Beiträge von Holdger Platta

Stromsperren: schlimmer als Knast

schwarzAus Anlass des erschütternden Todes eines Paares, der auf Stromsperrung infolge sozialer Not zurückgeht (siehe Artikel hier), wiederholen wir hier den hervorragend recherchierten Artikel von Holdger Platta zu diesem Thema. Das Recht auf Leben und die Menschenwürde existieren in unserem Staat nur noch innerhalb bestimmter, von den Behörden definierten Grenzen. Und dass Hartz IV mittlerweile tötet, ist keine rhetorische Übertreibung einiger linker Aktivisten. (Holdger Platta) (mehr …)

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Ypsilon über eine Scheinfrage

YpsilonBildEs sagte die Gastgeberin zu Herrn Ypsilon über den eingeladenen Künstler: „Finden Sie nicht auch, ein ausgesprochen unscheinbarer Mensch!“ Herr Ypsilon drehte sich um und betrachtete den kleinen Mann, der gerade in einem Kreis recht aufgedonnert geschminkter und affig gestikulierender Frauen stand. „Ich geben Ihnen recht“, sagte Herr Ypsilon, „ein sehr unscheinbarer Mensch. Man könnte den Eindruck haben, er befände sich gerade unter lauter scheinbaren Menschen.“
(Holdger Platta)

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Holdger Platta: Die Gespräche des Herrn Ypsilon

YpsilonHiermit stellen wir den Zeitgenossen Ypsilon vor: übergewichtig und voller Sarkasmus, melancholisch und voller Aufsässigkeit, kritisch und voller Philantropie, manchmal tieferen Sinns und manchmal auch nur albern (ohgott: ob das durchgehen wird?). Ergo: ein Kritiker mit Empathie und Grips, ein Spaßvogel, der immer mal wieder auch auf der Kalauer liegt. Ein bißchen dürfte er Nachfahre der Herren Hinze und Kunze sein, dieser Herr Ypsilon (die beiden anderen sind erfunden worden von Volker Braun), mit Sicherheit auch ein bißchen Nachfahre der Brechtschen Keunerfigur. Fortan soll also Herr Ypsilon bei uns die Welt kommentieren, immer mal wieder, und zwar weit über die Tagesaktualitäten hinaus: als Wortverdreher und Sprücheklopfer, der sein Tagesgeschäft darin sieht, die Sprüche der Welt abzuklopfen, damit aufs deutlichste die Verdrehtheit der Welt zum Vorschein kommt. Viel Spaß mit diesem Herrn Ypsilon, einem Mann, der die Last der Welt wie einen Kleiderschrank durch seine Geschichten trägt, viel Spaß mit einem Atlas also im Wohnstubenformat! (Holdger Platta) (mehr …)

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Holdger Platta: zwei Friedensgedichte

Es tut gut, über aufmarschierte Menschenmassen zu verfügen wie über leblose Gegenstände

Es tut gut, über aufmarschierte Menschenmassen zu verfügen

Anlässlich von Eulenfeders Serie „Wehrzersetzung“, in der dieser sich mit Erlebnissen beim Militär beschäftigte, bot Holdger Platta zwei Gedichte aus seinem Band „Das Blaue vom Himmel“ zur Wiederveröffentlichung an. Wieder ist jedes Wort so wohl gesetzt, dass es Neben- und Mehrfachbedeutungen offenlegt. Mehrmals drüber nachdenken lohnt sich wie bei allen guten Dichtern.

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Lauter Amerikaner

Unsere Macho-Vorfahren nannte dieses Gebäck "Amerikaner", heute heißt es natürlich "Amerikaner_in"

Unsere Macho-Vorfahren nannte dieses Gebäck „Amerikaner“, heute heißt es natürlich „Amerikaner_in“

Zugegeben: hier wird einmal ganz subjektiv auf jenes Land geblickt, das sich selber gerne als „Amerika“ tituliert, obwohl es doch eigentlich nur ein Teil des Doppelkontinents Amerika ist – auf die Vereinigten Staaten von Amerika. Und: es werden, in der Gestalt von Alltagserfahrungen, fast ausschließlich Erlebnisse geschildert, die unser Autor Holdger Platta – als Jugendlicher, also Anfang der sechziger Jahre – mit einigen Angehörigen dieser Nation hatte. Mag jeder selber entscheiden, was da der Zufallsgenerator Leben unserem Mitarbeiter an Begegnungen und kleinen Geschichten zukommen ließ, an Begebenheiten, die mit US-AmerikanerInnen zu tun haben – die Frage also: handelt es sich hier um völlig atypische Erfahrungen oder doch irgendwie um ziemlich repräsentative Fakten? „Literatur sagt ihre Wahrheit, indem sie ihre Wahrheit erzählt.“ An diese Maxime hat sich der kleine autobiografische Text von Holdger Platta jedenfalls sehr konsequent gehalten, und zwar ohne selektive Tricks. Alles ist tatsächlich so passiert, nichts wurde ausgelassen, nichts hinzugefügt, die drei geschilderten Mini-Episoden geben demzufolge vollständig wieder, was der Autor während seines sechzehnten bis achtzehnten Lebensjahr so mit AmerikanerInnen erlebt bzw. wie er sie erlebt hat. Ausgelassen hat er nur den Kintopp, egal, ob sich es um Filme mit John Wayne handelte, Westernschinken also, in denen die Indianer meist wie die Fliegen starben, als ob sie keine Menschen gewesen seien, oder um Filme mit Gregory Peck, in denen das schon deutlich anders aussah. (Holdger Platta) (mehr …)

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«Revolutionäres Bewusstsein»

Opfer der Roten Khmer, Kambodscha

Opfer der Roten Khmer, Kambodscha

Wer „links“ ist, wähnt sich oft auf der sicheren Seite. „Historisch belastet“, das sind alle anderen: die konservativen, die religiösen oder wirtschaftsliberalen Strömungen. Als hätte es keinen roten Terror unter Lenin gegeben, kein Gulag-System unter Stalin, keine Massenhungersnöte unter Mao und keine Felder voller Totenköpfe unter Pol Pot. All diese Phänomene nahmen ihren Anfang in dem Ruf nach Revolution, nach einer gerechteren Welt. Wenn wir derartigen „Revolutionären“ nicht wieder aufsitzen wollen, müssen wir sehr genau aufpassen, nicht nur, was jemand sagt, sondern auch wie er es sagt, müssen Grausamkeit und Machtgelüste durchhören und neben unserem Verstand auch unser Herz und unsere Intuition wach halten. Anmerkungen zu oft unbeachteten Aspekten eines linken Wertbegriffs (Holdger Platta) (mehr …)

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Wann darf man von »Faschismus« sprechen?

"Das gibt's nur einmal, das kommt nicht wieder." Oder?

„Das gibt’s nur einmal, das kommt nicht wieder.“ Oder?

Faschismus? Das war früher mal. Und außer dem zum Glück verstorbenen Herrn Hitler gab und gibt es eigentlich kaum irgendwo Faschisten. Was er getan hat, war auch so furchtbar, dass gerade diese Furchtbarkeit die beste Garantie dafür zu sein scheint, dass dergleichen nie wieder passieren kann. Wenn also Faschismus ein so singuläres historisches Phänomen war, dann kann man verstehen, dass bestimmte Leute schwer beleidigt sind, wenn man ihre Äußerungen zum faschistischen „Vorfeld“ erklärt: zu etwas, was – weiter gedacht – Terrorstaat und Menschenvernichtung den Weg bereiten könnte. Wie sieht es z.B. aus mit dem Massenverelendungsprogramm Hartz IV, das direkt oder indirekt in Deutschland schon ein ganze Reihe von Todesopfern gefordert hat? Holdger Platta spricht sich gegen eine zu eingeschränkte Verwendung des Faschismusbegriffs aus und fordert: „Wehret den Anfängen!“ (mehr …)

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Die Lügner des Richtigen

BiedermannBrandstifterEs tut mir leid: so erfreulich man’s finden mag, daß jetzt selbst Leute wie Walter Steinmeier und Gerhard Schröder gegen PEGIDA öffentlich Stellung beziehen – zweierlei stört mich ganz gewaltig dabei: erstens, daß sie’s ausgerechnet in der BLÖD-Zeitung tun, in einem Lügenblatt, das selber so manches beigetragen hat zur Fremdenfeindlichkeit in unserem Land. Und zweitens: daß ausgerechnet solche Figuren wie Schröder und Steinmeier das tun. (mehr …)

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Frohe Weihnachten in unfroher Zeit

Genau so haben wir uns Kapitalisten immer vorgestellt: Dickens Figur "Scrooge"

Genau so haben wir uns Kapitalisten immer vorgestellt: Dickens Figur „Scrooge“

Wie in drei Festtagsfilmen das Böse des Kapitalismus überwunden wird. Alle Jahre wieder rühren drei Filme, die bevorzugt zur Weihnachtszeit ausgestrahlt werden, die Fernsehzuschauer zu Tränen. Es handelt sich um „Ein Weihnachtslied“ (in verschiedenen Versionen verfilmt nach der gleichnamigen Großerzählung von Charles Dickens), um „Ist das Leben nicht schön?“ (einen Film von Frank Capra, gedreht im Jahre 1946) und um „Der kleine Lord“ (einen Film der britischen BBC aus dem Jahre 1980, nach einem Kinderroman der Autorin Frances Hodgson Burnett). Und der Autor dieses Beitrags nimmt sich von dieser Rührung keineswegs aus. alle diese Filme erzählen uns auch – in verschiedenen Varianten – die Geschichte von einem glückhaften Sieg über den Kapitalismus. Ein Anlaß also, über all diese Filme zu spotten? (Holdger Platta) (mehr …)

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