten, was sie von der Online-Welt weglocken könnte. Höchste Zeit, eine tragfähige gesamtgesellschaftliche Lösung für unser Jugendlichenproblem zu finden. Anna, die Freundin unsere Erzählers, eines freiberuflichen Journalisten, ist Sozialpädagogin und in wechselnden sozialen und pflegerischen Einrichtungen tätig. Ihr neuester Job ist für den Liebsten allerdings eine echte Überraschung: eine stationäre Aufbewahrungs- und Pflegeanstalt für Spielsüchtige. Zweifellos wird mit dieser relativ neuen Einrichtung unser gut funktionierendes Sozialsystem auf zeitgemäße Weise erweitert. (Satire: Roland Rottenfußer) (mehr …)

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Schuld-Entrümpelung

Aufräumaktion in unserer Seele: Auch von den Schuldgefühlen, die dort gelagert sind, können wir einige entbehren.

Aufräumaktion in unserer Seele: Auch von den Schuldgefühlen, die dort gelagert sind, können wir einige entbehren.

Die Menschheit lebt unter einer schwarzen und drückenden Schuldwolke. Wie jede Wolke hindert uns auch diese oft daran, die Sonne zu sehen. Viele seelische Erkrankungen wie Depressionen haben in Schuldgefühlen ihre unbewusste Basis. In den bleiernen Schuhen der Schuld kommt man nicht sehr weit auf seinem Weg. Behindert wird nicht nur berufliches Fortkommen, das sich Büßer schon aus Prinzip nicht gönnen; vereitelt wird auch jener Erfolg, den wir erleben, wenn wir Menschen durch Entfaltung unserer angenehmsten Wesenszüge erfreuen können. Dies ist umso schlimmer als ein Großteil der Schuldgefühle, mit denen wir uns herumschlagen, völlig unnötig sind. Höchste Zeit, aufzuräumen und zu entrümpeln! Das Buch zum Thema von Roland Rottenfußer und Monika Herz erscheint am 19.12.2016 im Goldmann Verlag.  (Roland Rottenfußer) (mehr …)

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Musik gab Kraft in dunkler Zeit

Das Endres-Quartett in jungen Jahren. Josef Rottenfußer: 2. v. links

Das Endres-Quartett in jungen Jahren. Josef Rottenfußer: 2. v. links

Roland Rottenfußer erinnert an seinen unlängst verstorbenen Vater Josef Rottenfußer. Dabei gehen seine Betrachtungen durchaus über den Einzelfall hinaus. Wie macht sich ein Kriegsschicksal des Vaters im „Familiensystem“ bemerkbar? Was trennt die Kriegs- von der Nachkriegsgeneration, und wie ist trotzdem ein Brückenschlag möglich? Welche Schlussfolgerungen kann man aus den Erzählungen von Kriegsteilnehmern für das Verständnis heutiger Politik ziehen? Josef Rottenfußers nur privat veröffentlichte Autobiografie durchzieht jedoch auch ein „lyrisches Motiv“. Sie handelt von einem jungen Mann, dem in der fast unerträglichen Situation der Kriegsgefangenschaft die Musik Kraft gegeben hat. Dieses Vorwort des Sohnes zur selbst publizierten Autobiografie „Ein Musikerleben“ entstand im vorigen Jahr. (Roland Rottenfußer) (mehr …)

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Der Kandidat – «nennen Sie die Art des politischen Notfalls!»

Holografischer Doktor in "Star Trek: Voyager". So darf ein Holo-Politiker natürlich nicht aussehen.

Holografischer Doktor in „Star Trek: Voyager“. So darf ein Holo-Politiker natürlich nicht aussehen.

Die SPD hat sichtlich Probleme, einen geeigneten Kanzlerkandidaten zu finden. Nicht nur fehlt eine zugkräftige Person, die das Zeug zum Kanzler hätte – dies ist ja nicht ernsthaft intendiert –, nein: niemand ist in Sicht, der auch nur den Eindruck erwecken würde, die Kanzlerschaft ernstlich zu wollen. Da die Personaldecke (und die politische Substanz) in der deutschen Sozialdemokratie äußerst dünn ist, hat man schon begonnen, im Europaparlament nach einem Retter zu fahnden. Wozu die unwürdige Quälerei? Die moderne holografische Technik ermöglicht es, den idealen Kandidaten zu kreieren, eine Lebensform, die garantiert innerhalb der erwünschten Parameter funktioniert. (Satire: Roland Rottenfußer) (mehr …)

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Agressoenergetik – die neue Dimension der Schattenarbeit

Mal auf eine Merkel-Puppe draufhauen, Dampf ablassen – und dann geht alles weiter wie vorher

Mal auf eine Merkel-Puppe draufhauen, Dampf ablassen – und dann geht alles weiter wie vorher

Immer wenn Menschen am Arbeitsplatz oder im sozialen Leben Opfer von Diskriminierungen werden, machen sich Therapeuten an die Arbeit. Ihre Anstrengungen gelten allerdings nicht der Veränderung der Systeme, nein, verändert werden soll das Bewusstsein der Opfer, die zur Verarbeitung negativer Reize und zur Akzeptanz des Unvermeidlichen angehalten werden. Die neueste Therapieform, höchst effizient zur Befriedung heftiger Emotionen, nennt sich Agressoenergetik. Roland Rottenfußer hat ein Seminar besucht. (Satire: Roland Rottenfußer) (mehr …)

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«Geister der Leere» – eine politische Gruselstory

Sind die Menschen, denen wir begegnen, überhaupt noch "sie selbst"? (Gemälde: Edvard Munch)

Sind die Menschen, denen wir begegnen, überhaupt noch „sie selbst“? (Gemälde: Edvard Munch)

Zu Halloween möchten wir unseren Leserinnen und Lesern natürlich etwas Passendes und ganz Besonderes bieten. Geisterstunde auf „Hinter den Schlagzeilen“. Das bedeutete aber nicht, dass wir unpolitisch geworden wären. Wer genau liest, kann in dieser Satire von Roland Rottenfußer gar nicht einmal so subtile Anspielungen auf politische Verhältnisse herauslesen. Warum, zum Beispiel, wirken bestimmte Politiker, die wir früher durchaus als aufrechte Idealisten gekannt hatten, nach kurzer Amtsausübung „wie ausgewechselt“? Furchtlos deckt der Autor die bisher verborgenen okkulten Hintergründe des Neoliberalismus auf, und das Ergebnis ist – der blanke Horror. (Roland Rottenfußer) (mehr …)

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Feindbild Jugend

jugendliche-150x150Sie werden gefürchtet und verachtet, beneidet und schamlos ausgenutzt: Jugendliche sind für Erwachsene noch immer weitgehend unverstandene, fremdartige Wesen. Angestachelt durch medial aufbereitete Gewalttaten, hat sich in den letzten Jahren eine regelrechte Jugendphobie herausgebildet, die diskriminierende Züge annimmt. Dies ist kein Widerspruch zum allgegenwärtigen „Jugendwahn“. Beide sind nur zwei Seiten ein- und derselben Medaille. (Roland Rottenfußer) (mehr …)

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Dan Browns Flirt mit dem Inhumanen

Tom Hanks und Felicity Jones hasten durch ein Museum

Tom Hanks und Felicity Jones hasten durch ein Museum

„Inferno“, der vierte Roman Browns um den rührigen Symbolforscher Robert Langdon, wurde wieder zu einem kalkulierten Welterfolg. Der wurde jetzt in gewohnt professioneller Manier mit Tom Hanks in der Hauptrolle verfilmt. Doch ist Erfolg gleich Qualität? Natürlich kann man von dem Blockbuster-Autor keine Weltliteratur vom Format Dantes erwarten; aber selbst für einen Kulturthriller birgt „Inferno“ erhebliche Glaubwürdigkeitslücken: Konstruierte „Twists“, ein Klassiker, der als Steinbruch für Rätselspielchen dient, Actionszenen auf florentischen Monumenten, ein Unhold, dessen perfider Plan die Menschheit bedroht … Hier immerhin wird es wirklich interessant. Das Thema Überbevölkerung berührt einen wunden Punkt. Verschließen wir alle unsere Augen vor einem Inferno, das schon in naher Zukunft droht? Und wenn ja: Wie können wir gegensteuern, ohne alle Grundsätze der Humanität aufzugeben? (Roland Rottenfußer) (mehr …)

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